Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 8
- Date
- 1919-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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sollen die gewaltigen Summen kommen, die es ermöglichen könnten, den ganzen palästinensischen Boden jetzt und auf einmal für die jüdische Nation anzukaufen? Wer seinerzeit die völlige und sofortige Sozialisierung des Bodens in Palästina forderte, rechnete mit einer bald eintreffenden Weltrevolution, aus deren Händen wir Palästina bekämen. Wer sich aber mit praktischen Fragen der nächsten Zukunft befaßt, kann mit dieser Weltrevolution für die nächsten Jahre nicht wie mit einem realen Moment rechnen. Wer sich zu einem Palästina aus den Händen der »Sieger« und zu ihren Bedingungen entschließt, muß sich damit abfinden, das sich zunächst neben dem nationalen Bodenbesitz, der in Erbpacht oder sonstwie der Arbeit übergeben werden wird, sowohl kleine wie auch große Privatbesitzungen ankaufen werden. Kein Mensch wird danach fragen, ob das jüdische Volk damit einverstanden ist, ebensowenig wie man das jüdische Volk gefragt hat, ob es mit der zionistischen Politik, mit dem Gang der zionistischen Sache, mit den zionistischen Führern und mit dem ganzen speichelleckerischen* Gebaren einverstanden ist. Wer sich aber entschlossen hat unter diesen Umständen trotzdem das Lager nicht zu verlassen, sondern nach Möglichkeit das Seinige beizutragen, um die erwünschten Zustände herbeizuführen, muß sich eben mit den Sachen wie sie sind und wie sie voraussichtlich in der nächsten Zeit ablaufen müssen (äußerlich) abfinden, mit ihnen rechnen, um sie wo nötig nach Kräften bekämpfen zu können. Sträflich wäre es, sich von einem falschen Optimismus beschwichtigen zu lassen. Ganz gewiß wird es in Palästina zu den schlimmsten Dingen kommen, wenn nicht dagegen gearbeitet werden wird.* Grauenhaftes ist für Palästina zu befürchten, daß sich dort nämlich die Schieber aller Länder in heiliger Eintracht vereinigen, um sich in all ihrer Erbärmlichkeit, ungestört auswüten zu können, auf Kosten unserer kostbarsten Mannschaft, die Leben und Freude opfernd, den Schiebern bloß zum Spott und zur Belustigung dienen wird. Es ist kein geringes Unglück, daß der Zionismus in letzter Zeit bei einer gewissen Kategorie unserer »Volksgenossen« Anklang findet. Die Hyänen, deren Hände von Fett und Blut triefen, schauen jetzt nach neuen Raub aus, wollen ihre eigene Sippe angreifen *) Max Nordau empfing, wie das Londoner Jüdische Korrespondenz-Bureau meldet, am 19. Dezember die Vertreter der englischen Presse und sagte u.a.: »Wir dachten, daß der Messias ein Individuum sein werde. Heute fühlen wir, daß er eine kollektive Einheit und sein Name England sein dürfte.« 239