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Jüdische Rundschau · 1925-09-01 · Heft 69 (1.9.1925) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 69 (1.9.1925)
Date
1925-09-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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r-s r"l*ir? ^T^x C"7 /<^ri S7zr\ n r—i r—rn aiiyPüSSiQiiä Einzelnummer 0,25 Goldm&rX. r^jetioa un<* Verlmg W 15. Meinekestraßc 10. Erscheint \a Dl«n»Uj< und Freitag Bezugipr«!» bei der Expedition tätlich 1.85 Goldmark. Vierteljährlich 5.25 Goldmark. '|ilS<i»*b«o0*nl,oU *rwxä,° » dcr WShnrof d«r «ixuelnea Hader b«r«ehael Anzeigen -Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.IL, Berlin W15, Mebekestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Aar«l£«npr«J«i 8 £cipaItNonp«r«iU«x«n« 0,<OC^M. SttflenSef uch« 0.20G.-M. Anici2«mcHaBi Di«n»t*£ und Fr«lt»g nachmitttg 4 Uhr. Telephon: Bismark7165-70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. 1-flr Ociltrrelclit Poit»p«rk»nrn»rat Wien, Konto Nr. 156030. KlrTidiccboilowakeii Pottiparkanenirat l'ratf, Konto Kr. M4J0, Für PoUni Poit§p»rltMi«naint Wartchan, Konto Nr. IVO 708. Redaktionsschluß Sonntag nnd Mittwoch nachmittag. iTDTi | XXX. Jahrg. j, Zionismus erstrebt für das jüdisch« Volk die Schaggmng einer öftentüch - rechtlich gesicherten HoImsiStte In Palästina. „Baseler Programm.*« eile^imiSKl dkir E&rfise }er Schluß des Kongresses — Verlranensvolum ffir Weizmann und Sokolow Telegramm unseres Berichterstatters. Wien, 31. Äugust. Das Plenum des Kongresses tagte ununterbrochen r, Sonntag 3 Uhr nachmittags bis Montag 6 Uhr früh, r Kongreß nimmt die Resolutionen, die je Gebiete der politischen und wirtschaftlichen :;igkeit umfassen, an. ' Weizmann verabschiedet sich Sonntag abend Ohr vom Kongreß, da er abreisen muß. Um 5 Uhr früh schlägt Chajes namens des Peraenz-Ausschusscs vor, .Weizmann und Sokolow itder Bildung der Exekutive zu betrauen, : vom Aktions-Comitee innerhalb von drei Monaten tätigt werden soll. Inzwischen soll die alte Exctive und ebenso der Wirtschaftsrat die Är- :it weiterführen. Der Antrag wird mit 142 zu 25 Stimmen genommen. Das Budget in Höhe von 600000 Pfund ird an genommen. Der Kongreß wird Montag früh um 6 Uhr von Icolow geschlossen. Die Krise RW, Wien, 28. August. Nun stehen wir wieder mitten in der Krise. Die Meinung' der früheren Kongresse wiederholt sich, Pcrsoncnfragc rückt in den Vordergrund. Aber; diesem Kongreß ist die Personenkrise gewisseren versachlicht, sie ist nur ein Begleitumstand, ein '"ptom der inneren Auseinandersetzung, die sich auf i Kongreß voll/Zieht. Auf dem XIII. Kongreß ging um Weizmann, er stand im Zentrum des Kampfes. :?mal geht es nicht um Weizmann; der ganze Kon- 3 steht hinter ihm — mit ganz wenigen Ausnahmen; ' eine Leitungskrisc ist im Moment kein Grund banden. Die ganze Sache kam daher auch ctwlas tischend und kann zu einem guten Teil der schlechte, vor allem der absoluten Unzulänglichkeit des Odiums des Pcrmanenzausschusses, zugeschrieben "fcn. Der Leiter des Pcrmanenzausschusses hat auf »Konrrrcß die Aufgabe, die Situation zu überblicken, delikaten Fragen zu erkennen, die für das Plenum des Resses undurchsichtig sind, und dafür zu sorgen, 1 a"f dem Kongreß das zum Ausdruck kommt, was wirklichen Konstellation der Kräfte und Tcn- "?c<» entspricht. Er muß über den Parteien stehen, ideale Interesse des Kongresses hüten; über c Aufgabe hat man sich bei diesem Kongreß keine ■''"cnschaft abgegeben. Krise, die durchaus zu vermeiden gewesen rc> war offenbar von verschiedenen Seiten gewollt. Kräfte, die darauf hinarbeiteten, haben mit großer Wirklichkeit die ihnen günstigen psychologischen jjente ausgenützt. Ein Teil der Schuld aber trifft ^.Exekutive und Weizmann selbst. Wir haben vor fast Monaten an . dieser Stelle in einem „Nach zwei i: nicn<< betitelten Aufsatz darauf hingewiesen, daß 0 'etttinrr dcs Kongresses und die wirkliche Bcseiti- S dcr in der letzten Kongreßperiode so fühlbaren ,^cl davon abhängt, daß eine tragfähige Mehrheit der Führung Wcizmanns gebildet wird, die ein ^c'lcs Reorganisationsprogramm vertritt und eine ^fähige Exekutive wählt. Die Exekutive hat aber /^ichts getan, und die Bemühungen der deutschen Sation, noch unmittelbar vor Kongreßbeginn eine![le^roppc zu schaffen, scheiterten vor allem an ^erstand der Amerikaner, die offenbar nicht . Rauten, daß sie durch ihr Verhalten die Weizmannn£ ir» Gefahr bringen. Infolge des Fehlens eines i jh'gen, sachlich orientierten Zentrums gewann r<ccl]te sofort die Oberhand. Nun kamen die Früchte vicrjährigcn Verhetzung zur Reife. Man kann Jüm verstehen, welch kleinlicher Haß gegenüber ^Uern und Chaluzim, die noch vor kurzem das '!r jedes zionistischen Propagandisten bildeten, sich :j5h? Hcit^>ur2crncn orientierten Parteien geltend; Diese Tendenz, die. sicher auch heute nicht die Mehrheit des Zionismus repräsentiert, konnte sich durchsetzen, weil der linksbürgerliche Flügel (zu dem zweifellos vor allem Weizmann gehört) nicht imstande war, cht Gegengewicht zu schaffen. Der Kongreß und alle Kommissionen arbeiteten tagelang, in einer Atmosphäre der schroffsten Offcnsivstellung gegen alle Errungenschaften und Positionen der Arbeiterschaft. Gleichzeitig wurde für die Zukunft der neue Kurs proklamiert, der eine Führung der Geschäfte zumindest ohne verantwortliche Mitwirkung der Arbeiter vorsieht. Die Mehrheit ist eine rechte, und angesichts dieser Tatsache konnte man kaum einer linken Partei zumuten, sich in diesem Moment als Regierungspartei zu betrachten. So ist es zu erklären, daß die linken Parteien von Hitachdut bis Poalc Zion, die sämtlich eine Wcitcrführung der Geschäfte durch Weizmann wünschen, sich außerstande erklärten, für ein Vertrauensvotum zu stimmen. Diese Situation war offenbar von den Krise*- machern erstrebt, denn dadurch wollte man die Linke aus der Regierungsmehrheit hinausdrängen und die Exekutive zwingen, gegen Links zu regieren. Es scheint mir allerdings ein grober Fehler der Linken, daß sie sich in diese Lage hincinmanövcricrcn ließ. Die fortgesetzte Verhöhnung seitens der Jabotins'ky- und Grünbaum-Gruppe, die z. B. der Hitachdut dauernd vorwerfen, sie lasse mit sich spielen und akzeptiere in untertäniger Weise doch alles, was mau ihr zumutet, mag dabei auch ihre Wirkung getan haben, zumal die Fraktionen ja auch im Innern mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Das Beste und Klügste wäre es gewesen, von der Institution des Absolutoriums, die in den heutigen Verhältnissen der Zionistischen Organisation gar keinen Sinn hat, abzusehen, und das Vertrauen zu den führenden Männern bei ihrer Wahl zum Ausdruck zu bringen. Dieser Antrag wurde auch von der Z. V. f. D. bereits lange Zeit vor dem Kongreß gestellt, ebenso von der Hitachdut. Leider hat sich der Kongreß '/uni Verständnis der großen Wohltat einer solchen Neuerung nicht durchringen können. Aber auch dann noch hätte man alles daran setzen müssen, sich über eine solche Formel der Dechargc zu einigen, daß die Mehrheit im Kongreß größer gewesen wäre. Allerdings liegt es im Wesen des Fraktionssystems, daß die Fraktionen bei solchem Anlaß für ihre Sonderziele demonstrieren, ohne daß diese Erklärungen ein allzu schweres Gewicht hätten. Das wahre Verhältnis des Kongresses zur Führung, wird durch eine derartige Abstimmung verfälscht; denn in Wahrheit ist die große Mehrheit derer, die sich rechts und links der Stimme enthalten haben, für eine Führung Weizmann, man zwingt sie aber (wegen ihrer besonderen Stellung in der „jüdischen Gasse") Opposition zu spielen. Im übrigen waren sämtliche Deklarationen der drei Förderationen (Misrachi, Hitachdut, Poalc Zion) so abgefaßt, daß der Wille einer Weitcrfiihrung der Geschäfte durch' Weizmann darin zum Ausdruck kam; trotzdem kann man es verstehen, daß der menschlich quälende Eindruck dieser ganzen Deklaranten-Szenc auf die Exekutive so gewirkt hat, daß sie die Konsequenzen zog. Die Frage ist, was nun geschehen soU. Der Kongreß hat sich bis Sonnabend nacht vertagt und soll Sonntag zu Ende geführt werden. Ob dies der Fall sein wird, hängt davon ab, ob bis dahin ein Ausweg gefunden werden kann. Vielleicht werden die Leser dieses Blattes bereits gleichzeitig mit diesen Zeilen das Resultat der Enhvirrungsversuche erfahren; vielleicht auch wird sich die Krise noch einen Tag weiter schleppen. Eine Formel zu finden, die das Vertrauen des Kongresses und den Wunsch, eine Leitung mit Weizmann und Sokolow an der Spitze zu haben, zum Ausdruck bringt, wird nicht schwer sein, und wird von einer überwältigenden Mehrheit akzeptiert werden. Es entsteht aber die Frage, wie die Exekutive aussehen wird. Durch Ruppins Ausscheiden ist eine Lücke entstanden, deren Ausfüllung große Schwierigkeiten macht. Ist Ruppins Abgang eine Kurs-Acnderimg? Handelt es sich lediglich um Rationalisierung und Verbesserung der Wirtschaften, Einführung größerer Wirtschaftlichkeit in den aus nationalem Okkupationsgeist entstandenen Siedlungen, — Ziele, die die Arbeiterschaft selbst anstrebt und für die sie Hilfe freudig begrüßen wird — oder handelt es sich um eine Ausschaltung der Arbeiterwirtschaft zugunsten eines zum großen Teil noch imaginären Mittelstandes? Handelt es sich um eine Ersetzung des Chaluzgclstes ak treibender Kraft durch den Geschäftsgeist? Diese Fragen werden naturgemäß von der Arbeiterschaft aufgeworfen, und wenn etwas geeignet war, sie mit Mißtrauen zu erfüllen, so war es der Verlauf dieses Kongresses. Die. Schwierigkeit liegt nun darin, daß die Kandidaten für die Wirlschaflsämtcr nicht mit den Arbcitcrvcrtrcterrt in eine Exekutive gehen wollen, gleichzeitig aber es ablehnen, ihre Posten zu übernehmen, falls nicht die Arbeiter zustimmen. Aus diesem Widerspruch gilt es jetzt einen Ausweg zu finden. Wenn es gelingt, eine Palästina- Exekutive zu bilden, die sich auf ein starkes bürgerliches Zentrum stützt, so dürfte u. E. auch die Anteilnahme der Flügclparteicn durchaus tragbar sein, zumal jede Exekutive in den Wirtschaftsrcssoris, vor allem Kolonisation, auf die positive Mitarbeit der Arbeiter angewiesen ist, wenn sie nicht in Kürze in Schwierigkeiten geraten will. Diese Fragen müssen innerhalb der nächsten 48 Stunden geklärt werden. Denn bevor eine Liste der Exekutive bekannt ist, kann die Formel, die den schlechten Eindruck des Absolutoriums korrigieren soll, nicht zur Abstimmung gelangen. Es scheint aber, daß eine Lösung der Krise bevorsteht, — falls nicht neue Ucbcrraschungcn eintreten. Die Sensibilität des Kongresses ist durch die Ereignisse etwas gemildert, und es ist zu hoffen, daß die Schlußvorgänge mit mehr Vorsicht und Klugheit abgewickelt werden als die ersten Akte. Der Verhandlungsberichi Zwölfte Sitzung Mittwoch, 20. August, abends. Sokolow (hebräisch) begrüßt namens des Kongresses den anwesenden hebräischen Dichter Sani Tschcrnichowsky und beglückwünscht ihn zu seinem 50. Geburt*, tag. Der Kongreß bereitet Tschcriiichowsky, der sich in seiner Loge verbeugt, große Ovationen. Schlußwort Dr. Halpcrn Dr. Halpcrn: Die Herren von der Linken haben meine bescheidene Anfrage, ob das von mir entwickelte Programm auf ihre Billigung rechnen könne, mit einem entschiedenen Nein beantwortet, und zwar unter absoluter Betonung dessen, daß alle Dinge, die ich vorschlafe, auch von ihnen für richtig erachtet werden. Ks ist der Ton, der die Musik macht, und dieser Ton hat ihren Beifall nicht gefunden. Wenn man mich zum Reaktionär und zum Vertreter der kapitalistischen Weltanschauung machen will, so werde ich mich nicht verteidigen. Wenn man mir jedoch vorwirft, daß ich in die Verschwommenheit unserer Wirtschaft einige Klarheit bringen will, akzeptiere ich das gern. Ich fürchte mich nicht vor Banalitäten und nehme das Odium, ein Buchhalter zu sein, auf mich. Ich kann mir vorstellen, daß man Dinge unter Aufopferung und Begeisterung macht, und doch seine Bücher in Ordnung hält. Gegen ein Lob des Herrn Rem es muß ich mich verteidigen. Lr hat mich in Schutz genommen und gesagt, ich sollte meine Verdienste um die Industrie nicht verkleinern. I;s handle sich nicht nur um die IS 000 £ nationalen Kapitals, sondern auch um die Kredite-, die von den Banken gegeben wurden, und das'-Geld der Banken sei genau so zionistisches Geld wie das des Keren Hajcssod. Das ist falsch. Der Direktor der Bank hat im Interesse seiner Aktionäre und Depositeure darüber eine ganz entgegengesetzte Meinung. F.s wurden die Kredite für die Silikatfabrik und die Agudath netajim erwähnt. Die Bank mußte der Silikatfabrik, die wie so vieles in Palästina zu groß war. einen Kredit einräumen, weil es sich erstens um ein Unternehmen mit 100 jüdischen Arbeitern handelte, und zweitens um einen Kredit unter dinglicher Sicherheit. Die Bank hat 100 «Vn der Kontrolle bekommen, während der Solei Boneh sich entrüstete, als wir dort eine stärkere Kontrolle forderten, obzwar unser Kredit dort 70 000 und die. I-inlagc der Arbeiter bloß 10 000 C beträgt, während heim Silikat das Privatkapital wesentlich größer ist als der Kredit. Wir haben das S i Ii k a t d u rc h g c h a 11 c n , das Unternehmen floriert, zahlt Zinsen und beginn1-, Kapital abzuzahlen. Agudath netajim ist auch eine Sache der Privatinitiative, einer Gruppe russischer Freunde. Die Pflanzungen hätten im Kriege zugrunde gehen müssen, wenn wir nicht, ohne aufgefordert zu sein, eingegriffen hätten. Wenn keine Katastrophe eintritt, wird die Bank ihre Forderung nicht verlieren. Ich bin natürlich nicht dagegen, daß nationale Gelder in notwendiger Weise unrentable Unternehmungen gesteckt werden. Gegen die Verwendung nichtjüdischer Arbeiter in der Agudadi netajim, die keineswegs der A. P.C. gehört und deren Verwaltung nach wie vor von den Besitzern geführt wird, haben wir gekämpft, und ich kann Ihnen versprechen, daß wir gelegentlich des neuen Abschlusses alles versuchen werden, um die Beschäftigung jüdischer Arbeiter sicherzustellen. Sagen Sic nicht, daß auf einer Seite die landwirtschaftliche Arbeiterschaft steht und .auf .der anderen dic,$Deku-

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