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Jüdische Rundschau · 1925-07-28 · Heft 59 (28.7.1925) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 59 (28.7.1925)
Date
1925-07-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 0,25 Goldmark TWfnN fc3 mr?T i \N! „ j -t poj \ \J} i 5 zc-^ L.^y r..._j c~ <0 C—3 n /,. \ M [i - /=-U I -J E_ J L^...J -c<Jaktioo nnd Verlag W 15, Mcinekestraße 10. Erscheint ■«den Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition Monatlich 1.85 Coldmark. Vierteljährlich . 5.25 Goldmark. wlUBdMb«na«n»«*» v»rd«n ia dar Wahrung dar ainxabeo Undar WachncL --inirimivii'i imr-vi : ■■*: > u\kirviu .lacc Berlin, 28. VII. 1925 Anzeigen -Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.H., Berlin Wl5, Mciaekcstr.lO Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Anx«iOnjM-*Ui 8 £aipalLNonj>arallUialU 0,40 G.-M. 8t#ll«n£ .»n.rb« 0.20G.-M. An>«l(J»n»rbiuOi D i n * t a 2 und F r a i t a £ nachmittag 4 Uhr, 3BS2ZIUZ Telephon: Bismark7165-70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für Oeiterraich: PoiUpurkautnamt Wi«n. Konto Nr. 156030. FilrTte(i«cbo»!owalcei! Po»Uj>ark*«««»n«rat Pra<>, Konto Nr. W 410. Für PoUm Po»Upajlcauoo.mt Waricliau. Konto Nr. 19070a. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. rmnn ok XX?:. Jahr«:. »r Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk dlo Schaffung einer öffoniOkh - rechtlich gesicherten KelmsiUlto In Palästina. „BoscEor Programm." ysilMcemi imm IS.(n>imcigircsJE) s-S in. ScDiMüfaeg, 'dem. miimdi Mcomiäsig^ desa 3. Aragjtinsfl £<2>ZS Ein crnslcs Wert Die Zionistische Organisation ist auf dem Wege, der;om Verein zum Gemeinwesen führen soll. Seitdem die Organisation durch das Palästina-Mandat als Jewish A»cncy anerkannt ist, ist sie eine völkerrechtlich wirksame Institution. Mit dem Charakter der zionistischen Organisation ändert sich die Stellung des einzelnen Zionisten im Rahmen seines Verbandes. Wir haben es immer abgelehnt, fjen Gesinnungsgenossen als ein Vcrcinsmitglicd zu beirichten, das schlecht und recht einen minimalen Vcrtinsbeitrag bezahlt und im übrigen zu keiner Art von Tätigkeit, zu keinerlei Interesse, zu keiner Verantworr.mg gezwungen ist. Verlangte schon die zionistische Organisation vor dem Kriege von ihren Anhängern ein gewisses Minimum an Leistung und Interesse, so müssen diese Anforderungen in dem Maße gewaltig steigen, in dem die Organisation sich in ein staatsähnliches Gebilde verwandelt- und Aufgaben von großer Tragweite übernimmt. Am deutlichsten symbolisiert das die Steucrjeistung, die der Kercn Hajcssod von jedem. Zionisten verlangt. Der Zionist zahlt Steuern, wie sie der Staatsbürger zahlt, nicht Vcrcinsbciträge, wie das Mitglied irgend eines Vereins. Von diesem Gesichtspunkt müssen die deutschen Zionisten an die in.der nächsten Woche stattfindenden Wahlen zum XIV. Zionistenkongrcß herangehen. In einem Verein ist es nicht selten, daß Mitglieder, die am Vereinszweck lebhaft interessiert sind, sich bei Wahlen zurückhalten, weil ihnen die organisatorischen und persönlichen Fragen des Vereins unwichtig erscheinen. Das ist in einer Organisation mit staatsähnlichen Aufgaben unmöglich. Der Zionistenkongrcß wird Richtung und Tempo unserer Palästina-Arbeit, Prinzipien unserer Politik/ Maßnahmen zur inneren Stärkung unserer Organisation zu beraten und zu beschließen haben. Je de rZion ist muß an diesen Fragen leidenschaftlich interessiert sein. Das Wahlrecht ist das höchste Recht jedes Zionisten. Wir verlangen viel von unseren Gesinnungsgenossen, nicht nur in materieller Hinsicht. Wir haben ihm nur ein Acquivalent zu bieten: das Recht, bei den Wahlen zum Kongreß seine Meinung über die Fragen unserer Bewegung auszusprechen und die Männer zu wählen, denen er für die Durchführung seines Programms Vertrauen schenkt. Aber das ist nicht alles. Wir sind stolz darauf, seit dem Augenblick, da Theodor Herzl die zionistische Organisation und den Kongreß geschaffen hatte, eine demokratische Organisation zu sein. Demokratie aber wird zur Farce, wenn nicht jedes Mitglied der Organisation die ihm gewährten demokratischen Rechte wirklich ausnutzt. Die Wahlpflicht ist in manchen europäischen Staaten gesetzlich eingeführt. Wir können sie so wenig erzwingen, wie wir die Stcucrlcistung für den Kercn Hajcscod erzwingen können. Nur das moralische Gewicht der Autorität der zionistischen Organisation kann solche Pflichterfüllung auch ohne die materiellen Gewaltmittel des Staates zur Selbstverständlichkeit machen. Dic Teilnahme an den Wahlen ist Pflicht jedes Zionisten! Wer sich ihr entzieht und — aus wclchenGründcn immer — nicht wählt, verzichtet auf sein wichtigstes Recht als Zionist, vergeht sich gegen eine seiner vornehmsten Pflichten als Mitglied unserer zionistischen Demokratie. . mt ßSMMlg SifMii Die Sitzung des Aktions-Comites in London, die orige Woche geschlossen wurde, war eine gute und '.ützlichc Sitzung, die ihre Aufgabe, den. Kongreß vorbereiten, zu einem guten Teil erfüllt hat, Zwar;onntcn, trotzgrößter Anspannung, ein Teil der ehwebenden «Fragen' nicht zur abschließenden Erledigung gebracht werden, vor allem die Organisationsragen; ein Teil der Probleme mußte offen bleiben und venn das A.C. vier Tage vor dem Kongreß abermals rusammentritt, wird es noch ein gewaltiges Pensum ru erledigen haben, bevor die Fragen zur Entscheidung durch den Kongreß reif werden. . Dennoch hat die Londoner Sitzung etwas geschaffen,. was wir als die wichtigste Voraussetzung einer sachlichen zionistischen Arbeit und einer ruhigen Beurteilung der Probleme beachten, nämlich eine Stimmung' des gegenseitigen Verständnisses, eine Verringerung der oft mehr gefühlsmäßigen, als sachlich begründeten Gegensätze; und wer die Sitzungen der letzten Jahre kennt, weiß, daß es 5uch schon Sitzungen gab, die gerade das gegenteilige Resultat hatten. Eine offene und klare Aussprache, d'e den etwas lädierten Kontakt zwischen Leitung und Bewegung herstellt, ist auch in schwierigen Situationen Stande, beruhigend zu wirken; da sich die Verantwortung gewissermaßen auf einen breiteren Kreis verölt, und dem durch Stillschweigen und durch die leider "^ermächtige. Wirkung unkontrollierbarer, teils unverständiger, teils angstgeborener übertriebener Gerüchte f,zcugtcn Mißtrauen der Boden entzogen wird. Wir haben oft darauf hingewiesen, daß wir die Art und Weise, in der die Leitung mit den Exponenten °er Bewegung verkehrt und der Oeffentlichkeit gegenüber ihre Anschauungen vertritt, für-ungenügend halten. darf aber nicht verkannt werden, daß die Fragen, die Leitung beschäftigen, in. vielen Fällen äußerst delikater Natur sind und daß es in einer politischen Bewegung unmöglich ist, die Gesamtheit ' der Internierten und oft sogar einen kleineren Kreis in alle Einzelheiten einzuweihen. Hier spielt * das Vertrauen c'ne entscheidende Rolle, und wir glauben, daß auch d'e letzte Sitzung bewiesen hat, daß die Führung der •ionistischen Politik in guten Händen ist und das Vertrauen aller verantwortungsbewußten Zionisten verdient Die Aussprache über die politischen Ereignisse der letzten Zeit hat in dieser Hinsicht klärend gewirkt, ünd die Ansätze zu einer großzügigen politischen Prö- Jagandaarbcit, die trotz der Knappheit; der Mitte! von öer Exekutive unternommen wurde, sind zweifellos geriet, unsere politische Position zu verstärken. Es *'ifd Aufgabe des Kongresses sein, Mittel und Wege Zn finden, um der Exekutive die Durchführung ihres ^tischen Aktionsprogramms zu ermöglichen. Wenn Pidings die zionistische Oeffentlichkeit darauf wartet, Plüsche Sensationen zu hören, so wird sie entascht werden. Unsere Aufgabe ist es jetzt das po- "tisch Errungene nicht durch papierene Proteste zu schützen, sondern durch Schaffung von Realitäten zu listigen. Gewisse Kreise neigen dazu,, die politische Situation immer schwarz zu malen; die Führer der heutigen Opposition haben bereits vor drei Jahren erklärt, die Katastrophe sei unvermeidlich und alles sei verloren; dennoch hat sich die zionistische Aufbauarbeit in ständig aufsteigender Linie bewegt, und wenn sich Schwierigkeiten zeigten, so waren jedenfalls die ökonomischen weit größer als die politischen. Mit Recht sagte daher Weizmann' in dieser Sitzung, es sei sinnlos, bei jeder politischen Wendung, so schwierig sie auch sei, von „Katastrophen" zu sprechen, während doch die einzige wahre Katastrophe die wäre, wenn der Kongreß nicht in der Lage wäre, ein höheres Budget aufzustellen als der vorige. Die ungezählten 'Komplikationen, die heute die politische Weltlage bietet und die das politische Weltbild gänzlich anders gestalten, als es 1917 und noch 1919 war, können natürlich auch unsere politische Situation, sofern sie mit der Wcltpolitik im Zusammenhang steht, nicht unberührt lassen. Aber diesen Schwierigkeiten gegenüber können wir nichts anderes tun, als auf der Wacht stehen, und die politische Leitung steht auf der Wacht der zionistischen Interessen; während wir durch ungenügende eigene Aufbauarbeit im Lande unsere Position nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch schwächen. Die Einsicht von der Notwendigkeit einer verstärkten Aufbauarbeit, die von der Zionistischen Organisation nicht allein geleistet werden kann, und bei der alle Juden, die an Palästina hängen oder die in der heutigen Konstellation und angesichts der geschaffenen politischen Tatsachen die Bedeutung Palästinas anerkennen, mitwirken müssen, hat bekanntlich zu der Idee geführt, die heute schon zu einer solchen Mitarbeit bereiten jüdischen Gruppen durch Einbeziehung in die Jewish Agency auch formell mit einem Teil der Verantwortung zu belasten. Die Schwierigkeit dieses notwendigen Schrittes war von Anfang an klar und am wenigsten täuschten sich darüber diejenigen Kreise, die aktiv diesen Ausweg suchten, die sich nicht mit der allzu billigen Kritik begnügten, sondern entscheidende Schritte wagten, um dem Ziele näher zu kommen. Es ist gelungen, Kreise, die nicht zionistisch organisiert sind und wahrscheinlich auch hierzu ungeeignet sind, in einem Maße für Palästina zu interessieren, wie dies früher niemals der Fall war. Die Resultate dic:.er fast übermenschlichen apostolischen Arbeit konnten sich nur allmählich zeigen. Auch die organisatorischen Formen der Agency sollten, wie immer betont wurde, sich im Verlaufe der praktischen Zusammenarbeit allmählich zu ihrer endgültigen Gestalt herauskristallisieren. Die Ungleichheit der Verhältnisse in den verschiedenen Ländern bringt es mit sich, daß eine große Schmiegsamkeit des Systems erforderlich Ist. Diese Erkenntnis ist aber kein Grund, die als notwendig erkannte Arbeit aufzuhalten, vielmehr mußte fortgeschritten werden, um den organischen Prozeß der Entwicklung ausreifen zu lassen. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland hat in ihrer der Vorbereitung des Kongresses gewidmeten Zentralkomitcesitzung im Mai dieses Jahres eine Plattform aufgestellt, die. bei voller Bejahung der Idee der Jcwisb Agency dem Gedanken der - organischen Entwicklung Ausdruck zu geben versuchte. Die Sitzung des A.C. hat nun in der Richtung eine erfreuliche Klärung gebracht, daß die Exekutive sich eindeutig auf den Standpunkt des Landesvorstandes der Z.V. f.D. gestellt hat. Dies kam darin zum Ausdruck, daß die vorn Council der Jewish Agency zu beschließende Konstitution, wie es in einer so neuartigen und unerprobten Sache gar nicht anders möglich 'ist, zunächst nur für drei Jahre Geltung haben soll. Nach Ablauf dieser Zeit wird auf Grund der gesammelten Erfahrungen eine neue Erörterung der Form der Weiter« arbeit erforderlich sein. Daß diese Schritte keine Acnderung des Mandates bedingen, ist nur eine Selbstverständlichkeit. Es ist aber sehr gut, daß —• mit Rücksicht auf gewisse, zumindest leicht mißzuverstchende Acußcrungcn, die von einem Teil der Presse verbreitet wurden — diese Selbstverständlichkeit nun auch ausdrücklich von der Exekutive ausgesprochen wurde, so daß ein Herd der Beunruhigung beseitigt ist. Der Kongreß wird also in dieser Sache vor einer klarer. Situation stehen, und wir glauben, daß auch einem großen Teil der Agitation, die gegen die Agency entfaltet wurde, durch die Erklärung der Exekutive der Boden entzogen ist. Das Palästina-Budget konnte der Sitzung noch nicht unterbreitet werden, da die Arbeiten noch nicht abgeschlossen sind. Obwohl man also noch nicht über Ziffern sprach, war doch das Gefühl allgemein, daß hier der Kernpunkt der ganzen zionistischen Situation liegt. Der XIII. Kongreß hatte mit einer kleinen Einwanderung und mit relativ geringen Erfordernissen zu tun, und auch er konnte mit der Budgetfrage kaum fertig werden. Denn es erwies sich auf Grund der gemachten Erfahrungen als unerläßlich, das Budget den zu erwartenden Einnahmen anzupassen. Im Laufe dieser zwei Jahre sind aber die Erfordernisse außerordentlich gewachsen. Neben der Zionistischen Organisation, neben Kcren Hajcssod und Kcren Kajcmcth, hat sich eine gewaltige wirtschaftliche Tätigkeit entwickelt, die Kontrolle ist fast unmöglich geworden, die materiellen Möglichkeiten der Organisation waren gering, ihre Beweglichkeit durch das für die dringendsten Erfordernisse festgelegte Budget völlig beschränkt. Neben ihr sind eine Reihe neuer kolonisatorischer Großmächte emporgewachsen, die zwar zum Teil zionistischen Charakter haben, aber doch sich dem Gesamtplan nicht einfügen, z. B. die Bodcnkaufsgcscllschaftcn Mcschck und Zion Commonwealth. Für manchen Posten war die Einhaltung des Budgets unmöglich, z. B. bei den Ausgaben für Immigration. Eine Frage dieser Art beschäftigte auch das A. C, nämlich die Verpflichtungen gegenüber dem Schulbudgct, zu welchem der Kcren. Hajcssod 20 000 £ nachzutragen genötigt war, da die lokalen palästinensischen Instanzen den auf sie entfallenden Teil nicht bezahlt haben. Dies ist ein wunder Punkt und es liegt hier eine Anomalie vor, zu deren Beseitigung Schritte unternommen werden müssen. Das A. C. konnte sich, zumal das Urteil eines Schiedsgerichtes vorliegt, der Tatsache nicht verschließen, daß die zionistische Exekutive, da sie die Lehrer anstellt, die Verantwortung für die Gehälter trägt;

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