Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 24 (1938)
- Issue
- 2 (14.1.1938)
- Date
- 1938-01-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ב־ה JÜDISCH« PR€SS€ Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12 a, Telephon Nr. A-46-0-15; Tschecho- Slowakei: Bratislava, Republikplatz Nr. 37, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktions- Schluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Ke 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw. Fr. 14, Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Postsparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058. Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 193.316. Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117, Berlin Nr. 122.619: für ״Jüdische Presse“, Bratislava: Prag Nr. 53.386. 24, Jahrgang_Wien-Bratislava« 14■ Jänner 1938 י ב שבט תרח ץ_Nummer 2 ״Jungvolk“ der V. F. und religiöse Erziehung In den letzten Tagen gab es in der Wiener I sowie in der ausländischen Presse eine regelj rechte Diskussion über die sogenannte ,,Juden- : frage“. Seit der Schaffung der Vaterländischen j Front in Oesterreich als alleiniger Trägerin des j Staatsgedankens fehlte es an gewissen Stellen, j die den Juden nicht grün sind, nicht an Be-! mühungen, diese aus dieser Organisation aus-; zuschließen. Allerdings scheiterten diese Be-! mühungen an der Entschlossenheit der Führung, j die diesen ,,Belangen“ nach keiner Richtung hin \ Erfüllung zuteil werden lassen wollte. Nun ist ן es doch so weit gekommen, daß zumindest aus * einer Gruppe der V. F. die Juden ausgeschaltet j bleiben sollten, und zwar aus dem ,,Jungvolk“. | Das ,,Jungvolk“, welches innerhalb der V. F. die 1 Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr zusammenj fassen soll, beruht auf deutsch - christlicher; Grundlage und die Führung derselben verj weigerte aus diesem Grunde den jüdischen; Jugendlichen die Zulassung, da diese infolge der : ausschließlich christlicher. Grundlage dort keinen! Platz haben könnten. Nun ist wohl das ״Jung- I volk“ keine Zwangsorganisation und die Zuj g.-hörigkeit zu ■derselben ist uiehi . . j Aber die Jugendlichen, die derselben nicht an- ן gehören, könnten nach Erreichung des 18. Lej bensjahres keine Aufnahme in die V. F. finden — ן und dieser Umstand bringt schon ernste Nach- : teile mit sich, nicht nur moralisch-politischer,; sondern auch wirtschaftlicher Natur. Es ist : daher begreiflich, daß man sowohl seitens der ן Führung der V. F. als auch jüdischerseits Mittel j und Wege suchte, um über die aufgetauchten i Schwierigkeiten hinwegkommen zu können. Und j man hat schließlich den Ausweg gefunden, daß j die jüdische Jugend, bzw. die jüdischen Jugendi Organisationen in einem eigenen Dachverband : organisiert werden sollen, der die Erziehungs- 1 frage im eigenen Wirkungskreis zu besorgen; hätte und nur in politischer Hinsicht dem all-; gemeinen ״Jungvolk“ angesehlossen werde. j An und für sich hätte man jüdischerseits : wenig gegen diesen Modus einzuwenden, obwohl 1 gefühlsmäßig jede ״Sonderstellung“ der Juden . eine peinliche Erscheinung sein müsse und die! Gefahr beinhalte, daß auf diesem Wege Prä- : judize anderer und ernsterer Natur geschaffen; würden. Wenn man schließlich bedenkt, daß die j Ankündigung dieses Modus seitens der Judenj feindlichen Presse im In- und Auslände mit I einem Triumphgeschrei ״Keine Juden im Jungj volk“, ״Juden vom Jungvolk augeschlossen“, J ״Das Jungvolk judenrein“ usw. begrüßt worden 1 ist, so ist es begreiflich, daß gewisse jüdische j Kreise ernste Bedenken gegen diesen Lösungsj modus erhoben und darin die Gefahr einer Ver- ן letzung der jüdischen Gleichberechtigung erj blicken wollten. Angesichts der Zwangslage j sind diese Befürchtungen allerdings übertrieben j und es wäre empfehlenswerter gewesen, die j Sache nicht an die große Glocke ,zu hängen und . in der allgemeinen Presse keine Diskussion auszulösen, die den judenfeindlichen Blättern zu allerhand hämischen Bemerkungen Anlaß gab. 1 Die Sache hat jedoch vom j ü d isehen Gesichtspunkte eine andere Seite und dieser müßte man rechtzeitigeineernsteAufmerksamkeit widmen. Die Führung des ״Jungvolk“ kann sich darauf berufen, daß der Lösungsmodus im Einvernehmen mit den zuständigen jüdischen Stellen getroffen worden ist, und aus der Stellungnahme des Präsidiums der Wiener Kultusgemeinde sowie der zionistischen Presse ist zu erkennen, daß die Seitenstettengasse hier die Führung hatte. Formell mag dies nur natürlich sein, denn das geltende Kultusgemeindegesetz kennt nur die offizielle Leitung der Kultusgemeinden als die alleinige Vertretung der Juden nach außen. In Wirklichkeit jedoch ist es eine Tatsache, daß die Auffas«ungen über den Begriff ״relij giöse Erziehung“ im jüdischen I Lager sehr wesentlich a u s 0 i 11 a 11- | dergehen. Das, was man in der Seitenstettenj gasse darunter versteht, weicht nur allzu sehr j von dem ab, was die Glaubenstreuen als unver- ( fälscht jüdisch auffassen Wenn daher davon j wachung• der religiös-sittlichen Erziehung der jüdischen Jugend den hiezu berufenen konfessionellen Organen der Judenschaft“ anvertraut sein sollte, so ist es eine Tatrache, daß die Glaubenstreuen, die organisierte Orthodoxie, über den Begriff ,,berufene konfessionelle Organe“ eine eigene und eindeutig; positive Meinung haben. Es handelt sich hiebei um eine überaus heikle Frage, und die Glaubensj treuen müßten sich die Faktoren genau :;nsehen, J denen die Leitung und Ucberwachung der religiösen Erziehung ihrer Jugend anvertraut I werden soll. Es genügt, auf die religiösen Verj heerungen. die der sogenannte ,,Religio;.sunler- 1 rieht.“ in den öffentlichen Schulen angorichtet hat, hinzuweisen, sowie auf die Verdrängung des religiösen Moments zugunsten des na ,.ionalen in ‘ den sogenannten jüäiscimationaien Lrziehungsi übrig haben und wie sehr sie sich dagegen! wehren müßten, ihre Jugend einer solchen Er-; zieliung anzuvertrauen. Die maßgebend e n 1 Faktoren der V. F. und des ״Jungvolk“ sollten und dürften begreij fen, daß es sich bei der Stellung- | nähme der Orthodoxie nicht um i Argumente handelt, die wenig! stichhältig sind, sondern um For- ן derungen, die der religiösen Ueberj zeugung und Weltanschauung entj springen und hinsichtlich welcher I es für die G1aubenstreuen keine j Kompromisse geben kann und darf. ' Der Führung der Orthodoxie müßte daher zuj mindest bei der Ausw'ahl der zur Leitung der l jüdisch-religiösen Erziehung berufenen Personen j ein entsprechender Einfluß emgeräumt werden, oder es müßte der religiösen Jugend und ihren ן Organisationen im Rahmen des Dachverbandes! der jüdischen Jugend eine entsprechende Autonomie gesichert werden, die sic in den Stand setzt, ohne jeden Gewissenszwang mitzuarbeiten und mitzutun. C h a r e d 1. Tatsächlich hat sich die organisierte Orthodoxie mit diesem Problem ernstlich befaßt und der Vorstand des Landesverbandes jüdischer Jugendvereinigungen Oesterreichs in der Agudas Jisroel hat in seiner am 10. d. stattgehabten Sitzung׳ folgende Resolution gefaßt: Die orthodox-jüdische Jugend Oesterreichs begrüßt es mit Befriedigung, daß ihr im Rahmen des Oesterreiehisohen Jungvolkes Gelegenheit geboten wird, am Neuaufbau Oesterreichs mitzuarbeiten. Zugleich spricht sic die Erwartung aus, daß der orthodox-jüdischen Jugend die volle Selbständigkeit im Rahmen des jüdischen Jung- Volkes gewährt wird und daß zu Leitern des jüdischen Jungvolkes Männer ernannt werden, die erfüllt vom Geiste wahrer Frömmigkeit und traditioneller Giaubenstreue, darüber wachen, daß die jüdische Jugend im Geiste des thoratri-ow■ JineuiuD.s •,;etiiii.j wird, um sie zn wahrhaft thoratreuen Juden um! wahren Oesterreichern zu erziehen. Gelegentlich einer Aussprache der orthodoxen Führung mit den maßgebenden Faktoren die Forderungen der Orthodoxie und es ist begründete Aussicht vorhanden, daß die Wünsche derselben weitestgehende Berücksichtigung finden. Für die Orthodoxi׳־׳ kann es hinsichtlich der Jugenderziehung nur ׳■ine. hundertprozentige Berücksichtigung des reli- Die Erziehung der Jugend kann nur Mann; rn anvertraut werden, die nach jeder Richtung hin sowohl in ihren Anschauungen als auch in ihrer Judentums stehen. Die anläßlich der Tagung des Waad Hapoel der Agudas Jisroe! in Wien weifenden ftUtyliedez dec WeÜexeküUve sprechen am Sonntag, den 16. Jänner d. J., nm halb 9 Uhr abends im Festsaale des Hotel Continental, II., Taborstraße 4, in einer Regiebeitrag 50 Groschen. LAND KSORI i A NI SATION DER AGUDAS JISROEL. ווווו!וו!111ו1!!!!ו!ו1וו1!וווווו!!ו!ו!ווווו!11ווו!!וווווו!ו1וו Die Othmar-Schiff-Perücke — preiswerte Qualitätsarbeit Perücken- Cfhlff wien 1י Kärntnerring 6 Großerzeugung W(IIVII9r JUIITT Telephon U-43-0-16