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Palästina-Nachrichten · 1935-12-12 · Heft 22 (12.12.1935) · p. Seite 4

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Journal
Palästina-Nachrichten
Volume
2 (1935)
Issue
Heft 22 (12.12.1935)
Date
1935-12-12
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Die Pflanzungen in Kirjalh-Anavim (i3 km voji Jerusalem, an der Chaussee nach Jaffa—Tel-Aviv gelegen) waren von den Begründern gedacht als Ausgangspunkt der nördlichen Obstbäume für das ganze Land. Um diese Aufgabe zu erfüllen, wurden zunächst edelste Sorten aus Ländern mit ähnlichem Klima, die sich dort bewährt hatten, eingeführt. Eben wie bei der Orangenkultur ihre Bedeutung auf der besten Sorte, die Jaffaorange oder auch Schamuliorange genannt, — bei der Grape-Fruil-Kultur auf der Sorte Marsch-Seedless beruht, und die Grundlage des wirtschaftlichen Erfolges ausmacht, — ebenso verhält es sich mit den anderen Obstarten; d. h., daß nur die besten Sorten den Anbau rentabel machen. Da somit die Frage des Sortiments die wirtschaftliche Grundlage des Obstbaues ist, wurde, außer einer gewissen Auswahl der besten Sorten, ein sogenannter Obsimuttergarteii angelegt, dessen Aufgabe und Bedeutung darin liegen sollte, Edelreiser von solchen Sorten, die als die Besten unter den Besten, sicherwiesen hatten, zur Veredelung im ganzen Lande zu verbreiten. Dieser Obstmuttergarlen wurde so bestellt, daß je Sorte vier Bäume angepflanzt wurden, die aus Kalifornien, Südfrankreich und Italien eingeführt waren. Seit Bestehen dieser Anlage haben sich mehrere Sorten besonders durch ihre schönen Früchte und ihre Fruchtbarkeil ausgezeichnet, und diese werden jetzt zur weiteren Vermehrung in den Siedlungen verwendet. Bis vor kurzem hat man im Lande nur das aus Kalifornien und Australien importierte Obst gesehen. Das städtische Publikum kann jetzt zu seiner Überraschung wahrnehmen, daß nicht nur herrliche Orangen und Grape-Fruil in Palästina wachsen und durch ihre hervorragende Qualität auf den ausländischen Märkten mit der kalifornischen und der Jkricldm: .,Der Einzelhandel kurbelt an!" So etwa könnte das Motto lauten für eine umfassende Propaganda-Aktion, die gegenwärtig gemeinsam vom Tel-Aviver Einzelhandelsverband und vom Tozereth-lIaarelz-Komitee vorbereitet wird. Vom 21. bis zum 28. Dezember, während der Ghanukkah-Feierlage, wird in Tel- Aviv die erste kollektive Werbewoche stattfinden, unter der Bezeichnung ..Schewua Habizaron"' („Woche der Konsolidierung*'). Vorgesehen sind insbesondere ein das ganze Stadtgebiet umfassender Schaufensterwettbewerb, eine Modenschau, ein Reklameball, dazu eine Fülle von Rabalten und Einkaufsvergünsligungen. Die gesamte Tagespresse hat sich in den Dienst der Aktion gestellt, in dem Bewußtsein, daß die Einkäufe der Konsumenten das wichtigste Mittel zur Auftrags¬ und Arbeitsbeschaffung sind. Dr. J. A. Produktion anderer Länder Jvonkurrieren können, sondern daß auch das Land befähigt ist, vor allem ausgezeichnete Äpfel, Pflaumen und Pfirsiche hervorzubringen. In Bezug auf Birnen, Aprikosen und Kirschen ist auch kein Zweifel, daß die richtigen Standardsorlen bald herausgefunden sein werden. Vorläufig aber kann man sich auf die günstigen Erfolge, die man mit ersleren Arten gemacht hat, verlasse«, und auf dieser Grundlage kommerziell werlvolle, d. h. hochrentable Obstgärten (bestehend aus den passenden Sorten dieser Arten) aufbauen. Die besten Sorten erslerer Arien (Äpfel, Pflaumen. Pfirsiche) seien hier kurz besprochen: Äpfel: Die schönsten und größten Äpfel aus Kirjath-Anavim und Mischmar Haemek ergeben die Sorten: „Unvergleichlicher Peasgood", „Alexander der Große", „Charlamover" und „Durchscheinender aus Croncels". Alle diese Apfelsorten sind Sommersorten und werden zu einer Zeit reif, wo es keine anderen Früchte in Palästina gibt. Sie erzielen daher bei der städtischen Bevölkerung, besonders den jüdischen Neueinwanderern, die an europäisches Obst gewöhnt sind, außerordentliche Preise, variierend zwischen 6 und 9 Piaster pro Kilo. Den Pflanzern bleibt bei diesen Preisen ein Erlös von 20 bis 3o £P. und ein Reingewinn von ii) bis 2« £P. pro Dunam, oder 100 bis 180 £P. pro Hektar. Eine sehr hohe Summe, verglichen mit Einnahmeergebnissen von Obstkulturen in Mitteleuropa. Im Durchschnitt kann mit. einem Erlrag von iöoo bis 2000 kg pro Dunam gerechnet weiden. Dabei ist zu berücksichtigen, daß diese Ergebnisse gewonnen sind aus Gärten ohne jegliche Bewässerung. Würde Bewässerung vorgenommen, — sogar in geringem Maße, — etwa ein Viertel der Wassermenge, die für Zytrusfrüchtc verwandt wird, so könnte der Erlrag um 20 bis 3o°/o höher veranschlagt; werden. Besonders schön in der Färbung und der Form, und vortrefflich im Geschmack, sind die Apfelsorten im Gebirge, in der Gegend um Jerusalem, die in einer Höhe von etwa 700 m über dem Meeresspiegel wachsen. Die Höhenluft ist sehr nützlich und wohltätig für diese Kömmlinge aus dem Norden, wie überhaupt die Bergluft in diesen Höhen besonders bekömmlich ist für Mensch, Tier und Pflanze. FÜr AUSWat"lderer, insbesondere aus Rheinland u. Westfalen Devisenrechtliche Beratung. | Beratung bei Vermögensanlagen in Palästina. / Einziehung und Verwaltung des in Deutschland zurückbleibenden Vermögens. | Rechts- und Wirtschaftsberatung. Treuhandburo Dr.jur. Max Mendel I ■ Dr.jur. Dr. rer. pol. Josef Neuberger Dipl-Kfm. _Düsseldorf, Schadowstr. 26 ■ Tel. 21304 Pflaumen: Bei den Pflaumen haben sich vor allem die aus Kalifornien eingeführten Sorlen ausgezeichnet. Es sind dies in erster Linie: ,,Kelsev'\ „Ogden", „Santa Rosa*', ,,Burbanks" und „Wiekson". Sorlen, die in Europa noch wenig verbreitet sind, und hier, genau wie in Austrab'en, Kalifornien und Südafrika wunderbar gedeihen, und zwar sowohl im Gebirge als auch in der Ebene. Die Ernten beginnen, ebenso wie bei den Äpfeln im vierten, fünften Jahre nach der Pflanzung. Die Preise, Roh- und Reineinnahmen, die erzielt werden, sind womöglich noch höher als bei den Äpfeln. Der lokale Markt konsumiert den ganzen Ernteertrag, und wird für die nächste Zukunft weiterbin dazu imstande sein. (Fortsetzung folgt.) Die Orangen Ve r schiffimgen Im Laufe der gegenwärtigen Exportsaison haben bis zum :>/|. November /|8o 100 Kisten Zitrusfrüchte Palästina verlassen, davon 2C1 097 Kisten Grapefruits, 18072 Zitronen und der Rest Orangen, deren Export ja erst am i5. November begonnen hat. Preise Die Preise für Grapefruits sind in England stark gefallen; in Liverpool wurden nur 9/9 bis io/3 Sh., in London 10/C bis 12/0 Sh. erzielt. Orangen sind noch nicht auf den britischen Markt gekommen. Die ersten Verschiffungen, -die in den palästinensischen Häfen am i5. 11. 35 begannen, sind zwar bereits in England eingetroffen. Die Schiffe warteten jedoch mit der Löschung bis zum 1. 12., weil erst an diesem Tage der billigere Zolltarif in Kraft trat. Bisher sind nach Großbritannien rd. 120000 Kisten Zitrusfrüchte aus Palästina versandt worden. Die Eröffnungspreise bewegten sich zwischen 101/2 und i/iVd Shilling. Tn Palästina selbst sind die Orangenpreise mit- Rücksicht auf die Sühnemaßnahmen gegen Italien um 2 5% gestiegen. Die Inspektion durch die Behörden bei der Ausfuhr ist verschärft worden, so daß man damit rechnet, daß in diesem Citrus jähr nicht mehr als 6 Mill. Kisten Orangen und 1 Mill. Kisten: Grapefrüchte verschifft werden. Die Zitronenpreise haben in England angezogen, ebenfalls im Hinblick auf die durch die Sanktionen erwartete Verknappung. Wie die palästinensische Mandatsregierung jetzt bekannt gibt, werden 7000 £P. für die Werbungsmaßnahmen zugunsten der Jaffa-Orange auf dem Kontinent und in anderen überseeischen Ländern ausgegeben werden. Die Aufwendungen für Reklame in England sind liierin nicht einbegriffen. Das erste Palästina-Orangen-Spezialschiff der Welt! Für den 2/1. November wird in Jaffa die erstmalige Ankunft des ersten Spezialdampfers der Well, der eigens für den Transport von Palästina-Orangen gebaut ist, erwartet, der „Karmel Ejell", der norwegischen Reederei Olsen & Ugelstad in Oslo gehörig. 4

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