Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 74-75 (18.9.1925)
- Date
- 1925-09-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzelnummer 0,50 Goldmark /-r\}r7r"n ,'~t'1 «nd Verlag W 15. Meinekestraße 10. Erscheint ■:3 n:.«<{flrf Und Frcitatf. BcZUCfinrci* hei Arr Vt^^au:— ,'3 Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition p Anzeigen -Vervv'lüiung;ÜatHcb 1.85 Goldmark, Viertelj ährlich 5.25 Goldmark, g Jüdische Rundschau G.m.b.IL, BerlinW15, Meiaekcstr. 10 ) Telephon: Bwraark 7165-70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. I ■' Far 0««t«rr*lchi Poitijj>»rk»Men*mt Wien. Konto Nr. 1560:0. \ FCrTichecboilowkel: P»iUp»rk*Men«mt Pratf. Konto Nr. 59-(IC. 3 Für P«l«ai Poil.pwUtieaunt Wat.cUu, Konto Nr. 1907C3. RedaktiomschluP Sonntag und Mittwoch nachmittag.;3 aaboo8«ai«at» w«rd«n in der Wjhnwi itr tüutlat* Lfiadtr btnekaet ^j^cr 7f (3gJ_J^c^»ls-^5 f z|on»»m»» erstrebt fOr das JücKstho Volk dlo Schs??uag eteor öfftantülch. rechlich fjealchortosi frSe.'EnsU2t2e In Palästina. „Bascter Progrsmr^ Telephon: Amt Bismarck 7165—70. AiiEelS.nPr.lM8i..p»ltNo»pM,nJol.a«0.*0C^M.St.D«£««eJ.«0.30C^M. ». . ,-----■- Anx.tg^.cUga, Dj.n.t.i »ad Fr.IL* n.ekaltt.« 4 Uhr. fj ' jY&T) DO | XXX. J. 1\' O T Tl'Ti ii^i iiiirs-MMiffidscIiiGiim; •örd Plumer in Jerusalem. - Arabische Anerkennung der Batfour~DeMaraiion? - Neue Inimi- .tfonsvorschrifien - Das Siaafebüröersdiafisgeseiz - Das Problem der zionistischen Leitung RW., Berlin, 16. September« ~:\ Wahrend durch Wochen der Kongreß den Hauptj der zionistischen Aufmerksamkeit und damit auch j ' Hauptteil der Spalten der Jüdischen Rundschau!• -5ich in Anspruch nahm, ist der neue Oberkommissär | Palästina, Fcldmarschall Lord Plumer, an dem Orte I :r neuen Amtstätigkeit eingetroffen. Das neue Jahr I; also diesmal auch in politischem Sinne eine neue | -i der zionistischen Geschichte ein. Der Amtsantritt; neuen Oberkommissärs hat vielleicht das Gute, daß ■ '»•einen Anlaß zu übertriebener Leidenschaftlichkeit :t. Als vor 5 Jahren Sir Herbert Samuel ins Land kam, ,:cn manche bereits, messianische Träume seien er- , sie sahen in dieser überragenden jüdischen .Per- 'ichkeit eine Parallelgcstalt zu Nehcmia, man feierte ■mit der gleichen Exaltation mit der man ihn später. . »chcltcn wagte. Der neue Mann stammt aus einer ■i anderen Welt und von vornherein besteht ein :a[ der Distanz, das eine gewisse Nüchternheit cr- -,;t. Lord Plumer hat den Auftrag, die britische ik in Palästina, die gerade wieder durch eine Erling des Kolonialministers Amery an den;donisti- :n Repräsentanten in Genf, Dr. Jacobson, im Sinne | Mandats und der Balfour-Deklaration, feierlich bc- '"gt wurde, auf der alten Linie weiter zu führen, i' ner seiner Persönlichkeit versichern, daß er die Fä- ■ -cit besitzt, komplizierte administrative Probleme zu;;crn. Das jüdische Volk, im Bewußtsein seiner :htcn Sache und in der Entschlossenheit zur Durch- :' -mng seines nationalen Wiederaufbauwerkes, begrüßt : " ^eucn Mann, dem eine so verantwortungsvolle Auf-! zugefallen ist, mit Respekt, und wünscht auf-; -i? eine fruchtbare, dem Gemeinwohl förderliche l;-;:n-,mcnarbeit. Die palästinensische Judenschaft hat .' bisher zurückhaltend benommen und wartet ab, - :nc Maßnahmen Lord Plumer zur Durchführung des r. -ates ergreifen wird. I Viel stärker scheint die Erregung im arabischen i zu sein. Die Araber haben offenbar die Empfin- " daß ihnen mit dem Rcgicrungwechscl eine Chance '•}:n ist. und obwohl sie untereinander über ihre;:schcn Ziele und Methoden durchaus nicht einig sind, i f" sie doch die bloße Tatsache, daß der Oberkomkein Jude ist, zu mindest taktisch zu einer gewissen j Teilung verwerten. Sic sind offenbar geneigt, Lord; mehr entgegenzukommen als Sir Herbert Samuel,; :>\&r den Fall, daß er ihnen nicht mehr bietet als " Vorgänger. Die „Times" brachten in den letzten . ^cn zweimal die Nachricht, die Araber seien bereit, L^our-Deklaration und das Mandat temporär unter ,; > anzuerkennen, und damit die Voraussetzung für «-'Jsammenarbeit mit der Regierung zu schaffen. . unserer Auffassung aber kann das nur bedeuten,; ^ran gedacht ist, eine Form der konstitutionellen "^enarbeit zu finden. Die palästinensische Kondic die Schaffung eines legislativen Council gebenden Rat) vorsieht, ist bekanntlich noch immer . > obwohl ihre wichtigsten Bestimmungen wegen "•^inenz der Araber bei den Wahlen von Herbert ci vor zwei Jahren suspendiert worden sind. Wenn f'"f er jetzt eine Form finden, um ohne Präjudiz \. J^r dennoch formell, die Balfour-Deklaration und " irdat anzuerkennen, und sich zur Teilnahme an den bereit erklären, so dürfte die Verfassung eine : . s'-hüng feiern. Dieser Eventualität müssen wir ..^^ sehen, und es ist nur verwunderlich und! >"ich' daß der Zionistcnkongreß sich mit diesem . ' Fra£cnkomplcx so gut wie gar nicht beschäftigt . ~v 1Cs schürt auch zu den Eigentümlichkeiten der \?un ^>Htik, die seit Jahren den Ereignissen und dadurch die Initiative einbüßt. Und ein; . »eil der zionistischen Politiker schwärmt so sehr VnH°nCn' daß cr Tatsachen» die ihm unangenehm 'V»u 2U schen wünscht, und meint, sie damit aus , " schaffen zu können. (Eine Philosophie dieses, ■;. pr ß^uben, verhängnisvollen Illusionismus gibt .Cn' j.eund Dr. Ringel in seinem sonst sehr beachtens- Ersatz in der heutigen Nummer unseres Blattes.) ■•Ssm Afabcr scheinen diesmal eine Politik der Stim- (5u S 211 betreiben. Sic überschwemmen das :illh Obcrkornm»ssärs mit Petitionen und lassen? Pressc siegesgewiß verbreiten, welche Mafien wr 0bcrkommissar gegen die jüdische Arbeit Werd*. Es ist nicht anzunehmen, daß diese Nachrichten eine reale Grundlage haben. Es kann auch leicht geschehen, daß nach einiger Zeit die arabische Stimmung wieder in das Gegenteil umschlägt. Wir dürfen nicht übersehen, daß die Zeit eine sehr bewegte ist und daß insbesondere die Vorgänge im benachbarten Syrien auf Palästina nicht ohne Einfluß bleiben können. Eine von uns wicdcrgcgcbcne Meldung — alle diese Meldungen sind natürlich mit größter Vorsicht aufzunehmen — besagt, daß die Araber von Plumer die Erlaubnis für Sympathiekundgebungen zu Gunsten der Drusen erbeten haben. Wir bezweifeln, daß eine solche Erlaubnis gegeben werden wird. Denn dies wäre nicht nur ein Schachzug gegen die verbündeten Franzosen, sondern auch eine Art Ermutigung zum Aufstände, die wir von einem Feldmarschall am wenigsten erwarten können. Sollte die Nachricht sich bewahrheiten, so könnten wir sogar annehmen, daß diese Forderung den Oberkommissär ernstlich verstimmen dürfte. Auf jüdischer Seite ist Festigkeit und Besonnenheit vonnöten, um dem Oberkommissär die politische Gesinnung und die politische Tendenz der Juden vor Augen zu führen. Dabei muß insbesondere die eigenartige Situation berücksichtigt werden, die die Mandatskommission des Völkerbundes den Dualismus des Mandates genannt hat. Nach den Bestimmungen des Mandats hat die palästinensische Regierung zwei Aufgaben: Die Sorp;c um das Wohl der Landesbevölkerung und den Aufbau der jüdischen Heimstätte. Unsere Bemühungen müssen darauf gerichtet sein, den maßgebenden Steilen zu beweisen, daß auch wir beide Ziele anerkennen und nicht wünschen, daß durch das zweite-das erste beeinträchtigt werde. Wir müssen aber auch ebenso loyal fordern, daß die' sogenannte Erziehung der Bevölkerung zur Selbstverwaltung nicht dazu benützt werde, dem anderen im Mandate feierlich verkündeten Ziele Hindernisse zu bereiten. Der Jischuw soll Festigkeit zeigen, aber keine Nervosität. Man soll nicht in allen unangenehmen Ereignissen jetzt Anzeichen oder Vorboten eines neuen Kurses sehen. ■ Unangenehme Vorfälle gibt es genug. Wir erwähnen nur die Verhaftung von Arbeiterführern und das ungerechtfertigte und brutale Einschreiten der Polizei bei Arbeitskonflikten. Verschärft wird die peinliche Wirkung noch durch die in Paliistina übliche Art, Verhaftete ohne Rücksicht auf Art und Grad ihres Vergehens mit Eisenketten gefesselt durch die Straßen zu führen. Gegen diese aus türkischer Zeit stammende Prozedur wendet sich auch das palästinensische Organ „Palestine Weekly", als ein Abtransport von verhafteten streikenden Arbeitern jüngst in Haifa in solcher Weise vor sich ging. Bedauerlich ist natürlich, daß Juden es waren, die die Veranlassung zu dieser Behandlung von Juden boten. Die Unternehmer, welche ein Interesse daran haben, Arbeiter außerhalb der Vcrmittlungskanzlei der Arbeiterorganisation zu engagieren und dadurch jeden Arbeitcrschutz in dem einer Arbeitsgesetzgebung entbehrenden Lande auszuschalten, haben die Polizei zur Hilfe gegen die Streikenden angerufen. In dieser Zeit aber ist es besonders gefährlich, wenn wir die Regierung und ihre Organe auffordern, in innere jüdische Streitigkeiten einzugreifen. Darin zeigt sich ein Mangel an staatsbildcndcr, gcmeinschaftsbildender Fähigkeit, ein typisches Kennzeichen der Unmündigkeit, die wie ein Kind keinen anderen Weg sieht als sich bei der Autorität ru beklagen; Trotz allen Schwierigkeiten, die die Entstehung der jüdischen Gesellschaft bietet und bieten muß, müßte doch alle Energie aufgeboten werden, um solche Ausfälle zu vermeiden. Die in Palästina lebenden und arbeitenden Menschen müssen sich bewußt sein, daß sie' die Exponenten unserer staatsbildendcn Kraft sind. Dies sind Probleme, die die zio- Dxo heutige Ncujabrsnusnsaer der „Jud. Rundschau" erscheint als Doppcl-Nummer. Am Sollenden Dienstag, den 22« d. M., wird die „Jäd. Rundschau" nicht erscheinen« Die . nächste Nummer, erscheint am Freitag, den 25. d- M-. nistischc Ocffcntlichkcit noch zu beschäftigen haben werden, obwohl der Kongreß gerade von dieser Seite der Sache wenig gesprochen hat Das wichtigste Grundrecht des jüdischen Volkes in Bezug auf Palästina ist das Recht auf Einwanderung. Wir verstehen sehr wohl, daß durch die Aufnahmefähigkeit des Landes der Einwanderung gewisse Grenzen gesetzt sind. Aber das Weißbuch, das als die Grundlage der britischen Politik in Palästina erlassen wurde, erklärt eindeutig, daß die ständige Vergrößerung der jüdischen Gemeinschaft Palästinas im Sinne des Mandates liegt. Das neue Einwanderungsgesetz, das vor kurzem publiziert wurde, bietet gegenüber dem früheren Gesetz einige kleine Erleichterungen und vergrößert die Befugnisse der Zionistischen Exekutive; aber die administrativen Ausführungsvorschriften, die dazu gegeben wurden, haben die Einwanderung so sehr erschwert, daß eine begreifliche Erregung sicii der zionistischen Welt bemächtigt hat. Es wurde bestimmt, daß jeder aus Polen und Rumänien, also aus den Haupt« Zentren der Auswanderung, einwandernde Jude die Bewilligung zur Einreise nicht mehr am Orte seines Aufenthaltes bzw. bei dem zuständigen englischen Konsul erhalten kann, sondern sich direkt an das zentrale Einwanderungsamt der Regierung nach Palästina wenden muß. Dies gilt in gewissem Maße sogar für Touristen. Gleichzeitig wird bei den Einwanderern der Klasse B aus diesen Ländern vorgeschrieben, daß sie die erforderliche Summe von 500 Pfund in Palästina deponieren müssen, bevor die Einreiseerlaubnis erteilt wird. .Die Ursache dieser verschärften Bestimmungen' ist — das muß offen zugestanden werden — darin zu: suchen; daß sich tatsächlich eine Reihe von Fällen ereignet haben, wo der ungestüme Einwanderungsdrang einiger Leute sie dazu verleitet hat, eine Umgehung der Gesetze zu versuchen und unter falschen Angaben ins Land zu gelangen. Diese Vorfälle sind bedauerlich, wenn auch begreiflich. Es handelt sich aber wohl nur um vereinzelte Fälle, und «die Tatsache, daß in Palästina heute keine Arbeitslosigkeit vorhanden ist, ist ein schlagender Beweis dafür, daß diese Ucbcrtrctungen der Einwanderungsvorschriften zwar formelle Verstöße sind, aber das Land' nicht geschädigt haben. Wir sind im Interesse der staatsbürgerlichen Erziehung unseres in zaristischer Unterdrückung jahrelang an Umgehung der Gesetze gewöhnten .Volkes gewiß dafür, daß eine strenge und peinliche Befolgung der Gesetze und Vorschriften gefordert wird. Aber die Sanktionen dürfen nicht so weit gehen, die ganze Einwanderung und damit die Erreichung des Mandatszweckes zu gefährden. Das Einwanderungsproblcm darf nicht lediglich vom bürokratischen Gesichtspunkt aus "beurteilt werden, es ist ein Teil der schöpferischen Neugestaltung eines in Gärung befindlichen Volkes. Der bürokratische Apparat ist lediglich eine Maschine, die diesen Prozeß regulieren und fördern, nicht aber ihn hemmen soll. Wer die Verhältnisse in Polen kennt, wird ohne weiteres verstehen, daß ein Mann, der den Rest seines Geschäftes liquidieren will, nicht im vorhinein 500 Pfund in Jerusalem erlegen und dann noch mehrere Monate auf Einreisebewilligung warten kann, wobei noch die Möglichkeit besteht, daß sein Gesuch abgeschlagen wird. Diese Praxis bildet daher eine ernste Gefährdung der sogen. IV. Aliiah. Wir erwarten mit Bestimmtheit, daß die Palästinensische Regierung und das Kolonial-Amt die Sinnwidrigkeit der neuen Vorschriften einsehen und sie entsprechend abändern werden. Am 1. Augustist das neue Gesetz überdie palästinensische Staatsbürgerschaft in Kraft getreten. Das Gesetz gründet sich auf Artikel 7 des Mandates, in welchem der Mandatannacht aufgetragen wird, ein Gesetz über die Staatsbürgerschaft chcmöglichst zu erlassen und darin besondere Erleichterungen für die Juden, die palästincnsischei Staatsbürger werden wollen, zu gewähren. Umso größer ist unser Erstaunen, daß in der Efnleitungsformcl des Gesetzes, welche den Rcchtstitel anführt, das Mandat nicht erwähnt. wird. Die Einlcitungsformcl, die in unserer Wiedergabe des Gcsctzestextes in der vorigen Nummer der Jüdischen Rundschau weggelassen .wurde,. lautet:..:;