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Jeschurun · 1918-11-01 · Heft 11-12 (November 1918) · p. Seite 685

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 11-12 (November 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 685 (sequence 77)
Language
German
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Die Juden in Enßland nnd Polen. 685 mehr eingeschränkt, bis sie schließlich von Nikolaus I. im Jahre 1844 aufgehoben wurden. Die nichtjüdische Umgehung. Dies mag für das äußere Tätigkeitsgebiet der jüdischen Autonomie genügen. Das bestimmende Element für das Innenleben, für die geistige Entwickelung der polnischen Judenheit, war nicht weniger bedeutungsvoll, wenn es auch vorzugsweise einen negativen Charakter trug. Es war das Fehlen eines starken Kulturdruckes seitens der nichtjüdischen Umgebung.. Vor dem sechzehnten Jahrhundert war *die polnische Kultur von nur geringer Bedeutung und hatte überdies noch kein bestimmtes nationales Gepräge angenommen. Der Mittelstand,, der aus deutschen Einwanderern bestand, hielt noch seine Beziehungen zur deutschen Kultur aufrecht. In einem etwas früheren Zeitpunkt war Deutsch die Sprache der Hofe und sogar der Kirchen gewesen, während die polnische Sprache,, wie wir schon bei einer früheren Gelegenheit gesehen haben, erst im sechzehnten Jahrhundert mit dem Anspruch auftrat, ein Literaturmedium zu sein, und dazu noch diese Ehre mit dem Lateinischen teilen mußte. Hiervon abgesehen, war Bildung wie jedes andere Vorrecht in Polen das Monopol der Schlachta, während die Bürger davon ausgeschlossen waren. Dieser Zustand in Verbindung mit dem gesellschaftlichen Bann, der auf den Juden lag, machte es für diese erforderlich und möglich, ihren alten Dialekt zu bewahren, die deutsche Muttersprache, die sie aus Deutschland mit sich hinübergebracht hatten. Durch Vermischung mit hebräischen und slaviscfien Bestandteilen hatte sich diese rein-deutsche Sprache nach und nach in Jargon, das ״Jüdische“, verwandelt. Es mag paradox klingen, ist aber dennoch nicht weniger wahr und zeigt sich in gleicher Stärke auch bei andern europäischen und orientalischen Sprachen, die die Juden während ihrer Zerstreuung angenommen haben, daß der jüdische Dialekt seiner sprachlichen Quelle näher steht als die deutsche Sprache. Denn der deutsche €rrundstock des jüdischen Dialekts, den die Juden im zwölften

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