Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 54 (10.7.1925)
- Date
- 1925-07-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 472 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr.«; „MandalsgeMet Palästina" Von Dr. Hugo Herr mann. Seit langem habe ich kein Buch mit solchem Vergnügen angezeigt, wie das eben erschienene von Wors f old*). Der Verfasser ist ein ängstlicher Engländer, der von Mitte März bis Mitte Mai 1924 in Palästina war mit der einzigen Absicht, die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse Palästinas zu studieren, wie sie sich vom Standpunkt des Engländers darstellen. Er hat sich seiner Aufgabe in glänzender Weise entledigt und die dreizehn Kapitel seines Buches geben eine außerordentlich klare, ich möchte sagen, wasscrhelie Ucbcrsicht über alle wesentliche» Umstände, die auf die Entwicklung Palästinas unter britischem Mandat Einfluß haben. Was wir in jüdischen Büchern finden, das Nationale, Historische, Gefühlsmäßige, liegt ihm vollständig fem. Er hat sehr gute Kenntnisse der Geschichte Palästinas, hat vor allem die Palästina-Literatur sehr gründlich studiert, gibt auch bei verschiedenen Gelegenheiten sehr interessante zusammenfassende Rückblicke auf die Bedeutung dieses oder jenes Landestcilcs in der Vorzeit, aber im Grunde ist er ein Matter of fact — Mensch, der nicht nur versucht, sondern dem es auch wirklich gelingt, über den augenblicklichen Erscheinungen und über die in Frage kommenden Parteien, luden und Arabern, zu stehen. Wenn man das Ruch von Worsfold liest, merkt man erst, wie kläglich das Unternehmen jener nichtzionistischen Juden ausfallen mußte, die Bücher über ihre Palästinareisen von einem angeblich neutralen Gesichtspunkte schreiben wollten. Sic sind entweder enthusiastisch geworden wie HÖllricgcl oder haben ein antizioimtischcs Pamphlet geschrieben, wie Weiß. Demgemäß wird sich niemand wundern, daß Worsfold recht wenig von den Chaluzim erzählt und noch weniger etwa von der Renaissance der hebräischen Sprache; er ist auf das Politische und Wirtschaftliche eingestellt und neigt auch auf diesem Gebiete zur Skepsis gegenüber Programmen und zur ausschließlichen Würdigung tatsächlich bereits erzielter Erfolge. Es ist umso ehrenvoller für uns, daß er Entscheidendes für die Entwicklung und Zukunft des Landes nur von der jüdischen Arbeit erwartet. Worsfold, der, wie es scheint, in England einen gewissen Rut als Sachverständiger in Kolonialfragen genießt und einige sehr eingehende Bücher, vor allem über Aegypten und Südafrika, geschrieben hat, wohnte in Jerusalem als Gast Sir Herbert Samuels auf dem Oelberg' und hatte auch sonst Gelegenheit, mit den führenden englischen Beamten sehr gründlich aile Fragen ihrer besonderen Gebiete zu erörtern. Sein Buch ist zum großen Teil der Niederschlag gründlicher Unterredungen mit Sir Herbert Samuel, Sir Thomas Haycraft, dem Oberriehtcr von Palästina, Norman Bcntwich, dein Ober-Staatsanwalt, Mr. Sawer, dem Leiter des landwirtschaftlichen Departements der Regierung, aber auch mit anderen Persönlichkeiten wie Colonel Kisch und Ing. Ruienbcrg. Von besonderer Bedeutung ist für uns Kapitel fünf, „'Die wirtschaftliche Lage". Es geht von der unbestreitbar richtigen Beobachtungen aus: „Obgleich Palästina eines der ältesten Länder der Welt ist, gehört es wirtschaftlich zu der Kategorie Neuland" und gibt eine ausführliche Darstellung der Finanz- und Budgetpolitik der Zionistischen Exekutive. Worsfold ist der Ansicht, daß die wirtschaftliche Zukunft Palästinas von fünf hauptsächlichen Vorbcdirigungcn abhängig ist, deren Bedeutung er in überzeugender Weise darlegt. Diese Vorbedingungen sind: die Erzeugung elektrischer Kraft durch das Gefälle des Jordan, die Auf Schließung der Mineral* schätze des Toten Meeres, die Schaffung eines sturmfreien Hafens in Haifa, der Ausbau der Heilquellen von Tibcrias zu einem Wcltbad und schließlich die Drainierung der Sümpfe um den Hulescc. Er prüft natürlich die Frage nach der Aufbringung der nötigen Mittel und findet nach der Analogie der ihm sehr vertrauten Verhältnisse in Rhodcsia, daß eine mächtige Körperschaft die Führung haben müsse. Worsfold ist geneigt anzunehmen, daß die Zionistische Organisation in Verbindung mit dem Kcrcn Hajessod und anderen Institutionen diese Rolle der rhodesischen ,,Chartcrcd Company" übernehmen kann. Nur die Juden haben ja bisher wirtschaftlich Bedeutendes im Lande geleistet; so lehrt eine Zusammenstellung der seit •) „PaJcstine of the Mandate" by W. Basil Worsfold, Verlag T. Fisher Unwin Ltd.. London 275 Seiten mit 33 Illustrationen, größtenteils nach Photographien und Zeichnungen des Verfassers, Preis in Ganzleinenband 21 Shilling, der britischen Besetzung in Palästina investierten Kapitalien, daß insgesamt 1,2 Millionen ägyptische Pfund für industrielle Zwecke investiert wurden, davon kaum 100 000 von Nichtjudcn. „Aber*-*, sagt Worsfold, „da* Bestehen einer »olehen Körnerschaft in Palästina, Ihre Leistungsfähigkeit vorausgesetzt; würde an und für sich, noch nicht die wirtschaftliche Expansion sichern, d« nötig ist, um der Regierung ein für ihre Aufgaben ausreichendes Einkommen zu liefern, und noch weniger die soziale und wirtschaftliche Befreiung des Landes in seiner Gesamtheit Dazu muß die Arbeit der Körperschaft sachgemäß geleitet und weise geführt werden. Begeisterung, Geschicklichkeit und gute finanzielle Grundlagen werden nicht genügen. Im Gegenteil wird gerade der Schwung der jüdischen Leistung eine entsprechend heftige Reaktion der cirgeborenen Mehrheit hervorrufen, die alle Hoffnung auf Fortschritt für eine ganze Generation lahmlegen wird. Aber wenn eine weise Leitung da ist — und England könnte sie durch die von ihm geschaffene Verwaltung sehr wohl ausüben, — kann die jüdische Leistung ein bedeutenderes Werk vollbringen als eine Hmlsonbay-, Nigeria- oder Südafrika- Company und, ohne Anstoß zu erregen, ein Mittel werden, um nicht nur das wirtschaftliche, sondern auch das nationale Problem in Palästina zu lösen." Während in den übrigen Teilen des Buches Materialien, die auch schon anderswo veröffentlicht wurden, nur in besonders klarer und eindringlicher Form ausgewählt und zusammengestellt sind, enthält Kapitel acht, „Jordanwasserkraft", Angaben über das große Rutcnbcrg-Proickr, die meines Wissens sonst noch nirgends veröffentlicht waren. Unter Beigabe ven zwei PJnuskizzcn zeigt Worsfold in großen Linien d«; Lagt* der geplanten drei Kraftwerke nördlich und südlich vom Tiberiassec und die Art, wie Rufenberg durch Anlage von Dämmen, Kanülen und Staubecken die erforderliche Kraft gewinnen und den erzeugten elektrischen Strom über das ganze La;>d verteilen will. Kapitel elf,' „Landwirtschaft", führt uns wiederum in das volle heutige Leben hinein, nachdem die vorhergehenden Kapitel landwirtschaftlichen Schilderungen und weiteren Reminiszenzen gewidmet waren. Die Grundlage des Kapitals ist ein umfassender Bericht von Mr. Sawer, dem Direktor des landwirtschaftlichen Departements der Regierung. Dieser Bericht zei^i, und Worsfold unterstreicht es, daß die besten Absichten der Regierung durch den drückenden Geldmangel zur Erfolglosigkeit verurteilt waren. Die wichtigsten Einrichtungen wurden geplant, blieben aber auf dem Papier. Trotzdem sind gute Erfolge erzielt worden. „Wahrscheinlich", sagt Worsfold, „ist d<*r Boden der Araber heute besser kultiviert und ertragreicher als er 1022 war. Zweifellos werden auch noch weitere Verbesserungen erzielt werden. Bei all dem aber ist es offenkundig, daß der palästinensischen Landwirtschaft Erfolg nicht von dem arabischen Bauer», sondern nur von dem jüdischen Ansiedler kommen wird. Und der Erfolg der Landwirtschaft Ist der Erfolg des Landes in seiner Gesamtheit. Alles, was das Departement geben kann, steht den Juden cl>e»so zur Verfügung wie den Arabern. Dazu haben die Juden alle Hilfsquellen der Zionistischen Exekutive. Sic haben die vorzüglich ausgestattete Lnndvvirtschaftsschn'c in Mikwch Israel, sie haben die großen technischen Institute und Laboratorien in Haifa und Jerusalem, ihre Gestüte, Versuchsstationen, Baumschulen. Das bedeutet nicht, daß der arabische Bauer enteignet oder vernachlässigt werden soll. Er soll von dem kultivierten Gebiet haben, soviel er braucht. Er soll die Hilfe erhalten, die die beschränkten Einnahmen der Regierung ermöglichen. Der Jude aber soll, wie er es ja bereits tut, das verlorene kulturfähige Land von Palästina wiedergewinnen und dort einen Baucrnstamm schaffen, der leistungsfähiger und besser ausgerüstet ist als der Araber. Und dies soll nicht nur zum Nutzen des Judens allein, sondern sowohl des Juden als auch des Arabers geschehen." Im zwölften Kapitel, „Ein sturmfreier Hafen", schildert Worsfold Haifa, «.eine aufstrebende Industrie, das jüdische Technikum und die Aussichten des Landes, wenn der geplante Hafen errichtet wird. Das letzte Kapitel, „Erziehung und Gesundheitspflege", ist wiederum aus Jerusalem datiert und gibt eine Darstellung der Leistungen einerseits der Regierung, andererseits der Zionistischen Exekutive auf den Gebieten des Schulwesens und der sanitären Arbeit. Auch hier wieder hat Worsfold Gelegenheit darauf hinzuweisen, welch schweres Hindernis es für die Entwicklung des Lindes ist, daß die britische Regierung darauf besteht, die palästinensische Verwaltung müsse ihre Bedürfnisse aus ihren eigenen Einnahmen decken. Die richtige Entwicklung der jüdischen Lcistungs*- fähigkeit aber sei durch politische Schwierigkeiten behindert. Und nun fragt Worsfold, ob es nicht einen Weg gebe, um die im Interesse des britischen Steuerzahlers geforderte Sparsamkeit mit^ der Möglichkeit rascherer Entwicklung in Palästina in Einklang zu bringen. Er bejaht diese Frage und es i*t von besonderer Bedeutung, daß er gerade tfiev?• trachlung an den Schluß des Buchen setzt. Er vt^t: \ '. haben genug von der jüdischen Leistung kennen um zu glauben, daß sie, wenn sie nicht durch po!i:' : Hemmungen behindert ist, fähig ist, die Bevölkerung " .. Produktivität des Landes auf jenen Punkt zu brin^i':; i dem die erforderliche Steigerung der Einkünfte sicher;- ' ist. Tatsächlich ist die jüdische Expansion, \,\ beaufsichtigt und geleitet, weit entfernt davon, der are;1 sprechenden Mehrheit Nachteile zu bringen, das c i n? \ Mittel, durch das in Ermanglung einer jährlichen Zuwe:;; : vom britischen Schatzamte für die Masse der ßc.v- '■ Palästinas die Vcrwallungsmoschineric geschaffen werdend die nötig ist, um sie auf eine höhere Kulturstufe zu h, Warum also beharrt England darauf, in Palästina „zu j zu gehen"? Warum will C3 nicht als Mandatarmarlit , starken Tatsachen anerkennen und den arabischen Fi:',: sagen, daß nicht sie, sondern die Regierung entscheiden rr,;:.. ob die jüdische Expansion der Bevölkerung, deren Inten^ zu vertreten sie vorgeben, von Nachteil ist oder rir^ Denn die Behauptung dieser Interessenvertretung ist r-jr" fraglich und wird durch nicht viel mehr als ihr ci^'r Wort und die gelegentlichen Ausbrüche des moham-3 danischen Pöbels gestützt. % Eine solche Auffassung dürfte jedem erwünscht sein, rjjjjj Palästina und sein Volk, Araber, Juden und Christen, t£j auch England liebt. Der Kongreß der Union der Vöikfrbimiiiißcn 1 Warschau (J. T. A.l Am 5. Juli fand im grollen Syjj des Warschauer Stadtrats die feierliche Eröffnungssitzung c£ IX. Kongresses der Union der Völkcrbundsligen statt, .'-k wesend waren Vertreter von 25 Nationen. Von polnischer? w erschienen mehrere Rcgicrungsvcrtrctcr, der Sejinpräs^: g Rataj und mehrere Gelehrte;: auch das diplomatische Kc-& hatte sich fast vollzählig eingefunden. Vor Eintritt in Tagesordnung gab der Vorsitzende der Union, Sir D i k i n sc; dem Vertreter der polnischen Regierung, Arbeits minister k a 1, das Wort, der auch auf das Problem der n a t i o n a 1& Minderheiten in Polen zu sprechen kam und auf & soeben vollzogene polnischjüdische Einigung \r\ wies. Im Verlauf der ersten Sitzung erstattete ein Vcrtrc; , der polnischen Delegation Bericht über die Mindcrlicitsfra.-;."! in Polen, der auch unter den Delegierten gedruckt vcr:-j.j worden ist. Einen großen Raum in dem Bericht, der v£ früheren Justizministcr Bukowiccky unterschrieben nimmt die Judenfragc ein. Es wird gesagt, daß die Juden & Polen keine eigene nationale Sprache besitze^ Die große Masse der polnischen Juden spricht dr. Jiildiv;^ das ein deutscher Jargon ist, nur mit vielen polnischen Wor vermischt. Die jüdische Intelligenz aber spricht polnisch, l ^. kleine Minderheit der Juden wünscht, die hebräische Spra:|1 zu verlebendigen, die „aber doch eine tote Sprache biei'r.'^ Da nun — heißt es in dem Bericht weiter —, die luden ke.yJ eigene nationale Sprache besitzen, kann man die Rechte ci.-v* „jüdischen" Sprache im politischen Leben, sei es in der Sta.r.3 Verwaltung, sei es in den Stadtverwaltungen, nicht anerkenne, t mögen auch eine jüdische Presse in Jiddisch, Hebräisch u-'* Polnisch, sowie eine ganze Reihe Schulen mit Jiddisch Hebräisch als Unterrichtssprache existieren. In dem Bericht heißt es dann weiter: Die Zahl der JudiJ in Polen ist eine sehr hohe, es kann keine Rede d a v c< sein, die Juden zu assimilieren. Man kann er so große Masse nicht mit Gewalt zwingen, die polnische Ziv.-J sation anzunehmen. Die Judenfragc in Polen ist kein national.} sondern ein sozial-ökonomisches Problem ein Problem der Zivilisation. Dem Kongreß wohnen Vertreter der jüdischen Völler)'- bundsligen in Oesterreich und der Tschechoslowakei als Delegierte bei. Der polnischen Abordnung gehört auch der jüdisch Senator Ringel an. \;< Auf der Tagesordnung stehen u. a. die Aufnahme der nci': gegründeten palästinensisch cnVölkcrbundslie;: sowie die Frage des Numerus clausus für jüdische Studierend^ Die Kommission für Behandlung der Numerus clai^; sus-Frage der Internationalen Union der Völkcrbundsli^': hielt am 6. Juli eine Sitzung unter der Leitung des Profcs>r A u I a r d ab. Anwesend waren Vertreter Polens, Rumänicr Ungarns und Oesterreichs, also jener Staaten, in denen c Numerus clausus-Fragc aktuell ist. Im Prinzip wurde der vc" achten, in Lyon stattgefundenen Kongreß der Union angenor mene Beschluß gegen den Numerus clausus bestätigt ur' Prof. Aulard beauftragt, in diesem Sinne vor dem Plenum & Kongresses zu referieren. «km Wege des Gesetzes. Wieder setzen sich Scharen von Flüchtlingen in Bewcgungt denen der Staat den wirtschaftlichen Atem abwürgt, wieder wachsen Abertausende von Kindern ohne Erziehung und Unterricht in tiefster seelischer Not heran, und auch diese Nöte, so müssen wir fürchten, werden den alten Wunden der Kindcrseelcn neue hinzufügen. Wenn die Generation dieser Kinder zu Mitaiheitern am Palästinaaufbau herangewachsen ist, bevor die seelischen Wunden auch in ihren letzten Spätwirktmgcn geheilt sind, dann wird das Problem des „Menschen in Palästina" um eine Komplikation reicher sein: die Anpassung eines nicht voUkamnffähigen Menschen an Verhältnisse, die ganze Kraft und volle Gesundheit der Seele erfordern. Auch darum mahnt das vorliegende Buch zur Mitarbeit am Erziehungs« werk für das katastrophcngcschädigtc Kind. , Eine Wertung der wissenschaftlichen kinderpsycholo- E»scncn Ergebnisse der Schnccrsonschcn Untersuchungen zu geben, ist nicht die Absicht dieser Besprechung. Sie will lediglich auf das dringende Problem unserer Zeit hinweisen, da« in diesem Buche um verständnisvolle und tatkräftige Mitarbeiter wirbt. Dr. H. Nothmann, Berlin. Persönliches Nachwort zur Birnbaum-Festschrift Vor kurzem ist das Sammclbuch „Vom Sinn des Judentums") erscheinen, das zur Ehre Nathan Birnbaums anläßlich semes 60. Geburtstages herauskommen sollte. Abgesehen von aller sachlichen Bewertung, die in diesem Zusammenhang "»cht erfolgen soll, fühlt sich der zionistische Mitarocitcr an diesem Werk durch Folgendes zurückgestoßen. Herr Wolf Jacobsohn eröffnet — vom kurzen Geleitwort des Herausgebers, Max Landau, abgesehen — den ^and mit einem Aufsatz, den man wohl schon deshalb als ,!!^V{flzi,dlcn anscnen dar* weil sein Titel „Dem Meister ™*n Gruß" der ganzen ersten Abteilung des Werkes den Namen giht. » ^n1"^108.?111 Artikcl "u" werden zunächst die Worte wiederhnrh4.levFrJtz M°rdcchai Kaufmann zum 50. Gehi. i at,b,an Birnbaums in der „Freistatt" schrieb und dÜrhArUv/ti,k,afftfn' daß J'encf l*Z so Slcichgültiff vom ja-?J* 7 *. »ufKcno°"ncn werde. An dieses Zitat schließt sicn der folgende Satz: mPnM wr-Ta& 6\?irnbaum '« d« Alter einzieht, ist gekom- Jun^J' diei0»i**« - die nationalen Of fi- «»eilen und die nationales Inoffiriellen - ihn begehen, weiß ich nicht. Ich fürchte, daß auch heute das Wort noch gilt das Hillel ZcitHn damals aussprach: „Birnbaum war der Schöpfer des Zionismus", in West-Europa hat er die ersten Triebe des Zionismus geweckt, als er dann über den Zionismus des Schekcls hinauswuchs, als er . . . ewige Werte zu suchen begann, als er den äußerlichen Zionismus bis zum grundjüdischen, zum echt jüdischen, zu den großen Idealen des Judentums vertiefte, wurden Ihm die Fanatiker unter den westlichen Zionistni zu Feinden und die Nichtfanatiker sagten: „Wir kennen Dich nicht mehr". So sehr man die Charakteristik Zcitlins billigen mag, so außerordentlich taktlos war ihre Wiederholung in diesem Augenblick. Herr Jacobsohn hätte seine Unwissenheit darüber, wie sich die Zionistcn — die nationalen Offiziellen und die nationalen Inoffiziellen — zum CO. Geburtstag Birnbaums stellen, sehr leicht durch cir.cn Bück in das Inhaltsvcrrcichnis des Werkes beheben können. Dann hätte er festgestellt, daß von den 32 Mitarbeitern nicht weniger als 16, also genau die Hälfte organisierte Zionistcn sind — nämlich die Herren Adolf Kretz, ßcrthold F c i w c 1, Josef M c I s 1, Samuel R a p a - p o r r, Leo Hcrrmann, Hans K u h n, Martin B u b c r, Bernard Tag, Ernst Müller, Emst Simon, Oskar Wolfsberg, Hermann Wcyl, S. J. Agnou, Max Iirod, Emil Cohn, Nachum Norbert Glatzer. Von der übrigen Hälfte stehen weitere zwei, nämlich Simon Dubnow und Franz R o s c n z w c i g dem Zionismus wohl mindestens ebenso nahe wie der Agudas Jisracl. Wir erwähnen diese Tatsachen, weil sich an ihnen wieder einmal beweisen läßt, daß die Unduldsamkeit der extremen Orthodoxie nicht einmal das Gebot der geistigen Gastfreundschaft anerkennt, das ja allein eine solche Festschrift überhaupt ermöglicht hat. Wenn man damit die Wärme und den Takt vergleicht, mit dem die Zionistcn über Birnbaums Wandlung sprechen, wenn man sich etwa den Satz ansieht, den der „nationale Offizielle" Leo Herr mann, der bekanntlich Mitarbeiter der Londoner Exekutive ist, über ihn schreibt: „Wie sein Werk f ü r uns, so verpflichtet audi sein Werk gegen uns den Zionistcn und den Zionismus" (S. 40 der Festschrift) — so wird wohl deutlich sein, auf welcher Seite der. größere Takt und die größere Menschlichkeit zu finden ist. Aber auch dem sonst so feinsinnigen Herausgeber kann ein Vorwurf nicht erspart werden. Aus einer zensierenden Bemerkung auf Seile 50 ergibt sich, daß er die Aufsätze nicht nur so hingenommen, sondern auch kritisch gelesen hat. Diese Kritik hätte er im Interesse seiner sechzehn Mitarbeiter auch gegen den einen Hcirn Jacobsohn, kehren sollen. Dr. Ernst Simon. „Dichter-Welten". Literarisch-kritische Essays von Ch.iji Liebermann. I Der junge amerikanisch-jiddische Kritiker Ov>)* Liebermann ist in Europa fast noch unbekannt. Mit >: in einem Sarnniclbuchc herausgegebenen litcrarisch-kriu'schr Essays „Dichter-Weifen" führt er sich beim europäisch:: Publikum ein. Schon nach der Lektüre der ersten zwei Aiit^it/c ul>" Aimfole France und Dante wird unsere Aufmcrk^.ur.M gefesselt. Liebermann ist vor allem Kritiker unserer Gc.^cwart. Er tritt an allgemein-menschliche und die Zeitgenosse berührende Probleme heran. Er bringt keine Lösungen, nhc hier kommt es auf die Problemstellung an. Hauptsäch!:;' ist dies der Fall in der jiddischen, zum Teil auch in de hebräischen Literatur, wo der Ideenhorizont beschränkt;:" oder besser gesagt: sich selber hat beschränken lassen, b mag sein, daß die ..vereidigten" jiddischen Kritiker Bai M a C h s c h o w e s und Niger einen unbedeutenden jüdisch:: Schriftsteller vor einem bedeutenden Weltliteraten aus Lioh: zur „eigenen Armut" bevorzugen, damit aber leisten sie wo;; .' für die von ihnen so liebevoll gepflegte jüdische Litern:-' selbst. Die besonders in der jüdischen Literatur ublichr Orübelci erinnert uns stets an den von Feicrbcrg in Be/ug : -• das konservative Judentum so meisterhaft geschildert Knecht, der verurteilt wurde, lebenslänglich einen Baum Sflegcu, obwohl er schon läugnt seine Arbeit vollendet in::: o kommt es, daß die jüdische Literatur an Wcit-ldccn arm ist, da man nicht „aus dem eigenen Finger saugen kann' Es ist zu begrüßen, daß Liebermann diese FcMstelni;•: macht und sie In den Essays „Die große Idee" und „Die gro.': Tal" (beide, woh Ige merkt, in der jüdischen Literatur) zv" Ausdruck bringt. Er schont auch den jiddischen Stil nicr (unser Slii). Er schreibt aber mit Liebe über Jehoasch ur*. Pinski. Denn Jehoaschs Naturdichtung steht der Wclt-Pocs* nahe und Pinski ist ein bedeutender Schildercr der unter; drückten menschlichen Persönlichkeit. Es ist ferner zu begrüßen, daß Liebcrmann den jüdische" Leser in die innere Welt der großen Geister wie To'sr Dostojewski, Nietzsche, Wundt, Dante usw. einführt und auch in fünf verständnisvollen Aufsätzen die augcnblick!;':" in Europa herrschende Ku'.tur-Krisis vor Augen führt. (Dir?:' Aufsätze wurden während des Aufenthaltes des Kritikers i" Deutschland geschrieben.) Josef Fink. In letzter Siundc: Sammelt den Schekell