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Jüdische Rundschau · 1925-08-11 · Heft 63 (11.8.1925) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 63 (11.8.1925)
Date
1925-08-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 548 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. A3 selbstverständliche r-oljje dieser j\ouncneriichuii; sein, in der die Mädchen im entscheidenden Alter von zwölf bis sechzehn Jahren festgehalten wurden, daD sie später entweder die freute des ersten frechen Jungen oder aber umgekehrt jedem Jungen gegenüber timutiiilicli, zurückhaltend oder scheu sein werden. f,s g;:b schon Anzeichen einer solchen Entwicklung. In einem Waisenhaus in der Stadt ist diese Gefahr nicht so fro!5, denn dort kommen sie mit Jungen außerhalb des lauses in Verbindung, zum mindestens am Sabbath in den Häusern ihrer Verwandten. l>a!i die gemeinsame Erziehung andererseits dem Erzieher besondere Schwierigkeiten bereitet, soll nicht verschwiegen sein, ist aber keine'Entschuldigung gegenüber der Tatsache, daii wir uns an den Mädchen versündigten, wenn wir sie isolierten. Der Grund hierfür war, daß der Boden von Shefcia für Landwirtschaft wenig geeignet war, und Jungen dorthin zu bringen, ohne ihnen Gelegenheit zum Ackerbau zu geben, widersprach der Idee des Heimes: aber wenn dem so ist, durfte man das Landcrzichungsheim nicht gerade in Shcfeja gründen. Keine Erziehung ohne Form. Alle;. Geformte, Gefaltete ist von ganz anderer Macht als das Ungestaltete, Formlose. Dies war einer der Gründe, die uns vcranlaßicn, das religiöse Element zu betonen. Es war nicht der einzige Gesichtspunkt Gerade wenn wir in unserer Erziehung den Gedanken der Gemeinschaft so stark unterstreichen, dürfen wir uns nicht anmaßen, den bisher stärksten jüdischen Gcmcinschnttswillcn, die Religion auszuschalten, solange die neuen gemeinschuftsbildcndcn Werte, an deren Existenz wir glauben, noch nicht jene Geschlossenheit besitzen, wie die alten Werte, das Produkt der schöpferischen Phantasie und des tiefen Glaubens unseres Volkes. Damit ist die Richtung angedeutet; die nach meiner Meinung für ein Waisenheim die wünschenswerte ist. Es seizugegeben, daß die Verhältnisse es uns nicht erlaubten, sie richtig durchzuführen. Spuren eines religiösen Lebens fühlte man in Meir Shcfeja. Ohne Verbote zu häufen, bemühten wir uns, Ehrfurcht vor den religiösen Gebräuchen zu^ erhalten und zu erwecken. Am Freitag abend Gebet im Chore, Kiddusch und Tischgebet im Nigun, die überlieferten Sahbathliedcr und neue I.jeder während der Mahlzeit, nach ihr begeisterter Tanz, an dem auch die Arbeiter der Kwuzah und die Koloni<tensöiine- und trirhtcr teilnahmen. Der Sabbnth selbst nicht zu Tageswanderungen benutzt, sondern nur zu kleinen Spaziergängen, wenn auch nicht innerhalb der rherlicfertcn Sabbathgrenzc, meist bestimmt z-ir Lektüre von einzelnen Mädchen oder von Gruppen, zu Vorträgen und Gesp ächrn, zu Spiel und Hcg^giiungni mit d?n Kindern von Sichron Jakob, iu-endet winde er mit der Uawdal.ih und Sabbath-/. ..^aiigslicdcni. Diese Schilderung soll aber nicht heißen, daii wir nun wirklich in Shcfeja zu einer geschlossenen religiösen Form gelangt wären. Dazu fehlt uns die Resonanz der Umgebung, eine der wichtigsten v'oi.icJingungcn für das alte rcligiöre Leben der Kchillah. Fs ir4 auch so gut wie unmoglic.il, einen Kreis von Mitarbeitern zu finden, der sowohl in päciag^gisrhen, wie aurii in rel.^iö'-eu I ."agv-.i i!n ir.il;c!i empfindet. Endlich und d.is ist der schwrrigstrPunkt. man denke nicht etwa, daß die Kinder ein unbeschriebenes Bl.ttt sind. Sehr viele von ihnen, mindestens die Hälfte, warm her«, it. durch Erzieher. Lehrer, Uticlicr und Leben ziemlich stark uahi:i beeinflußt worden, daß sie das Religiöse ohne langes Nachdenken bewußt ablehnten. Die wchlicii: Bidung fii'.irt leicht zu dem Gefühl, als ob die religiöse Weit cüu* veraltete Angelegenheit sei, nichts für einen Menschen, der Buchwcishcit besitzt, rechnen kann und Naturkunde gelernt hat. Es gib Mädchen, die dieser ganzen religiösen Welt sich überleben fühlten und mit einem Lächeln, das weh tat, von d^m K.iunii und den Schläfcnlockcn sprachen, den Sitten ihrer Väter und Brüder. Ein dicizcliiijänriges A'.ädchcu, das nach Shcfeja ka.n, äußerte sich: ..Ich habe gehört, daß man in Shcfeja viel betet, das ist nichts für uns, wir sind Freigeister/" Noch s;-!»Iimmcr war, daß die Kinder gesehen hatten, wie Erzieher vor den Augen der Kinder, und nur dann, gewisse religiöse Formen äußerlich erfüllten, ohne von ihnen innerlich berührt worden zu sein. Aller dieser Schwierigkeiten, mögen sf? auf der Kompliziertheit des Problems selbst, oder auf der Weitanschauung der Mädchen beruhen, Herr zu werden, ist schwer. Der Erzieher muß sorgen, daß die religiösen f ormen ihren Anteil an der Gestaltung des Lebens im Heim bdnPcn. (Schluß folgt) 'Berliner Kalender Büro: tferiiner'Ztoni^ii^he Vareinijrnn«, >'*rHn W 11. M<»tn*k«aTxaß« 10 Telephon i Bumarok 11.7.-70 . Po.uohackkonw 12006 Berlin NW 7 1 Kaa«*nT«rv*ltnnic der f*. Z. V. Wochaoprngrarora tl«a JGdiechca RuderUIuba „IwrUb" Dienjt«);. den 11 Au*a«t von * phr »b Heimabend enf der Terraaae am n«u*n rt'.omli«»»« Frte«1ri<«h»hsrnn. rfebnintihle 1" rV.nnerM*«. d-n 1H. Augiia* eb >•> fhr I'ehnncat'etrieb Ki*<1erArhftriOw«ldo Sonntntt. d*n 1*. Anpnat 1» Hlir boMafT+i* Nie<ler»r-hf*oewid« DUrmtnjr. don tft. Anbaut fc Ühr FTeimehend hei fl)wt«» T«ri»l. Ob«n»»e**tT. 41 Donneret««:. d«n /<>• Ahro« i«b * Unr Cebnns"he«.ri«h J.'i«<1eraoh«c*wei<Ja SornKi*. den 2*. Ancnat P TThr h<v>t»f«rtic N»ed«Terhftnew*Jd«_ Gruppe Nordwoat der B. 7. V. Jeden Mitrroeh ehand. in der KondM*rel Lock««, AHonaar Slra.8« 14 Gemütliches Fiolajiromeoceio FiJr »mmnliß« Reaurhar iat der Tierh beim Kallner tn »rfr«e«n Sekretariat <lea Zelra Miaraobl lo Detilachlaod. Sprechatunden tätlich von I-l»» Uhr *b*nde im Mierachi- Zentral bttm, Monbvi<*apt»»^t SUr7ysski in ikw York New York. (J. T. A.) Der polnische Außenminister Graf Alexander Skrz.vnski ist in New York Gast des jüdischen Industriellen Mr. Samuel Lamport im r-ni-vo-'» Onntrv Club. Der Minister machte, in Gesellschaft Mr. I.amport's, Mr. 11erm.in Hörnst--h's (Her.iu<!g'*her der .Jewish Trüiunc"), Mr. Philip W'attenherg's und Mr. Bernard Seinel's efne Rundrei-e durch New York und hielt sich einige Zeit in den von Juden bewohnten Distrikten auf. Besonderes fn'crc-se zeigte er für das Leben der polnischen Juden in Amerika. Wcibf des Roten Mosen David in Berlin P r Verband russischer Juden in B.rlin lud für den 6. August abT'd«; in das I ogenhaus KIci'.tU-. <0 /u rinem W'eüieabenrl fur dir \r>r kurzem rr.-rWnvHe l''«.ti'ti'i'->n des .Mnnrn David blom (Roten Mögen David) r.L eines Zweiges des IntcrnntionMcn Rot<-n Kreuzes ein. Der \V'cii:c.ihcnd war mit einer Begrünung des hrbifi<ehrn Dichters Saul Tscher n iehowski . der dier.er Tage?u\ Pai.isli'n in Belm ein!r;if und de< bekanulen Komponisten. P ofet-Mvs .^»n Moskauer K'onser* vat^riuni D * v: r« Nrhor, der sich in Berlin auf dem Wege nach Palästina befindet, verbunden. Der Präsident des Verbandes russischer Juden, Staatsrat Richter J. Tcite!. begrüßte in herzlichen Worten Tschernieho\vr;\i und Prof. Srhor, <lenen die Versatn'U"]ten «"oße Ovatioiien bereiteten. Saul Tscitertüc!v>vski •'ich darauf einen Vnrfr.ir üb-r \»'ese-i und /irle des Mögen D.'.vid Fdom. der überall ch eiurrreif'-n muß. wo Iticku in Not sind und seinen Beistand .-«i.'-h d-u r,nl.i<<ini-\X"nnder"rn widmen muß. Hierauf snia-li Herr TV. Piui^kus iilier di« interinlionakn Aufleben des Mocjcu f)avid F.doni in seiner 7usamni**narbcit nvt dem Roten ]'-••:.T und den ähnlieh gericld?'en Institutionen. Hieran srMofl sir1, ein intere-saHes musikili.sehes Prograinm, dis von Pr<->f. D.T.id Sil:or rlnreh einen Vor in? ringrl"itet und von {'•va Klr.viT. so'xie s^jn-^m Si'uk. dem hr'-^nnleu Cellisten Mrrii Se.hor nnd «ei-ier Nichte, der Geigerin Vera Schor, bcc4r;(»^., vurtlr. .... Der Sa;»l war mi* dr F-Ii^"«* des Moren David Fdom rrr'.; uii'ickt. Die Flagi/e /rirrt auf bliu-weißem rirp'vi ^: ro<cn Morr'n David, darüher die Auf<eVrift „Mo^en David Fdonr' und dnninter den BihelsJtz: „Wfahawta lerrarha krinocha'* (Liebe deinen Nächsten wie dich selbstV Lclir-Vr.ikanzcn in Pslüstlna. An dem unter der Leitung von Herrn Rabbiner Dr. Liebermann stehenejen Lchreiinnen-Scminar in Jerusalem (Gründung des Misrachi) sind Lehrstellen für Englisch, Naturkunde, Mathematik und Physik zu besetzen. Auskunft erteilt d.is Misuchihüro des Wiener Kongresses, Wien II, Prater- I straße 13. Mclrkingcn werden bis /um 2S. August an die 1 gleiche Adresse erbeten. Zweite jodfeebe croiyralioasitcnlereaz Sonnt3g, den 0 d. M., vormittag;., wurde in Be-]m c> zwtite jüdische Emi^rationskoufcrenz. eröffnet. Es ersrhifnfn uugef.ihr 4') Vertreter aus allen Ländern der Welt. rj,c Konferenz wurde du'ch eine Ansprache von Leo Motzkin eröffnet, worauf die Begrüßungen der erschienenen Vertreter und Gäste folgten. Hervorzuheben sind die Begrüßung, ansprachen des Vertreters des Rei hsamtes für Answ.in.ieiun;. Reg .-Rat Schmidt, des Vertreters der zionistischen Lxt^ kutSvr, Prof. Pick (Jerusalem), Dr. Bernstein (Hia^ Locb (Jiiclisrhc Gemeinde Berlin), Dr. Sciigsohn (Bnci Brith), Jochelmann (Verband ukrainischer Jurjc^ London). Wl. T c m k i n (Jüdische Weltliiiishonierenz). Am Nachmittag: erstattete Dr. Dijour den Bericht über die vierjährige Tätigkeit des Emigrationsderiktoriu™ Latzki-Bertholdi über seine. Reise nach Südamerika und über seine Erfahrungen mit der Untersuchungskom. mission des Völkerbundes und Zwi Aberson (Genf) über dir Zusammenarbeit mit den großen internationalen Hilfv Organisationen. Die sich an die Berichte schließende Debatte war ziem, lieh stürmisch und die Kritik an der bisherigen Tätiget des Emigrationsdiicktoriunir. war sehr heftig. Gottesdienst der B. Z. V. an den Hohen Feiertagen. Di« B. Z. V. veranstaltet gemeinsam mit dem Berliner Misrachi einen Gottesdienst an den Hohen Feiertagen in den Räumen der Mcinckcstr. 10. Preise der Karten (für Herren und Damen) für Vorderplätze 15 M., für di{ übrigen Plätze 10 M., für Jugendliche 5 M. Bestellungen sind möglichst rechtzeitig zu richten an die Berliner Zionistischc Vereinigung, Meinekcstr. 10 (Bismarck 7165/70) und an den Misrachi, Monbijouplatz 1 (Norden 1150) Der Jüdische Nationalfonds und die Lebensversicherung Wie ui;r..::i Lesern bereits bekannt ist, steht die Errichtung einer Vcrskherimg'.-Ahteilung des Jüdischen NationalfoiKh iiiiin flel'vir bevor. Anläßlich der Anwesenheit des Delegierten des Hauptbüros des K. K. L. und eines der Direktoren der „Lebensversicherung Phönix" wurde beschlossen, die Geschäfts, j stelle der Verslchcrungs - Abteilung am 1. September in München, GiselastialU: 21, zu errichten. Die Leitung übernimmt unser Gesinnungsgenosse Herr Sigmund Lioti. — Interessenten stellt die Geschäftsstelle das Material zur Verfügung. Sport Die erste Rennmannschaft des Bar Kochba (Berlin) wird am Sonntag, den 16. August, in Leipzig beim „Nationalen Sportfest" des Leipziger n.illspicllcluhs an den Start gehen. Die Berliner Mannschaft i.-.t durch den finnischen Meisterläufer K a t z sehr verstärkt worden und geht besonders in der olympischen Staffel mit großen Siegesaussichten ins Rennen. Treu mann und Katz werden außerdem nocii am KK)-ni- bzw. IVKI-m-Lauf, Gebr. Kurz, am Hochsprun;; teilnehmen. Die Ergebnisse des Sportfestes werden in dej nächsten Nummer bekanntgegeben. PaiasiiRa-erunflionds fiira nm ll Berlin W 15, Mcinckcstraßc 10. P.Ankkonto: DarrnMAdter und N&tionalhank, Depoi.-Kasse M, KnrfUrBtendanm 52. Postscheckkonto: Berlin Nr. 104951. üsreß SisienisüiLsiisrae! / Jüi naüsnsHonüs E.u. Berlin W 15. Mcinckestr. 10 / Pontsr.heckkonto: Berlin r Wir fronen uns, di« Clebnrt nnanroa iweit«n Sohn»« Raphael nnsciKon eu kflnn»n. Dr. J. To«pllf* and Frau Ida, g*b. niuonbore. Hamburs;. 30. .Tali Möblierte ViU^ in Vorort, nnb« HM>nl>o( und Waaior. b Zlmm«r. 2>ntralboizting u. Oi»fon. Oad. 0«r«c« tu»., großer Garten, en r»rmiet<*n. ritn»U bevorsnet. Crünlhal, Horlin, H»uü»ojrtoipUta A-i T^«phon: M^rkar b~66 ENGLISCH, FCEAKSOTSISCH 8t»noirrarbi*, oi». Pari« Jahr« f;o«e«»n. M«3iR«>r Prcia. KollftcKer. Dcrltn. Heklorsir. 2.1 Eiesanie Privat-Äu^ot rtir B««rdigancr. Ilochioit. 8tndt und K«iMB renaiel ot DAHME, Holetelner Ufer 10 FESTDICHTUNGEN Toaste / Taicllieder / Vorträge Fesizeihragen / Aufführungen. A k t \i . .: lud'Tidnflll! £.SandakfßcrUn»CharIoiicnburg4 ^'iiit/stra>se ^U. lolcphon: bteiDpUtz 80I8. 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