Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 676 (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
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6j6 Erziehungsfragen. Zahl noch viel zu gering ist) so einrichten, daß alle Gesetzestreuen auch die indolenten, der Segnungen einer aktivistischen Richtung im Unterricht teilhaftig werden — seihst widerwillig oder ohne ihren Willen. Freilich nützen selbst Schulen mit den feesten Lehrern und dem vollendetsten Lehrplan nichts, wenn die Eltern es vorziehen, ihre Kinder auf die nichtjüdischen Schulen zu schicken, ohne durch privaten Unterricht, der aber fast nie ausreicht, den hebräischen Fächern zu ihrem Recht zu verhelfen. Hier ist ein völliger Gesinnungswechsel, ein edler Willensentschluß notwendig. Auch dies ein Hebel; an dem unsere großen gesetzestreuen Organisationen, insbesondere die Aguddas Jisroel ansetzen müßten. Die Organisationen müßten bald zu wirklich gesetzgebenden Körperschaften gleichsam zu Staaten werden, denen Legislatur und Exekutive, ihren Mitgliedern ״Bürgern“, gegenüber zustände. Oder —- was noch besser wäre — wir sollten uns alle verpflichten, ein Programm der Erziehung, das der nächste Weltkongreß der A. J. aufstellt, für uns anzunehmen. WTenn dieser Wille vorhandenist, wird sich Zeit, Geld und alles, woran es angeblich jetzt mangelt, finden. Wohl bin ich mir bewußt, daß diese Forderungen wenig Aussicht auf Erfolg haben. Aber ich gebe zu bedenken, daß alle Arbeit nichts nutzt, wenn sie auf dem Fundament der Unwissenheit ruht. Wie oft habe ich in Rußland eine starke Abneigung gegen die Frömmigkeit, die nicht aus Thorawissen gespeist wird, wahrgenommen. — Mit der Sprache als ihrem Träger soll die Hebraisierung sichtbar anheben. Dann bleibt freilich noch das meiste zu tun. WTie weit man von jüdischem Geist entfernt sein kann, wenn man ein fehlerfreies Hebräisch spricht und schreibt, davon legen leider zu viele Autoren des Ostens Zeugnis ab. Mit der hebräischen Konversation und der Fähigkeit, seine Novellen, die man sonst deutsch, russisch oder jiddisch schreibt, hebräisch zu verfassen selbst wenn diese sich eigenartigen, jüdischen Stoffen zuwenden, ist noch nicht viel gewonnen. Nicht die Belletristik schafft die jüdische Geistesprägung, nicht das Hebräische ist der erschöpfende Ausdruck des gesamten jüdischen Kultur-