Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 54 (10.7.1925)
- Date
- 1925-07-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 474 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 54 Presseschau Im „Berliner Tageblatt" vom 9. Juli setzt Felix Pin n er seine Artikelserie „Das neue Palästina" an leitender Stelle in einem vierten Aufsatz über „Gemeinwirtschaftlichc oder individuelle Siedlung? — DasKindcrproblcm" fort. Nach einer von tiefem Verständnis zeugenden Schilderung der Prinzipien der „Großen Kwuzah" und des Moschaw Owdim faßt Pinner seine Feststellungen folgendermaßen zusammen: „Läßt man Zahlen sprechen, so hat es den Anschein, als ob die Entwicklung sich stärker in der Richtung des Moschaws, also der bäuerlichen Form vollzöge. Trotzdem die Kwuzah die ältere Form ist, sind doch gegenüber 23 großen und kleinen Kwuzoth in den vier Jahren, seitdem die Moschawim bestehen, 14 Moschwc Owdim gegründet worden, und ein Teil davon ist durch Umwandlung von Kwuzoth entstanden. Noch günstiger als ein Vergleich der Sicdlungszahlcn fällt ein Vergleich der Siedlcrzahlcn für die /Moschawim aus. Von den 1200 Familien, die insgesamt von der zionistischen Organisation angesiedelt wurden, entfällt die Hälfte auf die individuellen, die Hälfte auf die kommunistischen Betriebe. Desgleichen verteilt sich die Gesamtzahl der Seelen etwa zu gleichen Teilen auf die beiden Formen. Nach meiner Auffassung ist trotzdem nicht anzunehmen, d3ß der Moschaw die Kwuzah in absehbarer Zeit ganz verdrängen wird. Es mag zutreffend sein, daß viele Menschen ihr Höchstes an Arbeitsleistung nur hergeben, wenn sie für sich selbst arbeiten. Bei der besonderen Schichtung der palästinensischen Einwanderung finden sich aber auch viele Menschen, die nur in der Gemeinschaft und für die Gemeinschaft ihre vollen seelischen und körperlichen Kräfte einsetzen können. Auch in den Kwuzoth gibt es eine erhebliche Anzahl älterer und verheirateter Leute, die über das „gefährliche Alter" der sozialen Stufenentwicklung, über die kritische Periode der seelischen Umstellung bereits hinaus sind, ohne dem Gcmcinschaftebetrieb untreu geworden zu sein. In jedem Falle aber scheint die Kwuzah unentbehrlich zu sein als eine Art nicht nur einmaliger, sondern pcrpctuicrlichcr Durchgangsstation zum Moschaw. Die Mehrzahl der landwirtschaftlichen Arbeiter kommt jung und unverheiratet nach Palästina.' Für sie ist die Familienwirtschaft der Moschawim zunächst unmöglich. Sie können nur in Gemcinschaftswirtschaftcn zu arbeiten beginnen, und diese Form des landwirtschaftlichen Betriebes als Durchgangsstation für spätere Eigenwirtschaften ist nicht einmal eine Besonderheit Palästinas, sondern sie findet sich auch in anderen Kolonisationsländern, wie in Neuseeland und Australien. Dagegen, daß sich in diesen rein praktischen Dingen, in technischen und Zwcckmäßigkcitsfragcn, der Wert der Kwuzoth völlig erschöpft, wehren sich allerdings die Anhänger des Kwuzah-Gedankcns mit Leidenschaft und auch mit einem gewissen Recht. Sic können besonders darauf hinweisen, daß für einen „nationalen Expansivismus" innerhalb der Moschawim kein Raum ist. Individualbetriebe wollen und müssen ihrer Natur nach exklusiv sein. Sic wollen die Früchte ihrer Arbeit nicht mit neuen Zuwandcrcrn teilen, sondern das, was sie durch ihre Anstrengungen erobert haben, sich selbst erhalten und ihren Kindern vererben." Der Schluß des Artikels ist der Frage der gemeinschaftlichen K i n d er c r z i c h u n g gewidmet. Pinncr bespricht die Einrichtungen für Kinder in den Siedlungen und schließt seine Betrachtungen mit folgenden Worten: „Besucht man solche Kinderhäuser, so hat man namentlich bei den jüngeren Kindern oft den Eindruck, „Herrsclnftskinder'- vor sich zu sehen. Gerade aber wenn sich das Wort von dem größten Kapital bewahrheiten soll, so muß die Erziehungsarbeit dahingehen, aus den Kindern das zu machen, was die aus anderen Berufen stammenden Eltern noch nicht immer ganz werden konnten: wirkliche hundertprozentige Bauern, die keinen anderen Wunsch und kein anderes Ziel (nicht nur im Bewußtsein, sondern auch im Unterbewußtsein) kennen, als auf dem von ihren Vätern eroberten Boden seßhaft zu bleiben. Die Hygiene steht natürlich über jeder Diskussion, besonders in einem Laude, dessen Klima und Malariagcfahr keinen Schutz der jungen Generation als zu groß erscheinen lassen kann. Anders steht es vielleicht mit der Frage, ob die jetzige Generation, die zum Teil aus der Intclligcnzschicht, aus abstrakten Berufen kommt, und die sich aus spirituellen Denkgewohnheiten in die Enge des Bauerntums zwingen muß, recht daran tut, ihren Kindern, der zweiten Generation, eine geistige Bildung zu geben, die es ihr einst schwer machen könnte, in der Enge zu bleiben. Alles das ist zum mindesten ein Problem, das sorgsamer Beachtung wert ist. Vielleicht sind wir Europäer in einem Vorurteil befangen, wenn wir glauben, daß ein wurzelhaftes Bauerntum ohne eine gewisse geistige Beengtheit nicht möglich ist. Vielleicht wird sich in Palästina ein neuer Bauerntypus bilden, der anders geartet ist und durch Stärke des bewußten Willens das ausgleicht, was ihm an Erdschwere, an Triebdumpfheit fehlt. Vorläufig belastet die Kinderwirtschaft den Etat der Siedler noch recht erheblich. Nicht jede unter vielen benachbarten Siedlungen brauchte eine eigene Schule, und Verhältnisse, wie ich sie in einer Kwuzah feststellte, in der auf 20 Kinder etwa fünf oder sechs Pflege- und Lehrpersonen kamen, stellen eine ökonomische Belastung dar, die auch dann vermieden werden konnte, wenn man das gegenwärtige System der Kindererziehung grundsätzlich für richtig hielte." Ein Palästinabildcrband, der einen wirklichen, umfassenden Eindruck des Landes vermitteln soll, muß die ganze Vielfältigkeit und die Gegensätze zeigen, die Ercz-Isracl in seiner Landschaft und seiner Bevölkerung, in Geschichte und Gegenwart aufweist. Wie wir erfahren, erscheint soeben ein solches Bilderwerk «m Verlage Meyer & Jessen in München. Dr. Georg Landauer, der Herausgeber des Bandes, hat als besonders guter Kenner des Landes 350 bisher unveröffentlichte Bilder zusammengestellt, die das alte und das neue Land lebendig werden lassen. Besonderen Reiz erhält der Band durch das Vorwort, das Sven Hedin dazu geschrieben hat. Ein ausführlicher Anhang unterrichtet über das Wesentliche jedes Bildes. Der Band wird auf schwerem Kunstdruckpapicr in Großoktavformat gedruckt und in künstlerischem Glanzlcincnband Mk. 20,— kosten. Sämtliche Buchhandlungen nehmen jetzt schon Bestellungen entgegen. Die Jcrusalcmcr Rundfunkstation. Im Gegensatz zu den veröffentlichten Berichten ist die Jerusalcmcr Rundfunkstation noch nicht im Betriebe, und wenn auch die Konzession erteilt ist, so haben die Installationsarbeiten noch nicht begonnen. Nach Mitteilungen eines maßgebenden Beamten der J ost- und Telegraphen-Verwaltung werden noch mehrere Monate vergehen, ois der Funkruf Jerusalems zu hören sein wird. (Aus „Populär Wireless", London, v. 4. Juli 1925.) Eine Erbschaft von 4000 $ für den Kcren Kajcmeth. Das lerusalemcr Hauptbüro des Kcren Kajemeth erhält von seinem New Yorker Büro die Nachricht, daß der verstorbene Herr Meyer Zamcras, ein Mitglied des Ordens „B'ne Zion", in Amerika ein Zehntel seines Vermögens, und zwar ca. 4000 Dollar, dem Kcren Kajemeth venaacht hat Die KoiigreßpIatifoFin der Ililachduth (Angenommen auf der Sitzung des Waad Pocl in Tcl-Awiw zu Pessach d. J.) Die Hitachduth ist eine der wenigen Gruppen, die bereits ihr Kongreßprogramm veröffentlicht hat. Wjr geben hier seiue wichtigsten Teile wieder. I. Die Wirtschafts- und Finanzpolitik. A. Einwanderung und Kolonisation. 1. Indem die Plenarsitzung des Waad mit Befriedigung die während des letzten Jahres erfolgte Wiederaufnahme und quantitative Steigerung der Alija aufnimmt, kann sie nicht umhin, auf die Gefahren hinzuweisen, die der Erreichung unserer national-wirtschaftlichen und national-politischen Ziele drohen, wenn der Charakter dieser Einwanderung auch weiterhin durch die Tendenz zur Stadt, zum Kleinhandel und zur Spekulation bestimmt bleibt. Ohne darum die Bedeutung und die Möglichkeit der städtischen Arbeit, insbesondere in der Richtung airf eine gesunde, den Verhältnissen des Landes angepaßte Schaffung von mittlerer und kleiner Industrie und die darin vor sich gehende teilweise Resorption der Alija hintansetzen zu wollen, erklärt die Plenarsitzung, daß der Schwerpunkt unserer Kolonisationsarbeit auch weiterhin in der landwirtschaftlichen Kolonisation, die auf Sclbstarbcit beruht, liegen muß. Die Erweiterung der landwirtschaftlichen Kolonisation, die Schaffung eines breiten und kaufkräftigen inneren Marktes ist nicht nur die einzige Möglichkeit einer beständigen Verbreiterung unserer Immigration, sondern auch die Voraussetzung für eine wirtschaftlich gesunde Existenz und für die Weiterentwicklung unserer städtischen Wirtschaft. 2. Innerhalb der landwirtschaftlichen Kolonisation muß das Bestreben der verantwortlichen Departements darauf gerichtet sein: a) die schon seit längerer Zeit bestehenden Betriebe der nationalen Kolonisation durch Gewährung der letzten erforderlichen Zu;chußkapitalicn endgültig ökonomisch selbständig zu machen; b) die in den letzten Jahren geschaffenen Betriebe (Nahalal, Nuris-Komplcx etc.) soweit zu fundieren, daß ihre gesunde wirtschaftliche Weiterentwicklung und ihre ökonomische Unabhängigkeit ermöglicht wird; c) licue Teile der Alija in die Landwirtschaft zu überführen und eine Erweiterung unseres landwirtschaftlichen Sicdlungswcrkcs durch die Schaffung neuer Arbcitssicdlungcn vorzunehmen. 3. Besonderes Augenmerk ist darauf zu richten, jene Schichten der mittelständischen Einwanderung in die Landwirtschaft cinzubeziehen, die zur produktiven Arbeit inklinieren, ferner auf die großmöglichc Unterstützung der mit kleinem Kapital ausgestatteten Einwanderer, um sie in solchen Zweigen und Formen der Landwirtschaft zu verankern, die ihre Existenz und zugleich die jüdische Arbeit verbürgen. Gegebenenfalls soll die Unterstützung durch Bereitstellung' des erforderlichen Bodens seitens des JNF. erfolgen. B. Die wirtschaftlichen Institutionen der Arbeiterschaft. Für die gesunde Fortführung der Kolonisation ist das Bestehen und die Entwicklung derjenigen Wirtschaftsinstitutc der Arbeiterschaft von entscheidender Bedeutung, die den Absatz der Produkte, den Einkauf der für die Betriebe erforderlichen Materialien die Regulierung des Arbeitsmarktes in den Städten besorgen und Möglichkeiten für Erfassung neuer Arbeitszweige schaffen. Die finanzielle Fundicrung dieser Institute (Hamaschbir, Solcl-Bonch u.a.) muß eine der Funktionen unserer nationalen Ko'onisationsarbcit sein. C. Bodenpolitik. Der Boden, der die Grundlage jeder nationalen Wirtschaft darstellt, ist in den letzten Monaten ein Objekt der privaten Spekulation geworden, nicht nur in den Städten, sondern auch in dem Gebiete der landwirtschaftlichen Siedlungen. Die Eindämmung dieser Spekulation verlangt eine enetgische und durchgreifende BodcnkaufpolitiK. Die Finanzaktion zu Gunsten des Kcren Kajemeth muß auch in der Zukunft im Mittelpunkt des sozialistischen Interesses stehen. Es muß auch dafür gesorgt werden, daß der Keren Kajemeth einen Kredit auf Grund seiner zukünftigen Einnahmen erhält. Die Position der PLDC. muß durch Vergrößerung ihres Grundkapitals verstärkt werden. Die Zionistische Organisation muß eine systematische Kontrolle über die Arbeit derjenigen Gesellschaften ausüben, die mit den zionistischen Institutionen verknüpft sind und in dem Galuth Boden verkaufen. In dieser Beziehung müssen die Statuten dieser Gesellschaften Paragraphen enthalten, die eine gesetzliche Kontrolle seitens der Zionistischen Organisation ermöglichen, die Profite beschränken und die Spekulation unterbinden, sowie diejüdische Arbeit sicherstellen. D. Industrie. Die jüdische gewerbliche Produktion bedarf der Schaffung eines zweckentsprechenden Kreditsystems für i'nvcstitions- und Betriebskredit. E. Wirtschaftspolitik. In Ucbcrcinstimmung mit den Rechten und den Funktionen der Jcwish Agcncy muß im Lande eine besondere Kommission geschaffen werden, die auf die Regierungs- Fiolitik Palästinas einen Einfluß ausübt, um die heimische ndustric durch ein passendes Zoll- und Steuersystem zu fördern. Diese Kommission soll in Ucbcrcinstimmung mit dem Finanz- und Wirtschaftsrat der Zionistischen Organisation arbeiten. F. Finanzpolitik. Die Finanzpolitik der Zionistischen Organisation steht vor einer doppelten Aufgabe: 1. Beschaffung der Mittel für das laufende Kolonisations-Budget. 2. Fundicrung der bestehenden Positionen und allmähliche Entwicklung von neuen. 3. Den Uebergang zu einer großzügigen und planmäßigen Kolonisationsarbeit vorzubereiten und aktiv praktisch einzuleiten. Die Erfüllung der ersten Aufgabe erfordert eine unentwegte und energische Durchführung der Aktionen für die nationalen Fonds. Dabei muß stärker als bisher auf die Notwendigkeit einer Koordinierung in der Arbeit dieser Fonds Rücksicht genommen werden. Als ergänzendes Kapitalinstrument im Uebcrgangssystcm der zionistischen Finanzpolitik erscheint nunmehr die amerikanische Invcstment-Corporation. Die Tätigkeit dieser Gesellschaft soll auf die Entwicklung der wichtigen und produktiven Zweige unserer Siedlungsarbeit gerichtet sein. Als Aufgaben, die den Zielen dieser Gesellschaft entsprechen, sind zu bezeichnen: 1. die Bereitstellung hypothekarisch geregelter. Kredite für die landwirtschaftlichen Siedlungen, mit deren Hilfe die Gebäude- und Ameliorationsfragc gelöst werden könnte; 2. die Schaffung von Instituten für länger befristeten Agrarkredit, für die Erhaltung und den Ausbau der bestehenden Betriebe; 3. die Schaffung von Kreditinstituten für Jnvcstitionskrcdit mittlerer und kleinerer vor allem mit der landwirtschaftlichen Pro- 1 cjuktion verbundenen Industrie, G. Jcwish Agcncy-Anleihe. Die Einleitung einer systematischen rationell und großzügigen Kolonisationstätigkeit hängt von der Anpassung der Finanzicrungs-Mcthodcn an die Bedürfnisse der Siedlung, arbeit, die hauptsächlich auf der nationalen Kolonisation basiert, ab. Da nun das finanzpolitische Ucbergangssystcm, das heute seinen Ausdruck in den nationalen Fonds und in der im Entstehen begriffenen Investment Corporation findet, diese Anpassung nicht gewährleistet und die Möglichkeiten der nationalen Kolonisation einschränkt, wird das finanzpolitische Problem eines der Grundprobleme bei der Verwirklichung des Zionismus. Die Trägerin dieser erneuerten Finanzpolitik soll die völkerrechtlich anerkannte Jewish Agency werden. Ihre Aufgäbe soll es sein, die für die kolonisatorische Verwirklichung der jüdischen Heimstätte in Palästina erforderlichen Mittel im Wege einer großen Anleihe aufzubringen. Der Kongreß soll beschließen, die Jcwish Agency aufzufordern, diejenigen politischen rechtlichen und wirtschaftlichen Aktionen und Schritte zu unternehmen, die geeignet sind, eine Jcwish Agcncy-Anleihe auf Grundlage kollektiver Sachgarantic zu erwirken und mit deren Hilfe die für die Durchführung der großzügigen nationalen Kolonisation Palästinas erforderlichen Institute ins Leben zu rufen. Die Kooperation der politischen und wirtschaftlichen Leitung der Jcwish Agency ist für das Gelingen dieses Planes unerläßliche Bedingung. II. Die Jcwish Agency und die Zionistische Organisation. a) Die Agency: 1. Das Statut der zu schaffenden Jcwish Agency muß außer u. a. auch die programmatischen Grundlagen enthalten, die von der Hitachduth auf der Sitzung des Aktions-Komitees in London (Juli 192t) vorgeschlagen worden und durch die Exekutive angenommen worden sind. Die Grundlagen sind folgende: a) dauernde Verstärkung der Alijah; b) Auslösung des Bodens als Volksbcsitz; c) landwirtschaftliche Kolonisation auf Grund der Sclbstarbcit; d) hebräische Kultur; e) die jetzige Form der Agency ist eine Ucbergangsform für eine Agency, die auf demokratischen Gründlagen aufgebaut sein wird. 2. Der Kcren Haj-ssod geht über in den Besitz der Agency als ihr finanzielles Organ. 3. Der Nationalfonds und die anderen Institutionen und Fonds verbleiben im Besitze der Zionistischen Organisation. b) Dic Zionistisch c Organisation. Die bevorstehende Erweiterung der Agency erfordert um so mehr eine Stärkung der Zionistischen Organisation, die auch in der Zukunft der entscheidende Faktor für den Aufbau des Landes sein wird. Dazu ist eine Reform in der Organisation und in ihren Institutionen notwendig. Die Rcorganistion. Die Wahlen zum Kongreß in ihrer heutigen Form — auf Grund des föderativen Schekcls -— bedingen keine Klärung der aktuellen Probleme und sind keine Gewähr für die unverfälschte Willcns-Acuficrung der Wähler. Die Fraktion der Hitachduth auf dem XIV. Kongreß hat den Antrag zu wiederholen, für den sie auf dem XIII. Kongreß gekämpft hat, nämlich Abschaffung des föderativen Schekcls und Einführung von allgemeinen proportionelien Wahlen. Die Funktionen des Kongresses. Der zionistische Kongreß hat folgende Funktionen auszuüben: 1. Entgegennahme eines Berichtes der Exekutive und der leitenden Institutionen der Organisation, und seine Bestätigung. 2. Ausarbeitung von Richtlinien für die wirtschaftliche und politische Arbeit. 3. Festsetzung der Grundlagen des allgemeinen Budgets. 4. Festsetzung der Statuten der Organisation. 5. Wahl des Präsidenten der Organisation. 6. Wahl des Aktions-Komitees. Jahreskonferenz. Die Jahreskonferenz soll abgeschafft werden. Das Aktions-Komitee. Das Aktions-Komltcc wird gewählt vom Kongreß u.mI besteht aus 33—10 Mitgliedern und eben so viel Stellvertretern. Das Aktions-Komitec ist das höchste parlamentarische Organ der Bewegung und bestimmt das Budget in seinen Einzelheiten. Es wählt den Vorsitzenden der Exekutive und bestätigt die Liste der Exekutive. Die Mitglieder des Aktions- Komitees und ihre Stellvertreter stellen die zionistische Hälfte des Agency-Rates dar. Die zionistische Exekutive (außer der Abteilung für Außenpolitik) hat ihren ständigen Sitz in Ercz Isreal. Für die Propaganda und Organisation-Arbeit in Europa wird eine europäische^ Abteilung gcschaffcn> In Palästina haben ihren ständigen Sitz auch die Leitung des Kcren Hajc.ssod und der Finanz- und Wirtschaftsrat der Zionistischen Organisation. Ein neues Bcratungsbtlro Iür Immigranten Das: Kolonisationsdepartement der Zion Excc. hat beschlossen, in Tel Awiw ein besonderes Informationsbüro für Einwanderer zu errichten. [Vis Büro befindet sich in der landwirtschaftlichen Versuchsstation der Zionistischen Organisation in Tcl-Awiw. Es wurde ein Komitee aus Vertretern der Gesellschaft jüdischer Ansiedler und des landwirtschaftlichen Departements ernannt, das den Informationsdienst überwacht. Das Büro stellt Informationen in Bezug auf die Ansiedlungsniögüclikeiten in den bestehenden Kolonien, die Aufnahmefähigkeit in den verschiedenen landwirtschaftlichen Zweigen, die verschiedenen Kolonisationsprogramme usw. zur Verfügung. Von der Jüdischen Nationalbibliothck. Die Jüdische National- und Universitätsbibliothek hat das bisher vom spanischen Konsulat innegehabte große Gebäude gemietet. Das Haus wird vor allem für die Unterbringung der medizinischen und naturwissenschaftlichen Abteilung bestimmt sein. Die Nationalbibliothck hat nunmehr drei Gebäude der Abcssiniergassc im neuen Viertel von Jerusalem inne. Der bekannte Wiener Neurologe und Psychiater Prof. Dr. Marburg übermittelte der jüdischen Universitätsbibliothek in Jerusalem eine kleine Bibliothek bedeutender medizinischer Werke, darunter die Manuskripte seiner eigenrn wissenschaftlichen Arbeiten. Aus Anlaß des 25jährigen Regierungsjubiläums des Königs Victor Emanuel wurde sein Name in Erinnerung an seine oft für die jüdische nationale Bewegung ausgedrückten Sym« pathicen in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds eingetragen. Der König sandte dem Leiter der Kcren Kajemeth-Aktion in Italien, Prof. David Prato. ein Schreiben, in welchem er der. italienischen Judenheit für diese Huldigung Dank tagt.