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Palästina-Nachrichten · 1935-12-01 · Heft 23-24 (Dezember 1935) · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina-Nachrichten
Volume
2 (1935)
Issue
Heft 23-24 (Dezember 1935)
Date
1935-12-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Palästinas Architekten bei der Arbeit „Eisenbeton ist geduldig!" von Architekt Benno Gottschalk, Tel-Aviv Neben dem Bedürfnis, dem ein Bauwerk dient, haben auf seine Formen die Baustoffe einen hervorragenden Einfluß. In den Anfängen der Baukunst war der Einfluß dieses Faktors ein besonders großer. Mit zunehmender Beherrschung der technischen Mittel war es möglich, daß dieser Einfluß zum Teil zurückgedrängt oder sogar den Baustoffen eine ihnen nicht gemäße Form aufgezwungen wurde. Die Hauptbaustoffe des Altertums waren: Stein, Holz, Lehm, Erde, der gebrannte und ungebrannte Ziegel und der Mörtel. Unsere wichtigsten neuen Baustoffe sind Stahl und Eisenbeton, in Verbindung mit Glas, Steinen, Isoliermaterialien, Metallen usw. Aber gerade diese neuen Baustoffe mit den in ihnen Kegenden sehr weit gespannten Möglichkeiten erfordern ein besonderes Maß von architek tonischem Gefühl. Gerade bei ihnen ist es notwendig, die Schönheit in der Beschränkung zu finden, bei Ausnutzung aller gegebenen Möglichkeiten. Diese großen Möglichkeiten, die dem Entwerfenden gegeben sind, bilden eine große Verlockung, denen mancher Bleistift erliegt — da ist vor allem der Eisenbeton, der durch entsprechende innere Dimensionierung in sehr vielfältiger Weise und Form äußere Beanspruchungen aufnehmen kann. Darin liegt seine Bedeutung. Der Eisenbeton gibt uns die Möglichkeit, große Bäume — stützenfrei — horizontal zu überdecken. Er läßt uns Bauten in ein Tragskelett aus E. auflösen, um es je nach Bedarf mit einer Haut aus beliebigem dem Bedürfnis entsprechenden Material zu überziehen; wie Stein, Glas, Metall, Platten usw. Er erlaubt weitausragende Balkone und Schattenplaiten, Thealerrampen ohne Stützen, Brücken mit weilest gespannten Tragbalken oder Bögen. Er gibt einen ungeheuren Formen- und Konstruktionsrcichlum. Er hat unser statisches Gefühl revolutioniert. Aber seine großen Möglichkeiten, seine Willigkeit bilden eine Gefahr. Dieses schöne Material wird mißbraucht und man muß davor warnen. In der starken Baubewegung Palästinas sehen wir oft ein Wiederaufleben des Geistes der alten Stuck-Architektur. Der E. wird in Form von Platten und Plältchen, Karnisen und Kamislein, Säulen, Dachaufbaulcn und tausend anderen Formen zum Stuck degradiert; aber auch diese Erscheinung muß aus der anormalen Lage des jüdischen Volkes in seiner Vergangenheit erklärt werden. Durch lange Jahrhunderte war das jüdische Volk vom originalen Bauen abgeschnitten. Es konnte in der Diaspora keine eigene Baukultur entwickeln. Es konnte kein Bauern- und Stadthaus, keine öffentlichen und kultischen Bauten schaffen. Es hat in der Gallith keine Epoche erlebt, in der es seine Gestaltungskraft und -Liebe in der Errichtung großer Bauaufgaben üben und bilden konnte; und darum gibt es bei uns kein Erbe und Erbgut auf diesem Gebiete. Erst der Aufbau Erez Israels wird hier Wandel schaffen. Dem daraus resultierenden Mangel an Gefühl für Tektonik begegnen wir in Palästina häufig. Wir sehen eine oft kunstgewerblich und plakatmäßig wirkende Fassadenarchitektur. Häufig hat man das Gefühl, diese Architektur ist nicht plastisch empfunden, sondern auf dem Reißbrett gezeichnet. Und darum muß man fordern: Identität von Form und Konstruktion. Verständnis für den Werkstoff und seine Schönheiten, seine Gemäßheiten und seine Verarbeitung. Gefühl für den Bau als dreidimensionalen Körper, seine Lösung vom Reißbrett. Vermeidung formaler Spielereien. Auch keine Degradation des Betons zu unangebrachter Ornamentik, denn — Eisenbeton ist geduldig. Sierilcrhaus Pardess haiina Architekten: Lotte Cohn - Josef Mahrer Photo: J. Kalter Bebauung der „Reclaimed Area" im Haifaer Hafen von Architekt Robert Friedmann, Haifa Wie in den PN. bereits berichtet wurde, fand vom >.3. bis 37. Juni d. J. im Garten des District Office in Haifa die zweite Verpachtung von Plätzen in der Hafenzone an den Höchstbietenden statt. Während bei der ersten Auktion Ende September 193/1 nur Lagerhausplätze zum Aufgebot kamen, handelte es sich diesmal ausschließlich um Plätze für Geschäftshäuser, und zwar an der Nordseite des Kingway, der großen neuen Hauptgeschäftsstraße, die den llafenanlagen in voller Länge vom Bahnhof bis zur deutschen Kolonie vorgelagert ist, insgesamt um 40 Plätze in verschiedenen Größen, zusammen etwa 19 Dunam. Einer der allerbestgelegenen Plätze am llafeneingang ist für das Jüdische Verwaltungszentrum mit Iminigranlen-Empfangslalion von der englischen Regierung reserviert worden. Entsprechend der künftigen Be- Ein Haus für Sie in Palästina! Schlüsselfertig in Palästina errichtet / Jahrelang im In- 11. Ausland erprobte und bewährte Massivbau weise / Reichsmarkzahlung bis zu 60% der Baukosten in Deutschland (ohne Anrechnung auf Vorzeigegeld und Sonderkonto) Hypothekenbeschaffung für Restbaukosten in Palästina möglich / Erste Referenzen auch aus Palästina Auskunft und Prospekt B3 über Böhler-Massivhäuser durch: Export Bau- und Handels-Gesellschaft, Berlin W 50 Tauentzienstraße 12a / Fernruf: B4 ßavaria 3611/12 in Palästina durch: Palestine Building Syndicate Ltd., Tel Aviv Allenby Road 72, P. O. B. 1099 3

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