Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 610 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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<5io Der Völkerbund im Lichte des Judentums. und politischen Umwälzung eine geistige von ungeheurer Tragweite. Der ganze Bau der Bismarckschen Geschichtsanschauung, daß „Blut und Eisen“ die großen JFragen der Weltgeschichte lösen, da stets dem Siegeswürdigsten auch der Preis zufalle, — er mußte ins Wanken geraten für jeden Deutschen, der die Niederlage sah und doch wußte und fühlte, daß Deutschland nie größere Stärke bewiesen, sich nie des Sieges werter gezeigt als in diesem Kampf gegen eine Welt. Wie, wenn nun die Poincare und Lloyd George ernst machten mit jener Bismarckschen Anschauung, um den Staat der Helden und der Dulder zu zerstückeln oder zu lähmen? „Den Lebenswürd’gen sollt’ der Tod erbeuten?“ Niemandem wäre der Gedanke faßbar gewesen — als Menschen und als Deutschem. Und so erhob sich aus dem Trümmerfeld zerstörten Glückes und geknickter Hoffnung immer gewisser der Glaube an die Notwendigkeit eines unzerstörbaren Rechtes der Völker und an einen Völkerbund, der es verbürgt. „Siehe, der Allherr, der Ewige der Heerscharen, entzweigt die Laubkrone mit Schreckensgewalt, und die Stolzragenden sind geknickt, die Hohen erniedrigt — da sproßt ein Reis aus Jischais Stamm, und ein Schoß treibt aus seinen Wurzeln“ ... Es ist inzwischen Chanuka geworden. Wir bleiben nicht mehr im Gotteshaus. Nach außen flimmern unsere Lichtlein. Sie dürfen es: sie müssen es. Denn sie verkünden der Welt, was wir Jahr um Jahr an diesem unserem Siegesfeste als Warnung vor falscher Geschichtsauffassung aus unserem Propheten hörten: „Nicht durch Heeresmacht und Stärke: durch meinen Geist, spricht der Ewige!“ So gilt es denn das geschichtliche Anrecht des Judentums auf den Völkerbundsgedanken darzutun. Es gilt zu zeigen, daß das Griechentum ihm zwar nahekam, ihn aber nicht erfaßt hat und nicht erfassen konnte. Es gilt, den Zusammenhang der prophetischen Hoffnung mit den Leitgedanken der Lebensanschauung des Judentums zu entwickeln und auch zu fragen, ob das Christentum, das den Wirkungs-