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Jüdische Presse · 1938-02-04 · 5 (4.2.1938) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
24 (1938)
Issue
5 (4.2.1938)
Date
1938-02-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
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(K— י Die i lationaie Lage ist wieder einmal überaus verworren und bewegt sich zwisehen Irrursgen und Wirrungen. Keine der großen Fragen findet eine Lösung, alles dreht sich im Kreise herum: Spanien, Ostasien, Mittelmeer, Mitteleuropa, Abessinien, Palästina, Völkerbund — alle diese Probleme bleiben ernst und bedrohen den Weltfrieden. In Genf sitzt ein Greis, der sich nicht zu helfen weiß. Der Völkerbundrat hätte das Jubiläum seiner hundertsten Tagung feiern sollen, aber dieses Ereignis ist sang- und klanglos vorübergegangen. Ward je in einer solchen Stimmung gefeiert? . . . Die Unentsehlossenheit der Großmächte macht die mittleren und kleineren Staaten kopfscheu und sie sind, nolens vciens. auf die eigene Sicherheit bedacht. Alle Pläne bleiben auf dem Papier; man spricht aneinander vorbei, es wird fortgewurstelt. Aber man bedenkt nicht, daß man dabei nicht vom ,koansst und daß jeder Tag den׳ ׳gseßea Kladderadatsch bringen könnte, den man so sehr fürchtet. Auch das Dritte Reich hätte den fünften Jahrestag seiner Bildung mit großem Pomp und Tamtam feiern sollen. Merkwürdigerweise ist man diesmal auch in Berlin etwas bescheidener geworden. Die angekündigte große Rede Hitlers ist nicht gehalten worden. Die weltpolitische Lage läßt keine klaren Formulierungen zu und die außenpolitische Bilanz des Dritten Reiches hätte ziemlich mager ausfallen müssen. Der einzige außenpolitische Erfolg der Wilhelmstraße seit der Remilitarisierung des Rheinlandes ist die Achse Rom-Berlin, aber auch dieser Erfolg konnte bisher keine realen Effekte zeitigen. Die Bestrebungen, diese Achse nach Nord, Ost und Süd zu erweitern, zeitigten keinen Erfolg. Die Umwälzung in Rumänien ist noch mit einem Fragezeichen versehen und kein Mensch kann Voraussagen, wie sich die Dinge dort weiterentwickeln würden. Die Hintergründe der Wandlung liegen ziemlich klar zutage: Die Regierung Tartarescu hat gelegentlich des Delbos-Besuches diesem allzu weitgehende Zusagen gemacht, deren man sich entledigen möchte — und das soll nun das Regime Goga-Cuza besorgen. Wenn dieser Mohr seine Pflicht getan haben wird, wird er gegangen werden. In Rumänien ist diese Taktik seit jeher üblich. Angesichts dieser Sachlage ist es klar, daß in erster Reihe der historische Sündenbock, der Jude, zum Handkuß kommt. Wie immer sich die Dinge im Dritten Reiche, im italienischen Imperium und in Rumänien entwickeln werden: der antijüdische Kurs wird kaum eine Schwächung erfahren. Auch! da konnte und könnte der Völkerbund kaum helfen. Er müßte auf die Finessen der Bukarester Regierung eingehen und die jüdij sehen Petitionen dem normalen Behandlungsmodus zuweisen. Den Bemühungen Edens und I Delbos’ blieb der Erfolg versagt; Washington hat plötzlich die Entdeckung gemacht, daß es nicht I angehe, sich in eine innenpolitische Angelegen- | heit eines anderen Staates einzumischen. Mit | Beschwörungen und Moralsprüchlein ist aber j wenig geholfen. j Inzwischen grassiert die Seuche des Juden- | hasses immer weiter und zieht immer breitere Kreise. Auch in Italien gibt es plötzlich eine Judenfrage und auch in den anderen Ländern will man scheinbar nicht Zurückbleiben. Wo alles haßt, kann ein einzelner nicht gut Liebe predigen. Das jüdische Voik steht trostlos da, insofern es von politischen Faktoren Hilfe er- Ein hoher österreichischer Funktionär sagte dieser Tage einem jüdischen Politiker, die Juden sollten angesichts der heutigen internationalen Lage keine Hilfe von politischer Me־::c. weder vom Völkerbund noch von anderen Staaten erwarten; sie sollten sich lieber an den Papst, an die Oberhäupter der griechisch-katholischen und der griechisch-orthodoxen Kirchen uw. wenden. Auch dieser gutgemeinte Rat entbehrt jeder realen Aussicht. Die Kirchen stehen ja selbst im Kampf gegen das Neuheidentum und können diesem nicht beikommen. Sie können sich selbst nicht helfen — wie sollen sie den Juden Beistand leisten? Es bleibt unter diesen Umständen dem jüdisehen Volke nichts anderes übrig, als die Worte des Propheten Jesajas zu beherzigen, die wir an die Spitze dieser Zeilen stellten: ,,Geh', mein Volk, zieh’ dich in dein Kämmerlein zurück und schließe die Tür, verstecke dich einen Moment lang, bis der Sturm vorüber ist!“ Ewig können doch diese Irrungen und Wirrungen nicht anhalten - - einmal wird doch den Menschen ein Licht umgehen! Die relisiös-seistisen Probleme des zu errichtenden Judenstaotes Am Vorabend des 16. Schwat 1. J. hielt Herr Dr. Isaac Breuer, Jerusalem, auf Einlachmg der Adudas - Jisroel - Jugendgruppe, in Bratislava vor einem zahlreichen Auditorium einen Vortrag über die religiös-geistigen Probleine aes zu!nehmenden Jo 1 ׳ m 1t< Nach einer Begrüßung durch Herrn M. U. C. A. Porges in slowakischer und deutscher Sprache, in welcher er auf die moralische Krise, unter welcher die heutige Menschheit leidet, hinwies und in diesem Zusammenhang des Befreier- Präsidenten T. G. Masaryk gedachte, setzte Herr Dr. Breuer, von der Definition des modernen Staatsbegriffes ausgehend, den wahren Begriff des jüdischen Staates auseinander und formulierte die Minimalforderung der Weltorthodoxie gegenüber den eventuell zu errichtenden jüdischen Staate. Wir wollen, wenn auch nicht ganz wörtlich, den Inhalt dieser nach Breuerscher Art kunstvoller Formulierung und scharfer Diktion aufgebauten Rede, nach einer stenographischen Aufnahme forsetzungsweise in unserem Blatte veröffentlichen: Es ist ein Jahr hei, daß ich die Ehre hatte, hier vor Ihnen zu sprechen. In diesem einen Jahre ist die Lage der Juden auf der Erde keineswegs besser geworden. Im Gegenteil, die Probleme spitzen sich zu und immer deutlicher zeigt sich, daß die Zeit, in der wir leben, an jeden einzelnen die höchsten Anforderungen stellt. Das Leben der Juden sowohl in Erez Jisroel als auch in der Gola ist noch unsicherer geworden. Es ist ein Jahr vorübergegangen, wie es nicht ernster gedacht werden kann. Krise in Erez Jisroel, Krise außerhalb, Krise überall und niemand weiß, wohin der Weg geht. Mitten in dieser sehr schweren Situation ist das Wort von einem jüdisehen Staate ausgesprochen worden, nicht von einem Phantasten, nicht von einem privaten Literaten, sondern von einer führenden Weltmacht der Erde. Ich muß sagen, als ich in den Drei Wochen des vergangenen Jahres zum erstenmal im Radio in Jeruscholajim das Wort eines jüdischen Staates vernahm^ da iat ein Beben, wie ein Bangen durch mich gegangen und wohl doch durch jeden, der diese Worte gehört hat; dieses Wort., das die unendlich originelle Situation mehr beleuchtet, als ein anderes Wort. Vor 2000 Jahren hat damals eine Weltmacht den jüdischen Staat zerbrochen und sie wollte damit auch das jüdische Volk zerbrechen. Heute deckt, diese große Weltmacht schon lange das Grab der Geschichte und nach 2000 Jahren rührt sich wieder eine Weltmacht und spricht von jüdischem Staat. Wie immer man auch eingestellt sein mag, geehrte Versammlung, so steht es doch fest, daß nur der, der des Denkens unfähig ist, ohne Erschütterung die Tatsache feststellen kann, daß man überhaupt davon spricht. Man mag darüber denken, wie man will, aber jeder Mensch muß die Erschütterung in sich verspüren, wenn zur Zeit, wo überall den Juden der Boden unter den Füßen wankt und zittert, nach 2000jährigem quälvollem Leiden der Juden, von einem jüdischen Staat gesprochen wird. Und mir scheint es wichtig, daß man sich mit dem Problm des jüdisehen Staates heute etwas genauer befassen <■.11״. Ob der jüdische Staat kommt oder nicht 'אורה ולא אבוש" ich weiß es nicht. Und auf die Frage, ob denn das Land groß genug wäre, antworte ich auch, ich weiß es rächt, ich bin kein Stratege. Wenn sich das Projekt aber vorwirklicht, so wird es nach 2000 Jahren das erste Mal sein, daß auf einem Stück von Erez Jisroel nur noch der jüdische Wille walten werde. Was später kommt, liegt ja nicht in unserer Hand. Aber fragen wir uns, vor welche besondere Problematik stellt uns der jüdische Staat? Niemand kann die Idee des jüdischen Staates aufgeben, darum muß sich jeder jüdische Mensch mit dem Problem befassen; aber es nicht nur besprechen und ein Kaffeehausgeschwätz daraus machen, sondern mit den Ernst, auf den diese Frage Anspruch hat. Vor allen Dingen die ftteiswede 6mHttäiqtewdie וווווווווווווווווווווווווווווווחוווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווו1ו1וו!וווווווו (mg dffi frffft Othmar Schiff Wien I, Kärntnerring 6 Tel. U-43-0-16

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