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Jüdische Presse · 1938-02-25 · 8 (25.2.1938) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
24 (1938)
Issue
8 (25.2.1938)
Date
1938-02-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Seit etwa zwei Wochen steht das österreichische Problem im Mittelpunkte der internationalen Erörterungen. Die Vereinbarungen von Berchtesgaden, die Umbildung des österreichischen Kabinetts, die Hitler-Rede, die Vorgänge in England, die zum Rücktritt des Außenministers Eden führten, die wiederaufgenommenen Besprechungen zwischen London und Rom — alle diese Ereignisse berühren direkt und mittelbar die Zukunft Oesterreichs. Und da. die Aufrollung des österreichischen Problems zugleich das ganze Problem Mitteleuropas und des Donauraumes in Mitleidenschaft ziehen müßte, so ist es begreiflich, daß man dieser Frage in allen Staatskanzleien und in der Weltöffentliehkeit das größte Interesse widmet und die Ent- Wicklung der Verhältnisse mit höchster Spannung und ernster Sorge verfolgt. Wenn es zweifellos eine Vogel-Strauß-Politik bedeuten müßte, die Gefahren, die sich möglicherweise ergeben könnten, übersehen oder unterschätzen zu wollen, so wäre es andererseits ebenso verfehlt, einer Panikstimmung zu verfallen und das Bild düsterer zu malen, als es in Wirklichkeit ist. Das historische Oesterreich hat schon größere Gefahren überwunden und es veiatariden, über alle Krix'oa Mawegsukoaanca. Weder die Türkenkriege noch die Napoleon- Periode, noch 1848 konnten den Bestand dieses Staates ernstlich erschüttern. Aber auch das neue Oesterreich hatte in der relativ kurzen Periode seines Bestandes wiederholt Beweise seiner inneren Kraft geliefert. Die Krisen von 1919 und 1920, die Inflationskrise 1921 bis 1923, die Revolte vom 15. Juli 1927, der 12. Februar und der 25. Juli 1934 — alle diese Krisen kennt er: hauptsächlich aus eigener Kraft überwunden werden, und die Auslandshilfe, die Oesterreich hierbei gelegentlich zuteil wurde, war nur mit-, nicht a.ber ausschließlich entscheidend. Selbst die große Geste Mussolinis im Juli 1934 hatte mehr ideelle Bedeutung, denn schließlich ist Oesterreich damals dank der eigenen Kraft mit den Elementen, die den Bestand des Staates bedrohten, fertig geworden. Wenn auch die Sachlage heute eine andere ist, wenn sich zu den möglichen Gefahren von tenerhev• auch die Möglichkeit eines Eingreifens von jenseits der Grenzen in Erscheinung trat, wenn es auch die verwickelte und verworrene internationale Lage nit sich brachte, daß Oesterreich scheinbar sich selbst überlassen blieb, ohne auf tatkräftige auswärtige Hilfe rechnen zu könneu, so darf nicht übersehen werden, daß es eben noch nicht zur großen Kraftprobe gekommen war und daß das ganze politische Spiel vorläufig nur theoretischen Charakter hatte. Wenn es wirklich ernst geworden wäre, so hätte sich das Bild zweifellos rasch geändert, nicht so sehr aus Rücksicht auf Oesterreich allein, sondern auch aus Rücksicht auf die anderen weltpolitischen Momente, die hiebei mitspielten und mitspielen müßten. Die kaltblütige, geschickte Taktik des Bundeskanzlers hat sich auch diesmal bewährt und er hat mit seiner leidenschaftslosen Beharrlichkeit es verstanden, die Gefahren bis auf weiteres zu bannen. Die Kundgebungen der Treue, die gerade in den letzten Tagen in ganz Oesterreich so laut ertönten, die energische Erlassung des Versammlungs- und Kundgebungsverbotes, als es sich zeigte, daß die sogenannten ,,Unentwegten“ ihr Spiel noch nicht verloren geben, lieferten den Beweis, daß der Bundeskanzler das Heft fest in Händen hält und daß kein Grund für die Annähme vorhanden sei, er könnte die Flinte ins Korn werfen und den Dingen ihren Lauf lassen. Je stärker die Stütze, die dern Kanzler seitens der gutgesinnten Oesterreicher zuteil werde, desto stärker würde sich seine Position nach innen und außen gestalten und die jüngsten Vorgänge zu einem bloßen Intermezzo werden lassen. Oesterreich wird ewig bestehen! Daß die oberwähnten Vorgänge besonders im Lager der österreichischen Juden ernste Besorgnisse auslösen mußten, ist begreiflich. Aber auch sie sollten sich vor übertriebenem Pessimismus hüten und sie sollten keineswegs einer Panik- Stimmung verfallen, deren Folgen in erster Reihe sie zu spüren bekommen würden. Der Bundeskanzler hat sich angesichts dieser Stimnrnn!׳':•,’ veranlaßt gefunden, führenden jüdischen Per- *öoJIefekeiten «׳egepfthS» die fderWchste Erklarong und Versicherung abzugeben, daß an eine Schmälerung oder Beeinträchtigung der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung der Juden nicht gedacht wird. Die Mai Verfassung 1934 bleibt in allen Belangen aufrecht und es ist nicht der geringste Anhaltspunkt dafür Vorhände.::, daß irgendwie Ausnahmegesetze gegen die Juden geplant werden. Brr bisherige Kurs bleibt voll auf״ recht und die den Nationalsozialisten |m Interesse der Befriedung gern ächten Konzessionen tangiereu diese« nicht im geringsten. Man ist sich an maßgebender Stelle voll darüber klar, was eine Gefährdung des Wirtschaftslebens durch judenfeindliche Maßnahmen zu bedeuten hätte; man weiß auch, welches Interesse in der ganzen Kulturwelt gerade dieser Seite des österreiehisehen Problems gewidmet wird. Schon diese Umstände lassen keine Experimente nach dieser Richtung zu. All das sollte sich die Judenschaft Oesterreichs vor Augen haten und sich darnach richte*'. Gerade sie hat das größte Interesse an der Er* haltung und Festigung des heutigen Regimes und darf daher die Position desselben nicht durch Ueberängstlichkeit und Panikstimmung erschweren. Insolange Dr. v. Schuschnigg am Steuerruder Oesterreichs steht, droht den Juden keine Gefahr. Sie müssen daher alles tun, um dem Bundeskanzler seine Aufgabe zu erleichtern. Die Juden Oesterreichs dürfen auch nicht übersehen, daß die überwiegende Mehrheit des österreichischen Volkes, die bewußten katholischen Kreise, die Arbeiterschaft und die Bauern keine Nazisierung Oesterreichs zulassen wollen. Der Kanzler steht in seinem Kampfe um die Erhaltung des unabhängigen, souveränen Oesterreich nicht allein. An dem harten Willen und der festen Entschlossenheit eines Volkes muß auch der stärkste Angriff zerschellen. Der Sturz des Judentums ln den hlstorlsehen Ländern der TschechosMel Wenn jemand schildern wollte, wie in vielen noch vor wenigen Jahrzehnten wegen ihrer Frömmigkeit und Gelehrsamkeit bekannten Getneinden heute kaum ein Minjam zum G-ottesdienst aufzutreiben ist, wie herrliche, stilgemäß erbaute Synagogen, die ein Zeugnis der Opfer- Willigkeit und des Wohlstandes ihrer Stifter bekünden, kaum dreimal im Jahre aufgesperrt werden, während andere als Turnhallen oder Museen fungieren, wie Gemeinden samt ihren Rabbinaten kein Interesse an der Scheshit.a und Mikwa haben, wie der Sabbat, sogar auch Roseh Hasehono und Jom Kippur den Werktagen gleichgestellt werden, dann könnte er als ein Mussarprediger oder Klageprophet belächelt und überhört werden. Aber die Sprache, welche das staatliche statistische Amt und auch das jüdische stalistisehe Büro fuhren, spricht noch viel deutlicher und eindringlicher. Die letzten drei Jahrzehnte bringen den volkswirtschaftlichen und militärischen Sachverständigen ein schweres Problem zum Lösen, daß nämlich die allgemeine Population sinkt, an״ statt, wie zu erwarten wäre, zu steigen. Die Hauptdaten in der Tschechoslowakei ergeben das Faktum, daß nach dem Stand der Gouui (.neu die Anzahl der jungen Männer um ein Viertei, der Mütter um ein ünftel gesunken sein wird, und daß der Zuwachs der Population in Böhmen heute nur noch 0,7 Prozent beträgt. Demgegenüber Ist festgestelll worden, daß dieser Zuwachs bei den Juden Böhmens nur noch etwa 0,5 Prozent beträgt, Indern nämlich schon vor fünf Jahren die Zahl der Jüdi SUlIC׳ c 'boreig in Böhm en nur 399, in Mil I1IVU und Schic sien 2t gewesen ist. King;egen v, -n יג־1’ ä noc h vor lireiß Jahren 1050 Kinder und vor 43 Jahr: n 20f jüdische Kinder, welche in elna :n Ja .hrc; Böhmen gehören worden .in 13. Da die Verl.!;ikuissc . r S־o wabc i und; P. K. R . bisnun G. s. D. wei sor ״ itld, SC hier kur z auf die mutmaß ‘).lebe i.:r ר! suche n dies: furchtba r trauii: -;en Tatst K'liO nur in dt n hi*: rischen l Ländern hin 30 wie b׳.;U ן .verd( m. Soweit diese Erscheinung einen allgemeinen Charakter hat, versucht mim sie mit der fortschreitenden wirtschaftlichen Dtprc und mit einer gewissen Unlust, zürn Leben und zur Fainiiiengrür.dung zu erklären. Mediziner ha' e.! auch den Abgang mit der großen SM; büch’.eh dar Säuglinge zu motivieren versucht. Diesen angeblichen Gründen ist jedoch entgcgenzuhalten, daß der Abgang au Population eben dort am größten ist, wo der Wohlstand herrscht, wogegen in den ärmeren Gegenden, zum Beispiel in P. K. R., die Population am besten ist. Ferner bilden die sinkende Sterblichkeit und die stets zunehmenden sportlichen um! sonstigen Unterhaltungen einen triftigen Einwand gegen die scheinbare Unlust zum Leben. Schließlich entkräften auch die rapid bis auf ein Drittel sinkende Zahl der Eheschließungen, ferner die geringe Geburtenanzahl und die allgemeine ärztliche Fürsorge den Grund der Sterblichkeit der Säuglinge als ausschlaggebend. Die Othmar-Schiff-Perücke - preiswerte Qualitätsarbeit Perücken- Großerzeugung Othmar Schiff Wien lv Kärntnerring 6 Telephon U-43-0-16

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