Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1925-09-11 · Heft 72 (11.9.1925) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 72 (11.9.1925)
Date
1925-09-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2652691-2652759--17692-3528594
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

a 7 ö ö Cf r^E-*7ir\ ct--t=7\ i v\[ i - i 'J il; i!SJ) ^^hnMi Redaktion und Verlag W 15, Mcinckcstraßc 10. Erscheint ieden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition [nonatlich 1.85 Goldmark. Vierteljährlich 5.25 Goldmark. ^„jlgndiibonnementt werden in der Wlbning der «inielnco Lfinder bcrocboeL Anzeigen-Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.H., Borlin W15, Meinekcstr. 10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Aszclgcnprcta: 8 £c tp»luNoopnr«ilIcrcUo 0,40 G.-M. StoUen^eiucbe 0.20G.-M. AnzclgcnschlaQx Dicn»t«jj und Freitag nftcbmittajj 4 Uhr. Einzelnummer 0,30 Goldmark t—i n- . -., A\ M * r\ ) \ V J1 t 1; | / :-: ■!! Lnry v.jx j lLj L JAi^? Telephon: Bismark7165-70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für Oesterreichs Poituparkassenamt Wien, Konto Nr. 156030. für Tschechoslowakei: PostcparU'scrumt Pre^. Kooto Nr. 09410. für Polooi Po»t»p«rk«»»cn»mt Wwichau, Konto Nr. 19070S. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. rvTnn yo | per Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffcntElch - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. XXX. Jahrg. „Baseler Programm." >t er JMsddfisse. zur ICiiliirfrage Lehr« und Lemfreiheit 3 'I In der Schlußsitzung des Kongresses wurden auch die Anträge der Erzichungskommission zur Abstimmung gebracht. Wir tragen hiermit den Bericht über diese Absimmung nach. Dr. O. Thon (Wcstgalizien) begründet die Anträge der Unterrichtskommission. Er betont, daß Palästina ein Feld für Versuche der verschiedensten Art sei und daher könne das, was wir dort schaffen, nicht jedermann zufrieden stellen. Wir erziehen unsere Jugend in Palästina nicht zum Chauvinismus, sondern im Gegenteil zur Menschenliebe, zum Frieden und zum brüderlichen Verhältnis zu den Arabern. Anträge der ErziehungsKommission. I. a) Die Zionistische Organisation ist die Eigentümerin de? Palästinaschulwcscns und verantwortlich für dasselbe. Hierzu bemerkt van Vricsland: Das A.-C. hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, daß die Verantwortung der Exekutive und des Kcren Hajessod im Budget ihre Beschränkung finden soll. Die Lage der letzten Jahre hat es mit sich gebracht, daß die Exekutive auch für die nicht aus zionistischen Quellen stammenden Teile des Budgets verantwortlich war, dieser Verpflichtung muß sie sich entledigen. Eine zu schaffende legale Körperschaft soll der Träger des Erziehungswesens sein. In dieser soll die Exekutive ausschlaggebende Stimme haben, ohne die finanzielle Verantwortung tragen zu müssen. Es muß einerseits die Aufbringung eines Anteiles durch den Jischuw, andererseits die Administration des Chinuch auf solider Basis durch diese Körperschaft gesichert werden. Hier muß entweder die ganze Frage an das Aktions-Comite zurückverwiesen oder der im Widerspruch zu den Beschlüssen des Aktions- Comites stehende Teil der vorliegenden Anträge abgelehnt werden. (Antrag a wird zurückgestellt.). b) Der Kongreß fordert alle Teile und Gemeinden des jüdischen Jischuw, alle Einwohner in Stadt und Dorf auf, sich an den Ausgaben für die hebräische Erziehung irrt Lande zu beteiligen. c) Die Zionistische Leitung wird verpflichtet, die diesbezüglichen Beitrüge für Zwecke der Erziehung seitens der Eltern, der Gemeindevertretungen, der Stadträte und der Komitees der Kolonien festzusetzen. d) Die Zionistische Leitung erhält das Recht, die Schulen derjenigen Gemeinden und Kolonien zu schließen, die die ihnen auferlegten Beiträge zugunsten des Erziehungsbudgets ' nicht rechtzeitig entrichten. II. . Die Exekutive setzt sofort nach Kongreßschluß eine besondere Kommission in Palästina ein, gemeinsam mit Vertretern des Jischuw und der Lehrer, die ein Programm für die Organisierung eines neuen Waad Hachinuch auf demokratischer Grundlage ausarbeiten soll und alle erforderlichen Acndcrungen hinsichtlich der Ordnung des Erziehungswesens durchzuführen hat. Die Anträge dieser Kommission bedürfen der Bestätigung des Aktions- Comite's. Bis die Anträge der genannten Kommission durchgeführt sein werden, wird die Exekutive die gesamte Erziehungsarbeit im Lande nach ihrem. Ermessen durch die Machlakath Hachinuch leiten. III. ■'• " F.r» ist zu beschließen, daß die Ausgaben für die Schul« n und Kindergärten des Kulrurkomitcrs (Waadnth hatarbut der Arbeiter) in das allgemeine palästinensische Erzichungsbudgct eingesetzt werden. Das Budget für diese Schulen wird bestimmt durch die Machlakath Hachinuch gemeinsam mit dem Kulturkomitec nach den allgemeinen Grundsätzen, nach welchem das allgemeine Budget für die Schulen in den Städten und Kolonien bestimmt wird. Hierbei ist der Grundsatz zu beachten, daß kein Bildungsinstitut des Kulturkomitccs Aufyrc])obeu werden darf. Die Kulturkommission beteiligt sich an der Gründung der Kommission zwecks Organisation des Erzichungs- Vesens und ist verpflichtet, die Beschlüsse dieser Kommission anzunehmen. Der Kongreß beschließt: Unter Aufrcchterhaltung des Prinzips, daß das hebräische Erzichungswesen in Ercz-Israel dem Wesen nach nur der Verwaltung der Zionistischen Organisation untersteht, ist dafür Sorge zu tragen, für die Erweiterung des Schulwcrkcs die materielle Mithilfe der jüdischen Gemeinden der Diaspora zu gewinnen. Die Exekutive wird beauftragt, in kürzester Zeit einen Plan auszudocken, um die Heranziehung der jüdischen Gemeinden zur weiteren Ausgestaltung des Schulwerkes in systematischer Weise durchzuführen. Tagung des Kuratoriums der Jerusalemer Universität Am 23 Seplcmbcr wird in München eine Sitzung Jes Kuratoriums, der hebräischen Universität zu Jeruia.fcm stattfinden, der in den für die Universität sich "dressierenden Kreisen große Bedeutung beigelegt wird, ja in der Sitzung Angelegenheiten des Lehrsystems und *cr weiteren Ausgestaltung der Universität durch Ver- 'lc'iruug der Fakultäten zur Sprache kommen werden. Jn der Sit/ung werden voraussichtlich unter anderen tcil- Jentncn:, Dr. Ch. Weizmann, Nanuir^ Sokolow, Prof. Resolution über die Universität: Der XIV. Kongreß begrüßt die Eröffnung der Hebräischen Universität in Jerusalem und sieht in ihr ein epochales Ereignis in dem historischen Prozeß der Renaissance der hebräischen Sprache und Kultur. Er dankt all denen, die an der Begründung der Universität mitgewirkt haben, insbesondere Herrn Dr. Wcizinann für seine vicljährigc, zielbewußte und hingebungsvolle Arbeit zur Verwirklichung des Gedankens vdcr Hebräischen Universität. 2. Der Kongreß beschließt, daß das von der 2ionistischen Organisation verwaltete Univcrsitätseigentum einschließlich der verschiedenen Univcrsithtsfonds dem neu gegründeten Kuratorium nicht vor der Festlegung der endgültigen Verfassung der Universität übergeben werden darf. Die endgültige Entscheidung über die Verfassung der Universität bleibt dem Aktions-Comite vorbehalten. In der Verfassung der Universität ist für die Sicherung des bestimmenden Einflusses der Zionistischen Organisation in den Verwaltungskörpcrn der Universität Vorsorge zu treffen. Der Zcntralsitz des Kuratoriunis soll sich vorerst außerhalb Palästinas befinden; sein ausführender Vcrwaltungsausschuß soll in Palästina verbleiben. Sämtliche Anträge werden angenommen. Zu dem letzten Punkt stellt Yc Min'den Antrag, daß es heißen müsse: „der Sitz des Kuratoriums ist in Palästina". Dieser Antrag wird abgelehnt; ebenso der Antrag Jawnccli, der vorschlägt, daß der Verwaltungsausschuß in Palästina sein müsse, ob nun das Kuratorium sich i'M Lande befinde oder nicht. Der Anfrag wird in der Fassung der Kommission angenommen. Der Kongreß fordert: Die Hebräische Universität soll in allen ihren Abteihingen und Instituten auf dem Prinzip der unbeschränkten Lehrfreiheit aufgebaut werden, wobei die verschiedenen geistigen Strömungen im jüdischen Volk ihren vollen Ausdruck finden müssen. Auf der Basis dieses Prinzips soll der Ausbau des judaistischen Instituts, welches die Gesamtheit des jüdischen Lebens in Vergangenheit und Gegenwart zu umfassen hat, entscheidend' bestimmt sein von drin Bestreben, das Institut linier Wahrung seines wissenschaftlichen Charakters zu einem vollen Ausdruck des jüdischen Geistes zu gestalten, wie er sich in den großen Kulturgütern der -jüdischen Vergangenheit lind den schöpferischen Kräften der jüdischen Gegenwart manifestiert. Vor der Abstimmung über diesen Punkt gibt Rabbi A in i c 1 namens des Misrachi die nachstehende Erklärung ab: „Der Misrachi hat gefordert, daß in der Erklärung des Kongresses hinsichtlich des künftigen Charakters des Instituts für die Wissenschaft des Judentums es nötig gewesen wäre, neben dem wissenschaftlichen Charakter dieses Instituts zu betonen, daß der reine Geist des Volkes, so wie er sich in den Schöpfungen unserer nationalen Kultur entsprechend der Tradition Israels während eines Zeitraumes von Jahrtausenden auf allen Gebieten der originalen jüdischen Forschung offenbart hat, gewahrt werden müsse. Da der Text der Erzichungskommission verschiedene Auslegungen zuläßt und uns nicht befriedigt hat, hat der Misrachi gegen die Erklärung gestimmt." Der Antrag wird in der Fassung der Kommission angenommen. (Andauernde Unruhe beim Misrachi, der größte Teil der Fraktion verläßt den Saal.) Dr. Thon übermittelt ferner folgenden UoNchhiß der Erzichungskommission: Der Kongreß nimmt folgende Erklärung der Erzichungskommission zur Kenntnis: Die Erzichungskommission anerkennt die berechtigten Forderungen der Misrachi-Organisation, in das allgemeine Erzichungsbudgct die besonderen Ausgaben des Misrachi aufzunehmen, die er zur Erhaltung seiner Erziehungsanstalten und zur Organisierung seiner erzieherischen Tätigkeit im Lande benotigt, findet aber zu seinem Bedauern keine Möglichkeit, den Betrag in das für dieses Jahr bestimmte allgemeine Erzichungsbudgct aufzunehmen. (Angenommen.) Dr. Aaroii Barth gibt im Namen des Misrachi die Erkiärung ab, daß der Misrachi don Saal verlassen habe als Protest gegen die Abstimmung, die vom Misrachi als ein Angriff gegen die Heiligkeit des Rcligionsgesctzcs aufgefaßt wurde. Der Misrachi werde den Saal wieder betreten, wenn die Erklärung des Vorsitzenden ihn befriedige. Der Präsident erklärt, daß es keine Abstimmung für oder gegen die Religion gegeben habe, man habe nicht über Religion, sondern über die Universität debattiert. Wenn freie Forschung verlangt wurde, so hat dies nichts beleidigendes für die Religion. Er geht über' die Sache zur Tagesordnung über. Albert Einstein, Dr. Ch.ijes, Dr. J. L. Magnes, Prof. Ehrmann (Berlin), Prof. Landau (Göttingen), Prof. Horowitz (Frankfurt). / . Die Einwanderung im August Jerusalem. (J.T. A.) Im Monat August Rind in Palästina 3000 Personen eingewandert. Die Einwandererzahl im Juli betrug 2900. Im Monat Juni, der einen Rekord brachte, betrug die Einwandererzahl 4200. Tatbestand Von Felix Rosenblüth. Der Kongreß wählt die leitenden Körperschaften der Zionistischen Organisation. Er hat Richtlinien für den Weg der künftigen Arbeit festzulegen. Er bestimmt das Budget. Niemand wird sagen können, daß der XIV. Kongreß seinen Aufgaben gerecht geworden ist. Relativ am besten bewährte er sich als Wegweiser für die Richtung der künftigen Politik. Zur Neuwahl der Exekutive war er jedoch unfähig. Und auch der Kampf ums Budget nahm kein gutes Ende. Die Richtung der künftigen Arbeit wird durch zahlreiche Resolutionen gewiesen, die im großen und ganzen, so wie sie aus dem Dunkel der Kommissionsberatungen emporstiegen und ans Tageslicht der Plcnarverhandlungen kamen, angenommen wurden. Gewiß sind manche dieser Resolutionen nichts als ein überflüssiger Ballast an billigen Selbstverständlichkeiten, andere wiederum schöne aber imaginäre Wunschphantasien. Aber sie enthalten auch viele Elemente ernster Kritik au gegebenen Zuständen und wichtige Anregungen für Besserung und Neuerung. In manchen Kommissionen ist man prinzipiellen Meinungsverschiedenheiten zu Leibe gegangen und hat, mit oder ohne Kompromiß, notwendige Entscheidungen erzielt. In der Hand 'einer Exekutive, die den Kongreß als höchst unzulängliche, aber doch legitime und wesentliche Willensäußerung der Bewegung ernst nimmt, die die Resolutionen prüft und wägt, in einzelnen Fällen ihrer Entstehungsgeschichte nachgeht, die Initiativen aufspürt und mit ihnen Fühlung nimmt, in der Hand einer solchen Exekutive könnten manche Entschließungen Leben und Farbe gewinnen. Ucbcr die Arbeit der Kommissionen wird, wie man annehmen darf, in diesen Blättern im einzelnen berichtet werden. Hier sollen die politischen, die wirischaftspolitischcn und die finanzpolitischen Entscheidungen kurz gewertet werden. In der äußeren Politik wird die bisher verfolgte Linie fortgesetzt werden. Das zeigen die politischen Resolutionen deutlicher als die Abstimmung über die Dcchargc. Dieses Absolutorium war das unglückliche Resultat einer unglücklichen taktischen Situation. Es vernnlaßtc außerdem die Parteien, wie ihre Deklarationen beweisen, zu einer Abschätzung der gesamten Tätigkeit der Exekutive und brachte daher in der Bewertung der Außenpolitik kein reines Ergebnis. Der Kongreß ist der politischen Kommission gefolgt. Er hat alte unerfüllte politische Forderungen bekräftigt: freie, durch die Jewish Agency kontrollierte Immigration, aktive Unterstützung der Errichtung des' National home durch die Mandatarmacht durch Schaffung erleichternder politischer, administrativer und ökonomischer Bedingungen. Aber der Kongreß billigte in keiner Weise die Ansicht der Opposition, daß diese Forderungen von der politischen Leitung nicht mit genügendem Nachdruck vertreten worden seien. Er hat Weizmann und Sokolow mit sehr großer Mehrheit wiedergewählt und damit ihre politische Führerschaft gegenüber den Protesten der Opposition anerkannt Auch die Bekräftigung der Resolutionen des XII. und XIII. Kongresses in der arabischen Frage, der Gruß an Herbert Samuel, schließlich und vor allem die volle Billigung des Jcwish-Agency-Programmcs beweisen den Willen des Kongresses zur Stützung der von Wcizmann und Sokolow auch auf diesem Kongreß verteidigten Realpolitik. Sic will, unter vorsichtiger Abschätzung und durch allmähliche Beeinflussung der gegebenen \W.cr,:- faktoren außerhalb und innerhalb des Judentums, ausgehend von dem festen Stützpunkt der durch das P?< lästinamandat gewonnenen Position, den moralischer, und materiellen Wirkungsbereich der zionistischen Idee schrittweise erweitern. Wirtschaftspolitisch hat der Kongreß ke;nc prinzipiellen Entscheidungen, vor allem keine prinzipiellen Acndcrungen gebracht. Die mit Spannung erwartete Auseinandersetzung zwischen Arbeiterschaft und vierter Alijah, zwischen Industrie und Landwirtschaft hat antithetische Zuspitzungen selbst in der Debatte vermieden und hat sich, als es zu praktischen Entschließungen kam, in Kompromissen, also im Sande verlauten. Das ist bei dem Mangel an klärender Vorbereitung \ ielieicht das beste, befriedigendste Resultat der ganzen KorgrcGverhandiungen. .Wozu auch die Ucbcrspaunung des theoretischen Streites,'wenn ein einziger Bück auf den Stand unserer ländlichen Wirtschaften, ein zweiter Bück auf den Rahmen des Budgets größere Abweichungen von der Linie des Gewesenen ausschließen mußten. Mau muß dieses Ausglcjchscrgcbnis um so klarer hervorheben, als zu erwarten ist,- daß die Arbeiterschaft in gewisser, Beschlüssen des Kongresses Symptome eines radikalen Kurs- (

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.