Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 64-65 (14.8.1925)
- Date
- 1925-08-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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T Seite 558 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 64/85 Ich fragte sie, ob sie denn nicht die ihnen von früher her bekannten Strafen einführen sollten, wobei ich mich natürlich hütete, die Sitten ihrer ehemaligen Erziehung verächtlich 7U machen. Es gab Antworten von allen Seiten: „Ja, die Ordnung würde besser gehen", „aber die Kinder würden anlangen, sich vor den Lehrern zu Iürchtcn", „sie werden nicht mehr offen sein", „sie werden keine guten Kameradinnen sein", und ein Mädchen machte den Beschluß: „und man darf nicht hundert Kinder verderben der Ordnung zuliebe''. Niemals werde ich den Ton dieser Bemerkung vergessen, bitter, kummervoll, erprobt In der Erziehung des Waisenhauses: Und man darf nicht hundert Kinder verderben der Ordnung zuliebe. Und dachte mir im stillen: Wann wird der Waisen rat diese tiefe und einfache Wahrheit verstehen lernen? Zwangsgehorsam, Aeußerliclikeit, Polizeigeist, — wer wird sich noch wundern, wenn Menschen, die in diesem Geiste ihre Anstalten leiten, kein Verständnis haben für die Forderungen der Gemeinschaft und ihren Wert in der Erziehung. In allen Anstalten essen die Kinder und die Erzieher gesondert (so kann der Erzieher auch leicht das Stillschweigen bei Tische fordern, eine Maßregel, die ihn nicht trifft). Bei dieser Ordnung gibt es zuweilen für die Erzieher besonderes Essen, und außerdem richtet sie eine Scheidewand auf zwischen Zögling und Erzieher. Ich verlangte von Anfang an einen für alle gemeinsamen Mittagstisch und ein Verbot für die Familien, eine besondere Küche zu führen. Ich stieß auf Widerspruch bei Mitgliedern des Waisenrates, man erklärte, daß es für die Mädchen von Nutzen sei, in ihrer Umwelt auch Familicnsittcn kennen zu lernen, aber schließlich stimmte man mir zu, und ich freue mich, daß man in einem später gegründeten Heim gleichfalls unsere Tischordnung eingeführt hat. Was soll ich noch viel über andere Fordeningen unseres Gemeinschaftslebens reden! Wir mußten nach meiner Meinung das Vorurteil der Kinder bekämpfen, daß an erster Stelle der Schuilehrcr steht, an zweiter die Erzieherin, und an diit'.cr der Arbeiter: ich verlangte, daß der Lehrer nur zwanzig, höchstens vicrundzwanzig Stunden wöchentlich unterrichtet, um frei zu sein für die Arbeit mit den Kindern: ich stieß auf taube Ohren. Ich widersprach den Gehaltsstufen de*Waisenrates, nach denen der einfache Arbeiter sich mit dem Minimum begnügen muß, der gehobene Arbeiter mehr bekommt, die Erzicr.etiht en ebenso eingeteilt sind, der Lehrer mehr als beide erhält, uno oer Leiter das Doppelte; ich verlangte eine Gehaltsskala, die von der Art der Beschäftigung uno der Bildung absieht und basiert ist auf dem Familienstand (unverheiratet oder verheiratet), der Anzahl der Kinder und dem AHer der Angestellten, auch dem widersetzte man sich mit Nachdruck, bewilligte allerdings eine Herabsetzung der hohen Gehälter. Und wie der Waisenrat die Bedürfnisse der Gemeinschaft nicht anerkannte, so hatte er auch kein Verständnis für die persönlichen Bedürfnisse der Erzieher und der Kinder. An einem so entlegenen, vom Strome des geistigen Lobens unberührten Punkte müssen für die Mitarbeiter Bedingungen zur Weiterbildung geschaffen werden: Arbeitszimmer, eine pädagogische und fachliche Bibliothek usw. Für diese Zwecke standen nur Gelder zur Verfügung, die Touristen bei ihren Besuchen spendeten, und der Waisenrat begriff nicht, daß Mensehen die ein solches Heim gründen, auch die Pflicht haben, die persönlichen Bedürfnisse derer zu berücksichtigen, die das neue Geschlecht erziehen sollen. Die Nichtachtung der persönlichen Bedürfnisse der Menschen zeigte sich vor allem in den Fragen der Schule, der Bildung. Hier ein paar Beispiele, die diese Einstellung beleuchten sollen. Ich schlug den Kauf eines Mikroskops zum Gebrauch der Lehrer und der Schülerinnen vor. sie spotteten ühcr dies Verlangen. Wer weiß nicht, wie dies Instrument dem Kinde eine neuej wunderbare Welt erschließt und ihm die Geheimnisse des Daseins eröffnet, sie aber: was haben Waisenkinder mit den Geheimnissen des Daseins zu schaffen? Als ich die Notwendigkeit betonte, in unserer Schule, als einer Arbeitsschule die Grundlagen der Geometrie. Phvsik und Chernic zu lehren, die schon längst Eingang in alle Volksschulen gefunden haben, antwortete man mir, daß Kochen wichtiger aU Chemie sei, und einmal verbot man den Unterricht der Geometrie in unseren höheren Klassen. (Ich schäme mich nicht, zu gestehen, daß ich dieser Forderung nicht gehorchte.) Den klassischen Ausdruck für diese Anschauung fand Herr Mohl: „Wir brauchen Lesen, schreiben. Rechnen, — sonst nichts." Ich verlangte Arbeitszimmer, ein Lesezimmer, ein Spielzimmer, .die Mittel hierzu waren in meiner Hand, die erwähnten 300 £, — noch heute werden diese Dinge nicht richtig geordnet. Vor den hohen Feiertagen machte ich darauf aufmerksam, daß der Gottesdienst im vorigen Jahre im Gotteshause der Kolonie die Mädchen nicht befriedigte, in ihnen keine religiöse Stimmung erwecken könnte, und so bat ich in diesem Jahre einen Vorbctcr zu engagieren. Ich gab als Grund an, daß eine Grundlage des religiösen Lebens die nationale Vergangenheit und ihre Tradition ist, daß die Seele der Nation, ihre | eiden und Freuden seit zweitausend Jahren, ihren Widerhall in den Melodien des Gottesdienstes fand und in ihnen noch lebt — dieser mein Vorschlag wurde von Waisenrat mit Spott und Hohn aufgenommen. Und damit der Leser auch einen Begriff von der Höhe des Stils bekommt, zu 'denen sich die Briefe des Waisenrats zuweilen aufschwangen, Rebe ich einen Teil der Antwort wörtlich wilder: „Was'für r»i Unsinn, einen Vorbeter zu verlangen, solange die Mädr."r" »och nicht ordentlich kochen können!" Und als ich!"nen einmal andeutete, daß irgend etwas Neues in Shcfcja U Y«fC,1SCn SCI' was war dic Antwort?, eine geringschätzige nandbewegung: „ich weiß was Sic meinen — Beziehungen, tic.be, Fieihcit, und was dergleichen mehr ist". Hier klafft der Abgrund zwischen seinen Ueberzcufingen und den unseren. Für ihn war die Anstalt die laiiptsachc, für uns waren es die Mädchen. Nach seiner ■''finung mußte das Heim vor allem blinken wie eine sauber BMeitendc Maschine, deren Teile die Mädchen waren; wir ^ergaben niemals das Ziel, die Persönlichkeit zu entwickeln, nh° wS c'KCncm Willen tätige Persönlichkeit, aufrichtig, -niie Verzerrungen, so daß eine Jede empfinde, wozu sie ujoren sei, und anderen nicht erlaube, den Kern ihres , esens anzutasten und zu fälschen, den Kern ihres eigenen Cel \Bewußtseins, die Wahrhaftigkeit ihrer besonderen ,;rh* c j in S0'3"^ man nicht mit übertriebenen äußer- >,,f i l"0rdcn,npcn* den Forderungen der Ansfaltsmaschinc, die i ■ z?,rtcn Scc,c lastc"- Dns Wnze Janr hindurch klagte *\r vu Bcr^cr« dafi wir ^vicl Erzieher beschäftigten, und a» i icni .wic E^E*- £cradc an dcni M-mgcl an Kräften, n Ucbcrfullc der Arbeit, und baten, um dieser Sorge ledig sein Volontärinnen als Hilfskräfte anzustellen. (Nebenbei, ™ interessante Antwort Herrn Mohls auf diese Forderung:;Vr'r brauchen keine Batlanim", ein schwer übersetzbares P.41üC wa: Möfl'ffffängcr, unpraktische. Menschen, die ohne Bem 1g *Tbcitcn-) Und was war das Heilmittel Fräulein ruK , ic Proßcn Mädchen stärker zur Arbeit heran-!„ £pncn; innen Keinen oder Saum Schulunterricht zu geben, von 5 *ns,taItcn dcs Waisenrates gibt es Mädchen von zehn, rp^u lchn Janren, die acht, zehn Stunden und mehr r ei i "bcitcn und nur zwei Stunden in der Woche Unteren,« bon' odcr höchstens zwei Stunden täglich in den foWK,cinc Mädchen, die das Unglück hatten,, in- »:ch -2CS Krie2« keine Schule besuchen zu können, und statt mzeul an*unchmen und das Versäumte wieder gut zu eÄn» nutzt man sie doppelt aus. Ein Mädchen drückte m*h «s sie ein paar Wochen vorübergehend in Jerusalem war, den Unterschied so aus: „In Jerusalem kommt es darauf an. zu arbeiten, in Shcfcja, «rieten zu lernen". Und nicht genw damit, forderte «hau dieselbe Ausnutzung auch von Shcfcja. Wir verlangten, uns keine fei (ige Wäsche und Kleider zu schicken, damit die Mädchen lernten, ihre Sachen selbst zuzuschneiden und zu nähen, da sie das später im Loben nötig hätten, es gelang uns, eine Fachlehrern zu finden, die im Geiste des Heimes arbeitete, — man entließ sie und stellte an ihrer Stelle eine einfache Nihrrin an. IVnn im Hrr/en empfinden die Mitglieder des Wal-curats nicht die Notwendigkeit, ein produktives Geschlecht für Palästina zu erziehen, ein Geschlecht von Mädchen, die ihren Platz im Kreise der Arbeitenden ausfüllen. Auf Grund der Erziehung, die man in Mcir Shcfeia einführen wollte, werden von dort tüchtige Dienstmädchen hervorgehen. Darum braucht man keinen Schulunterricht, d a r u m kein Zuschneiden und N.ihen, darum vor allein k.iucu Geist der Freiheit, der die Persönlichkeit entwickelt! Fräulein Berger hat das nie ausdrücklich ausgesprochen, bewußt wünschte sie eine Erziehung zur Bäuerin, aber sie wunderte sich öfter, warum unsere großen Madchen nicht gern als Dienstmädchen in ein Privathaus gehen wollten, und die geschilderte Erziehung widerspricht entschieden dem Plan, von dein sie bei der Gründung des Heims sprach, und an den sie, wie es scheint, auch zuweilen glaubte. Dieser Widerspruch zwischen den bewußten Absichten und der Wirklichkeit zeigt sich in der ganzen Ordnung aller Anstalten. Nicht nur, daß die natürliche Fröhlichkeit der Kinder schließlich über den Beamten- und Polizeigeist Herr wird, er ist im allgemeinen dem Besucher von außen nicht sichtbar, er ist hei dem Waisenrat keine feste Theorie, denn wäre es so, so würde die Öffentlichkeit längst dagegen protestieren. Er ist gehüllt in den Schleier eines liebenswürdigen Lächelns von Freundschaft und Liebe, und gerade dieser Schleier spricht gegen sie. Sic führen ständig das Wort von moderner Erziehung im Munde, und das ist die Gefahr: ein schleichendes Gift, den meisten in seiner Wirksamkeit unkenntlich, „Pestilenz die im Finsteren schleicht". Es ist für die Erziehung noch nicht genug geschehen, wenn man eine gute Administration schafft und Anstalten gründet, in denen die Kinder wirklich arbeiten. Es gilt, das innere Band zu knüpfen zwischen der Jugend und dem lebendigen Geist, dem alles Schaffen im Lande entströmt, es gilt, die Seele der Jugend zu wecken, daß sie sich sehne, am Aufbau des Landes zu helfen. Denn sonst, — wer sollte sich wundern, wenn diese Kimler eines Tages aus dem lande sich fortsehnen! Klar ist, und nicht zu feugneu, der Waisenrat suchte neue Wege im Lande, gründete Arbeitsschulen, Werkstätten für Tischler und Schuster, Küchen, gründete Meir Shcfcja und das Kinderdorf auf Giwath Hamorch: diese seine Taten sind gut und rühmenswert, aber er mußte auf seinem Weg Schiffbruch leiden, weil er die Verbindung zu den arbeitenden Kreisen des Landes nicht fand, und weil er in Erziehungsfragcn in einem Meer von längst veralteten Vorurteilen ertrinkt, und die kleinen Seelen nicht verstehen will, die nach Licht, Freiheit, Bildung, eigener Entwicklung sieh sehnen. Darum kann er auch in seinen guten Absichten keinen Erfolg haben, nach dem Ausspruch des Talmud: nimmt ein Tauchbad und hält das (verunreinigende^ Gewürm noch in der Hand. Ich bin nicht der erste, der diese Schäden entdeckt hat. Die meisten Beamten des Waisenrates kennen seine Schwächen wohl, die einen ducken sich, andere kämpfen erfolglos wic wir uni manche verließen ihre Stellen, weil sie diesem Geiste nicht zustimmten. Es handelt sich ja nicht um eine neue Erfindung des Waisenrates, der geschilderte Geist sieht auf eine jahrhundertelange Entwicklung in allen Waisenhäusern der Welt zurück. Charles Dickens bekämpfte ihn mit der ganzen Wucht seines Genies, — aber das ist keine Entschuldigung für den Waisenrat von Palästina, diese Zustande noch heute aufrecht zu erhalten. Ich schließe: Der Waisenrat wünscht, daß in seinen Anstalten ein äußerlicher Gehorsam herrsehe, Gehorsam der Erzieher dem Waisenrat, der Kinder den Erz.ehern gegenüber. Die innere Ordnung seiner Anstalten ist auf Zwang und Poliz.eigcist ausgebaut. So erzeugt er Schmcichlcrci und Lcvantinismus unef erstickt jede persönliche Initiative. Die Ordnung der Anstalten des Waisenrats ist nach außen gerichtet. Die persönlichen Bedürfnisse der Erzieher und die geistige Entwicklung der Zöglinge sind ihm gleichgültig, auch wo sie sich aus der erzieherischen Aufgabe ergeben. Die Hauptsache sind für ihn die Anstalten; nicht das Seelenleben der Kinder, deren Kräfte er ungebührlich ausnutzt. Die Erziehungsmethoden des W.ihcnrats stammen aus d< veralteten Tradition bestimmter Klassen. Sic sind weder der sich erneuernden Gesellschaft noch dem produktiven Leben Palästinas angepaßt. 10. Die Einzelheiten, wie wir Shefeja mitten im Schuljahr verlassen haben, sind für die Öffentlichkeit nicht wichtig. Es genügt zu erwähnen, daß die Stellung des Waisenrats zu uns wechselnd und zweideutig war, von der eruvihnten Sitzung im Juli an his Mitte Oktober. Alle die Winkclzüge des Waisenrats verstand ich nicht und es ist auch nicht wichtig, sie zu verstehen. Wichtig ist die allgemeine Einstellung des Waiscurals. Wir haben es hier mit einer „philanthropischen" Einrichtung zu tun. Und alle Philantropic ist letzten Endes zur Unfruchtbarkeit verdammt, wenn sie nicht vor allem getragen ist vom Geiste der Gemeinschaft. Es Ist der Fluch des Geldes, daß es so leicht zu einem Ding an sieh wird, fähig, im leeren Raum irgend etwas hervorzubringen, das einer Leistung ähnlich sieht. Es verbessert die Dinge, und verschlrehtcit die Menschen. Der Waisenrat glaubt, daß äußere Organisation die Hauptsache, daß sie alles ist. Das Gelingen der pädagogischen Aufgaben scheint ihm verbürgt zu sein durch die organisatorischen Fähigkeiten der Leitung. Aber die Tatsachen bew weisen das Gegenteil. Die eigentliche Arbeit des Waisenrats leistet Fräulein Berger. Ich gestehe gern: kaum kenne ich einen Menschen, der so arbeitet wie sie, eine energische Frau, aktiv, von Morgen bis Abend in ihrer Arbeit tätig, offenen Auges, von außergewöhnlicher organisatorischer Begabung, — und all d.;s hat nicht ausgereicht--. Eine schwere Aufgabe ist uns gegeben, in dem Menschen des Landes jenen Geist fruchtbar zu machen, der aus sich heraus baut, gestaltet. Immer wieder wächst eine neue Jugend heran, aufbauenden, schöpferischen Geistes voll, diese verborgenen Kräfte wollen gestaltet werden. Nur wenn wir das ernsthaft wollen, ohne hochmütige Bevormundung, nicht von oben herab, sondern im tiefem Glauben an diese Jugend, in dem Bewußtsein, eins zu sein mit ihr, nur dann können wir unser Ziel erreichen. Ich schrieb diesen Aufsatz, nicht zu Zwecken der Polemik, sondern um der Ocffentlichkcit die Augen zu öffnen; denn dieser Zustand darf nicht dauern. Die Zusammensetzung des Waisenrats muß anders werden, sie war schon damals nicht am Platze, als er nur über städtische Waisenhäuser verfügte; nachdem Lnndcrziehungshcime mit Untcrrichlszwecken gegründet sind, müßten die öffentlichen Institutionen und die Pädagogen dort Einfluß verlangen. Einzclfordcrungen zur Besserung aufzustellen, ist nicht meines Amtes. Ich wies auf die brennende Wunde, mögen die Acrztc kommen und sie heilen. . , Facbknrsf der Distadruth in Palästina; Wir entnehmen dein Berichte des Kulturamtes der : druth Haklatith in Palästina für dus Jahr 192-1/25 folgen^; über die Fachkursc: ° 1 \ Das Zicldcr Kurse. Die Arbeitcr-Olim sind meiste- * unqualifiziert Auch die aus Europa kommenden qualifiziert.-'.' ' Arbeiter stehen weit hinter den Erforderuisj.cn des Au ihn,;, : des landes zurück." UeberaH in Palästina tut eine l'.-.cl..,' : hildung not. Diesem Maugel teilweise abzuhelfen, ist il( \ der Fachkursc. I Kurse für Installateure, Monteure Ur.-^ Steinmetzen in Jerusalem. Der Kursus für Inr.tjf"? teure dauert täglich 3 Stunden, von November 1021 bis j" ■!- 1025 und wurde von 23 Schülern besucht. Der Kursu«. v;ir'. \ theoretisch wie praktisch durchgeführt. Zum Schluß des Kurt', [ veranstaltete das Kulturamt eine öffentliche Prüfung <jUr.\ \ eine speziell bestimmte Kommission, die aus Vertretern e>- \ Rutcnberg-Elcktrizitäts-Wcrkc, des Tcchnikervercins und cv f Leiter des Kursus, Ing. Kalugai, bestand. Den Schulern uurd | entsprechende Zeugnisse erteilt. Der Kursus für Montr-r, I winde von \\ Schillern besucht. Die Schüler bearbeiten)! hauptsächlich das Gebiet der Gasmotore. Der Kursus fi . f Steinmetzen wurde von 20 Schülern besucht f T e 1 - A w i w. Hier fanden dieselben Kurse wie in Jer„ salcm statt. Die größte Aufmerksamkeit aber wurde de- Bau- und Tischlcrkursen geschenkt, da die in Tcl-Awiw rcr> Bautätigkeit große Anforderungen an Facharbeiter stellt. Dir gesamte Zahl der Schüler betnig 80 Die weitere Entwicklung der Kurse. weitere Entwicklung der Kurse hängt hauptsächlich davor ab, inwieweit das Kulturamt im Stande sein wird, die Fach, kursc mit genügenden Lehrmitteln, wic Instrumente, M2. sehinen, Modelle usw. zu versehen, um die Kurse für iv Schüler nützlich und belehrend zu gestalten. Der Lehrer der Fachkursc, Herr Ing. Kajugaj, befind?: sich gegenwärtig in Berlin, um für die Aufbringung dr nötigen Lehrmittel zu werben. Die Sammlnng Hye der Jödlscben \ationatblbliothek einverklti Der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek in Jm: salern ist es gelungen, die aus 3r>27 Büchern (ca. 7001) B.i.ulr:; bestehende Bibliothek des österreichischen RfrliKgclduUr Anton Freiherr von Hvc zu erwerben. Freiherr von li\» der 1807 bis 1804 gelebt hat, war einer der prominenteste: Juristen der altöstcrrcichischcn Zeit. Seit 1832 Professor der Wiener Universität war Hye in hervorragender Weise j- X der Schaffung der Strafgesetzgebung in den ersten Regien:!^. | jähren Franz. Josefs beteiligt. Hye war Minister der Ki-gieruii; \ Beust um 1S<>7. Sein Name steht unter den Staatsßrur,r;i % gesetzen, welche lSt>7 die österreichisch-ungarische Monarch;« geschaffen haben. Er war Herausgeber der Sammlung de „Erkenntnisse des Reichsgerichtes" und der Zeitschrift „Gcrichtssaal". Seit 1860 gehörte er dem österreichischen Herrenhause an. Sein reich bewegtes wissenschaftliches und pr>|;. tisehes Leben spiegelte sich in der großen Bibliothek, die er während seines Lebens gesammelt hat und die nunmehr in der Besitz der Jcrusalcmer Bibliothek übergegangen ist. Dit Sammlung enthält auch die Handschriften von Hyes eigener. Werken. Die Kosten zur Anschaffung der Bibliothek wurder zur Hälfte vom Wcltvcrband der jüdischen Studentensclnf: und zur Hälfte vom judaistischen Institut der Jerusalems Universität getragen. Der Leidensweg eines Dichlers Wie wir seinerzeit berichteten, war der jiddische Dichter Ahraham Nachum Stenz cl vom Amtsgericht Berlin-Weddinr mit drei Monaten Gefängnis bestraft worden, we'i er als Ausländer sich nicht im Besitz eines Passes bef.uid Zur Begründung der außerordentlich harten Strafe hatte da? Amtsgericht darauf hingewiesen, daß der Preußische Staat ein großes Interesse daran habe, alle Ausländer abzuschieben, „insbesondere aber Leute derartiger brotloser Künste — g a n i a b g c s c h c n d a v o n, o b diese nicht etwa bolschewistische Propaganda oder A e h n 1 i c h c s betreibe n". Stcnzcl war weiter zu einem Monat Haft verurteilt, weil er preußisches Staatsgebiet betreten hatte, trotzdem im Jahre 1021 getr? ihn eine Ausweisungsverfügung ergangen war. Die Berutiin:«- Verhandlung am 27. Juli 1025 gestaltete sich teilweise sehr heftig. Sic zeigt wieder einmal, wic schwer es Jür dcmvV ' Beamte ist, sich in die Lage eines Ostjudcu und zumal cir-o? Künstlers zu versetzen. „Was wollen Sie hier, wir wollen Sic in Deutschland nicht haben, gehen Sic doch zu den Zionistcn!' So fuhr der Vorsitzende den Angeklagten an. Seitens ('r Verteidigung wurde ein Brief von A r n o l d Z w c i g vorgolcs-r. der sich außerordentlich anerkennend über die Fähigkeit'"' und Leistungen A. N. Stcnzcls ausspricht. Es gelang schürflieh, das Gericht von der Selbstverständlichkeit zu übcrzcitren. daß ein Mann wie Stcnzcl keinerlei bolschewistische Ziele verfolgt. Das wurde, auch seitens der Staatsnnwaltsrhaff anerkannt, die übrigens die ausländerfeindiiche Hegriindun:: de« erstinstanzlichen Urteils und insbesondere den ausgesprochener Verdacht bolschewistischer Gesinnung als unerfreulich ahlehnte. Dennoch glaubte das Gericht, über die Ausführuncen der Verteidigung hinweggehend, wegen des Paßvcrgclur.« auf einen Monat Gefängnis erkennen zu müssen <!; o darauf ankomme, die Paßvorsihriflon Ausländern j-eeer.uli<T mit Nachdruck zur Geltung zu biIngen, Auch die Haftstrafr von 1 Monat wegen des Verstoßes gegen die Ausweisung- Verfügung wurde aufrecht erhalten. Wie wir hören, so!: gegen das Urteil Revision eingelegt werdet:. Sinai und GarMni von M. J. Bin Gnriou. Sorbe-i >' diedritte Lieferung, Abraham, erschienen mit f. i'. :.d>';r Inhalt: Der Stammvater Abraham. Die Beschneidun?. Akcda. Der Jahvclmnd mit Abraham. Der Elohimbund Ahraham. Die Opferung Isaaks. Einen ausführlichen Prospekt über das Werk versendet der Morgenland-Verlag, Brdin- Fricdcn.ui, Laubachcr Str. 10. Wir verweisen auch au; die Besprechung in Nr. 55 der „Jüd. Rundschau". Unter dem Titel „P r o k 1 a m a t i o n s - oder Tat* Sachen Zionismus" veröffentlicht Dr. Oskar Epstein eine kleine Flugschrift, die er selbst einen „uneutbehrucher, Beitrag zur Orientierung aller Delegierten und Besucher des XIV. Zionistcnkongresscs4' nennt. Die zionistische Partei, s^ tuhrt er aus, hat eine grundverkehrte Auffassung vom We^r. ihrer Aufgabe, sie lebt in einer Welt der Proklamationen un<i 'gerat damit immer mehr in Sackgassen auf allen Gebieten. Der Autor fordert die Verlegung des Schwerpunktes in die Schaffung von Tatsachen, deron wichtigste Bezirke Kolonisation und Hcbraisierung sind. Die Vorbedingung ist Umbau der Zion. Organisation, vor allem muß die Wahl der Leitung eine "wirtliche Vcrtraucnscntschcidung sein; der Kongreß soll nicht iihcr Einzclfrageu, die er nicht verstehen kann, Beschluß fassen, sondern dem Führer, dessen Programm er akzeptiert, Handlungsfreiheit lassen. — Die interessante Schrift kann um den Preis vou 50 Pfennig (Einsendung von IMk. für 2 Excmpt) vom Autor, Dr. Epstein, HoIubov64, Post Kremze, Tschechoslowakei, bezogen werden