Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 52 (3.7.1925)
- Date
- 1925-07-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Redaktion und Verlag W 15, Mciockestraße 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1.85 Goldmark, Vierteljährlich 5.25 Goldmark, AuludaabonacinenU werd«a In der Wihrung der «Inzdnea Lieder berechnet Nummer 52 | Berlin, 3. V1X 1925 j Anzeigen-Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.H., Berlin W15. Meinekestr. 10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. . Aax»l£«nj>reitt 8Je»p*lLNonp»r«iUe«eiU 0,40 C-iM. SUÜettfemeb«0,20G^M. Anxri^eaichlnSi Diea»t«C und Freitag nachmittag 4 Ubr. Einzelnummer 0,35 Goldmark f33 ^^--3 r-jr, VN i S i ."■". i /'■ ■ \ M H [V. } \ V ./7 IM!/ \ < '!j v__y l JL..JLJ -y y Telephon« Bismark7165-70. Postscheckkonto: Berlin Nnl7392. Fflr Ortlerrelcht Poit^.r^Mcniret Wim. Kr-,to Nr. 13*030. FörT»ch«ch03lowalcei; Po»U?»rlt*Jseaarat Pr«A Kmin Kr. SO-MO. tilr Polens PoitsputktMcnaat Warichan, Konto Nr. IVO703. ilcdaktionischluQ Sonntag und Mittwoch nachmittag. iYDH per Zionismus erstrebt fOr das jSdlscho Volk die Schaffung einer öffentlich - rechlich gesicherten Heimstätte In PalSstlna. „DoseJer Pror;rcrr,m*il Herbert Samuels AbssMed Jerusalem. (J. T. A.) Am 2S. Juni stattete der scheidende Oberkommissar Herbert Samuel dem Obcrrabbinat Palästinas, dem Mösl cm i t is ch c n Obc rr a t c und der Palästinensischen ZionistischenExekutive Abschiedsvisiten ab. Am Tage vorher besuchte Herbert Samuel den Gottesdienst in der Synagoge „Rabbi J e h u d a H a c h a ssid", in welcher der vor kurzem eingetroffene polnische Chassidim-R3bbi „Der Modzicer Rebbc" vorbetete. Später besuchte Herbert den Modzicer Rcbbc und unterhielt sich mit ihm über Fragen des Aufbaus und die Stellungnahme der Agudas Jisroel. Dann sprach er auch mit dem „Jabloner Rcbbc". Bei seiner Verabschiedung von der Stadt Haifa erhielt Sir Herbert als Andenken den Plan der Stadt, eingefaßt in einen kostbaren Rahmen. Am Dienstag, dem 30. Juni, dem Tage vor seiner Abreise aus Palästina, war Sir Herbert Samuel Gast der Stadt Tel-Awiw, die ihm einen großartigen Empfang bereitete. Sir Herbert wurde feierlichst das Ehrcndiplom der Stadt Tel-Awiw überreicht. Am 28. d. Mts. eröffnete Sir Herbert Samuels in Haifa die elektrische Kraftstation, die einen Teil der Ruthenbergschcn Kraftanlagen bildet und größer ist als die Jaffaer Station. Die Festrede hielt Jng. Ruthenberg. Die Eröffnung war dieletzteoffizielleAmtshandlung Herbert Samuels, der am 30. Juni Palästina verließ, um sich zunächst nach Konstantinopcl, Budapest und Wien zu begeben. Samuel wird erst im September in London eintreffen und im Oktober nach Indien reisen. Ende Januar 1926 wird Samuel nach Palästina zu dauerndem Aufenthalte zurückkehren. Am Abend des 2S. Juni gab die Jerusalcrner Stadtverwaltung, zu Ehren Herbert Samuels ein Bankett, welchem mehr als 603 prominente Jerusalcrner Bürger beiwohnten. Der Bürgermeister von Jerusalem, Ragheb Bcy Nashashibi, hielt eine, feierliche Ansprache an Herbert Samuel und rühmte' dessen Gerechtigkeitssinn. Bedenkliche Ergebnisse Wir veröffentlichen in dieser Nummer der „Jüdischen Rundschau" eine Statistik über die Schekclcingange der auf enden Schckelcampagne im Vergleich mit den Schckclergebnissen des Jahres 1923. Wenn wir auch nicht verkennen» daß die Schckelaktion noch nicht abgeschlossen ist, so müssen wir doch mit ernstester Besorgnis sehen, in welch unverhaltnismaßiger Weise die bisherigen Schekelergebnisse hinter denen des Jahres 1923 zurückstehen. Man wird konstatieren können, daß große Ortsgruppen bisher noch nicht ein Viertel des Betrages an Schekelgeldern abgeliefert haben, den sie im Jahre 1923 ablieferten. Et hieße Eulen nach Athen tragen, wenn man es an dieser Stelle noch einmal unternehmen wollte, den deutschen Zionisten die Bedeutung der Schckelaktion vor Augen zu führen. Welche reale Starke die zionistische Bewegung besitzt, wie stark vor allem der deutsche Zionismus ist, dafür bat die Außenwelt nur ein Kennxeichen: das Ergebnis der Schckelaktion. Man spricht vom Ernst unserer politischen Lage, von der Notwendigkeit verstärkter politischer Tätigkeit: ihr finanziell« Mittel üt der Scbekel. Die deutschen Zionisten haben in einem viel beachteten Kongressprogramm zu den entscheidenden Fragen des XIV. Kongresses Stellung genommen; diese Stellungnahme wird zur bedeutungslosen Phrase, wenn hinter ihr nicht eine große Delegation steht, die das Kongressprogramm vertritt. Die Große dieser Delegation hangt vom Schekel ab. Wir glauben an die Starke und das innere Leben im deutschen Zionismus und sind weit davon entfernt, durch die bisherigen unzureichenden Schekelergebnisse in dieser Überzeugung wankend gemacht zu werden. Aber *ir können uns des Eindrucks nicht erwehren, daß losere Ortsgruppen die Schckelaktion bisher nicht richtig tiageschatzt und ihr nicht die Aufmerksamkeit gewidmet haben, die diese einzigartige Möglichkeit zur Bekundung ^erer KraStc verlangt. Wir erwarten, daß die Ortsgruppen in der kurzen Frist, die bis zum 15. Juli noch bleibt, die äußersten Kraftanstrengungen machen und das Schekclergcbnis von 1923 als das Minimum dessen beteten werden, was sie in diesem Jahre zu leisten haben. Im Namen der Stadtverordnetenversammlung überreichte der Bürgermeister dem' scheidenden Oberkommissar ein Album von Jerusalem, in welchem die Entwicklung der Landeshauptstadt in den fünf Jahren der Amtstätigkeit Herbert Samuels dargestellt ist. Auch an Lady Samuel richtete der Bürgermeister Begrüßungsworte und rühmte deren charitative Arbeit zum Wohle der Bevölkerung. Herbert Samuel erwiderte die Grüße urid sagte, Jerusalem sei die Stadt der Verschiedenheiten, und das sei ihr Ruhm. Hier darfkeinc Feindschaft zwischen einzelnen Gruppen hcnsdien. Zum Schluß erklärte er, er werde nach Beendigung seiner Ferien nach Jerusalem zu rück kehren und sich hier als Bürger niederlassen. Veränderungen im Colonial Office Wie die „Times" am 29. Juni meldete, stehen in der Organisation des britischen Colonial Office wichtige Veränderungen bevor. Es handelt sich um die Einrichtung zweier getrennter Abteilungen, von denen die eine die Angelegenheiten der Dominions (Kanada, Südafrika, Australien, Neuseeland), die andere die unter direkter Verwaltung stehenden Kronkolonien und Mandatsländer bearbeiten soll. Wie wir zu dieser Meldung erfahren, wird voraussichtlich zur Leitung der zweiten Abteilung, zu der also auch Palästina gehört, der bisherige Unterstaatssekretär Ormsby Gore berufen werden, dessen Stellung zum Zionismus allgemein bekannt ist. Die ganze Meldung bestätigt erneut unsere Auffassung, daß in Zukunft die Londoner Zentrale mehr als bisher die Leitung der Palästinapolitik in eigener Hand behalten will. Es handelt sich um eine Zentralisation, die im Zusammenhang mit den allgemeinen Tendenzen der konservativen Regierung steht. Der Staatssekretär für die Kolonien, Amcry,.wird voraussichtlich in der Zukunft die beiden neu geschaffenen Abteilungen als oberster Chef dirigieren. Die zionistische Jalireskonferenz in Amerika Am 23. Juni wurde die Jahreskonferenz der Zionistischen Organisation in Anwesenheit von 7S0 Delegierten eröffnet. Der britische Gesandte in den Vereinigten Staaten, Sir Emse Howard, sandte der Konvention ein herzliches Begrüßungsschreiben. Mr. Louis Lipsky der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas und Mitglied der zionistischen Weltexekutivc, führte den Vorsitz. Er unterbreitete einen Bericht über die Tätigkeit der amerikanischen Organisation im vergangenen Jahre. Die Konvention beschloß, Begrüßungen an Dr. Weizmann, den scheidenden Oberkommissar Herbert Samuel und den neuen Oberkommissar Lord P1 u m c r abzusenden. In ihrer Sitzung vom 29. Juni, abends, hat die Konferenz nach einer lebhaften Diskussion die vom Vorsitzenden des amerikanischen Kcrcn Hajcssod Mr. Rothenberg unterbreitete Resolution, nach welcher die Abmachungen Dr. Wcizmauns mit Louis Marsh all und der Gruppe amerikanischer Nichtzionistcn betreffend deren Eintritt in die amerikanische Sektion der J e w i s h Agency gebilligt werden, angenommen. In der Resolution wird weiterhin der Erwartung Ausdruck gegeben, daß der Zionistcn-Kongreß in Wien das Abkommen billigen und Dr. Weizmann autorisieren wird, der Verwirklichung seiner Pläne betr. die Erweiterung der Jcwish Agency weiter nachzustreben. Völttcrband oad Paliislliiamandat Genf, 30. Juni. (Schweiz. Dcp.-Ag.) Die Mandatskommission hat gestern in großen Zügen die Abänderungen festgestellt, die dem Frageschema über die Mandate einverleibt werden, das. alljährlich der. Mandatarmächten zugestellt wird und diesen bei der Abfassung ihres Berichtes zur Grundlage dient Die Kommission nahm Kenntnis von einer Petition, die ihr von der jüdisch-aschkcnasischcn Gemeinde von Jerusalem übermittelt worden war, und beschloß, sie im Laufe ihrer nächsten Session anläßlich der Erörterung des Mandates über Palästina zu behandeln. Sic revidierte ferner die Schlußfolgerungen über die Frage der Anleihen^ Vorschüsse und Placierungen von öffentlichen und privaten Kapitalien in den unter Mandat stehenden Territorien und befaßte sich schließlich mit verschiedenen Fragen innerer Natur. Sokolow beim polnisches Staatspräsidenten Der polnische Staatspräsident Wojcicchowski empfing am Sonntag, den 28. Juni, Nahum Sokolow in emstündiger Audienz, Nach zwei Fronten Von Robert W.cltsch. Berlin, 2. Juli 192b. Wenn man nach längerer Abwesenheit wieder auf den europäisch-zionistischen Kampfplatz zurückkehrt, so ist man zunächst ein wenig befremdet von den neuen Konstellationen und Gruppierungen, die sich inzwischen zur Vorbereitung des XIV. Kongresses gebildet haben und mit Erklärungen und Gegenerklärungen in immer hitzigerem Gefechte einander gegenübertreten. So sehr es der Vorbereitung des Kongresses dient, wenn die Anschauungen rechtzeitig geklärt werden, so gefährlich .scheint es uns doch, wenn durch die Schärfe eines dialektischen Kampfes um wirkliche und scheinbare Gegensätze und vor allem unter der überaus unerwünschten Hincintragung rein persönlicher Momente, Affekte und Stimmungen geschaffen werden, die dem Verlaufe des so äußerst schwierigen und vcrantwoitungsrcichen XIV. Kongresses nicht förderlich sein können. Es scheint uns eine elementare' Pflicht aller an diesem Kampfe Beteiligten, mit restloser Ehrlichkeit und Sachlichkeit zu prüfen, wofür und wogegen sie eigentlich stehen und welche Forderungen zu welchen Zielen sie vertreten müssen. Jede Verschleierung scheint uns gefährlich. Ebenso gefährlich scheint es uns aber, sich von der suggestiven Tatsache vorhandener Gruppierungen zu Programmkämpfen hinreißen zu lassen, die nicht mehr sachlicher Erwägung, sondern der masscnpsychologischcn »Wirkung1 des politischen Parteiwesens entspringen. Für derartige Parteikämpfc ist der Zionismus zu "klein und zu schwach. Es Steht diesmal zu viel auf dem Spiele. Die Vorbereitung des XIV. Kongresses muß u. E. beginnen mit der Einsicht der sogenannten Regierungspartei, daß sie auf dem vorigen Kongreß zwei Fehler begangen hat: sie hat es verabsäumt^ einen wirklich programmatisch gecinigten und zielbewußten Mnioritatsblock zu bilden, der eine aktive Politik selbst ei ' 'altct und dmuit auch der Exekutive Stütze und Antritt geboten hätte; und sie hat eine Exekutive eingesetzt, die als Körperschaft nicht lebensfähig war; Beide Fehler wirken heute nach. Es ist charakteristisch, daß die Initiative zu einer gedanklichen Vorbereitung des Kongresses von der Opposition ausgehen mußte. Zwar haben einzelne Gruppen, "die auf dem vorigen Kongreß die Leitung stützten, bereits vor einiger Zeit ein 'umfassendes Kongreßprogramm aufgestellt, so insbesondere die Zionistische Vereinigung für Deutschland und die zionistische Arbeitspartei Hitachduth (in ihrer Tagung in Tel-Awiw zu Pcssach d. Js.). Aber die Exekutive hat sich mit keinem dieser Programme identifiziert und hat überhaupt geschwiegen. Nur als die Jabotinsky-Gruppc ein wenn auch nicht gutes, so doch jedenfalls klar formuliertes- Programm veröffentlichte, hat das Zentralorgan der Exekutive dazu in einem Abwchrartikel Stellung genommen, der an Kläglichkeit kaum zu überbieten ist. Dieser Mangel einer Meinungsbildung der Exekutive, der die Bewegung desorientiert und in ihrer Sehnsucht nach klaren Worten zum Spiclball aller halbwahren und demagogischen Postulate gemacht hat, ist eine Folge der zwei Grundfehler, die oben erwähnt wurden. Zwei Jahre hindurch haben wir das gefühlt und gewußt, wir haben immer wieder Versuche gemacht, es zu ändern, aber es wäre falsch, gerade am Vorabend des Kongresses es zu vergessen. Wir dürfen uns nicht von der Opposition zu einem Kampfe provozieren lassen, der das verleugnet, was wir seit zwei Jahren erstreben; wir dürfen uns nicht rn die "Position eines bedingungslosen Verteidigers des heutigen Systems, dessen Reformbcdüiltigkcit wir selbst erkannt und in den Vordergrund unseres Programms gestellt haben, drangen lassen. Der heutige Zustand ist zum großen Teil eine Folge des Verhaltens der Opposition auf dem vorigen Kongreß. Die Opposition hat dort ihrem Kampf eine persönliche Spitze gegeben, ohne selbst Persoucnvorschläge machen zu können; sie hat dadurch den Kongreß in eine unwürdige Lage gebracht, die nicht vergessen werden dürfte. Man kann nicht einen Führer, den man schließlich doch zu wählen entschlossen ist, erst mit allen Mitteln verbittern, beleidigen, in seiner Autorität nach innen und außen schwächen, und dann von ihm vcriangci?,. daß er sich doch wieder zur Zusammenarbeit hergibt. Die Opposition hat durch ihr Verhalten verhindert, daß vernüntige Forderungen vom Kongreß im Einvernehmen mit der Leitung formuliert und der beste Weg zu ihrer Durchführung gesucht worden wäre; sie hat den Kongreß gedemütigt und ihn gezwungen, sich in letzter Minute schließlich mit allem abzufinden. So ist auch die heutige Exekutive zustande gekommen. Die Opposition, die doch ebenso wie wir aus den Ereignissen der letzten zwei Jahre gelernt haben muß, und in deren Reihen sich eine ganze "Anzahl Namen von gutem zbni-