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Jeschurun · 1918-10-01 · Heft 10 (Oktober 1918) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 10 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Stefan Zweig s ״Jeremias“. 559 Anfangszeit gekürzten Tätigkeitsprogramms und vereinfachter Verfassung hinweg, sich nur allmählich zu einer Wirksamkeit in breiterem Ausmaße durchringen zu können. Denn vorläufig gehört, wie ich ohne weiteres zugebe, ein ziemlicher Mut dazu, den in ״ Gottes Volk״ niedergelegten Ideen, soweit sie über Bekenntnis und Kritik hinausgehen, voll zuzustimmen und ein עולה zu werden, und — solcher Mut ist bekanntlich nicht jedermanns Sache. Stefan Zweig's ״Jeremias“. Dramatische Dichtung in neun Bildern. Besprochen von Dr. Armin Blau, Hamburg. Alle dramatische Kunst ist bekanntlich aus dem Religi- Ösen hervorgegangen. Und dennoch wird die Dramatisierung biblischer Persönlichkeiten immer problematisch bleiben. Von jeder großen Gestalt der Bibel tragen wir ein festumrissenes, fast körperhaft erschaubares Bild in uns. Wir stellen uns einen Moses, einen David, einen Salomo fast bis auf die Ge־ sichtszüge genau vor — aber dramatisches Leben und Handeln diesen Gestalten auf der Bühne glaubhaft zu verleihen ist bis jetzt kaum einem gelungen. Meist handelt es sich bei poetischen Versuchen in dieser Richtung um die Erstiingsleistungen junger Dichter (auch der junge Goethe hat einige epische Versuche), die hierin ihren poetischen Drang und religiösen Überschwang entladen wollen, um mehr lyrisch-epische Ergüsse, die, der übergeschwängerten Phantasie des Verfassers ent- Sprüngen, wenig lebensfähige Charaktere auf die Bühne bringen, (Man denke nur an die zahlreichen ״Esther״-Dramen, an die unzählbaren ״David״ ,-״Saul״ ,-״Ahasver־״Epen.) Was mag die Ursache dieser offenbaren Gestaltungssprödigkeit biblischer Helden sein? Ist es bloß Ohnmacht des Dichters? Dann

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