Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 24 (1938)
- Issue
- 7 (18.2.1938)
- Date
- 1938-02-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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בדה Journal exp&itt par Tfcditeur V.b.b. JUDISCHC PRCSSC Redaktion and Administration: Wien, n., Malz- Abonnementspreise: Ganzjährig: für Oesterreich Postsparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn gasse 12 a, Telephon Nr. A-46-0-15; Tschecho- 8 16, Tschechoslowakei Kf 80, Jugoslawien Di- Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Slowakei: Bratislava, Republikplatz Nr. 37, Postnar 150, das übrige Ausland Schw. Fr. 14, Einzel- Nr. 193.316, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, fach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsnummef «st. Gr. 40. 4117, Berlin Nr. 122.619; für ״Jüdische Presse“, schluB: Mittwoch Mittag Zahlungen für ״Jüdische fresse“, Wien, auf folgende Bratislava: Prag Nr. 53.386. 24. Jahrgang Wien-Bratislava, 18. Februar 1938 י״ז אדר תרח ץ Nummer 7 Berchtesgaden-Konferenz und Kablnem-Umblldung (K—1.) Die Zusammenkunft Schuschnigg- Hitler in Berchtesgaden und die einige Tage nachher erfolgte Umbildung der österreichischen Regierung haben nicht nur in Oesterreich, sondern auch in der ganzen Weltöffentlichkeit das größte Aufsehen und das lebhafteste Interesse erregt. Diese Vorgänge bilden gewissermaßen das Gesprächsthema des Tages im In- und Auslande. Dieses Interesse ist begreiflich angesichts der Wichtigkeit des österreichischen Problems und angesichts der internationalen Lage. Wenn hierbei die ernste Sorge zum Ausdruck gelangt, ob Oesterreich weiterhin imstande sein wird, seine Unabhängigkeit zu verteidigen, so spricht dies eben für die große Tragweite, die man der | Aufrechterhaltung dieser Unabhängigkeit in j allen Staatskanzleien und in der politischen Welt j beimißt. Allerdings sollte man überall dort, wo j man um diese Unabhängigkeit so besorgt ist, es; sich angelegen sein lassen, diese nicht aurmit j Worten, sondern auch mit Taten zu! stützen. Würde dies der Pall sein, dann würde ein großer Teil dieser Besorgnisse als überflüssig erscheinen. Wenn aber auch in Oesterreich ,derartige Sorgen zum Ausdruck kommen und die Herzen aller gutgesinnten Oesterreicher bedrücken, wenn auch da die Befürchtung Platz greift, es könnte sich um ein ״trojanisches Pferd“ handein, um die schrittweise Beherrschung Oesterreichs durch den Nazismus, so mag diese Sorge angesichts der bekannten Pläne und Methoden der Hakenkreuzler nicht ganz ungerechtfertigt erscheinen, ist aber dennoch höchst übertrieben. Die gleichen Befürchtungen gelangten bereits wiederholt zum Ausdruck, so unmittelbar nach dem Abkommen vom 11. Juil 1936 und nachher gelegentlich der Berufung der sogenannten volkspolitischen Referenten. Es hat sich aber beide Male gezeigt, daß diese Sorgen ungerechtfertigt waren. Sie dürften sich auch diesmal als übertrieben erweisen, wenn auch große Vorsicht geboten erscheint. Die Hakenkreuzler, die ja im Grunde genommen keinen Frieden, keine Befriedung wollen, sondern die Herrschaft über Oesterreich anstreben, haben weder das Abkommen vom 11. Juli noch die Berufung der volkspolitisehen Referenten als Befriedungsaktionen anerkannt, sondern ihr Treiben fortgesetzt. Wie würden sie sich nun verhalten? Werden sie endlich Ruhe geben und sich bestreben, die Zusagen ihres Führers erst zu nehmen, dann wird Oesterreich eben Ruhe haben, Ihr neuer Vertrauensmann im Kabinett, der Innen- und Sicherheitsminister Dr. Seyß-Inquart, mag den ״Betont-Nationalen" nahestehen, gilt aber als persönlicher Vertrauensmann des Bundeskanzlers und es ist kaum anzunehmen, daß er mit der Absicht ins Kabinett eingetreten ist, den österreichischen Kurs im Sinne des Naziprogrammes zu interminieren. Seine bisherige Tätigkeit fand auch nicht den Beifall der Nazisten, was dafür spricht, daß er ihnen nicht als hundertprozentig vollwertig erscheint. Für jeden Fall behält Staats- Sekretär Dr. Skubl sein Amt im Sicherheitsministerium und diese# Umstand ist die sicherste Bürgschaft dafür, daß dieses Ressort nicht zum Sprungbrett für Nazipolitik werden wird. Werden aber die Österreichischen Nazi ihre bisherige Taktik fortsfetzen und die neue Befriedungsaktion weiterhin sabotieren, so wird die Regierung ihnen gegenüber das gleiche Verhalten zur Anwendung bringen wie nach dem 11. Juli — und es wird ihnen auch weiterhin das Handwerk gelegt werden. Bundeskanzler Dr. von Schuschnigg hat genügend Beweise dafür geliefert, daß er sich nicht düpieren und nicht hineinlegen lasse. Ihm gegenüber gilt keine Ueberrumpelung und alle Meldungen über die Besprechungen in Berchtesgaden stimmen darin überein, daß der Kanzler gegenüber den weitgehenden Forderungen Hitlers und Ribbentrops fest und standhaft geblieben ist. Er konnte, gerade im Bewußtsein seiner Stärke, sich erlauben, nochmals einen Beweis seines guten Willens, die Befriedung zu fördern, liefern — aber er wird, wenn etwa dieses Entgegenkommen wieder einmal falsch ausgelegt werden sollte, noch einmal hört zagreifen. ■־'--■ <■ ■■<■■■ Daß der Kanzler trotz des nur allzu sehr berechtigten Mißtrauens gegenüber den Nazi- Versicherungen die Einladung Hitlers zur Ausspräche nicht abgelehnt hat, dafür liegt die Begründung in der internationalen Lage und in der Situation Oesterreichs. Gerade erst vor kurzem wurden gelegentlich der Aushebung der Nazizentrale in der Teinfaltstraße Dokumente gefunden, die über die ruchlosen Pläne der Hakenkreuzler sensationellen Aufschluß gaben. Obwohl die Regierung sieh stark genug fühlt, allen diesen Plänen zu begegnen, so müßten dennoch die Versuche zur Verwirklichung derselben ernste Gefahren heraufbeschwören und schwerwiegende Kämpfe auslösen. Wenn nun gerade jetzt der Führer und Kanzler des Dritten Reiches dem Regierungschef Oesterreichs das Angebot zukommen ließ, im Wege einer persönlichen Aussprache die hinsichtlich des Abkommens vom 11. Juli vorhandenen Mißverständnisse zu beseitigen, wenn als Gegenleistung für die neue österreichische Befriedungsaktion die solenne und feierlichste Anerkennung der Unabhängigkeit Oesterreichs in einer vor aller Welt gehaltenen Hitler-Rede zugesagt wurde sowie das Versprechen, daß die österreichischen Nazi von nun ab auf keine propagandistische und finanzielle Unterstützung aus dem Dritten Reiche zu rechnen hätten, so konnte und durfte der Kanzler nicht absolut ״Nein“ sagen, trotz allen Mißtrauens, trotz aller bisherigen Erfahrungen und trotz aller gebotenen Vorsicht. Das Vertrauen der Vaterländischen zum Bundeskanzler darf infolge dieser Vorkommnisse keine Erschütterung und keine Abschwächung erfahren. Im Gegenteil, gerade jetzt muß der Kanzler das Bewußtsein haben, daß sich ״Oesterreich in seinem Lager befindet“. Das müßten auch die Nazi und ihre Hintermänner wissen und verstehen, daß sie auf Granit beißen würden, wenn sie noch einmal den Versuch machen wollten, durch Hintertürchen ins vaterländische Lager hineinzugelangen, wenn ihnen das Haupttor verschlossen bleibt. Wenn den österreichisehen Nazi tatsächlich die Unterstützung von außen her versagt bleibt, dann wird ihnen bald der Faden aUsgehen. Die politische Amnestie ist auch diesmal nur eine bedingte und unter Umständen könnten sich die Tore der Anhaltelager wieder öffnen. Aber auch das Ausland, das an der Erhaltung der Unabhängigkeit Oesterreichs interessiert ist, soll aus dem Bewußtsein, daß der Bundeskanzler nach wie vor alle gutgesinnten Oesterreicher hinter sich hat, die Schlußfolgerang ziehen, daß es ein Gebot der Stunde sei, dem Kanzler jene tatkräftige Unterstützung zuteil werden zu lassen, die er nötig hat, um weiterhin allen Drohungen und Versuchungen die Stirne bieten zu können. Die gutgesinnten Oesterreicher mögen viele Gründe haben, die weitere Entwicklung der Dinge mit Aufmerksamkeit zu verfolgen, aber gerade in einer solchen Situation sind Ruhe und Kaltblütigkeit erste Bürgerpflicht. Gogas Glück und Ende Dem Regime Goga-Cuza ist nur ein kurzes Leben beschieden gewesen. Nach kaum fünfundvierzig Tagen mußte es in die Versenkung verschwinden. Ebenso überrasphend, wie eich diese Herren in den Sattel schwangen, mußten sie wieder heruntersteigen. ״Gestern noch auf hohen Rossen, heute durch das Herz geschossen!“ Noch am letzten Tage seiner Herr- Schaft tat Goga in einem Interview im ״Völkischen Beobachter“ überaus großmäulig und verkündete sogar die Einberufung eines ״internationalen Kongresses zur Bekämpfung des Judentums“ — wenige Stunden später, kaum daß dieses Interview die Druckerpresse verließ, mußte er im letzten Ministerrat seines Kabinetts wehmutig das Geständnis machen: ״Israel, du hast gesiegt!“ Der Sturz des Regimes erfolgte allerdings weniger infolge des Druckes der ״anonymen jüdischen Macht“ als infolge verschiedener Umstände. In Paris und London erkannte man rechtzeitig die Gefahr eines ״Nationalsozialismus auf Export“. Man hat dort zeitlich genug verstanden, daß die Ausbreitung dieser Seuche auch weltpolitisch zu einer Katastrophe führen müßte, und so hat man energisch eingegriffen. Der Beschluß des Völkerbundrates, eine Dreierkommission zur Untersuchung der Vorgänge in Rumänien einzusetzen, beinhaltete die Gefahr, daß das Regime Goga-Cuza bis zu dem Zeitpunkte, da diese Kommission ihre Arbeiten beendet und der Völkerbund Gelegenheit haben wird, seine Entscheidung zu treffen, die Mögliehkeit haben wird, sich auszutoben und Ver- Die uteismde■ CtuaiHätsfterüdte 0ms du wettletuutfUeu Hunstweeksiäüe Ottmar Schiff Wien I, KSrntnerring 6 Tel. U-43-0-16