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KC-Blätter · 1932-04-01 · Heft 2 (April 1932) · p. Seite 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1932
Issue
Heft 2 (April 1932)
Date
1932-04-01
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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Nachr.-Heft K. C.»Blatter 27 Wie gut verstehst Du selbst auf noch so stürmischen Konventen in Deiner sachlich ruhigen Art, die niemals verletzen kann, die Gemüter zu besänftigen und dann die Debatte durch Deine geistige Ueberlegenheit wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Du bist kein wilder Draufgänger oder Demagoge. Aber mit eiserner Konsequenz suchst Du die nach strengster Prüfung als richtig erkannten Grundsätze zur Geltung zu bringen, ohne nach irgendeiner Seite hin Zugeständnisse zu machen. Wie oft wurdest Du in persönlichen Angelegenheiten oder Differenzen als Berater oder Schlichter in diesen langen Jahren angerufen! And warst Du in Deiner Kanzlei auch noch so mit Arbeiten überhäuft, mit freundlichem, stillem Lächeln wurde jeder Bundesbruder empfangen. Mit Engelsgeduld hast Du jeden angehört und warst jedem ein äiU§en8 pater iami1i38. hast Du überhaupt einmal für einen Licaren keine Zeit gehabt? And wieviele Bundesbrüder sind schon in finanziellen Nöten zu Dir gewallfahrt? Freilich sind Dir auch Enttäuschungen nicht erspart geblieben. Aber selbst diese haben Dich in Deiner Rneigennützigkeit nicht abhalten können, jedem Hilfesuchenden nach Möglichkeit ein treuer Mentor zu sein. Von lustigen, tollen Streichen aus Deiner Studentenzeit vermag der Chronist nichts zu vermelden. Nie warst Du ein leichtsinniger, ausgelassener Student, sondern stets ein Pflichtmensch und nicht veranlagt, das Leben von der leichten Seite zu nehmen. Zwar bist Du auch heute noch kein Alkoholgegner und gehörst zu den sogenannten „Hockern", die bis zum Schlüsse der Kneipe bleiben müssen und dann noch jederzeit für eine Nachtsitzung im engeren Freundeskreise zu haben sind. Auch auf den Lai parö8 in unserem Deutschen Theater sollst Du — wie man munkelt — als Stammgast früher bemerkenswerte Erfolge gefeiert haben. Aber schließlich und endlich gehört Deine ganze Zuneigung, Du hartgesottener Junggeselle, Deinen Angehörigen, Deinen Freunden, Deiner Licaria und Deinen über alles geliebten Bergen. Von früher Jugend an in allen Sportarten geübt und mit einem sehnigen, stählernen Körper begabt, wurdest Du einer der bekanntesten Münchener Hochtouristen. Wieviele junge Bundesbrüder hast Du in die Geheimnisse und Gefahren der Bergwelt eingeweiht! In Gottes herrlicher, freier Natur atmetest Du wieder auf von Deiner angestrengten Iuristenarbeit. Schwerbepackt mit Rucksack, Seil und Steigeisen, so zogst Du bei jeder Gelegenheit in Deine geliebten Berge, oft zu führerlosen Klettertouren, oft begleitet von Deinem getreuen Führer Mark aus dem Kaunzertal, um neue Gipfel in irgend einem Teil der Alpen zu erobern. Oder war der Abstieg über die SO- Seite des Hochrinnecks vielleicht auch ein harmloser Spaziergang? Allerdings bist Du in den letzten Jahren etwas beschaulicher in Deinem berühmten Tempo geworden und läßt auch die Gemsen in Ruhe, seit beim Skilaufen der eine Fuß einen kleinen Knacks bekam. Aber auch heute noch stellst Du mit Deiner eisernen Energie viele der Jüngeren in Schatten und vermagst noch in jeder Saison eine lange Reihe „gemachter" Drei- oder Viertausender feinsäuberlich in Dein Tourenbuch einzutragen. Natürlich war unser Jubilar im Kriege auch ein guter Soldat. Vergeblich meldete er sich bei Kriegsausbruch wiederholt als Freiwilliger. Aber später kam er doch noch an die Front. Und wenn dort dem einfachen Infanteristen auch viel zugemutet wurde, stets zeigte er die gleiche Pflichttreue, Aufopferung, Kameradschaftlichkeit und Selbstzucht. Hochgeachtet als scharfsinniger Jurist in den Kreisen der Kollegen, geachtet auch von dem politischen Gegner, lebst Du nur stiller, rastloser Arbeit. Ganz selbstverständlich ist es für Dich als überzeugten liberalen Juden und C. V.er, daß Du ohne jede Rücksicht auf Deine Gesundheit — wie oft hast Du schon auf das Abendessen verzichten müssen — auch noch der Münchener Gemeindevertretung, dem C. V. und der Loge selbstlos und ferne jedem Ehrgeize Deine Dienste zur Verfügung stellst. Jeder, der Dich so kennt, wie wir, schätzt sich glücklich, mit Dir Schulter an Schulter kämpfen zu können.

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