Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 61 (4.8.1925)
- Date
- 1925-08-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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DTf^ 6-.J -3 c—rrr* i fr | u! | l-r\ \ \; ü C-3 £1—3!>L~3 .U.Vb Einzelnummer 0,30 Goldmark r 3 r ' "i f—i r~3 .(jaktion und Verlag W 15, Mcinckestraßc 10. Erachcint ■jg« Dienstag und Freitag. Bezugspreu bei der Expedition tätlich 1.85 Goldmark. Vierteljährlich 5.25 Goldmark. | JfidlscHe Rundschau G.m.b.H.,BerlinW15. Memekestr.10 Anzeigen -Verwaltung tludMbonsoBeat* wwdeo in der WiKrung der •ioxelnen Hader berechnet; frommer 61 | Berlin, 4. VIIL 1925 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Anzeigenpreis: 8 £e»pall.NonpsreillcieUe 0,40 G.-M. Stellensuche 0.20G.-M. Anxelgenschlußi Dient leg uod Freitag nachmittag 4 Uhr. Telephon: Bismark7165-70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für Ooiterreicbi PoiUnarltmennmt Wien. Konto Nr. 156 0J0. FürTicheclioilowtket: Po»t»?»rk««»enatnt Pr«C Konto Nr. Für Polen« Poitiparktuentunt W«r»chau, Konto Nr. 190708. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. r/'Din t | XXX. Jahr^. ,r xionlsmu» erstrebt fflr da» jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Helmstätte In Palästina. „Baseler Programm/*! Die fÄÄÄ ie§ w. i®i§rs§§£§ «i^nlfo^ä vMUäuViNuid^ | Wien, Konzerthaus, 18. ■rster Tag, Dienstag, 18. August. | Eröffnungssitzung 7Uhr abends. I i. Eröffnungsansprachen des Präsidenten i der Zionistischen Organisation Herrn Dr. Ch. I W e i z m a n n und des Präsidenten der Exekutive j| Herrn N. Sokolow.? 2. Begrüßungen. \ 3. Ansprache des Herrn Oberrabbiners Dr. H. P.! C h a j c s, Vorsitzender des zionistischen Aktions- ] Komitees über Zionismus als Weltj problem. •neiter Tag, Mittwoch, 19. August. Vormittagssitzung oi/3 Uhr. : 1. Wahl des Präsidiums. 1 2. Nachruf für die Zionistcn, die in der letzten Koni greßperiode verschieden sind. j 3. Entgegennahme des Berichtes des Kongreßgerichtes über die Kongreßwahlen. ■ 4. Einleitende Berichte zur Generaldebatte.; a) Die politische Lage und die politischen Probleme des Zionismus. Referenten: Die Herren Dr. Ch. Weizmann und N. Sokolow.! b) Die politische Lage und die wirtschaftlichen Probleme des Palästina-Aufbaues. Referent: Herr Dr. G. H a 1 p e r n. 5. Eröffnung der Generaldebatte. Nachmittagssitzung 3Uhr. j 1. Fortsetzung der Generaldebatte. 2. Bericht des Permanenzäusschusses über 6eine Konstituierung. '. 3. Wahl des Resolutionsausschusses. )rittcr Tag, Donnerstag, 20. Ausist, j Vormittagssitzung OVj Uhr.; 1.Bericht über die Tätigkeit der Zionistischen Organis ationinpalästina auf dem Gebiete a) de r Kolonisation. Referenten: Die Herren : Dr. A. Ruppin und S. Kaplansky; l b) des Erziehungswesens. Referent: Herr N. Sokolow; c) der Einwanderung und Arbeit Referenten: Die Herren Dr. H.Pick und J. Sprinzak. 2. Fortsetzung der Generaldebatte. bis 2S. August 1925 Nachmittagssitzung 3 Uhr. 1. Referat: Die Tätigkeit des' Keren-Kaj cm cth. Referent: HcrrM.M. Ussischkin. 2. Referat: Ergebnisse und Aufgaben des Keren Hajcssod. Referent: Herr Dr. B. F c i w c 1. 3. Fortsetzung der Generaldebatte. 4. Wahlen von Ausschüssen. Vierter Tag, Freitag, 21. August. Vormittagssitzung OVs Uhr. Fortsetzung und Schluß der Generaldebatte. Fünfter Tag, Sonntag, 23. August. Vor mittags sitzung OVs Uhr. 1. Die hebräische Universität. Referent: Herr Dr. Ch. Weizmann. 2. Debatte. Sechster Tag, Montag, 24. August. Vormittagssitzung 9Va Uhr. 1. Referat: Zionistische Organisation und Propaganda. Gegenwärtiger Stand und Vorschläge zur Reform. Referent: Herr Louis L i p s k y. 2. Debatte. Siebenter Tag, Dienstag, 25. August Vormittagssitzung OVa Uhr. Kommissionsberichte und Abstimmungen. Achter Tag, Mittwoch", 26. August Vorm.ittagssitzung QVa Uhr. Kommissionsberichte und Abstimmungen. Nachmittagssitzung 3 Uhr. Kommissionsbcrichtc und Abstimmungen. Neunter Tag, Donnerstag, 27. August. Vormittagssitzung 9Va Uhr. Kommissionsberichte und Abstimmungen. Nachmittags Sitzung 3 Uhr. Kommissionsberichte und Abstimmungen. Zehnter Tag, Freitag, 28. August. Vormittagssitzung OVs Uhr. 1. Kommissionsberichte und Abstimmungen. 2. Wahlen. 3. Schluß des Kongresses. Herbert Samuel In Budapest uad Wien Budapest. (J. T. A.) Herbert Samuel hat während rines Aufenthalts in Budapest am 30. Juli eine Abordnung ,"',r Zionistcn Ungarns empfangen. Der Führer der Abord-;'nfT. Prof. Adolf Strauß, begrüßte Samuel in englischer •yachc. Sir Herbert antwortete in einer längeren Ansprache r der er u. a. ausführte: ( »Es ist eine schwere Aufgahc, ein Land aufzubauen. In •■^Mina stehen wir am Anfang unseres Werkes. In dieser;::^ncn und großen Arbeit rechnen wir auf die Mitwirkung s ungarischen Judentums. Die Fahne, die ich aus der Hand %\ wird von meinem Nachfolger Lord Plumer, dem jetzigen -°crkommissar, zum Triumph geführt werden. .In gewissen zionistischen Kreisen erregt der Umstand,;,,s mein Nachfolger kein Jude ist, eine gewisse Beunruhigung. .'s ist aber eine vollständig falsche Beurteilung >r Sachlage, da nie davon die Rede war, daß der Obcr- ""nissar von Palästina stets ein Jude sein müsse. Man ,'r{ nicht vergessen, daß das Judcntm nur eine Minorität Grsamthcvölkcrung Palästinas bildet und man muß mit /n englischen Parlament und der englischen öffentlichen Jinung ebenso rechnen wie mit der Empfindlichkeit der );4bcr. ich selbst war stets bestrebt, ein harmonisches;Jsammcnwirkcn mit den Arabern zustande zu bringen. In Aisser wirtschaftlicher Hinsicht haben wir dieses schon ■ reicht; wenn auch in politischer Hinsicht noch nicht. ... £>c Verwaltung war stets bestrebt, ohne jede Parteilichkeit, Interessen gerecht zu werden. Mcmc Politik ist nicht .?,i Josuas, der nach Verdrängung der kanaanitischen Stämme 's Und besetzte. Wir wollen das Nationalhcim des Juden- ^s in friedlicher Harmonie mit der palästinischen Gesamtbevölkerung aufbauen. .Aus; cscm Gesichtspunkte heraus ist es sehr heilsam, daß an der der Zionistischen Qrg-anUatioo fähige« gemäßigte und nüchterne Führer wirken, deren Politik am sichersten zur Verwirklichung des jüdischen nationalen Ideals führen wird." Am Schlüsse seiner Rede dankte Herbert Samuel für den freundlichen Empfang, den ihm die ungarischen Juden bereitet hatten. * Am 31. Juli ist Sir Herbert Samuel, mit dem Bndapcstcr PersoncnschndldampfcT in Wien eingetroffen. Es hatten sich die in Wien anwesenden Mitglieder des Zionistischen Landcskomitecs unter Führung der Herren Vizepräsident Direktor S. Eplcr und Gcmehidcrat Dr. Plaschkcs, ferner namens des Bureaus des 14. Zionistenkongrcsscs der Leiter Dr. M. Gelber und Generalsekretär Fritz U 11 m a n n sowie ein Vertreter der „Wiener Morgenzeitung" zum Empfang eingefunden. Dr. Ptoschkcs hielt an den Gast eine Ansprache, in welcher er auf den bevorstehenden Wiener Zionistcnkongreß hinwies. Herbert Samuel dankte für den Empfang und erkundigte .sich eingehend über den Stand der Vorarbeiten für den bevorstehenden 14. Zioniste.nkongrcß. Er gah dem Wunsche Ausdruck, mit dem Präsidium der österreichischen Zionistischen Landesorganisation eine längere Aussprache zu pflegen. Sir Herbert Samuel wird mit seiner Familie das Grab Theodor Hcrzls am Döblingcr Friedhof besuchen und sich nach mehrtägigem Aufenthalt In Wien zur Sommcrerholung nach Igls begeben.- * . Nach einem Telegramm des „Bcrl. Tagcbl." benutzt die völkische „Deutsch-österreichische Tagcszcituug" die Gelegenheit der Ankunft Samuels zu antisemitischen Ausfällen und drückt den Wunsch aus, daß Sir Herbert Samuel in der betreffenden Tiroler Ortschaft bei seiner Ankunft einen „würdigen Empfang" finden möchte (!). Die polnische Dreyluß-Märe Von einem gelegentlichen Korrespondenten. Berlin, 30. Juli 1925. Die jüdische Oeffentlichkeit in Polen steht jetzt ganz im Banne des Lemberger Prozesses gegen Jäger, Kornhaber und Genossen. Der Prozeß bildet ein Vorspiel zum Fall Steiger und hat derartig schreckliche Einzelheiten zu Tage gefördert, daß man heute ohne Uebcrtrcibung von einer neuen, regelrechten Dreyfuß-Affärc sprechen kann. Am 5. September 1924 wurde in Lemberg gegen das Staatsoberhaupt Wojcicchowski ein mißlungenes Attentat verübt. Aus 3er Menge wurde gegen den Wagen des Präsidenten eine Bombe geschleudert Sic explodierte, ohne jemanden zu verletzen. Eine getaufte Statistin wies auf Steiger als den Attentäter. Steiger, ein völlig unpolitischer Handclsangcstelltcr, wurde in Haft genommen und büßt fast seit einem Jahre seine Neugierde, als einer unter den Tausenden die Equipage des Staatspräsidenten sehen zu wollen. Das sofort gegen Steiger zusammengetretene Standgericht wies die Sache an ein ordentliches Schwurgericht, und der Untersuchungsrichter Rutka verstand es, die Untersuchung bis auf den heutigen Tag nicht abzuschließen. Einige Monate nach Steigers Verhaftung verriet ein gewesener Kommunist namens Mikietin, daß 'das Attentat von einem gewissen Panczyszyn, einem Terroristen, der bereits in andere Terrorakte verwickelt war, verübt wurde. Er scheute sich jedoch, die Wahrheit öffentlich zu erklären. Im Gefängnis schmachtete ein Unschuldiger — draußen spazierte einer herum«, aul dem der Verdacht lastete., das Attentat tatsächlich verübt zu haben. Um der Wahrheit zum Siege zu verhelfen und die Untersuchung auf alle Wege zu leiten, befaßten sich mit den Eröffnungen des Mikietin die Herren Korn h aber, Jäger und Glas ermann, — Juden aus Lemberg und versuchten mit Hilfe des Privatdetektivs Dwornicki Mikietin zur Anführung von Beweisen zu bewegen. Schließlich trat Mikietin vor den Untersuchungsrichter Rutka und belastete Panczyszyn. Panczyszyn war inzwischen wegen Mitschuld an einem anderen Verbrechen in Haft genommen worden. Nach einigen Wochen widerrief jedoch Mikietin seine Anklage gegen Panczyszyn und jetzt steht Mikietin unter der Anklage der Verleumdung, die Herren Kornhaber, Jäger, Glascrmann und Dwornicki wegen Betruges und Verleitung zur Verleumdung vor Gericht. Seit 16 Tagen wird nun gegen die Genannten die Verhandlung in Lemberg geführt. Die prominentesten Rechtsanwälte, unter ihnen der Präses der Lemberger Advokatenkammer Dr. Grek (ein Pole) und T>t. Landau aus Pr/cmysl, haben die Verteidigung übernommen. Der Prozeß hat in ein Justizpanama hineingeleuchtet; Mikietin hat seinen Widerruf widerrufen und in tagewährenden Einvernahmen vor den Augen der erstaunten Oeffentlichkeit dargetan, warum er seine Beschuldigung gegen Panczyszyn zurückziehen mußte. Der Untersuchungsrichter Rutka und dessen Schriftführer Piotrowski haben ihn zum Widerruf gezwungen, die Protokolle selbst geschrieben ohne auf die Aussagen zu hören, die Unterschrift unter Androhung von Kerkerstrafen erzwungen, ihn dazu verleitet „das Judcngcsindcl" zu belasten, denn es sei besser, wenn ein Jude das Attentat verübt hat, es sei besser, wenn er die Juden Koruhabcr, Jäger und Ghscrmann belaste." Die Protokolle wurden in einem klassischen Polnisch niedergeschrieben, mit einer Randbemerkung, daß dies unter dem Diktat des Mikietin erfolgt sei, während Mikietin — ein Ukrainer — ein gebrochenes Polnisch spricht. Die rüdesten antisemitischen Wendungen gegen die jüdische Gesamtheit wurden in die Protokolle hineingezwängt. Unmittelbar nach dem Attentat gegen den Präsidenten Wojcicchowski bekam die zion. Tageszeitung „Chwila" und der Gerichtspräsident anonyme ruthenischc Briefe, in denen darauf hingewiesen wurde, daß der Attentäter unter den ukrainischen Terroristen zu suchen, aber bereits ins Ausland geflüchtet sei. Nun zwang der Schriftführer Piotrowski, der eine wenig rühmliche Rolle in dieser ganzen Affäre spielt, den Angeklagten Mikietin auszusagen, er selbst hätte diese Briefe unter dem Drucke der Angeklagten Kornhaber und Genossen geschrieben, um den Verdacht von dem Juden Steiger abzulenken! Die Angeklagten Kornhaber, Glascrmann, Jäger und selbst der erfahrene Detektiv Dwornicki bezeugten in der öffentlichen Verhandlung, daß Richter und Schriftführer auch auf sie einen Druck ausgeübt haben. Dem Angeklagten Dwornicki habe Rutka versprochen, es werde ihm kein Haar gekrümmt werden, wenn er die Juden weintunken^ werde, Als gegen ihn aber trotz-