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Jüdische Rundschau · 1925-10-02 · Heft 77-78 (2.10.1925) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 77-78 (2.10.1925)
Date
1925-10-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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FÄm.clnvtmrnct 0,40 Goldm.irh ^rJ <:^i:,c wlaktion und Verlag W 15, Mcinckcslraße 10. Erscheint [5 i j Dienstag und Freitag. Bczug»prcl» bei der Expedition y l0fl»tl»cb 1.85 Goldmark. Vicrteli ährlich 5.25 Goldmark. P f nadi»*"0"*10*011 w*r(^ta a der eLu«lsca Ltnder berechnet || , Hümmcr 77/78 | Berlin, 2. X-1925 fj ,„ Ii Telephon: IVir,mnrk"7165-70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. AnZCI^CIl-Verwaltung H Fflr Orricrrairli: ."«■Uti.iUmcii.kiI W.en, Konto Nr. lV.fUO. ■ JüdischeRtmd.chaaG.ni.b.H.,Berlin W15.Mcinckestr.10 | & Telephon: Amt Bismarck 7165—70. gj Redaktionsschluß Sonnt/ajJ und Mittwoch nachmittag. Anx«lg«nprd«:8|J«*p«lLNonp»r«Ill«z«U«0.30G^-M.Sunenjeiuch«0,25G.-M. fä "'' " "" "' rr***^..... - 2=r-"-~ v... t^a^a Anxdä.nictJnllj DUmtatf uod Fr.U.tf o.ehtnlttatf 4 Uhr. fj Y'DTl »'HtPH V XXX. «Jahr£. Zionismus erstrebt für das jüdische Molk dto Schalung einer ßf?cnt3ich rechtlich gesicherten KcteasiSSto In Palästina. „Caseier Programm," *jS8ü§-Cesi& am 2t. ®£L in m I Wie der J.T.A. kurz vor Redaktionsschluß aus %is depeschiert wird, wurde in der Sitzung der Exe- -^tive, die am 1. Oktober in Paris tagte, beschlossen,! %» nächste Sitzung des Aktions-Comites, in welcher I |: neue Exekutive gewählt werden soll, für den I fi.Oktober d. J. nach Berlin einzuberufen. Registrierung der Jerusalemer Universität Dieser Tage wurde die Hebräische Uni vertat in Jerusalem von der Regierung als gc- •innützige KulturgcscIIschaft mit den solchen Gcscllhaften zustehenden Privilegien registriert -i | Am 23. und 24. September fand in M ü n c h c n eine Sitzung Komitees der Jerusalemer Hebräischen Universität statt, '•der die folgenden Mitglieder des Komitees teilnahmen: 'ofessor Albert Einstein, Nahum Sokolow, J, L. .igncs, Judgc G. Mack, Professor Ehr mann (Bcrlui), -I.Landau (Berlin), Professor Horowitz (Frankfurt),;;:fcssor Landau (Göttingen), der Direktor des Chemischen;:i!uts der Jerusalemer Universität, Professor Fodor, Dr. •:hlössingcr (Haag), Professor Ornstcin (Utrecht), xic der Sekretär des Univcrsitäts-Komitccs, Leo Cohn. | Zur Beratung standen außer Fragen der Administration und Budgets die Fragen der Gründung neuer Universitätsn :itutc sowie des Ausbaus der bestehenden Institute; unter ' jerem wurde beschlossen, ein orientalistischcs Institut zu; Offnen. | Die MandatsJragen vor dem Völkerbund | Als letzter Punkt der Tagesordnung der Vollversammlung [? :s Völkerbundes vom 22. September gelangten — wie die " : hwiz. Dcp.-Ag. mitteilt — die Mandatsfragen zur Bchandi fr.;. In einer Resolution billigte die Versammlung das von s lMandatsmächten vollbrachte Werk, sowie die Ar- . •..vcn der permanenten Mandatskommission und des Völkcr-! .^r.iics. Ferner wurde der Hoffnung Aufdruck verliehen,! i die verschiedenen und besonders die ir.tcrnatioM.nU'n Kon- Vafimiru auch auf die unter Mandat stehenden Gebiete aufwendet werden. Die Versammlung stimmte den Schluß- ) Irrungen und der Resolution stillschweigend zu, worauf die t j£.;:i:ng vertagt wurde. | Im Rahmen der Berichte über die Mandate in der luchsten Kommission referierte Dr. Frithjoff r Hansen über Palästina. In sachlicher und objektiver; .v'&c legte er vor den Mitgliedern der Kommission die F o r t- 1: j:hritte in der Entwicklung Palästinas dar. ] Der Aufbau Palästinas, sagte er, geht in raschem Tempo sich; die Erfolge in kultureller, wirtschaftlicher und poli- : "her Hinsicht sind bedeutend. Man müsse bedenken,, daß das ' ^stina-Mandat viele zum Teil sehr komplizierte Fragen Kitigt hat, die die Ursachen entgegengesetzter Meinungen i Was aber feststeht, ist folgendes: Die Anstrcngunc3 der Zionistischen Organisation sind 'benswert, und die Mandatarmacht ist bestrebt, das von ü Völkerbund übernommene Mandat in loyaler und 'rechter Weise zu erfüllen. Prof. Rappard,;£iied der ständigen Mandatskommission des Völkerbundes, 'IC Gelegenheit, sich während seines Aufenthaltes in Paals Augenzeuge von den raschen Fortschritten 7'Aufbau des Landes zu überzeugen. Die Man-!-tammission hatte die Genugtuung, aus dem Berichte des ^ren Obcrkoinmissars für Palästina, Herbert Samuel, Überzeugung zu schöpfen, daß die Palästina-Verwaltung, .Jtm sie ein jüdisches Nationalhcim schaffen ■■-'l't, im Geiste des Mandates handelt. Der Palästina-Bericht Dr. Nansens wurde von der Kom- "'"'on ohne Diskussion zur Kenntnis genommen. * Die Forderungen des VYaad Leural? Da$ Präsidium des Waad Lcumi unterbreitete Lord Plui; jr eine Denkschrift, worin nach einem allgemeinen Rückblick ■ ><Jic Entwicklung der Dinge eine Reihe von Forderungen v;]c,ührt ist, durch deren Nichterfüllung sich die Juden des :;^drs besonders benachteiligt fühlen. Die dringlichsten For- V'^Sen sind: Unverzügliche Veröffentlichung des Gcmcindc- . '^tzes, Erhöhung des Regierungsbeitrages für das jüdische l j^ungswerk, Zuweisung von staatlichem Boden an die ';-l5chcn Kolonisten und schließlich größere Erleichterung für '• Einwanderung. *-\ \GT<i Turner sagte der bei ihm erschienenen Abordnung zu, lt .', m vorgelegten Forderungen mit größter Aufmerksamkeit <Ä' ^handeln. Für die nächsten Tage soll bereits eine Vcrord- * ^wd Plumcrs erwartet werden, durch welche den ancr- - ..['"'tn Gemeinschaften das Recht eingeräumt wird, von ihren .■ Gedern für religiöse und Erzichungszwcckc s°ndcrc Abgaben cinzuheben. M m m cfO. o cd Im si un Die Krise des ParlGnieiatarisnius — Der Sdirci nach Reformen — Zioaisüsche Solidarität — Der Neiijalirsaufruf für Kercn Hajessod — Das Spiel um Weizmana — Die Abschaffung des Absoluioriums - Das Krimprojekt und die jüdische Einheitsfront :z.nzrz:~^i , D'c heutige Nummer der „Jüdischen Rundschau" anlüßlich der Feiertage — eine Doppcl-Nummer. <:* Ochste Nummer erscheint nicht Dienstag, sondern Freitag, am 9. d. M. ■4 1 R\V., Berlin, 30. September. Der Umstand, daß der 14. Kongreß eine Reihe ungelöster Fragen hinterließ, hat dazu geführt, daß die zionistische Ocffcntlichkeit, statt zu feiern, sich eifrig mit diesen Fragen beschäftigt. Auf den Außenstehenden macht das den Eindruck einer tiefgehenden inneren Uneinigkeit und Zersplitterung. So konnten wir beobachten, daß eine Reihe von Gegnern des Zioniseius zu frohlocken beginnen und sich dazu versteigen, dem Zionismus sein nahes Ende zu prophezeihen. „Der Zionismus ist tot" — dies ist kein neues Wort. Bei jeder Wegkreuzung, in jeder kritischen" Stunde haben wir es von unseren Feinden gehört, und es entlockt uns nur noch ein wehmütiges Lächeln. Wehmütig, weil wir sehen, daß Unverstand und Bosheit nicht nachlassen; Lächeln, weil wir fürwahr andere Sorgen haben, als unseren Tod zu dementieren. Ein vorurteilsloser Beobachter müßte verstehen, daß die Schwierigkeiten im Zionismus keineswegs ein Zeichen des Todes sind, sondern des Lebens und der schöpferischen Entwicklung. Gewiß haben die weniger Schwierigkeiten, die nichts wollen und passiv dem Geschehen gegenüberstehen. Wir aber, die etwas vielleicht noch nie in der Geschichte Dagewesenes wollen, wir sollten stets nur auf Rosen wandeln? Die Zionistcn sind die einzige Gruppe im Judentum, die als Juden weltpolitisch denken und handeln wollen. Dies ist nicht leicht, denn unser Volk ist unorganisiert, in verschiedenen Gewohnhcits-Sphären aufgewachsen, politischen Denkens ungewohnt. Es muß erst allmählich politisch erzogen werden, und zwar zu dem einzigen Ziel seiner nationalen Auferstehung durch die Schaffung einer liäinsiäitc iu Pal;; st in.';. Wir haben uns zu diesem Zweck ein Iur.irumeut geschaffen, die Zionistische Organisation und den Kongreß, die einzige parlamcntsälmlichc Institution, im Judentum. Das hat zur Folge, daß wir an ähnlichen Krankheiten laborieren wie die meisten Parlamente anderer Völker. Wenn die heutige Zeit allgemein als eine Zeit der Krise des Parlamentarismus empfunden wird, wenn sogar in England, dem Lande vornehmster und praktisch wirksamster parlamentarischer Tradition, sehr ernsthafte Kreise über die Notwendigkeit einschneidender Reformen sprechen, um wieviel mehr ist es begreiflich, daß wir Zionistcn immer wieder zu Situationen kommen, die uns eine Revision der Grundlagen unseres einmal in zwei Jahren zusammentretenden parlamentarischen Instrumentes notwendig erscheinen lassen? Kein lebendiges Volk kann der Sklave von Institutionen sein, sondern umgekehrt, die Institutionen müssen den Bedürfnissen des Volkes angepaßt werden. Ganz abgesehen von der absurden Tatsache der kurzen Dauer unserer Tagungen, denen man trotzdem nicht nur demonstrative und proklamatorische, sondern konstitutionelle parlamentarische Aufgaben zuschieben will, muß als ein wichtiger Umstand in Betracht gezogen werden, daß die Delegierten des Kongresses mit ganz verschiedenartiger parlamentarischer Schulung zu den Beratungen kommen. Die parlamentarische Technik unseres Kongresses ist, wie uns scheint, infolge des österreichischen Ursprungs des modernen Zionismus am ehesten dem alten österreichischen Parlament nachgebildet. Auf dieses System ließ sich vor dem Krieg der vorwiegend kontinentale Bestand des Kongresses mit Leichtigkeit vereinigen. Meute aber spielt die angelsächsische Welt eine große Rolle, und viele Erscheinungen, die bei unseren kontinental-europäischen Delegierten Befremden und oft Entrüstung hervorrufen, sind einfach zu erklären durch den Einbruch der angelsächsischen Methode. So sei, um nur ein Beispiel zu erwähnen, daran erinnert, daß in dem Lande, welches als Sinnbild aller Demokratie gilt, nämlich in Amerika, die gesamte Rcgicrungsmacht in der Hand des Präsidenten der Republik vereinigt ist, der, nur in ganz wenigen Fragen an die Zustimmung des Parlaments gebunden, seine Mitarbeiter völlig selbständig ernennt. Der Kurs der Politik wird von dem Volke bestimmt lediglich durch den Akt der Präsidentenwahl. In England, welches eine andere Form der Regierung hat, ist das Parteiwesen so organisiert, daß jede Partei durch die Wahl ihres Führers („leader") den Mann bezeichnet, der gewissermaßen zum Regierungschef designiert ist und in der Führung der Partei eine außerordentlich weitgehende Handlungsfreiheit hat. So verschieden die Konstitutionen dieser beiden Länder sind, so haben sie doch eines gemeinsam: sie verstehen, daß die leitenden und ausführenden Organe des Staates. große Bewegungsfreiheit haben müssen und daß es der Sache schadet, wenn n. i immer wieder durch Kautelcn und Einschränkungen aller Art ihnen die Hände bindet. Die Wahl des Führers hat dort noch den ursprünglichen Sinn: Sic ist der Ausdruck des Vertrauens, welches der Grund für die Uebcrtragung der Macht bildet. Diese Begriffe bringen wichtige Delegationen zu unserem Kongresse mit; und die Führer unserer Bewegung,'die vor allem in der angelsächsischen Welt politisch zu agieren haben, sind gleichfalls in hohem Maße von dieser Auffassung erfüllt. Dies erklärt viele Diskrepanzen unseres Kongresses. Es ist aber ein Gebot der Ehrlichkeit, sich darüber klar zu werden, daß gerade bei uns, die wir eine Leitung auf zwei Jahre, unter Ausschaltung des Kongresses in der Zwischenzeit, wählen, das Moment des Vertrauens wesentlich ist. Dieses Vertrauen kommt nach unserer Auffassung durch die Wahl der Führer zum Ausdruck; und es ist ganz klar, daß der Kongreß, wenn er dieselben politischen Führer wählt, damit ausspricht, daß er die Fortführung der Politik auf derselben Linie für notwendig erachtet. Es wäre abnormal, wenn ein unter ganz anderen Voraussetzungen entstandenes Gebilde wie der Kongreß unseren heutigen Anforderungen noch in allem entsprechen sollte. Der Ruf nach Reformen wird immer lauter. Felix Roscnblüth hat in einer Artikelserie, die wir der Aufmerksamkeit unserer zionistischen Leser, insbesondere auch außerhalb Deutschlands, empfehlen, in unserem Blatte in sehr ernster Weise die Rcformbedürftigkcil des Kongresses erörtert und konkrete Vorschläge gemacht, dorm Erfüllung nicht nur von der Leitung, sondern vom Willen der Zionistcn und der einzelnen - parlamentarisch wichtigen Gruppen abhängt. Wir haben jetzt nicht zu untersuchen, ob seine Voraussetzungen durchaus richtig sind; manches wird die Praxis vielleicht als undurchführbar erweisen, manches korrigieren. Aber eines ist sicher: Es muß ein Weg gefunden werden, um das Vakuum zu beseitigen, das heute die kongrcfJoscn Jahre bilden. Wird auf diese Weise eine Art Kontinuität hergestellt, wird die Verantwortlichkeit in gerechterer Weise verteilt als heute, wo alle Last auf den Rücken des Präsidenten abgeladen wird, dann würde einem harmonischeren Verlauf des Kongresses der Weg geebnet. Nur durch die Herstellung eines innigeren Kontaktes zwischen der Leitung und den ihre Politik unterstützenden Gruppen kann der Zustand herbeigefüht werden, daß auch auf dem Kongreß diese Gruppen sich verantwortlich fühlen für die Leitung. Die vielen Worte, die wir über den Kongreß und die parlamentarischen Konflikte verlieren, bewirken oft den Anschein, als ob diese Kämpfe, dieses Ringen um die richtige Form einer organischen Willensbildung in Einzclfragcn, den Hauptinhalt des Zionismus bildeten. Nur so ist es zu verstehen, daß auf Grund dieser Meinungsverschiedenheiten von Spaltung und ähnlichen Foigcn die Rede ist. Es ist daher vielleicht nicht überflüssig, daran zu erinnern, daß unsere parlamentarischen Kämpfe gerade das Gegenteil beweisen. Ebenso wie in jedem anderen Volke eine dissentierende Gruppe sich austoben kann, ohne daß darum die Gefahr bestünde, sie könne „aus dem Volke austreten", ebenso ist bei uns die zionistische Zusammengehörigkeit eine solche Selbstverständlichkeit, daß sie der Erwähnung gar nicht bedarf. Alles politische Tun ist nur sekundärer Zionismus. Primär und wesentlich ist der Wille zur Erneuerung des Judentums, diese große sittliche Macht, die uns Zionistcn trieb, uns gegen die konventionellen Lügen des jüdischen Lebens des 10. Jahrhunderts aufzulehnen. Zionismus ist der Wille . eines besseren, ehrlicheren, aufrechteren jüdischen Lebens. Dies ist nur möglich durch den Gewinn der inneren Freiheit und Sicherheit unseres jüdischen Seins, das noch unvollkommen ist, aber zu aktiver Entfaltung gedrängt wird. Darum zeugt es von tiefem Unverständnis, wenn Dr. Holländer in der C.-V.- Zcitung uns darüber belehrt, der Zionismus wäre eine edle Sache, wenn man ihn nicht mit den „nationalistischen Bestrebungen" vermengen würde. Wir sind — braucht es gesagt zu sein? ■— gewiß gegen „nationalistisches" Gebären; aber der nationale ürlösungsdrang ist die Urquelle des Zionismus, ohne ihn gäbe es , keine Kolonisation in. Palästina, die nur durch Selbst-

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