Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 56 (17.7.1925)
- Date
- 1925-07-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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hrfr.56 JOEHISCHE RÜNÜSCHXa Seite 485 Nationale Politik oder Schtadlomis i Von Josef Blurabcrg. I Di« Vorgänge, die unter dem Namen „Jüdisch-Polnische j-^andlungcn" bekannt sind und die in der sogenannten „Vcr- ■ jndigung" ihren vorläufigen Abschluß gefunden haben,?\urdfn von ^er i"^'scncn Oeffcntlichkcit in allen Ländern -<:t gespanntem Interesse verfolgt. Merkwürdigerweise war . ',.cs Interesse ein rein äußerliches. Man spürte ein gewisse viitigünuig darüber, daß die polnische Regierung mit den i-jeu Wi€ mii ihresgleichen verhandele, man vermerkte bcjeden Empfang der jüdischen Parlamentarier beim; 'j;,i5chc:i Premier. Vergebens würde man aber in der gelten jüdischen Presse außerhalb Polens nach einer tieferen „3l\>c der Situation, in der sich die Verhandlungen abgespielt "'•aben, suchen. Nach Bekanntgabe der Verständigung wurde t'ic'von der ganzen Presse außerhalb Polens einmütig begrüßt, v obei gar kein Versuch gemacht worden ist, die Ergebnisse ,:icscr Verständigung nüchtern abzuschätzen. Dies ist sehr hedauerlich, weil die Verhandlungen für das polnische Judentum Schr weittragende und, um es gleich zu sagen, unheilvolle Folgen haben können. |; Vor allem war die Basis, auf der die Verhandlungen geehrt worden sind, für uns keinesfalls annehmbar. Es handelte jCh bei diesen Verhandlungen keineswegs um besondere j'rivilcgicn, die das Judentum für sich beanspruchen 'wollte, sondern einfach um die Rechte, die ihnen, wie allen eilfertigen bürgern des Landes, zukommen. Es kann deshalb Trine Rede davon sein, daß die Juden für ihre Rechte, die jn der Verfassung verankert sind, besondere Zugeständnisse und „Loyalitätserklärungen" machen müssen. Dadurch, daß jic ihre vitalsten Rechte durch einen besonderen Preis erlaufen, stellen sie, sich selbst auf die Stufe von Bürgern ■weiten Ranges.' Das ist im Grunde genommen eine prinzipielle Rechtfertigung der antisemitischen Politik der pol- -!«chen Regierung. Dieses erste Zugeständnis, das Grabski ■ dangt hat, wiegt alle Erleichterungen, die man zu erreichen liofft, auf. ' Aber vielleicht ist diese Auffassung doktrinär, vielleicht ,!arf man sich nicht auf Prinzipien versteifen, wenn man nur ,;;c wahrhaft furchtbare Lage der Juden erleichtern kann! Nun, wie sehen diese Erleichterungen in Wahrheit aus? Die Liste der jüdischen Postulatc, so wie sie der „Naje Haint" ■cröffentlicht (s-. Jüd. Rundschau Nr. 51) sieht in der Tat imposant genug aus — eine ganze Reihe von Zugeständnissen •uil dem wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Gebiet, betrachtet man sie aber genauer, so zerfallen sie alle in Nichts. Die wirtschaftlichen und politischen Konzessionen haben entweder keinen großen praktischen Wert, oder sind in einer iorm gehalten, die es der Regierung und den ausführenden Organen ermöglichen, sie zu sabotieren. Man darf nicht ermessen, daß die polnische Verfassung den Juden die volle .'urgerliche Gleichberechtigung garantiert. Wenn also in dem „Pakt" gesagt wird, die Juden sollen im Kredit- und Steucrwesen, bei Militärlicfcrungcn und bei Erlangung von Anstellungen als Beamte und Offiziere nur nach objektiven Gesichtspunkten behandelt werden, so ist das nichts anderes :ih eine Wiederholung dessen, was schon in der Verfassung (cht und was bis jetzt so glänzend umgangen worden ist.;\*a5 die Sonntagsruhe betrifft, so ist das Zugeständnis nicht nur keine Erleichterung für uns, sondern eine Gefahr. Den Juden ist nicht etwa erlaubt worden, ihre Geschäfte am i;nnntag offen zu halten, sondern es werden allgemein zwei;'..offene" Stunden eingeführt, entweder am Sonntag oder am i Sonnabend nach Sabbatausgang. Die Juden werden also auch {■weiterhin ihre Geschäfte einen Tag länger als die Nichtjudcn! geschlossen halten müssen, andererseits aber haben die Juden [;:lirc Hand zur Durchlöcherung des Sonntagsruhegesetzes gc- ^cben, was nur im Sinne der Reaktion sein kann, j: Nun vollends die kulturellen Zugeständnisse! Sie! -ind geradezu lächerlich, ja beschämend für uns. Keine Spur; '.von national-kulturellen Rechten. Oder können die Zulassung , '-er jüdischen Sprache in den jüdischen Vcrsammlun "cn, die Anerkennung der r c 1 i gi ö s c n Gemeinden oder die Ernennung von jüdischen Lehrern an Schulen, deren Schüler; "i ihrer Mehrzahl Juden sind, ah solche Rechte angeredet IM© WaHalesa I&sm&xGfä Nach dem Ergebnis der Schelceleammlung bis zum 16. Juli entfallen auf die Zionistische Vereinigung für Deutschland (ausschließlich Misrachi) 9 Mandate und zwar 5 Mandate auf den ersten, 4 Mandate auf den zweiten Wahlkreis. Falls die Ergebnisse der drei letzten Tage zu einer Erhöhung der Mundatfzahl führen, werden wir in der nächsten Nummer der „Jüdischen Rundschau" eine entsprechende Bekanntmachung veröffentlichen. Die IlaupiwahlkomniissEon der Zionistischen Vereinigung iür Deutschland. Schehelsam^img 5685 Unabhängig von der Frage, ob die nach dem 18. Juli einlaufenden Schekelgclder für die Berechnung der Kongreß-Mandate nicht mehr In Betracht kommen, oder ob (wie beim vorigen Kongreß) eine Anrechnung dieser nachträglich einlaufenden Schekelbeträgc erfolgt, ist in allen Ortsgruppen dio Schekelsammlung mit verdoppeltem Eifer fortzuführen. Die Schekelbeträgc müssen allwöchentlich an uns überwiesen werden. Das Präsidium der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. werden? Die Schulen mit hebräischer und jiddischer Unterrichtssprache bekommen zwar Ocffcntlichkcitsrecht, aber keine Subvention.. Die jüdischen Steucrgclder werden also auch in der Zukunft nur für polnische Schulen verwendet werden. Es bleibt noch das Versprechen, den Numerus clausus aufzuheben und judaistischc Fächer in die von Juden frequentierten allgemeinen Lehranstalten einzuführen, also den uns allen gut bekannten „Religionsunterricht" wieder aufzurichten. Ob aber diesen „Zugeständnissen" eine große Bedeutung zukommt, ist sehr zweifelhaft. So sehen die Zugeständnisse aus, die die polnische Regierung uns gemacht hat. Iis ist herzlich wenig. Man muß sagen, in den dunkelsten Zeiten des russischen Zarismus haben wir es nicht schlechter gehabt. Das größte Entgegenkommen haben hier die religiösen Forderungen erfahren. Mit Recht sagte der Mitachduthabgcordnctc Heller, der'Vertrag ist ganz und gar in Kaschrtith eingetaucht. Für diese Knschruth hat man die wichtigsten nationalen Forderungen geopfert und sich mit leeren Versprechungen auf dem wirtschaftlichen Gebiet zufrieden gegeben! Sogar (Ins erst kürzlich angenommene Lizenz -Gesetz, das viele Zehntauscudc von jüdischen Familien brotlos macht, ist nicht aufgehoben worden. Dafür werden freilich in der Zukunft Juden Offiziere werden können. Allerdings ist der offizielle Wortlaut dos Vertrages noch nicht bekannt. Die Mehrheit des jüdischen Sejmklubs tut schr geheimnisvoll und hat vielleicht für uns noch ein Paar Ucbcrraschungen aufgehoben, diese Geheimtuerei ist aber schr verdächtig. Welchen Preis haben wir für diese ganze Herrlichkeit zahlen müssen? Nichts mehr als eine harmlose Loyalität*- erklärung dem polnischen Staate gegenüber. Dagegen wäre unter gewissen Umständen nichts einzuwenden. In diesem Zusammenhange aber und in der feierlichen Aufmachung ruft das den Eindruck hervor, daß die jüdischen Vertreter die jetzige reaktionäre Regierung unterstützen und sich mit ihr verbinden. Es ist wahr, die Erklärung des jüdischen Sejmklubs sagt nichts von einer Unterstützung der Regierungspolitik, die andere Seite wird es aber so deuten, und bei Partnern mit ungleichen Kräften fällt die Deutung immer zugunsten des stärkeren Teiles aus. Dazu brauchte es gar keine besondere Erklärung seitens des jüdischen Klubs. Es genügte, daß die obenerwähnten armseligen Zugeständnisse" die Ucbcrschrift „Jüdisch-Polnische Verständigung" erhalten und unter großer Aufmachung in die Welt hinausposaunt werden. Die Außenwelt erhält den Eindruck, daß die polnische Judcnhcit auf ihre nationalen bürgerlichen und politischen Forderungen verzichte und mit der derzeitigen Regierung einen Pakt schließe. Dieser Pakt aber, wenn er bestünde, könnte nur gegen eine Seite gerichtet sein; gegen die anderen nationalen Minderheiten. Diesen Eindruck werden keine feierlichen Erklärungen des jüdischen Klubs verwischen können. Bezeichnend ist folgendes: der jüdische Klubvorsitzende Leon Reich hatte zuerst die Absicht in seiner Erklärung iu der „Verständigung*- sitzung" hervorzuheben, daß die jüdische Politik den anderen Minderheiten gegenüber unverändert bestehen bleibt, mußte aber diesen Satz fallen lassen. Nun könnte man sagen, wir brauchen nicht immer die jüdischen Interessen den anderen Minderheiten zuliebe zu opfern, auch diese wären wohl mehr als einmal bereit gewesen, uns im Kampfe allein zu lassen und sich auf die andere Seife zu schlagen. Dieser Einwand hätte einen Sinn, wenn der neue Partner zuverlässiger wäre als die alten. Ist dies der Fall? Wer hat sich mit der Mehrheit des jüdischen Sejmklubs verständigt, die polnische Gesellschaft oder mindestens ein nennenswerter Teil des polnischen Volkes? Die wahrhaft fortschrittlichen Teile des polnischen Volkes sehen in dieser Verständigung nur eine Stärkung ihres Feindes, der reaktionären Regierung. Was dagegen die Regierungsparteien von der Verständigung denken, sagte der Führer der stärksten „uationaldemokratischcn" Partei Glombiuski in seiner offiziellen Erklärung den Pressevertretern. Seine Partei fühlt sich durch die Verständigung keineswegs gebunden. Sic betrachtet nach wie \'or die Juden als Feinde des polnischen Staates. Bleiben also die Männer, die augenblicklich in der Regierung sitzen und deren Versprechen keine spätere Regierung binden wird. Was die Regierung mit den Verhandlungen bezweckt hat, hat sie schon erreicht. Die Stimmung für die kommende Anleihe in den Vereinigten Staaten hat sich gebessert und die Einheitsfront der nationalen Minderheiten ist gesprengt worden. Sic ist dabei schr billig weggekommen. Eine Weile später wird sie die Juden wieder fallen lassen und einen anderen gegen sie ausspielen können. Vonvändc wird es genug geben. .• Wo ist nun der Weg, auf dem wir die Lage der jüdischen Massen in Polen erträglicher machen können? Darauf gibt es nur eine Antwort: Verständigung suchen nicht mit der Reaktion, die gar keine Verständigung will, sondern mit den fortschrittlichen und revolutionären Teilen des polnischen Volkes. Nur im Bunde mit diesen Kräften und zusammen, nicht gegeneinander, können die nationalen Minderheiten in Komfort fährt, mit 750-1000! Mark zu rechnen, wer '"'■quem reist bedarf für 5 Wochen' 1500« Mark (wjr selbst "aben inkl. eines Aufenthaltes in Rom, Neapel, Kairo und ^»kau 1650 Mark gebraucht). , Die Betrachtung über das liebe Geld ist inzwischen recht •2npvcilig geworden. Sie ist aber nicht ganz unnötig, da y^le unserer Freunde nicht wissen, was die Stillung ihrer Ansucht kostet und nicht nur das Kriegführen, sondern *il*ch das Reisen Geld erfordert. Nicht jeder hat das Zeug, '° wie zwei Häussrr-Jünger, die wir unterwegs trafen, sich '"'Mi den Verkauf von Ansichtskarten die Mittel ihres Untcr- Y,u u"d ihrer Fahrt herauszuschlagen. Nicht jeder hat auch 'At Zeit für eine solche Reise drei Viertel Jahre anzusetzen, uni 7u Fuß ins heilige Land zu pilgern und durch Palästina ru schnorren. Aber unsere Reise soll auch nicht auf Kosten l°n Palästina gehen (und es gibt schon einen Typ von '^'senden die wochenlang die Gastfreundschaft der Gcnosscn- Jc»aften im Lande mißbrauchen, sich in den Kolonien verpilegcn l^en, mitessen und die Leute in ihrer Arbeit stören). Der rfemdenverkehr muß eine gute Industrie für Palästina abgeben Und er kann es werden. Palästina-Reisen sind aber nicht?"f "für das Und nötig, sondern noch viel mehr für uns Monisten, sie rütteln uns etwas in unserer Lethargie auf, sie Wbcn uns mehr als hundert besuchte Versammlungen und zwei Mutzend Leitartikel. Felix A. Teilhaber. Ausstcliosgssireife . Die für die junge Kunst repräsentative Novcrabergruppc "Jt diesmal ihr Schwergewicht in der Architektur und wir Regnen hier gleich zwei wohlbekannten Namen: EL Liss,tzky und Arthur Korn. , Architektur formt das Zeitbild an gewichtiger Stelle Jn.a nicht durch Zufall fand der Weg, der aus dem Kultur- ^chniasch des Jahrhundertendes hinausführt, hier den ersten v',rKsamcn Niederschlag. Auch die junge jüdische Bewegung jjp Palästina 'und nicht nur dort im Zeichen des Aufbaus. rjc eigentliche Kunst ist nicht unterschätzt, wenn sie auch * Augenblick hinter den Mächten des praktischen Lebens sehK^1** Sic zcigt' wcnn sSc stark ist» doch' daß siC unöbcr* dru ir 'St* ***** auch *ur PaläsüQa *st dcr fundamentale Ausvorerst das wichtigste und wo wäre er gegebener als in der Baukunst? Arthur Korn zeigt solch einen Lösungsversuch für Palästina in dem Modell eines Geschäftsviertels in Haifa: Ein imposanter mehrstöckiger Baukomplcx mit flachem Dach und parallelen Schattenveranden, die sich rundherumziehen, an der Sonnenseite mit den fast fensterlosen Mauern von arabischer Erfahrung praktisch wie ästhetisch profitierend. Der Hitze weniger Angriffsfläche zu bieten, dient auch die nach außen gewölbte Anlage, die reichlich Raum läßt zum Zurückgehen. Dem Bazarhaudcl ist gleichzeitig Rechnung getragen durch die Schattenveranden des Oberstocks, die zugleich Schutzdach sind für die moderne Bazarstraße. — El. Lissitzky (Moskau) zeigt den übrigens nicht ausgeführten Monumental-Entwurf für eine Rednertribüne, die schräg emporführend den Redner mitten hinein trägt in die Volksmenge. Außerdem ein Wolkcnbügcl, das ist ein Plan für die Etagenstadt der Zukunft, der sich in gewissem Sinne mit Hilbcrscimers auch ästhetisch gelöster Aufgabe berührt. Bei den Malern finden wir noch einmal Arthur S c g a I gleichfalls mit einer Ehrcnausstcllung anläßlich des 50. Geburtstages. Es sind alles neue Bilder vom letzten Winter und vom Frühjahr dieses Jahres. Ein besonders Schönes zeigt wieder die starken Farben der letzten klaren Faszcttenbildcr, vou denen eins auch in der Ccsamtausstcllung zu sehen war. Eine Schlafende wiederholt die plastisch starke Form des Fraucubildcs der ersien Ausstellung. Sonst ist noch die Bekanntschaft mit einem neuen jüdischen Maler als ein Plus zu bemerken. Es ist Issay Kulojansky. Ein Portrait legitimiert ihn als jüdischen Künstler. Die Komposition „Meine Eltern" führt in jene Gegenden Rußlands, in denen es jüdische Bauern gibt, die zwar zuweilen stark die Züge des Volkes tragen, unter dem sic leben, in ihrer Gesamtheit aber doch als Juden zu erkennen sind. Kulojansky ist deshalb erwähnenswert, weil er in der Malerei die Realität des gemalten Bildes nicht durch Materialisation sondern einzig und allein durch die Malerei erstrebt Ursprünglich Bildhauer, denkt er jetzt vollkommen als Maler. Die Vergangenheit verrät sich nur durch die größere Festigkeit in der Begründung seiner Gestalten. Die Farben sind stark, das Bild als Ganzes jedoch gedämpft, abgestimmt. Im Atelier hatte ich Gelegenheit, seinen bisherigen Weg zu verfolgen; Eine Dame mit Miedcc — es ist eine der letzten Arbeiten — bezeichnet zugleich einen bedeutungsvollen Abschnitt: einen neuen jungen Altmcistcrstil. Linien und Farben sind nebeneinander durchkomponiert. Die Farbe modelliert. In so kurzer Zeit — wenn man an die rohen ersten Versuche denkt — einer streift an Schlemmer —• eine erstaunliche Geschwindigkeit. Dabei ist nichts übersprungen. Von seinen früheren Arbeiten trifft eine Tischlerwerkstatt (sein Vater ist Tischler!) mit ihren abgestumpften Farben den Ilolzton wie auf alten fränkischen Bildern. Mit der alten fränkischen Tradition hat er überhaupt merkwürdig viel Berührungspunkte. Die erste künstlerische Arbeit des 14jährigen Knaben, ich sah sie als Reproduktion, ist eine plastische Gruppe von t alten Juden, aber sic scheinen eher Männer, wie sic Riemenschneider sah . . Die>e erstaunliche Arbeit besitzt das Moskauer Museum in Gips. Nun will er Maler sein, das heißt, nur mit malerischen Mitteln, in dieser Kunst, die er vom Handwerk an durchschritt, einmal Meister werden im guten Handwerkssinn. Ausgegangen von der Kunstschule in Wilna gehörte er mit Marek Szwarc in Paris zu dem Kreise junger Künstler, die an der Zukunft der werdenden jüdischen Kunst arbeiteten. — Jussuf Abbo zeigt auch an dieser Stiiitc einen Kopf, stark vergeistigt und klar geformt, Lulu Albcrt-Lazar, zwei von Flcchthcim her bekannte Bilder. Das eine ist die Komposition „Musikanten". Die jüdischen Künstler der großen Berliner Kunstausstellung sind dort nur mit indifferenten Arbeiten vertreten. Brav gemalte Bilder, guter Durchschnitt, aber verrieten die Namen nicht „Rasse und Art" — die Bilder würden es nicht tun — zumal die „Art" auch nur sparsam vertreten ist. Ohne tieferen Grund, über dessen Mangel nur ganz starke Persönlichkeiten hinwegkommen, läßt es sich gerade heute nur schr schwer Künstler sein. Kay H. Nebel aus Cassel — er braucht nicht Jude zu sein — macht mit einem Triptychon „Tropen" den Eindruck einer stärkeren Begabung. Ein Schuß Primitivität läßt ihn die neue Klarheit der Gliederung suchen und in den Farbcngcgcnsatzcn rauscht der Süden. Man kann sich diesen Namen jedenfalls merken. Ruth Morold.