Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 24 (1938)
- Issue
- 3 (21.1.1938)
- Date
- 1938-01-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ב׳ה Zeitungen vom Verleg** ,versendet ן 1ן.!. •Journal expedF prf'fthjiteur W ■ Di Da JÜDISCH« r *Josofapiots 4 S*• Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12 a, Telephon Nr. A-46-0-15; Tschecho- Slowakei: Bratislava, Republikplatz Nr. 37, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktions- Schluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kö 80, Jugoslawien Dinar 150, das Übrige Ausland Schw. Fr. 14, Einzelnummer äst. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Postsparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614. Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 193.316, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117, Berlin Nr. 122.619; für ״Jüdische Presse“, Bratislava: Prag Nr. 53.386. 24. Jahrgang Wien-Bratislava, 21. Jänner 1938 י ט שבט תרח׳ץ Nummer 3 Die zehn Gebote uod die Weltpolitik. (Betrachtungen zum Wochenabschnitt יתר״) (K-l.) Wieder einmal wird am kommenden Samstag in allen jüdischen Synagogen jener Abschnitt der Heiligen Schrift verlesen, der die Offenbarung am Sinai schildert, jenes gewaltigen Ereignisses, das einzig in der Geschichte dasteht, das sich unter Donner und Blitz abspielte. Die ganze Welt, die Natur, alles Leben auf Himmel und Erde stand still, als sich der Ewige am Sinai offenbarte und seine Lehre verkündete, jene Lehre, die die Grundlage aller g-ttbekennenden Religionen bildet, die Basis jedes Glaubens, jeder Moral, jeder Ethik, jeder Humanität. Wenn wir heute das Bild der Welt überblicken, wenn wir Augen- und Ohrenzeugen all dessen sind, was hier geschieht, so verstehen wir erst recht die Bedeutung dieser zehn Gebote, deren Beobachtung und Erfüllung der Welt und der Menschheit ein anderes Gesicht gegeben hätten. Die heutige Menschheit, obwohl sie sieh zu diesen Grundsätzen bekennt, läßt aber diesem Lippenbekenntnis nicht die Tat folgen. Sie hanöelt nicht nach diesen Grundsätzen und deswegen geht sie irre und ist voller Leiden. Das erste dieser zehn Gebote ist eigentlich ojir. eine Feststellung: ״Ich, der Ewige, bin dein G-tt, der dich aus dem Lande Mizrajim herausgeführt hat!“ Aber diese Feststellung besagt mehr, als ein ganzer, rechtlich formulierter Gesetzeskodex. Denn ihr folgt das zweite, eigentlich erste Verbot: ״Du sollst keine anderen G-tter neben mir haben!“ Da ist nicht von ״Götzen“ die Rede,• sondern von G-ttern — denn dieses Verbot erstreckt sich nicht bloß auf Götzenbilder, sondern auch darauf, keinem Menschen g-ttliche Attribute beizulegen. Eis gibt keine Uebermenschen, alle sind Kinder G-ttes, alle vor dem Ewigen gleich, und sie sollen es auch vor jeder irdischen Macht sein. Würde man sich dies zur Rieht- Schnur des Handelns machen, wie viel Not und Leid würden der Menschheit erspart bleiben! Wenn man aber dieses Gebot nicht beachtet, dann verletzt man auch die anderen. Man mordet, man stiehlt, man gelüstet nach der Habe der Mitmenschen, läßt Macht vor Recht gehen, vergießt unschuldig Blut, unterdrückt die Schwachen, eignet sich fremde Habe an — nicht nur einzelne, sondern ganze Völker und Staaten praktizieren dies und finden immer ״plausible Erklärungen“ hiefür. Indem man sich über andere erhaben glaubt, indem man Menschen zu G-ttern erhebt, indem man Neuheidentum predigt, der Kraft huldigt und die Seele zurückdrängt, läßt man die Gewalt gewähren und findet für jedes Verbrechen Beschönigungen und Bemäntelungen. Der heilige , Egoismus feiert Orgien; was dieser diktiert, das | wird befolgt. Das gegebene Wort hat keine Bedeutung mehr, selbst wenn es schwarz auf weiß bekräftigt ist. Verträge sind Papierfetzen, Recht gilt nicht mehr, fremdes Eigentum ist nicht heilig — es geschieht alles, was den Grundsätzen der Offenbarung am Sinai widerspricht. Darf man sich darüber wundem, daß gerade diesen Grundsätzen der Krieg erklärt wird? Man ist ja nur konsequent und bleibt sich selbst, treu. | Diese Grundsätze — sie sind eine jüdische Erfindüng, und darum: weg damit! Diese so unbequemen zehn Gebote, sie sind ja vom ״Judeng-tt“ verkündet worden — und darum muß dieser entthront werden, damit seine Offenbarung um so bedenkenloser verleugnet werden könnte. Eis bleibt sich gleich, ob man dies im Namen des Bolschewismus oder des Nationalsozialismus tut — Heidentum bleibt Heidentum, die äußere Farbe tut nichts zur Sache. Zurück zur Offenbarung am Sinai, zurück zu den zehn Geboten als der Grundlage des Glaubens, der Moral, der Ethik, der Menschlichkeit — das muß die Parole des Tages sein. Die Glaubigen aller Konfessionen müßten da eine Einheitsfront bilden, denn nur auf diesem Wege ist die Beseitigung des Unheils, das auf der Menschheit lastet, zu erwarten. Das Heil kommt nicht von der physischen Kraft, sondern vom Geist, vom Geist der Offenbarung am Sinai! DieTagung des G.-A. der Agudat Jitroel in Wien (12. bis 16. Jänner 1938 Präsenzliste: Präsident Jakob Rosenheim). — Oesterreich: Oberrabbiner S. Fürst, Großrabbiner A. J. Friedmann-Sadagora, Großrabbiner A. Heschel-Kopeczynce (als Gast), K. Pappenheim, Großrabbiner N. M. Friedmann- Czortkaw (krankheitshalber nicht anwesend). — Polen: I. M. Lewin, Rabbiner Aron Kottier, Oberrabbiner Kalmanowitz, Oberrabbiner Tobias Horowitz, Sejmdeputierter L. Münzberg, Senator Jakob Trockenheim, A. Kurzmann, Redakteur L. C. Frydenzon. — PalästiiiaDr. Isaac Breuer, Rabbi Mosche Blau. — Deutschland: Dr. Saiomon Ehrmann, F. Gelernter. — Litauen: Rabbiner M. Katz. — Lettland: Dr. S. Vittenberg. — Tschechoslowakei: Oberrabbiner S. D. Ungar, Oberrabbiner M. Eckstein. — Ungarn: M. Klein (als Gast). Im Vordergund der Verhandlungen standen politische und wirtschaftliche Erez-Jisroel- Fragen. Im Anschluß an die Resolutionen der HI. Kenessia Gedaulo in bezug auf den Peel-Plan wird über die Verhandlungen mit der Jewish Agency betreffs einer Round-Table-Konferenz sämtlicher an Erez Jisroel interessierten jüdisehen Organisationen berichtet. Sowohl in London wie in Jerusalem kam es bereits zu einem gewissen Einverständnis bezüglich einer Zusammenarbeit von Agudas Jisroel und Jewish Agency auf politischem Gebiete. Einstimmig steht der G.-A. auf dem Standpunkt, daß aus religiösen, politischen und Sicherheitsgründen statt einem autonomen Zwergstaat eine Verständigung mit den Arabern, zumindest aber eine Unterstellung eines etwaigen jüdischer, Staates unter die Mandatarmacht anzustreben ist. Unabdingbare Voraussetzung eines jeden jüdischen Gemeinschaftsgebildes in Erez Jisroel ist die Anerkennung des Rechtes der Thora im öffentlichen Leben. Die Anwendung dieser Forderung und deren Durchführung wurden im einzelnen besprochen. Einen breiten Raum nahmen die wirtschaftlichen Fragen von Erez Jisroel ein. Die Situation der agudistischen Arbeiterorganisationen und des agudistisehen Schulwesens wurde von den palästinensisehen Vertretern eingehend geschildert. Es wurde der bereits der K. G. vorgelegte Hitjaschwuth-Plan, speziell zur Ansiedlung aus Deutschland stammender Poalim, in seinen einzelnen Grundlagen dargestellt und die Maßnahmen vorbereitet, um die Durchführung im Laufe der allernächsten Zeit zu ermöglichen. Eine — 10. bis 14. Schwat 5698) Gruppe von Arbeiter!', hat bereits den Boden bezogen. Für die Zeit bis Pessach wurde eine intensive Sammlungskampagne für den Keren Hajischuw beschlossen. Eine Anzahl G.-A.-Mitglieder übernahm persönlich im Anschluß an die G..-A.- Sitzung, sich in den Dienst diese!׳ Aktion zu steilen. Bei der Kenessia Gedaulo in Marienbad wurde die organisatorische Grundlage der agudistischen Erez-Jisroel-Arbeit und die Kompetenzäbgrenzung zwischen der politischen Vertretung der Agudas Jisroel und dem Generaldirektorium des Keren Hajischuw beschlossen. In der Zwischenzeit ergab sich eine Reihe von Schwierigkeiten bei der Durchführung dieser Beschlüsse. Naturgemäß litt unter dieser Unklarheit vor allem die Arbeit des Keren Hajischuw in der Gola. Unter Berücksichtigung aller in Betracht kommenden Momente wurden nunmehr bei der Wiener Tagung die in Marienbad bereits gefaßten Beschlüsse mit entsprechenden Modifikationer, mit vollem Einverständnis sämtlicher daran interessierter Instanzen festgelegt. Die Resultate der vor kurzem in Erez Jisroel stattgefundenen Landestagung der Poalim wurden eingehend besprochen und es wurde mit Genugtuung davon Kenntnis genommen, daß trotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten die Poalim- Organisationen ihre Bindung an Agudas Jisroel als eine Selbstverständlichkeit erneut ausgesprechen hat. Neben den Erez-Jisroel-Problemen standen vordringlich Emigrationsfragen zur Verhandlung. Die Vertreter Deutschlands berichteten über die von der deutschen Landes- Organisation durchgeführten Maßnahmen zwecks Betreuung der religiösen Auswanderer in Zusammenarbeit mit der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums. Man war sich darüber klar, daß diese Arbeit sich im engsten Kontakt mit den großen jüdischen Hilfsorganisationen zu vollziehen hat. Von seiten des Präsidiums wurde mitgeteilt, daß der High- Commissioner for Refuges sich auf Anregung der Agudas Jisroel bereit erklärt hat, die Frage einer jüdischen Siedlung großen Stils den Instanzen des Völkerbundes zur Prüfung nahezulegen, sofern ihm die nötigen Unterlagen geliefert werden. Die Schaffung eines zentralen jüdischen Wanderungs- und Siedlungsamtes, zusammengestellt von Vertretern aller jüdischen Die fueisweete (iualitäisfterüde ווווווווו1וווווווווחווווויו״ח>״ו»חווווווווווווווווווווווווווווו1ווווווווווווווווווווווווווווו aus du wetUelcouiUeH HunstvukstäUe Othmar Schiff Wien I, Kämtnening 6 Tel, ü-43-0-16 iiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiimiiiiiiiiiiiii