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Esra · 1919-01-01 · Heft 8 · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Esra
Volume
1 (1919-1920)
Issue
Heft 8
Date
1919-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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etwa die Erscheinung dieses und jenes Einzelnen unter ihnen widert mich nur an, sondern die Betriebsamkeit, die in ihrer Gesamtheit sich zum Ausdrucke bringt. Denn was ist es, das sie wollen? Sie wollen die Erniedrigung des jüdischen Volkes zur Verworfenheit der übrigen »zivilisierten« Völker. Die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina durch dieselbe ignorante Politik, durch die die Menschheit mit Europa unterzugehen droht. Das wollen sie und demgemäß geht ihr Streben nicht dem Judentum zu, sondern von diesem ab. Abtrünnige sind sie, die der Schmach ihres Abfalles einen schönen blau-weißen Mantel des Idealismus umhängen wollen, während ihre innerste Seele ihnen sagt, daß sie glatte Lügner sind. Du aber sagst mir mißverstehend grinsend, auch ich wolle die Gemeinde in Palästina, auch ich wolle die Arbeit in Palästina, auch ich wolle die volkhafte Heimstätte in Palästina, und so wollen wir dasselbe und tragen somit zu Recht den gleichen Namen. Aber ich sage dir : lieber will ich, daß gar keine Gemeinde von Juden in Palästina sei, lieber daß die Juden keine volkhafte Heimstätte haben, als daß sie sie um den Preis erwerben, den ihr nicht nur zu zahlen denket, sondern nach dem ihr sogar als nach einem Ziele ringet. Den Preis: zu sein wie die anderen Völker. Aber, sagst du mit dem immerwährenden Hohn auf den Uppen, wir Juden sind doch wie alle anderen Völker, oder meinst du, daß wir das auserwählte Volk seien? Ja, Feind, die Juden sind wie die anderen Völker, die Juden sind genau so wie jede Menschengemeinschaft, die Juden sind wie jeder Mensch und jede Menschengemeinschaft, auserwählt, die auserwählte Gemeinschaft, der auserwählte Mensch, das auserwählte Volk, auserwählt unter allen Habgierigen der Habe zu entsagen, auserwählt allein unter allen Lügnern, für die Wahrheit zugrundezugehen, auserwählt allein unter allen auf alle Vorteilsucht zu verzichten. Das Volk, dem diese Auswahl fehlt, ist abgefallen und verkommen und sein Bestand ist nur Schein. Solche Abtrünnlinge züchtet die Machtpolitik, der man uns in die Arme treiben will. Das allein ist doch das Elend der Knechtschaft und Gebundenheit, daß die Einzelnen und die Gruppen stets sagen: > Warum gerade ich?« wenn sie die Forderung fühlen. Gut, sagst du, Feind, so seien wir das auserwählte Volk oder nicht, was hindert dies die öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte zu wollen und zu erstreben. 245

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