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Der Jüdische Arbeiter · 1934-01-05 · Heft 1 (5.1.1934) · page 4

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
11 (1934)
Issue
Heft 1 (5.1.1934)
Date
1934-01-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Dr. Marth» Hofmann Jakob Wassermann i. Man nannte ihn den „Architekten" unter den Dichtern deutscher (Zunge. Kühner, großzügiger, dun hk instruierter Aufbau war in <kr Tat ^eine Starke Seine Schwache zugleich Dt* K">n<,trukti\e| bums Werke wirkte biswtileu konstruiert I eblos pie Konstruktion stimmte bis ins kl'emste Detail, alle Räder griffen fein-ziseliert ineinander, Zahn biß, in Zahn. Doch das reine, natürliche, weiche, vegetative Leben fehlte ihnen mehr und mehr, je reifler! und meisterhafter die Werke wurden. üeniale Bauwerke anorganischer Natur, Wundervoll in ihrer geistreichen Organisation dennoch keine vom Atemhauch des Lebens warm beseelten Organismen. Dies gilt schon für ..Christian Wahnschatte", für den größten leil des „Wendekreises", gilt noch mehr luwrJ insbesondere tur das Meisterwerk der letzten Epoche „Der Lall Mauratus". II. Manchmal spurte man glühende Lava in den engrepreßten Quadersteinen dieser Architektur. Glu-f itende Lava, die das kunstvolle Gebäude mit ihrer kaum gebändigten Dynamik zu sprengen drohte. fct-> was Dynamisches, unstet Bewegtes ist m dem Mann von seiner lügend her, dieser rastlos suchenden, spat gestillten kämpferischen fügend. Wassermann sagt! selbst von sich, daß er es niemals langer als 3 Monate an. einem Ort, besonders m einer Stadt, ausgehalten haue, solange er jung war. Dann uberfiel ihn das. was er seinen ,,Lufthunger" nennt. Sehnsucht nach Weite, nach freiem, großen Horizont, nach I.ancischair. die ihm eingeboren ist. Man findet wenig Landschaftsschilderung in den Werken dieses mit dei menschlichen Problematik ringenden Gestalters, dennoch tuhlt er selbst sich tief der trankischen (Nürnberg;!), späterhin auch den österreichischen Landschaft (AiLssee!) verhaftet. Aber die große Honzontale der suddeutschen fcbene ist ihm immer naher als die vertikale Richtung der Alpen. Seme Neigung zurj ptan taste vollen Verwandlung der Welt durch dasj .Wiort leitet er eben von dem als Kind in sich gesogenen grenzenlosen Horizont seiner Heimat ab. III. Wassermann ist ahnend und tastend zu trkennt-' inissen tieferer Art über sein angeborenes Wiesen, sein „hinbild" gelangt. In dem tief sündigen Aufsatz] „Meine I andschatt, innere und äußere (ersc hienönl um Septemberheft Wii der \on Klaus Mann in \msterdam herausgegebenen, wichtigen Zeitschrift , Die) Sammlung") rührt er an Selbstoffenbarungen, die weit über das hmuisreichem, ven-, er in Bekenntnisbuchern wie dem ein wenig gewundenen „Man Weg als Deutscher und als Jude" von sich zu sagen weiß. Die tiefe Erschütterung des letztem Jahres mag mit der Gnade, die jedem Unglück innewohnt, zu dem vertieften Erlebnis seiner selbst geführt haben hsj heißt da mit Beziehung darauf, daß er im Roman „Alexander Ln Batnlon" (1905) die vorderasiatische Landschaft in einer Weise zu schildern vermochte,, daß ein Orientreisender es nicht zu glauben vermochte, daß Wassermann nie dort gewesen' sei: „Ich glaube an eine praexistente Landschaft, die aut dem beruht, was ich das Generataortengedachtnis nenne." Und weiter heißt es dort: „Was ich an Traum und' Vision rn mir trage, setzt sich nicht nur aus eigenem! Erlebnis zusammen, sondern ist auch Vorfall rener-t fclbms, Blutserlebnis, das nur individuell vergessen! werden kann, das aber m der Reihe der Geschlechter ewig ist. Vielleicht rührt daher auch das bekannte Phänomen, daß mau eine Begebenheit oder eine Situation schon einmal gelebt zu haben: glaubt, obwohl man sich auch hier vor rationalistischer Betrachtung hüten muß. Diese Dinge sind ia viel geheimnisvoller und verborgener als wir irgend ahnen. ... Ich schaffe also nur scheinbar aus meinem persönlichen Willen heraus. Es ist eine Jahrtausendlandschaft, in der ich mich unbewußt bewege." (Hier berührt sich Wassermann merkwürdigerweise mit Gedanken des, Züricher Psychologen jung, der das Wiort vom „Generatiionengedachtnis-- geprägt hat, das heute auch für die Literaturwissenschaft fruchtbar wird.) IV. "Wassermanns Schlüsse aus dieser intuitiven Erkenntnis seiner inneren Wesenheit sind, wie alles Menschliche, mehr psychologisch als logisch zu erfassen. Er, der sein Leben lang darum gerungen, als deutscher Dichter voll genommen zu werden, der deutsehe Menschen, deutsche Zustande, deutsche: Geschichte zu gestalten getrachtet (nachdem er nur einmal, m seinem Erstlingswerk „Die Juden von Zirndorf" sich in die wehe flackernde Problematik des ludischen Schicksals versenkt hat), der von sich selbst Wort-Konzert HERZ GROSSBART Das Wiener jüdische Publikum hatte jungst Gelegenheit, den hervorragenden nachschopfeinsehen Interpreten der modernen jüdischen Literatur, Herz Gfä-oss'bart, einen Wortgestalter von großer Originalität und &n dringlich keit, als Wledererwecker der agenartigen Gestaltenwelt Sehalom Alejchems zu bewundern. [Einem Komitee jüdischer Kunstfreunde ist es gelungen, diesen bedeutenden Rezitationskumstler furj eines seiner in den judischen Zentren Osteuiopas berühmt gewordenen .Wortkonzerte zu gewinnen. Der Herz-Grossbart-Abend, an dem der Kunstler ein erlesenes Programm zum Vortrag bringen wird, wird Samstag, den 13. d. M. um 8 Uhr abends im Festsaale des Hotes „Oontiinentat" IL, Täborstraße 8, stattfinden. sagt, daß er das deutsche Publikum anwerben, umbuhlen, umlaufern tnuftte, um «s «Uflfah *u ge*totieh — er erträgt es nicht, daß ihm nun doch der Jagttlme Titel des „Deutschen Dichters" äbgespiioch'eii werderf sollte, den er mehr zu verdienen glaubt oder zumindest ebensosehr wie irgendeiner. Seltsam! Alle Prämissen dieser letzten Selbstenthullung mit ihren Ahnungen vom Gedächtnis deri Jahrtausende scheinen dahin zu fuhren, daß Wassermann in seiner zehrend unstillbaren Sehnsucht, in seiner seltsamen Svnthese von Grenzenlosigkeit und! gewaltsamer Bändigung das judische'„Inbild" erkannt haben mußte Dennoch - die Konsequenz ist die entgegengesetzte Ein Jahrtausend deutscher Land-i schaff als Erlebnis semer Vorfahren — das scheint plötzlich alles Beweäsenswerte zu sein. Herzblutgetranktes Ressentiment, dumpr aufstöhnende Bitterkeit^ verendende Gefühl: vergebens. . . . Denn .Wassermanni, dieser tief Zwiespältige, Abgrundige, der von dem Dort nach dem Hier nur die kühn konstruierten Bogen seiner Phantasie zu wölben vermochte, der gerade aus seiner Polarität seine stärksten schöpferischen Impulsetempfing, erliegt! dem selbsf/erfleischenden Gefühl, das Theodor I essmg den „Jüdischen Selbsthaß" genannt hat und aus dem heraus er seinen Elkan Geyer, seinen Warschauer-Waremme geschildert hat und die furchtbaren Worte fand: „Lustern und asketisch — ein Scharlatan oder ein WurfeIspieler — ein Fanatiker oder ein feiger Sklave — alles das ist der Jude."!Am 14. Janner 1934 findet eine Palastinafilmauffuhrung im Friedensbruckenkinto, XX., Klosterneulburgerstraße 33, tum 10 Uhr vormittag statt. Karten: IL, Blumauergasse 1, Hechaluz, XX., Kluckvgasse 7, und Jad Charuzim, XX., Karl Meislstr. 5. Wir beglückwünschen die Genossen Ing. Grad, und Rosa Bergiier 7.u ihrer Vermahlung aufs herzlichste. Am 21. Jänner 1934 findet im jüdtschen Theater Veranstaltung für die Aktion „Jüdische Jugend in 1 .statt. Amtliche Verlautbarungen der Israel. JSTizJtusgrem einde Wien Jakob-Luxemburg-Stiftung. Gesamtverleihungsbetrag: S 600.—. Bewerbungsberechtigt sind: Hilfsbedürftige judische Witwen, welche im III. Wiener Gemeindebezirk wohnhaft sind. Bevorzugt sind: von den oben bezeichneten Personen: Beiamtenswrtwen gakzischer Herkunft, wenn ihnen durch die Verleihung eines Betrages, zu einer Existenz verholfen wird und. die Erziehung der verwaisten Kinder ermöglicht, resp. erleichtert wird. Ein-' reichuragsfrist: 1. bis 31. Janner 1934. Gesuchsbeüagen: Geburtsschein, Totenschein des Gatten, event. Geburtsscheine der Kinder. Einreichstelle: Htrsoirge-Zentrale der isr. Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 2, 1. Stock- . Jan Der V. . Kultusgemeinde Wien. Markus Engels Paulinen-Stiftung. Aus den Ertragnissen cter oogenanntert Stiftung gelangt der Betrag von S. 6000.— an hilfsbedürftige Nachkommen der nachbenannten Geschwister des Herrn Markus Emgel zur Verteilung: Samuel Engel, Charlotte, geborene Emgel, verehelichte (Adolf) Hirsehreld;. Rosa geborene Engel verehelichte (Philipp) Blas. Bewerber und Bewerberinnen,' welche den vorstehend angeführten Bestimmungen entsprechen, wollen ihre Gesuche bis spätestens 31. Jänner 1934 an das Kuratorium der Markus Engels Paulinen-Stiftung* Wien. I.. beitenstetteng. 2. übersenden. Den Gesuchen, welche detaillierte Angaben über alle Sur dfiie Beurteilung der persönlichen Verhältnisse der Gesuchsteller maßgebenden Umstände zu enthalten haben., tsind anzuschließen: das Geburtszeugnis, eine Lebensbestatagunir, ein Mittellosigkeits/eugm-, ferner amtliche Dokumente, onreh welche die Abstammung des Bewerbers oder der Bewerberin von dem obgenaonteu Bruder oder eroer der obgeaawvten Schwestern de? Herrn Marku* Engel nachgewiesen wird. Wien, am 1. jj». Ott 1934- Das StiftuRgBkuratariuin, Julius Frätikelsche StipewSenstiftung. Der Vorstand der israelutaschen Kultusgemeuide Wien bnngt hiemrt zur Kenntnis, daß im Stucbenjahr 1933 34 aus der „Julius Frankekchen Stlpe^ldaetlsiiIlfitu^g', für arme Studierende der Wiener Universität israelitischer Konfession eine Anzahl von Stipendien zur Verleihung gelangen. Bewerber- und Bewerberinnen um diese Stipendien wollen, ihre Gesuche bis längstens 31 Jänner 1934 an das Kuratorium der Stiftung zuhanden des Stiftungsadiminiistrators, Herrn Doktor Eugen Boschan, Rechtsanwalt, Wien, U Oppolzergasse 4, richten. Den Gesuchen!, welche detaillierte Angaben über alle für die Beurteilung der persönkrhen Verhältnisse der Gesudisteller maßgebenden Umstände, insbesondere auch Angaben darüber, ob GesuehstelLer im Genüsse eines Stipendiums steht, zu enthalten haben, sünd anzuschließen: Der Geburts- und Heimatechean, em Mittellos*gkeitszeugms, der Index, sowie Ausweise über die bisherigen Studienerfolge.. Die Auszahlung der verBehenen. Stipendien erfolgt in zwei gleichen Raten, und zwair am 1, März und 1. Juni 1934. Der Vorstand der israeL Kultagerneiuide Wien. Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien, II., Täborstraße 59. Der Verein für unentgetetachen Arbeitsnachweis, Wien. II., Taibcrstraße 59, Tel.. A-42-3-16, bittet die p. t. Arbeitgeber, angesuchts der Notlage der juduschen Arbeitslosen, um Anmeldung ihres dauernden oder vorübergehenden Bedartes qualifizierten kaufmännischen Angestellter,, Arbeitern, Handwerkern und; Hauspersonal aller Art bei dem angeführten Verein. Mitgeteilte Wunsche werden sorgfältigst berücksichtigt. Predigten und Schrifterklärungen in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen. Freitag, den 5. Janner 1934, werden bei den um 4 Uhr beginnenden Abendgottesdtenisten m naichbenannten Gemeinde- und Beziirkssynagogen Predigten abgehalten, und zwar: II., Pazmaimtengasse 6, Rabbiner Dr. Z. Taubes; IX., Müllncrgaisse 21, Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz; XIX., Dolltnergasse 3. Rabbiner Dr. A. Frankfurter. Samstag, den 6. Janner 1934: Beim Hauptgottesdienste Schrifterklarungen: XX., Kluckygasse Nr. 11, Rabbiner Dr. B. Murmelstem; XXI., Holzmeistergasse Nr. 12, Rabbiner Dr. M. Rosenmamn. — Dr. JeUinek-Gedenkfeier. Im Anschluß an den um. 5 Uhr abends beginnenden Abendgottesdienst findet anläßlich der 40. Wiederkehr des; Todestages des Predigers Dr. Adolif Jellinek s. A. im Gemeindetempel, I., Seitenstettengassie 4. eine Gedächtnisfeier statt. Die Gedenkrede hält Herr Oberirabbiiner Dr. D. Feuchtwang. — Samstag, den 6. Jänner 1934, findet im Tempel, XX., Kfuckvgassc 11, bei dem um) 5 Uhr abends beginnenden Gottesdienste eine hebraiSLhe Predigt des Rabbiners Doktor B. Murmelstein statt. Bethausvorstand für den 1. und II. Bezirk. — Feierliche Jahrzeit nach Dr. Adolf Jellinek im Tempel, I., Seitenstettengasse. Aus Anlaß der 40. Wiedierkehr des Todestages des Predigers Dr. Adolf Jellinek s. A., findet Samstag, den 6. Jänner 1. J., im Tempel, I., Seitenstettengasse, im Anschluß an den Abendgottesdienst (17 Uhr) eine Gedenkfeier statt, bei welcher Herr Oberrabbincr Dr. Dawid Feuchtwang die Ansprache halten wird. Wien, im Jänner 1934. Der Präsident: Dr. Elias Münz. Israelitischer Jugendgottesdienst. Samstag, den ö. Janner 1934, findet in allen Gemeinde- und Vereins-Svnagogen der Jugendgottesdienst um 3 Uhr1 nachmittags statt. Die Kleider-Stelle der Ffirsorge-Zentrale bittet dnngendst um Zuweisung von brauchbaren ß e k 1 e :- dungsgegensiänden jeder Art. Wasche, Schuhe usw. für Männer. Frauen und Kinder. Telephonische oder schrittliche Fienaehnchtigunc; erbeten an dia Fursorse-Zentrale der Israel. Kultusgemeinde Wien, I.. beitenstettengasse 2. Telephon Ij-25-5-85. welche die Abholung veranlaßt. Lebensversicberungs-Geseilschaft PHÖNIX Aus dem Jahresbericht 1932: Versicherungsbestand S 2.728,000.000-— Prämien- und Zinsen- Susaninen , 179,000.000- Osuwrtiemitte! , 527,000.000-- Auszantomgen an dM Verefcherten „ 60,000.000 — rfi»i£l»it«2el>lel: Oesterreich, L>em»cBi;< Keich, T&cÜectuMisvakectac Republik, Fialen, Holland, Prarwreich, Spanier.. Kalles, Fürstentum Liechtenatein, Un#arn Palen, Jug»>iaviei:, Buleanen, ürie- ^.! "5*b___P.ia.t.na s„fi„„ rnA.i Tonis not1 Aegypten- ., Palästina, Syrien Gedenket Oer Winternotstandsaktion Oer KnlfusgemeiHö«! Geld- und Naturalspenden erbeten an die Fürsorge-Zentral« der isr. Kultusgemeinde Wien, I., Seiteutettcugasie 2, Telephon U-25-5^5 Serie, Poatsparkassenkonto B-1»-6S9. Eigentümer, Vorleger, Herausgeber und verantwortlicher" Redakteur: Anna Wieselberg, Studentin, Wien, II. Bezirk, Sterneckpl. 22/10. Druck: „Adria", Wien, If,, Taboretr. -52b.

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