Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1857)
- Date
- 1857-02-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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von Or. Steinheim. 55 genügt nicht, für die Wahrheit zu kämpfen? man Muß auch das Unwahre bekämpfen, und es in semer Blöße zeigen; dann besonders, wenn man ans nahe Erfolge hofft, denn das Wahre für sich bncht sich nnr langsam, nur allmählich Bahn durch das wtlde Gestrüpp der gewohnten Lnge. Erst muß der dichte Urwald gelichtet sein, ehe der Ansiedler seinen Acker bestellen kann. Ich war. bisher m dem Jrrthum, als könnte sich die Wahrheit allein Bahn brechen; alS würde der Schein von selbst schwinden, wo ihr Licht leuchtet; ich bin davon zurückgekommen! Es gibt auch für den redlichsten, neuesten Forscher nach Wahrheiten in Glaubenssachen noch Mancherlei, allerhand große Artikel und kleine Artikelchen, die dergute Mann aussondert und an die Seite stößt, wenn die streng prüfende, sichtende und richtende Vernunft ihre kritische Arbeit beginnt. Diese Schoßkindchen — spricht die Frömmigkeit — mußt du mir nicht antasten! Dieses Kleinod mußt du mir nicht verdächtigen.' Diesen „vom Vater ererbten Ring" nicht auf deinem Prüfsteine streichen wollen? Und so bringt er mir eine Masse von sog. Glaubenslehren an die Seite, und umsonst wäre meine ^Der hochverehrte Einsender wolle uns erlauben,;u dieser so richtigen Veiuerkuug unserseits hinzuzufügen, daß noch weit größere Gefahr von dem einbcilsamircnden Nvli wo tsnxöre der Ceremonien herdrollt. Die auögejeichnetsten Forscher und Denker in unserer Milte haben in der neuen Zeit re» größte» Fehler begangen, mit den Ceremonialgesetzen, die sie selbst nicht mehr üben, zu liebäugeln und dadurch bei den Orthodoren für ihre,,ti'«ifvlU'," Lebensweise sich ein „I^osvdsr"-Zettelchen umzuhängen Das ist ein fauler Fleck in unseren Zuständen. Wenn Männer wie z. B. der gelehrte Verf. der »-gt.'ttes0ienst!ichen Vorträge" für das M. Alterthum Pietät hegen und kund gebe», so macht das ihrem Geiste, der sich all jenem Alterthuine ergötzt, wie ihrem Gemüthe, das daraus Nahrung ^ieht, gleiche Ehre. Wenn sie aber alrerthümeln, wen» sie wie Znnz s, Z. in dem Wiener Jahrbucht, für Ceremonieen auftreten und sie mit romantischem Nimbus umgeben, von denen man annehmen darf, daß sie solche, ihrer sonstigen Lebensweise nach zu urtheilen, selbst nicht mehr beobachten, und so zu sagen am gemüthlichen Freitag-Abende, die Cigarre im Munde oder die-Lichtsck'eere in der Hanl», mit Süffisance von der Herrlichkeit des rabbtuischeli Judenthumö schwärmen, so ist das geradezu ekelhaft, und wenn bei charakterlosen Parteigangern'erklärlich, bei Männern vom Charakter, denen wir sonst gerne unsere.Hochachtung entgsgentragen, um so bedauerlicher und gefahrdrohender. — Auf diese neumodische Heuchelei muß man daher mit sittlicher Entrüstung und aller Entschiedenheit immer und immer wieder hinweisen. - In einer uns benachbarten Stadt wohnt ein solcher Dvrtor, ein sonst sehr achtbarer Mann, der, ohne selbst nach dem rabbinischen Iudeuthume zu leben, sich von der Affectwn für dasselbe so weit hinreißen läßt, daß er. ein Vertreter seiner wemeuide, den Rabbiner derselben. ei»eu Mann von der gemäßigtesten Reform, preisgibt und für die gegnerische, hiiperorthvdor-separatistische Nichtimg Partei mmn.t!-Wte recht hat der Prophet Jeremias (17. 9), wenn er sagt.' 1^1' ^N2sU „Daö Het>z ist der krümmste Muskel; ein menschllchschwacheö Ding - Wer ergründet es?"— Anm. d> Red.