Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 8
- Date
- 1919-01-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2828641-2828642-2828650--407-3528706- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Eines darf nicht unerwähnt bleiben: Parteiarbeit ist nicht lediglich »Politik4« es sind alle Mittel der Verwirklichung, auch die im Verhältnis zu den politischen geistigeren, wie Kultur-, Jugend^," Erziehungsarbeit. Wohl denjenigen, denen vom Schicksal das Los solcher Arbeit zugefallen ist. Und dreifach wehe denen, die gezwungen oder, noch schlimmer, die freiwillig gegen ihre Natur und Begabung die politische Arbeit erwählt haben! Kein schönrer Tod ist es, nunmehr nicht nur für den alten, sondern auch für den jungen Juden, als in Erez Israel zu sterben. Ein Glück auch noch, auf einem Schlachtfeld des Geistes in Europa zu fallen. Verdammt aber der, der aus Ekel und Bitternis im Sumpf der europäischen Politik ersticken muß, aufrecht und ungebeugt und ohne zu versinken. Die »neue Jugend« wird dieses Schicksal nicht erfahren. Sie hat fünf Jahre fürs österreichische oder deutsche Vaterland mit mehr oder minder Begeisterung gekämpft und liebt seither die Schlachtfelder nicht; schon gar nicht die des Geistes. Mit unserer Dienstpflicht sind wir darum fünf Jahre zu spät gekommen; wir hätten uns die durch keine Strafsanktion eines Wehrgesetzes und Einberufungsbefehles gefährlich werdende Absage schon 1914 holen können. Sie ist äußerst weit- und lebekundig, diese neue Jugend, und sie versteht auch zu rechnen, sogar mit politischen Erfolgen. Sie ist sehr moralisch — wo es nicht sie angeht — und macht nichts umsonst, in keiner Beziehung. Sie will genießen, unter anderem auch zionistisch. Sie ähnelt frappant ihren Vätern. Wir dürfen uns also freuen; durch diese Jugend werden wir auch die Väter, beinahe das ganze Diasporajudentum gewinnen und mit ihr — Zion verpesten! Ob die Jugend des Ostens und Palästinas stark genug sein wird, dieser Gefahr zu begegnen : Und ob besonders die östliche Jugend, die, wie vor fünf Jahren die westliche, dem falschen Patriotismus, dem falschen Sozialismus, der furchtbarsten Verzerrung einer Idee : dem Bolschewismus, standzuhalten hat, diese Prüfung bestehen wird? Diese Monate der Entscheidung sind die furchtbarsten, die das jüdische Volk vielleicht seit Jahrhunderten erlebt hat. Auch die innere Schicksalsfrage des Judentums und seiner Jugend lautet heute in polarer Unbedingtheit : alles oder nichts! Albrecht He 11 mann. AUSSCHNITTE AUS DER ZEIT Aus einem jerusalemer Briefe der allerletzten Tage : »Herrn X. Y. geht es ausgezeichnet. Er hat eine Filmgesellschaft gegründet und macht sehr gute Geschäfte . . . Der kleine Yemenite Aharon ist verhungert . . . « Vorgeschichte: Herr X. Y. hatte es übernommen, für den kleinen Yemeniten zu sorgen. In Sichron Moscheh stirbt ein jüdischer Mensch. Oben auf dem Berge steht grinsend jüdisches Kapital und kurbelt, kurbelt, kurbelt. »Sensation! 255