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KC-Blätter · 1932-06-01 · Heft 3 (Juni / Juli 1932) · p. Seite 54

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1932
Issue
Heft 3 (Juni / Juli 1932)
Date
1932-06-01
Page
Seite 54 (sequence 4)
Language
German
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54 K. C.-Blätter Arnold Lazarus war niemals Fuchs oder Bursch im K. E-, denn der künftige Rabbiner durfte nicht die Würde seiner Person dadurch gefährden, daß er Waffen aus Stahl und Eisen in die Hand nahm. Aber in seinem Wesen, seinem Denken und seinem mutvollen Eintreten für die Anerkennung des jüdischen Deutschen war er so, daß ein Abzeichnen seiner Züge das leuchtende Idealbild eines K. Cers schafft. Wir waren beglückt, als wir diesem Mann das Band ehrenhalber verleihen durften, denn mit der Annahme der ihm freudig hingereichten Hand machte er uns ein Geschenk, dessen ganze Größe uns jetzt wieder, wenn wir zurückschaucn und wägen, bewußt wird. Er entstammte einer Familie höchsten Geistesadels: Sein Vater war Direktor des jüdisch-theologischen Seminars Fränckelscher Stiftung in Breslau, der ältesten rabbinischen Hochschule Deutschlands; Prof. Moritz Lazarus, der Verfasser der „Ethik des Judentums" und Prof. Heimann Steinthal, beide Begründer der Völkerpsychologie als einer neuen Disziplin der Wissenschaft, sowie der Philologe Prof. Dr. Leopold Eohn gehörten zu seinen nächsten Verwandten. Aber er war alles andere als bloß der Nachfahr eines berühmten Geschlechts. In ihm war keine Müdigkeit und keine Bereitschaft, nur Erbe zu sein. Er war ganz und gar ein Kämpfer und das hieß bei ihm ein Ritter. Nur ^wenige haben so wie er zu ihren Idealen gestanden. Treue war vielleicht von allen schönen Eigenschaften dieses Mannes die höchste. Mit ihr hielt er kompromißlos, wenn auch innerlich immer wieder ringend und kämpfend, an seinem liberalen, Humanitären Gottes- und Menschenglauben fest. Für ihn,^ der aus solchem Haus kam und solchen Zielen nachging, konnte es auch keinen Konflikt zwischen Judentum und Deutschtum geben. Nicht nur das: Bei ihm war die lebendigste Durchdringung des einen mit dem anderen. Hier gehen die Wege ab, die ihn dem K. C. zuführen mußten. Viele Leser dieser Zeilen werden sich noch seiner Rede auf dem K.C.-Tag 1930 in Frankfurt am Main während des Festaktes erinnern. Schon schwerer atmend unter dem Anhauch der todbringenden Krankheit war er doch dem Ruf willig gefolgt, wie er auch bis in die letzten Tage seines Lebens in erschütternder Treue die über 25 Jahre hindurch im Dienste der Frankfurter Gemeinde unablässig erfüllte Pflicht heldenhaft vollbracht hat, immer bereit, immer ein Beispiel. Was er vor dieser glänzenden Persammlung als Bekenntnis des K. E. geschildert hat, war vielleicht die letzte systematische Zusammenfassung seiner tiefinnerlichen Gefühle für Deutschtum und Judentum. Ein echtes Zeugnis seines Geistes war es dabei, daß diese Darstellung mit dem Aufzeigen neuer Wege schloß, mit dem Hinweis auf immer neu zu durchdenkende und zu bearbeitende Probleme, mit Forderungen, die den ganzen Einsatz der Persönlichkeit verlangen. Es ist tragisch, daß der Tod von Arnold Lazarus in eine Zeit fällt, deren Roheit und Dummheit weiter als je von der Verwirklichung seiner Ideen abrücken. Von den Hunderten, ja Tausenden, die ihn als Redner in öffentlichen Versammlungen, al^ Feldrabbiner, als Seelsorger über den Kreis seiner Glaubensgemeinschaft hinaus, als den bevorzugten Sprecher bei den Gedenkfeiern für die Opfer des Weltkriegs mit Bewunderung und Verehrung gehört haben, hat vielleicht schon manch einer im Nebel der giftigen Verschleierung die Erinnerung an diesen wahrhaft deutschen Juden verloren. And doch, ebenso wie er viele zu dem Glauben ihrer Väter zurückgeführt hat, werden auch seine Arbeit und sein Beispiel im Dienst einer brüderlichen Vaterlandsliebe nicht untergehen. _ Wenn wir als K. E.er diesen nicht als bloße Feststellung, sondern als eine Verpflichtung betrachten, dann erfüllen wir damit zugleich ein Gebot der Dankbarkeit für einen Bruder der sich nicht nur der Darmstädie Viadrina und der Frankfurter Na.- sovia, deren Bänder ihm ins Grat nachflatterten, sondern allen K. C-ern in herzlicher Freundschaft verbünde'.: fühlte, der mit gleicher Anteilnahme den alten Kampfgenossen wie den jüngsten ihm gerade vorgestellten Fuchs freundlich und aufgeschlossen empfing. Wir geloben ihm Treue um Treue. E- G-

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