Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 24 (1938)
- Issue
- 8 (25.2.1938)
- Date
- 1938-02-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 JÜDISCHE PRESSE Seite 3 wachen, die erst unlängst in unser Land gekommen sind, und Vorsorge zu treffen, daß der Anteil der Juden am gesamten Leben der Nation sich nicht unproportioniert gestaltet im Verhältnis zu dem Verdienst des einzelnen wie im Verhältnis zur zahlenmäßigen Bedeutung ihrer Gemeinschaft.“ * Das von Mussolini am 24. Juni 1929 erlassene Gesetz über die in Italien zugelassenen nichtkatholischen Religionen ist eines der liberalsten und tolerantesten Religionsgesetze der Welt. In dem Artikel IV dieses Gesetzes heißt es wörtlich: ״Die Verschiedenheit des Glaubensbekenntnisses bildet keine Ausnahme für den Genuß der bürgerlichen und politischen Rechte und für die Zulassung zu den zivilen und militärischen Aemtem.“ Es ist bemerkenswert, daß die faschistische Regierung sich auf dieses Gesetz beruft. Ist es an und für sich erklärlich, daß eine derartige Erklärung verlautbart worden ist, so ist andererseits auffallend, daß diese nebstbei zum ersten Male gegen die Bestrebungen Stellung nimmt, für die Judenfrage in Palästina eine Lösung zu finden, im Gegensatz zur früheren Haltung Italiens, das immer offen für die Durchführung der Balfour- Deklaration und des Palästina-Mandats eintrat. Daß hiebei der Gegensatz zwischen Italien und England mitspielt, ist klar. Italien möchte mit dieser Stellungnahme sich bei den Arabern Sympathien sichern. Die Annahme großer Kreise, Italien möchte die Juden für eine stärkere Einwanderung in Abessinien gewinnen, schießt wohl weit übers Ziel. * Die Erklärung der ״Informazione Diplomatica" findet jedoch eine merkwürdige Auslegung in einem anderen offiziösen Organ. ״Regime Faöcista“ nimmt nämlich zu dem in der ״Informazione Diplomatica" veröffentlichten amtlichen Kommunique über den Standpunkt der italienischen Regierung gegenüber den Juden wie folgt Stellung: An hohen Kommandostellen der italienischen Nation, in allen Institutionen, wo sieh die Lebensansichten der Studenten äußern, im Generalstab der Armee, in der Presse und an der Börse usw., können nicht mehr Personen anderer Rasse und einer anderen Staatszugehörigkeit als der italienischen geduldet werden. Im Geschäftsleben jedoch können die Juden unter der Voraussetzung, daß sie nicht gegen die Interessen des Wirtschaftslebens der Nation handeln, tun, was auch Angehörige anderer Nationen tun, die in Italien ihr Kapital in anonyme Gesellschaften und Versichertenuntemehmungen investiert haben. Das gleiche gilt auch für die freien Berufe. * Der Havas-Berichterstatter fügt hinzu: Diese Auslegung ist um so interessanter, als bisher noch durch keine Verordnung den Israeliten verboten war, in Militärformationen einzutreten, was ihnen nunmehr jedoch unmöglich gemacht wird. Wir finden jüdische Namen auch an höheren Kömmandastellen, zwischen den Mitgliedern der faschistischen Partei und sogar auch in der Garde Mussolinis. An den italienischen Universitäten gibt es eine große Zahl jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland. Die Behauptung des ״Regime Fascista“ stützt sich auf einen Satz in der ״Informazlone Diplomatica“, wonach die einzige Lösung des jüdischen Weltproblems die Bildüng eines jüdischen Staates wäre, so daß man alle Juden als Ausländer behandeln könnte. Das Blatt schreibt weiter: Vielleicht werden viele von ihnen sagen: Weshalb soll ich mein Vaterland verlieren, für das ich gekämpft habe und für das ich Heldentaten vollführt habe? Darauf antworten wir ihm, daß er schon darin einen Trost finden müsse, daß er dem großen italienischen Volke, das für die wahre Zivilisation kämpfte, in den Kämpfen beistehen durfte. illllllllllliiiii DRINGEND werden die geehrten Abonnenten der ״Jüdischen Presse“ ersucht, ihre Rückstände zu begleichen sowie das Abonnement pro 1938 erneuern zu wollen, damit ln der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. ll!!l!l!ll!!lllllllllll!l!lllllllll]|l!!I!lllll!!ll!lllll!llilllll Uatästika In den letzten Tagen ist hinsichtlich der. Terrorakte ein weiterer Fortschritt festznstellen. Sie haben wohl noch nicht ganz aufgehört, kommen aber seltener vor. Allerdings gab es wieder einige Ueberfälle und Todesopfer. Dieser Tage soll die Passagierlandung im Hafen von Tel-Aviv in feierlicher Weise eingeführt werden. Der Oberkommissär wird den Feierlichkeiten persönlich beiwohnen. Damit wird Tel-Aviv von Jaffa vollständig unabhängig. Die Diskussion über das zukünftige Schicksal des Landes geht fort. Es liegen wieder ver: schiedene Stimmen pro und kontra zur Teilung vor. Auch im Unterhaus sind hinsichtlieh der Lage im Lande Anfragen gestellt worden. Die Antworten der Regierung waren zumeist ausweichend. Unter anderem fragte Abgeordneter Vyvyan Adams, ob die!englische Regierung noch immer die Teilung als Lösung des Palästina- Problems ansehe. — Abgeordneter Thos. Wil- Uams fragte, ob der Minister in der Lage sei. eine Erklärung über die Politik der Regierung abzugeben. — Die Beantwortung beider Fragen lehnte der Kalonienminister ab. Abgeordneter Morgan Jones: Hat der Minister Kenntnis davon, daß die sehr schwere Wirt- Schaftsdepression in Palästina eine Folge der Einwanderungspolitik der Regierung ist? Minister Ormsby-Gore: Ich bin nicht der Ansicht, daß diese Politik die Ursache der wirtschaftlichen Depression ist. Es ist wahr, daß es in Palästina eine große Zahl von Arbeitlosen gibt, aber die Arbeiter-Schedulen haben damit nichts zu tun. Abgeordneter Morgan Jones: Ist es nicht eine Tatsache, daß keine Neigung besteht, Geld in Palästina zu investieren, solange Unsicherheit über die Politik der Regierung herrscht? Sir Archibald Sinclair: Hat nicht die Königliehe Kommission selbst betont, daß ein Andauern der Prosperität in Palästina von der Aufrechterhaltung der Einwanderung in einem wesentlichen Umfang abhängig ist? Beide Fragen blieben unbeantwortet. Colonel Wedgwood fragte, ob es den jüdisehen Autobus-Chauffeuren im Hinblick auf die fortwährenden Ueberfälle auf Autobusse erlaubt sei, Waffen zu tragen, wie dies die Exekutive der Jewish Agency am 6. Jänner gefordert habe. Ormsby-Gore erwiderte, nach sorgfältiger Erwägung sowohl durch die Zivilals auch durch die Militärbehörden in Palästina sei beschlossen worden, jüdischen Autobus-Chauffeuren das Tragen von Waffen nicht zu gestatten. Weitere Maßnahmen zum Schutze des Straßenverkehrs seien vor kurzem ergriffen worden; er hoffe, daß sie sich als wirksam erweisen werden. Colonel Wedgwood: Weiß der Minister, daß erst gestern, nach vierzehntägiger Unterbrechung, neuerlich ein Ueberfall auf einen Autobus erfolgte, wobei ein Mann getötet wurde? Ormsby-Gore: Ich habe Kenntnis davon, daß in der vergangenen Woche ein arabischer Autobus überfallen wurde, aber ich glaube, die neuen Schritte zur Bekämpfung solcher Sabotagefälle werden ihre Wykung nicht verfehlen; es wäre sehr gefährlich, »die arabischen und die jüdischen Chauffeure mit Revolvern zu bewaffnen. Colonel Wedgwood: Wird auf jedem Autobus ein bewaffneter Polizist mitfahren? Ormsby-Gore: Ich werde keinesfalls bekanntgeben, welche Schritte die Militärs zur Ergreifung dieser speziellen Maßnahme zu unternehmen beschlossen haben. Neue Wendung in Rumänien In Rumänien ist eine Wendung eingetreten, die auch für die Gestaltung der Lage der Juden von einschneidender Bedeutung sein dürfte. Der König hat eine neue Verfassung auf ständischer Grundlage erlassen. Diese bestimmt u. a., daß alle Bürger des Landes ohne Rücksicht auf Religion und Nationalität gleichberechtigt sind — und somit entfallen alle von den lezten Regierungen angeordneten und geplanten Maßnahmen gegen die Juden von selbst. Da auch die Frage einer Revision der Staatsbürgerschaft vorläufig in den Hintergrund getreten ist, scheint vorläufig für die rumänischen Juden jede unmittelbare Gefahr vorüber zu sein. Allerdings muß die weitere Entwicklung abgewartet werden, wobei auch die Gestaltung der internationalen Situation eine Rolle spielen wird. Die von der Regierung Goga-Cuza verbötenen jüdischen Zeitungen erscheinen wieder. Auch die Maßnahmen gegen die jüdischen Advokaten wurden sistiert. Ueber die neue Verfassung soll am 24. Februar eine Volksabstimmung erfolgen. Das Ergebnis bleibt abzuwarten. Im Sinne derselben wird es im Lande keine politischen Parteien geben. Die ״Eiserne Garde“ hat bereits ihre Selbstauflösung beschlossen. Die Grippe-Ansteckung beruht stets auf der verminderten Widerstandsfähigkeit des Organismus. Stärken Sie deshalb Ihren Körper durch andauernde Massage. Die Grippe bekämpfen Sie erfolgreich mit Alpa-Franzbranntwein. Eine folgerichtige Desinfektion des Mundes, der Nasenhöhle und der Atmungsorgane mit Alpa i3t der beste Schutz gegen Grippe. Das Einatmen von unverdünntem Alpa ist von wohltuender Wirkung. In den Wolairäumen zerstäubter Alpa desinfiziert die Luft. Fragen Sie Ihren Arzt! Ächte» Sie beim Einkäufe darauf, daß Sie wirklich Alpa bekommen! Istketkosiom&ei Die Nitr&er große Assefoh. Die Nachricht über die Einberufung der 3. Asefas Talmidim unseres hochgeschätzten und verehrten Nitraer Raws für Schabbos זכור 'S und den darauffolgenden Sonntag (9. und 10. Ador II./ hat im Kreise der Talmidim besondere Freude und helle Begeisterung hervorgerufen. Sehnsuchtsvoll wird von jedem Talmid der Zeitpunkt erwartet, in dem wieder einmal nach drei Jahren die gute Gelegenheit geboten wird, einige Tage im Kreise des innigstgeliebten Rebben und geistigen Führers und Wegweisers gemeinsam mit alten Chawerim und Jugendfreunden zu verbringen. Ein freudiges Wiedersehen der unzähligen treuen und anhänglichen Talmidim soll erfolgen. Talmidim, die das innigste Bedürfnis empfinden, aus dem unversiegbaren Born ihres großen Lehrers und Meisters neue und frische Kräfte für das Leben zu sammeln, werden sich hier einfinden, um nochmals und wieder die heiligen Hallen der תוה״ק aufzusuchen, wo sie einst ihre Jugendjahre wertvoll verbrachten. Sie werden alle kommen, um hier die ausströmende geistige, echt jüdische תורה -Atmosphäre aufzunehmen und sich seelisch und geistig zu stärken und zu festigen, um in der weiteren Zukunft den Verloekungen des Zeitgeistes widerstandsfähig und unbeugsam trotzen zu können. Sie werden aber auch zu ihrem Rebben שליט״א dem sowohl das seelische wie das materielle Wohl seiner Talmidim wahre Herzenssache ist, kommen, um in ihren Vorhaben Rat und Stütze zu holen. Die Assefoh muß sich daher, von diesem Aspekt aus gesehen, zu einer wahren כנוס לש״ש gestalten, an dem kein ernster und bewußter Talmid, der nur die Möglichkeit dazu hat, fehlen sollte. Auf Wiedersehen am ש״לן 0׳ זכור! Ein treuer Talmid. Zur Jahrzeit de« Radomysehler Gaon זצ״ל Aus Anlaß des 3. Jahrzeitstages nach dem rühmlichst bekannten, in den letzten Jahren in Koäice weilenden Gaon aus Radomyschl צ ״ ל t fand am vergangenen Mozoe Schabbos eine großangelegte Seudo statt, der eine Beratung der ״Chewro Mefizei Thoras Maharasch“ voranging. Unter Teünahme der angesehensten Baale Batim der Gemeinde hatte die Versammlung und Seudaa Mizwah einen sehr imposanten und würdigen Verlauf. Es sprachen Rabbiner Halpern und dessen Sohn, Herr Wiesenberg, Rabbiner Pack und Rabbiner Klein hervorragende Worte der Würdigung über den unvergeßlichen Welt- Gaon Jitel-Julie Frommer!TJL Die Kunde von dem Hinacheiden einer wahrlieh bescheidenen und allseits geschätzten jüdischen Frau, der Jitel Frommer, hat insbesondere die jüdisehe Frauenschaft Bratislavas sehr erschüttert. Wenn auch seit einigen Jahren schwer leidend, 90 war e's doch stets die Hoffnung ihrer Familie und Freunde — denn wahrlich hatte sie nur solche —, daß sie genesen wird und weiterhin für ihre Familie und das Gemeinwohl wirken wird können. Allein die Vorsehung הסית wollte es anders, und so wurde diese noch kaum im 56. Lebensjahr stehende edle, jüdische Frau ihrem Gatten und ihren Kindern entrissen und am vergangenen Donnerstag zu Grabe getragen. Ihre Beliebtheit und Wertschätzung, deren sich die Verstorbene zeit Ihres Lebens erfreute, kam durch die große Beteiligung an ihrer Lewajoh deutlich zum Ausdruck. Ueber die Verblichene sprachen ihr altester Sohn Herr S, Frommer und Rabbiner Sal. Unsdorfer, die in erschütternden Worten die hervorragenden Eigenschaften dieser אשת ,חיל schilderten, die sie auszeichneten. Als würdige Tochter des hier bekannten und angesehenen Reb Jossef Weiß וציל war es stets ihr wärmstes Bestreben, ihre Kinder zu wahren, aufrichtigen Jehudim zu erziehen. In Julie Frommer verliert der verantwortliche Redakteur des tschechoslowakischen Teiles unseres Blattes und wertvolle Mitarbeiter, Herr Siegfried Frommer ■״j seine heißgeliebte Mutter. תנצב״ת. Mitteilung Es ist uns gelungen, für die Fahrt Bratislava- Nitra und zurück mit dem Expreßauto zur Asifas Talmidim, die זכור הבע״ל ’e p״c und Sonntag, den ׳׳ אדר ב׳ stattfindet, eine Ermäßigung von 40 Prozent zu erhalten. Die gesch. Chawerim werden gebeten, sich spätestena bis!4 ר״ח אדר ב. März, zu melden, und zwar in