Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 56 (17.7.1925)
- Date
- 1925-07-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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mm r~3 n r~\ n 'i L\H S Einzelnummer Oj$ GoJehr.rrk :<f(^V" r ™ ^iuiim ijjm^m imi Redaktion und Verlaß W 15, Mcinckcstraßo 10. Ericheint den Dienstag und Freitag. BcrugiprcU bei der Expedition monatlich 1.85 Goldmark. Vierteljährlich 5.25 G< " " . 0,i»nd8»bono«mcoU werden in dtr Wlbruni der c(meinen Linder Anzeigen -Verwaltung 3schau G.m.b.H., Berlin W15. iephon: Amt Bismarck 7165— ~" " tj _T -7 .Ä _ 3 Anz«lj«npr«la:8i«*pall.NoDp»ren!ei«i]e0,<0G^M.StclIeDi!e»uclj»0^0G.-M fJuaimCr OO g ßCrÜn, 17. ViL 1925 jj Anx«l,:*nachlaß» DUoit«* und Fr.it«* ntcbmitt.tf «Uhr. Anzeigen-Vcrwalttinrf B TelcPho=|» Bispark 7165 -70. PosUcncckkonto: Berlin Nr. 17392." Expeditione >uizei£cn-vcrwaiiunß k j,flr o^urrdch, ro»t.P»,i,e5.,niln,t w,„. ko^io NY.iv.oy>. Goldmark, g Jüdische Rundschau G.m.b.H., Berlin W15. Mclnekestr.10 I K^Tp^'cho^07'kei!' l,o«t«p«,iL...en«mi ^«5. Kont» nv. S9<re. . ,,.,9 Tii » . r>. t „.,r- * „A H „ . . ™«nl ro»ti:park»Mrnamt Weichau, Konto Nr. 1907CÄ. 'w bcr«cW 1 Telephon: Amt Bi.marck 7165-70. | Redaktioa.schlnß Sonntag und Mittwoch nachmittag, v ■ iT5in CT m g XXX. Jahr-, .^Zionismus erstrobt für das JOdlscho Volk die Schonung einer SfxewSHch ■ rechlich gesicherten HolmsKUtc In PalSsHna. „Basc!or ProGram.-a.«« |e üsr PoSffi; Von Dr. Robert Wcltsch. I Das jüdische Volk ist sehr jung in der Politik, politisches Denken und in einem gewissen sehr beschränkten Sinn auch politisches Leben gibt es bei uns;rst seit wenigen Jahrzehnten. Die Kunst der Politik;];t aber in hohem Maße eine Sache der Tradition. Die [fjfanrungcn von Generationen erst geben den nötigen Kreitblick, die Sclbstsichcrhcit, aber auch die Wcith erzigkeit, ohne die keine wirklich überlegene Politik!';;;ü£lich ist. Wo diese Elemente nicht vorhanden sind, [besieht die große Gefahr,~ daß alle Widersprüche des I (nationalen Lebens in die Politik projiziert werden und derjenige sich für einen guten Politiker hält, der unter!;<rnoricrung aller Realitäten seine eigene bis ins letzte I feststehende Anschauung der Gesamtheit aufzwingen j 'will. Erweist sich die Gesamtheit, in der eben anderes | Gedanken- und Erfahrungsmaterial angesammelt ist, als I spröde, dann betrachtet diese Art Politiker dies nicht nur I'"als Mißerfolg, sondern als moralische Kränkung. | j Wir glauben, daß die wesentlichste Erkenntnis des \ Politikers darin liegen muß, daß er einsieht, daß bei i der Willensbildung einer Gemeinschaft nicht sämtliche ir.tcrcssen jedes c inzclncn Teiles oder gar Individuums ■ ".efriedigt werden können. Der gemeinsame Wille kann?]so nur dadurch entstehen, daß von allen Seiten auf las „geringere Interesse" verzichtet wird.;.'nveist sich dann, daß es für alle Individuen, die gewissermaßen die Punkte der als Pyramiden-Basis dic-; -enden Fläche bilden, keine gemeinsame Spitze, d. h. 'ein gemeinsames Hauptinteresse gibt, dann wird Üe Gemeinschafts-Bildung unmöglich. Nimmt man aber <>n vornherein ein solches gemeinsames Hauptinterc als gegeben an, dann muß man sich darüber ir werden, daß zu seiner Verwirklichung nur der * cg des Verzichtes auf das geringere Interesse gangbar ' ist und kein anderer. Hie politische. Attitüde des Verzichtes auf das geil r;:i£cre Interesse ist jedoch nicht identisch mit Prinzipienlosigkeit. Von niemanden wird verlangt, daß er seine Anschauungen preisgibt oder ändert, vielmehr kann die; Vielfältigkeit von Gruppierungen und Einzelansichten befruchtend und fördernd wirken, die Möglichkeit einer geistigen Weiterentwicklung und sogar eines Kampfes ,bleibt durchaus gewahrt. Es kann natürlich im Verlaufe : der geschichtlichen Entwicklung ein Augenblick kommen, •>vo der Schwerpunkt des Interesses in einen andern Bezirk verrückt wird, sodaß neue politische Entscheidungen erforderlich sind, und Anschauungen, die sich bisher politisch nicht durchsetzen konnten, in den Vorder« .rund treten. Aber wer überhaupt dem Gedanken der Demokratie, mit dem jetzt leider so unsinnig gespielt ^'ird, einen Sinn beilegen will, muß zugeben, daß er ™t einer Auffassung von intransigenter Prinzipienfestigkeit in allen politischen Aeußerungen unvereinbar ist. Die Folgen dieses Irrtums zeigen sich auf dem ganzen Felde der zionistischen Politik. Durch diese radelnde politische Einsicht wird der Zionistenkongrcß!n den letzten Jahren zu einem so unerquicklichen, fast ^druckenden Schauspiel. Aus demselben Grunde sind d;e einzelnen zionistischen Parteien zur Ohnmacht verteilt; und am peinlichsten zeigt sich dieselbe Erschel n'Jng in Palästina selbst, wo der Jischuw die Probe der "aatsaufbauenden Fähigkeit der Juden erbringen soll. Auf dem Zionistenkongrcß meint jede noch so kleine 9ruPpc, sich etwas zu vergeben, wenn sie darauf verachtet, Ihre spezielle Nuance in der Form von Verehrungen, Deklarationen usw. zum Ausdruck zu brinindem sie es als feststehend annimmt, daß die * n d e r n Faktoren genügend Vcrantworllichkeitsgcfühl "ahcn werden, trotzdem die Politik und Arbeit weiter- '"■uhren, die auch die erwähnten Gruppen, ausgc- Jochen oder unausgesprochen, als das gemeinsame Hauptinteresse anerkennen. So entsteht eine Position, d'c als unehrlich empfunden wird und der moralischen ^mosphärc des Kongresses ebenso schadet wie sie seine politische Funktion bedroht. Aus demselben Grunde fürchten wir heute schon, daß das Haupterfordernis dcs kommenden Kongresses, nämlich die Bildung eines J'crantwortlichcn Mchrhcitsblockcs, vor unüberwindlichen Hindernissen stehen wird. Auch innerhalb der Parteien zeigen sich dieselben Crscheinungcn einer destruktiven Intrnnsigcnz. Ein BcisPiel dafür bietet die ungeheure Schwierigkeit, die sich dcr Schaffung einer einheitlichen zionistischen Arbeiter- Partei entgegenstellt. Nicht nur oberflächliche Bedachter, auch tiefer Eingeweihte können heute gar nicht gütlich sagen, worin eigentlich der Unterschied zwischen pn zwei großen Arbeiterparteien Palästinas besteht. n allen Fragen des Aufbaus Palästinas, auch in den ragcn der zionistischen Politik, gibt es eigentlich keinen •^rteigegensatz, sondern es gibt eine Differenzierung "Die Sffeoing des Acßoms-CoBiailihSs SS Die Sitzung des A.-C. begann Donnerstag am lo. d. M. in London. Aus Deutschland nehmen folgende Herren an der Sitzung teil: Dr. Hnntkc, Kurt Blumenfeld, Felix Rosenblüth (Ersatzmann), Dr. Weltsch (Hitachduth). Wie verlautet, wird die Palästina-Exekutive mir durch Col. Kisch vertreten sein, da die anderen Mitglieder noch mit der Vorbereitung des Budgets beschäftigt sind. Wien als Kongrcßorl London. (J-T. A.) Der österreichische Gesandte in London, Baron Frankenstein, stattete am 13. Juli der zionistischen Exekutive einen Besuch ab. Im Namen seiner Regierung gab er gegenüber Dr. Chaim Wcizmann die Versicherung ab, daß die österreichische Regierung alles, was in ihrer Macht steht, tun wird, um einen würdigen und ungestörten Verlauf desfür den 18. August nach Wien einberufenen 14. Zionistcnkongresses zu garantieren. 200 Kongreßlellnchmrr ans Palästina UiigcfShr 200 Personen in Palästina haben bis jetzt ihre Absicht angesprochen, dem XIV. Zionistcnkongrcß beizuwohnen. DLzionistische Exekutive bemüht sich darum, dnfi ein direkter Dampfer eingestellt wird, der etwa am 7. August von Jaffa nach Tricst abfährt und die Mehrzahl der palästinensischen Delegierten und Konprcß;;ä>tc befördert. Die Delcgicrtcnwahlcn werden energisch betrieben. Mit Ausnahme von ColoncI Kisch wird es den Mitgliedern der Palästina- Exekutive unmöglich sein, an der Aktions-Komitcc-Sitzung in London am 16. 7. teilzunehmen. Der neue CbcrkommlssSr Laut „Haarez" soll der neue High Commissioner von Palästina, Lord Plumer, früher, als ursprünglich geplant, und zwar bereits am 18. d. M. in Palästina eintreffen. Auch „Jcwish Chronicle*' gibt dieses Datum an. (Diese Meldung scheint den Tatsachen nicht zu entsprechen, da Plumer, wie wir seinerzeit gemeldet haben, in einem Tiroler Kurort mit Herbert Samuel eine Zusammenkunft haben wird, deren Termin für Ende Juli festgesetzt war. Anm. d. Red.) Lord Plnacr beim englischen König London. (J.T. A.) Lord Plumer, wurde am 13. Juli im Buckingham-Palast vom König empfangen. Diese Audienz steht im Zusammenhang mit dem neuen Amt Lord Plumers in Palästina. Eine Millica Dollar lür das RQlbeabrrfl-Wfrk Wie dem „Hajut" aus London berichtet wird, soll Baron Edmond de Rothschild während seines kürz.lichcn Besuchs in Palästina Ingenieur Ruthenberg eine halbe Million Dollar für den Ausbau des Elektrizitätswerks zur Verfügung gestellt haben. Auch Felix W a r b u r g soll laut einem Telegramm an Dr. Wcizmann eine halbe Million in das Ruthcnberg- Wcrk investieren. — Eine Bestätigung dieser Meldungen steht noch aus. Weiznaan über die Jewisli Ajcacy Das Zentralorgan der polnischen Hitachuth „Volk und Land" in Lemberg veröffentlicht in seiner Nummer vom 9. Juli nachstehende Mitteilung: In einer Besprechung der Zentralkomitees aller zionistischen . Föderationen, die im April in Tc!-Awiw stattfand, hat Wcizmann auf eine an ihn gerichtete Interpellation die Erklärung abgegeben, daß ungeachtet der Tatsache, daß die amerikanischen Kreise die Bedingungen für die geplante Erweiterung der Agency (fifty-fifty Prinzip, der Präsident der Zionistischen Organisation wird Vorsitzender der Agcncv usw.) angenommen haben, die Annahme berechtigt sei, daß die Erweiterung der Agency erst in ungefähr zwei Jahren wird erfolgen können, und daß bis zu diesem Zeitpunkte wahrscheinlich die Möglichkeit gegeben sein wird, auch die Vertreter der jüdischen Arbeiter in Amerika heranzuziehen. Ferner meinte Wcizmann auf eine Zwischenfrage eines Mitgliedes der Versammlung, daß die auf der letzten Aktions-Komitoc-Füzung von der Hitachduth aufgestellten Bedingungen, betreffend die Kolonisations-Methoden in Palästina etc., keinen Widerspruch seitens der anderen Partncr.an der Agency finden werden. Palästina-Araber lür Abd cl Krim Die „Vossische Zeitung" berichtet aus Jerusalem: Die Araber Palästinas haben eine Sammlung für Abd cl Krim eingeleitet. In der Omar-Moschee wird eine Predigt zugunsten eines Sieges Abd cl Krim? über Frankreich gehalten werden. In der arabischen Presse wird behauptet, Emir Abd ulla von Transjordanien werde abgesetz t und nach Zypern verbannt werden. Die Regierung dementiert diese Behauptung. Wdlkonajcft der Sepliardlm in Wiea Wien. (J.T.A.) Wie wir vor einiger Zeit gemeldet haben, bereiten die sephaidischcn Juden einen Weltkongreß der sephardischen Gemeinschaften in allen l ändern vor. Die Coi:fcf!craeion mundial de los Scfaradim (Wohkortercnr der Scphardim) in Jerusalem hat nunmehr beschlossen, um einen Zusammenhang mit dem 14. Zionistenkongrcß zu scharfen, den sephardischen Weltkongreß für Anfang. August nach Wien einzuberufen. Mehr als 300 sephardische Gemeinden und Institutionen haben bereits die Entsendung ihrer Delegierten nach Wien bei dem Jcrusalcmcr Komitee angemeldet. Man erwartet die Anwesenheit von mehr als 1000 sephardischen Delegierten. Sämtliche sephardische Korporationen Wiens haben unter dem Präsidium des Vorstandes der Wiener türkischen Gemeinde ein spezielles Komitee (Comitc preparatorio por cl Congrcsso mundial sefaradi) gebildet, welches alle Vorarbeiten für den Kongreß zu treffen hat. Der Hauptzweck des Kongresses ist: alle sephardischen Gemeinden der Welt zu gemeinsamer Arbeit zu einigen, zur Hebung und Pt'legc der alten sephardischen Traditionen, der Bildung und Wohltätigkeit, zur Gründung einer sephardischen Institution, deren Aufgabe es sein soll, die Interessen der Scphardim der ganzen Welt zu wahren. Dem Kongreß wird auch vom Standpunkt des Palästina-Aufbaues große Bedeutung beigemessen, da die Scphardim als die berufenen Vermittler zwischen Juden und Arabern in Palästina angesehen werden. der Ansichten, die sich fast gleichmäßig über beide Parteien erstreckt Es gibt aber in diesem Augenblick mehr als jemals ein gemeinsames Hauptinteresse, dein gegenüber Nuancen, die keineswegs zu verschwinden brauchen, in den Hintergrund treten. Dennoch haben die vor mehr als einem hajbcn Jahre eingeleiteten Bemühungen, eine einheitliche Arbeiterpartei zu schaffen, nicht nur keinen Erfolg gehabt, sondern die Vcrcinigtings- Cbanccn vielleicht noch weiter hinausgeschoben. Es darf natürlich nicht verkannt werden, wie schwer für Menschen mit reinem Wolkig beinahe religiöser Hingcgcbcnhcit an ihre speziellen Anschauungen und Gebundenheit an historisch gewordene Gebilde ein Schritt fällt, der als eine Art Verwässcrung der Prinzipien aufgefaßt werden kann. Dennoch glauben wir, daß hier ein fundamentaler Fehler in der Auffassung politischer Demokratie vorliegt, denn gerade diese halbreligiösen Wcltauschauungs-Elemcntc finden ihre Auswirkung unmittelbar im Leben, während sie in der politischen Sphäre zum großen Teil fiktiv bleiben. Die gemeinsame Willensbildung betrifft jedoch nur die politische Sphäre, und in dieser ist der Vielleicht schmerzliche Verzicht geboten, um des wesentlichen Hauptinteresses willen. Es wurde oft auf das englische Vorbild hingewiesen. Die englische L'abour Party, aber auch die konservative Partei, umfassen Menschen und Gruppen mit ganz verschiedenen Anschauungen und Tendenzen; dennoch wissen alle diese sehr genau, daß sie poetisch nur dann ins Gewicht fallen können, wenn sie sich auf der Basis des sie alle trotz aller Nuancen einenden Hauptprogramms zusammenschließen. Niemand braucht darum seine Prinzipien zu verraten, die Viclgcstaltigfceit der Qruppc bleibt bestehen, Aber die Engländer wissen, daß dies die einzige Methode ist, um demokrafich regieren und weiterkommen zu können. Der Jischuw in Palästina ist ein Gebilde, das noch beinahe seine prähistorische Zeit des politischen Lebens durchmacht. Es war darum ein richtiger Gedanke, der schon während des Krieges auftauchte und nach» dem Kriege von den demokratischen Elementen immer mehr betont wurde, das vielgestaltige Gebilde de» Jischuw zu. modernen politischen Formen zu organisieren. Diese Idee ist bei einzelnen Gruppen und bei einzelnen Persönlichkeiten des Jischuw geradezu eine idec fixe geworden, und es gibt hervorragende palästinensische Politiker, bei denen man, noch bevor sie den Mund auftun, schon weiß, sie werden bei jeder Gelegenheit über die Bedeutung des Waad Lcumi sprechen. Wir unterschätzen die Bedeutung dieser Bestrebungen gewiß nicht, obwohl wir stets unterstrichen wissen möchten, daß der entscheidende Faktor in Bezug auf Palästina nicht der heutige Jischuw sein kann, der sich ja durch die Emigration unausgesetzt in seiner Struktur ändert, sondern das ganze jüdische Volk, soweit es Palästina als Rein Zentrum betrachtet und -d:le nationale Heimstätte aufbauen will. Dennoch ist die Organisierung des Jischuw aus praktischen und vor allem aus erzieherischen Gründen von größter Wichtigkeit. Man darf aber die fundamentale Tatsache nicht übersehen, daß man aus einem so zerklüfteten Gebilde nicht an einem Tage und nicht ohne schwere Erziehungsarbeit eine organisierte Einheit machen kann. Den Grundstock des palästinensischer» Judentums bilden, wenigstens ihrem Alter nach, Elemente, die in politischer Beziehung völlig vegetativ und ahnungslos dahinleben, zum großen Teil mit mittelalterlichen Anschauungen und engstem^ von den vier Wänden dei