Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 70 (4.9.1925)
- Date
- 1925-09-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Konto Nr. 1V07C&. ,° i0n'SChluß Sonntag end Mittwoch nachmittag. 7'Din ,>T>X TtO XXX. Jahrs:. i, flonUmm erstrebt fOr da» jüdisch« VcBk cSio Schagfaag Rainer ggfonSHch ■ rechtlich gesicherten Heimstätte In Pa35s«na. „Cascler Prograrara.«« P* TTT> 1 Tl rs ^l^TAT F TV3 ss tossciiafesse ®ies MV. a©nn$F€§ses | Rückblick | RW, Wien, 1. ScptemSer. \ ,\roch ist nicht der Moment gekommen, um die Ergcb- L des Kongresses im Einzelnen zu werten. tWir ,cn( seine Hauptbedeutung, wird darin liegen, daß. 'jn der Erkenntnis des wahren Wesens unserer i .rc<;sc, in der Kritik unseres Parlamentarismus, etwas '•r bringt. Der Kongreß ist seiner Zusammensetzung . £jn gutes Parlament, wahrscheinlich ebenso gut In anderes Durchschnittsparlament des europäischen •nents; aber die Art seiner Tagungen macht ein cr- :ichcs und sachliches Arbeiten fast zu einem Ding Unmöglichkeit. Etenn eine Körperschaft, die über •;cn komplizierter Natur, die Tag für Tag im Leben eich gehen, zu entscheiden hat, darf nicht darauf .vicsen sein, in zwei Wochen fertig zu werden und auf zwei Jahre in alle Weltrichtungcn auscinandercn; sie müßte mit den Realitäten enger verbunden jnd dürfte nicht gezwungen sein, vorschnell fertig erden. Zumal wenn sie aus so verschiedenartigen : :nten besteht, die erst allmählich für die parlairische Zusammenarbeit erzogen werden, sich gegenlassen müssen. L'ntcr diesem Gesichtspunkt gesehen, scheint es fast weidlich, daß in immer steigendem iMaße der erpunkt der Arbeit aus dem Kongreß in einen iigeren Ausschuß verlegt wird, in diesem Fall ins ■ns-Comitö. Der XIV. Kongreß hat zum ersten Mal -n man von der Londoner Jahreskonferenz absieht, Hein Kongreß war) auch die Wahl der Exekutive - A.-C. überlassen. Dies ist eine Neuerung, die von;:n Seiten bereits seit längerer Zeit vorgeschlagen Je; der Kongreß aber ging diesen Weg offenbar nicht planmäßiger Absicht, sondern unter dem Zwange :r schwierigen Situation, die infolge der Abreise Dr. i'.^anns nicht mehr zu lösen war. Gefühlsmäßig '/dieses Resultat unbefriedigend, denn die Neuwahlen '■n den traditionellen Höhepunkt des Kongresses; ' :isch aber ist dieser Ausgang vielleicht besser als überstürzte Lösung unter dem Drucke des heran- ■ "den Kongreß-Endes. Dennoch zeigt uns dieses icl, wie reformbedürftig unsere Verfassung und die i'smcthodcn des Kongresses sind, und wie der Kdnauf eine gründliche Vorbereitung angewiesen ist. u'csc Vorbereitung hat gefehlt. Die Exekutive hat den Willen gezeigt, den Kongreß zu einem beten Ziel zu führen. Die Parteien waren nicht im- -c, eine tragfähige Gruppe zu bilden, die die Gcdes Kongresses selbst in die Hand genommen Das Fraktionssystem, im Wesen des Parlamcntarisöegründet, und auch bei uns zweifellos berechtigt, : 'naßlos überspannt, keine Partei kann von ihren Interessen das Geringste aufgeben und verliert r alles in einem Kampf, der oft nur als hysterisches "'jften, nicht als rationales verstanden werden kann. rr Schlußsitzung gab es einige derartige Abstimmen, in den Fragen der Alijah und des Chaluz, die :ccht betrübendes Bild boten. Denn es zeigte sich, °-t nicht das Rechtsempfinden und die sachliche Willing den Ausschlag gibt, sondern die Partcilcidcn- | reißt alles mit. Wie wäre es sonst zu erklären, daß r^urdcr Antrag wie der, alle Chaluzorganisationen -kennen, die in Zukunft gebildet werden, vor einem; Jn Forum überhaupt nach Kommissionsberatung (!) bracht werden kann! Es war auch interessant, daß;;' die Anerkennung der religiösen Chaluzim, die aus '!er> Gründen den Misrachi verlassen haben, bei der Abstimmung die ganze Rechte stimmte, ohne 7u besinnen, wie sehr sie sich bloßstellt. Dabei c 7- B. ein amerikanischer Zionist, der vor einigen ein Buch über soziale Gerechtigkeit geschrieben jetzt als Führer gegen die Linke immer bereit sclhst in einer so unhaltbaren Sache (für die zu .^Cn bei der zweiten Abstimmung sich sogar die Jtc Rechte geschämt hat). Dies alles nur, um die "fCr aus der Position zu verdrängen, die sie sich;u;jrelangcr Arbeit in der Organisation Hcchaluz gejc" haben. Allerdings ist auf der anderen Seite .ysierie nicht geringer, und es ist sinnlos, in einer .■.!'c,Ios einer Zweckmäßigkeitsprüfung unterliegenden ■,1c,v?n „schwarzen Händen" zu sprechen, wie es ^oeiterführcr tat. Besonders, wenn man am nächsten ■;'"lngeht und mit diesen „schwarzen Händen" ein und Trutzbündnis schließt zu dem edlen Zweck,;.^rJen Adolf Böhm und Professor Warburg aus dem;.J ^'knds-Dircktoriurn hinauszuwerfen und . durch Nelson und -r- Rabbi Meär Berlin zu ersetzen. Diese letzte Leistung des Fraktionismus, die bereits nach Schluß des Kongresses fällt, läßt so manche Ereignisse des Kongresses in ganz anderem Lichte erscheinen und zeigt, daß man mit moralischer Entrüstung auch auf der Linken sparsamer sein sollte. So eine völlig absurde Verbindung bürgt in sich nicht nur die Gefahr der Demoralisation, sondern auch der intellektuellen Verarmung der Bewegung, die heute bereits zu spüren ist. Wenn es nicht gelingt, das Fraktionssystcm gründlich zu reformieren, dann werden unsere Kongresse immer schwerfälliger werden. Vielleicht ist der Einhcitsschckcl ein Anfang dieser Reform, vielleicht. aber wird er nur wieder demagogischen Mißbräuchen das Tor öffnen. Denn durch organisatorische Eingriffe kann nur geholfen werden, wenn gleichzeitig eine gewisse geistige Erneuerung vor sich geht. Vielleicht hat uns der eben geschlossene Kongreß diesem Ziele nähergebracht Der Kongreß hat ein Budget von 600 000 £ beschlossen, — ein Budget, das niemanden befriedigt. Es saßen im Saale stille Menschen aus den Sicdlungspunkten im Lande, die Objekte unserer Filmpropaganda, und verstanden, daß die von ihnen sehnlich erwartete Konsolidierung, die sie endlich auf eigene Füße stellen soll, wieder in Zweifel steht. Das Budget ist zu klein. Und dennoch, wie schwer wird es sein, dieses Budget zu decken! Die Delegierten sprachen weniger über die Aufbringung der Mittel als über ihre Verwendung. Aber jetzt, wenn die Tagesarbeit wieder beginnt, steht im Vordergründe die Sorge um die Aufbringung. Die Delegierten gehen jetzt in ihre Heimat zurück, viele werden eine Erholungspause einschalten; es muß dafür gesorgt werden, daß keine Stockung in der Arbeit der Fonds ein-' tritt. Das lebendige Erez Israel kann nicht warten, es drängt vorwärts. Uebcr den Kongreß wird noch manches zu sagen sein. Das Aktions-Comitc, das. seine Arbeit diesmal in viel höhcrem Maße als sonst fortzusetzen hat,:wird \ mit erhöhtem Verantwortungsgefühl an seine Aufgaben, herangehen müssen. * Die Schlußsitzung des Kongresses Sonntag, 30. August, Nachmittag. Organisaiionsfragen Prof. Brodctzky (Lccds) legt im Namen der Organisationskommission eine Reihe von Beschlüssen vor, die das Verhältnis von Kcrcn Ilajcssod und Kcrcn Kajcmcth betreffen, und beantragt, diese Resolutionen zur Kenntnis zu nehmen, ohne ühcr die Einzelheiton zu debattieren. Die Resolutionen werden hierauf vom Kongreß cn bloc angenommen. Aus dieser „A. Ucbercinkunft wegen der Arbeit des.Kcrcn ilajcssod und Kcrcn Kajcmeth" seien hier folgende wichtige Bestimmungen wiedergegeben:. Der K. K. L. ist begründet auf Spenden, der K. H. auf dem Steuersystem. Dieser Teilung entsprechen auch die Propagandamethoden der beiden Fonds. Der K.II, setzt für jedes Land ein Minimum der K. H.-Steucr fest. Dem K. K. L. vorbehalten bleiben alle Formen der Gelegenheit-- aktion. Dem K.II, als Steuerfonds ausschlielHich vorbehalten jede Form der Besteuerung. Der K. K. L. führt keinerlei Aktion, die von Einzelpersonen Zählungen und Zeichnungen auf bestimmte Betrüge verlangen, durch, wie z. B. Dtinam- Aktion. Dir Tjschri-, Channukkah- und Purim-Aklion sowie die Aktion .im 20. Tammus, die den Charakter von Mnssensamralungcn tragen müssen, werden auch weiterhin durchgeführt Der K. K. L. ist eine Barsammlung, die Entgegennahme von Verpflichtungen, Wechseln, Bonds usw., aus-' genommen Testamente, Stiftungen und Versicherungen für den K. K. L., ist in jeder Form ausgeschlossen. Die Büros . der beiden Fonds in jedem Lande sind gehalten, möglichst im Einklang miteinander zu arbeiten, die beiderseitige Arbeit gegenseitig zu fördern und jede Kollision der beiderseitigen Arbeit tunlichst zu vermeiden. Aus „B Kcrcn Ilajcssod": Der Kongreß tritt für die Einberufung des Council des Kcrcn Ilajcssod ein. D I c V c r t r c t u n g der K. H.-Zahlcr, die nicht der Zionistischen Organisation angehören, in das Direktorium des K.II, ist möglichst ohne Verzug einzurichten. Bei der Schaffung der jewish Agency sind die berechtigten Ansprüche der K. H.-Zahlcr auf Vertretung in der Agency zu berücksichtigen. Aus, „C Kcrcn Kajcmcth": . Die vier traditionellen Aktionen des K. K. L., Tischri-, Channukkah-, Purim- und 20. Tammus-Aktion, sowie die Sammelbüchse bleiben dem K. K. L. als Sammclmittcl vorbehalten und dürren für die Propaganda anderer zionistischer Zwecke nicht benutzt und nachgeahmt werden. Aus „D. zionistische Finanzaktionen": Bei der Exekutive in Jerusalem wird eine Zentralstelle für Propaganda eingerichtet, mit der Aufgabe der Regelung, Ordnung und zweckdienlichen Gestaltung der Propaganda des K. H. und K. K. L. sowie aller [ sonstigen Finanzaktionen innerhalb der zionistischen Bc- . wegung im Einvernehmen mit den in Frage kommenden I ' Stellen, . •/;;/. V,- Prof. Brodetz ky legt sodann die ■ Beschlüsse der Organisationskommissron vor: Punkt 1: „Der Kongreß bewilligt für die Ausgaben der Londoner Exekutive für das Jahr 56S6 ein Budget im Höchstbetrage von 40000 £. Die einzelnen Posten dieses Budgets hat das Aktions-Comitc im Einvernehmen mit der Exekutive festzusetzen" wird angenommen. Ebenso der 2. Absatz, wonach das A.-C. auf seiner nächsten Sitzung auf Grund von Vorschlägen der Exekutive über die Beschaffung der zur Deckung des Organisatiousbudgcfs erforderlichen Mittel Beschlüsse fassen soll unter Berücksichtigung der der Organisationskommission vorgelegten Vorschläge. Punkt 2, der in der Kommission mit 13 gegen 7 Stimmen bei 5 Stimmenthaltungen angenommen wurde, lautet: „Die Exekutive ist verpflichtet, bei Aufwendungen für allgemeine zionistische Propaganda bzw. bei Aufwendungen für Organisierung der zionistischen Verbände sowohl die Landesverbände als auch die Soudcrvcrbäudc zu berücksichtigen." Louis Lipsky erklärt, daU dies die Exekutive verpflichten würde, sich mit dem Aufbau der Parteien zu befassen, was nicht Pflicht der Exekutive ist, und beantragt, diesen Vorschlag dem A.C. als Material zu überweisen. Borger H'oalc Zion, Berlin) unterstützt den Antrag der Kommission, da die So n d c r v c r b ä nde dasselbe Recht haben wie die Landesverbände. Die Abstimmung ergiibt eine Ablehnung des Vorschlags von Lipsky mit 13 gegen 39 Stimmen; ebenso wird der Vertagungsantrag Dr. bchmoraks (Lemberg) abgelehnt, worauf der Antrag der Kommission mit 89 gegen 59 Stimmen angenommen wird. Referent Brodctzky verliest hierauf folgende Enunziation der Organisationskommission: „Die Landes- und Soudcrvcrbäudc wurden aufgefordert, im Anschluß an die Schckelkainpagnc eine systematische Aktion für die Werbung von ständigen Mitgliedern der Zionistischen Organisation durchzuführen. In jedem Lande ist mindestens ein Monat im Jahre zu bestimmen, der ausschließlich diesem Zweck zu dienen hat." Der Einheit sschckcl Ucbcr die Frage des Schckcls referiert Dr. Siegfried Moses (Zwickau), der erklärt, daß die Kommission nur die dringendsten {'ragen erledigt hat. Ein Teil der wichtigen Orgauisatiousrcform, deren Lösung man von diesem Kongreß erhofft hatte, konnte leider nicht zur Behandlung g c I a n g e n. Die grundlegende Reform ist die von der Kommission vorgeschlagene Einführung des Einhcitsschckcl s. Dagegen spricht Rabbi üold (Misrachi), der in der Einführung des Einheitsschckcls zahlreiche Gefahren für die Zionistische Organisation sieht, dafür Heitmann (Hitachduth). Bei der Abstimmung wird Punkt 1, lautend: „der Schckel Ist in Zukunft für die ganze Zionistische Organisation einheitlich", mit den Stimmen des Zentrums und der Linken gegen die des Misrachi angenommen. Eine Reihe weiterer Punkte, die sich mit den technischen Bestimmungen bezüglich der Einführung des Einheitsschckcls, der Schckclverwaltung, der Leitung des Laudesschekelverbandes, der Schckelpropaganda und der ordentlichen Schckclgebarung wie auch der Durchführung der Wahlen befassen, werden laut Vorschlag der Kommission dem Aktionskomitee zur weiteren Durchführung überwiesen. Punkt 3, der die Exekutive verpflichtet, die für die Ablieferung der Schckclgeldcr an sie testgesetzten Stichtage strenge einzuhalten, wird angenommen. Nach kurzer Debatte wird auch Punkt 4, wonach der Preis des Schckcls mit einem englischen Schilling bzw. dessen Gegenwert festgesetzt wird, unter Gestattung von Ausnahmen für Palästina, Rußland und Y c m e n , angenommen. Dr. Moses bringt einen von der Kommission abgelehnten Minderheitsantrag vor, der lautet: ,,Jeder Landcsschckelvcrband soll einen bestimmten Prozentsatz als Beitrag der mit der Schckelkainpagnc verbundenen Ausgaben erhalten." Lipsky erklärt, er sei dafür, daß ein bestimmter Prozentsatz den Landesverbänden zur Verfügung gestellt werden soll, es müßte aber ein Höchstmaß dieses Prozentsatzes festgelegt werden. Bei der Abstimmung wird der M i i< d c r h c i t s a n t r a g vorerst im Prinzip angenommen und hierauf bestimmt, daß der Prozentsatz vom A. C festgesetzt werden soll, aber höchstens 10 <Vo betragen dürfe. Dr. Moses legt des weiteren eine Anzahl wichtiger Mitteilungen vor, die dem A. C. zu überweisen sind in beug auf die künftige Gestaltung des Kongresses, um die Arbeitsfähigkeit des Kongresses zu erhöhen. Danach soll, was die Neuwahl der Exekutive betrifft, der Präsident vom Kongreß gewählt werden; er hat die Exekutive zusammenzustellen und sie dem Plenum zu präsentieren. Die Tagesordnung des Kongresses soll in drei Teile zerfallen, von denen sich der erste mit einem Ücbcrblick über die Lage des jüdischen Volkes befaßt und die Generaldebatte enthält. In den zweiten Teil fallen die Beratungen der Kommissionen und die Abstimmungen über die Beschlüsse, in den dritten die Wahlen. Der dritte Punkt betrifft die Umgestaltung der Kommissionsarbeit. Jede Kommission soll höchstens 12—18 Mitglieder zählen, damit ein Teil der Delegierten frei von- Kommissionsarbeit au den Arbeiten des Kongresses teilnehmen könne. Diese Vorschläge werden als Material dem Aktionskomitccübcrwicscn. Dr. Moses legt hierauf folgenden Antrag vor: „Mit dem Abschluß der Generaldebatte gilt die Dccharge für die Exekutive ohne Beschluß für erteilt, es sei denn, daß auf. Grund eines ausdrücklichen Antrages ein entgegengesetzter Beschluß gefaßt wird." Der Antrag wird einstimmig angenommen.