Palästina-Nachrichten
- Journal
- Palästina-Nachrichten
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- Heft 21 (22.11.1935)
- Date
- 1935-11-22
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2550047-2550067-2550085--350-3528079- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
dieses Gesichtspunktes ergibt sich, vor allem daraus, daß die Importeure der Nachbarländer erfahrungsgemäß die Anknüpfung von Handelsbeziehungen gewöhnlich davon abhängig machen, daß ihnen laufende Offerlen in denjenigen Artikeln gemacht werden, nach denen jeweils Nachfrage besteht. Sie haben weder Möglichkeit noch Neigung, anstelle eines Exporteurs Beziehungen zu zehn oder zwanzig Fabrikanten aufzunehmen, von denen mindestens ein Teil nicht in der Lage ist, verwendbare Offerten zu machen. Aus diesem Grunde unterbleibt häufig überhaupt die Ausnutzung einer Exporlchance, die vielleicht von größter Bedeutung gewesen wäre. Dazu kommt, daß der Exporteur, der zahlreiche Produktionsfirmen hinter sich hat, in der Lage ist, eine rationelle Propaganda zu betreiben. So hat beispielsweise die ,,Levant Trade Company", deren Partner der Verfasser ist, Erzeugnisse der jüdisch-palästinensischen Industrie unter Propagierung der „Tozerelh-Haarelz"-Devise mit gutem Erfolg in den jüdischen Zentren Ost- und Westeuropas angeboten. Gerade diesem Gesichtspunkt kommt im Hinblick darauf besondere Bedeutung zu, daß die jüdischen Volksgenossen außerhalb Palästinas sich jetzt weitaus mehr als früher mit ihrem Lande verbunden fühlen. Wie es stets das Bestreben der im Auslande lebenden Angehörigen anderer Nationen war, die Erzeugnisse ihres Heimatlandes auch in der Fremde zu kaufen, so gewöhnen sich die Juden mehr und mehr daran, palästinensische Erzeugnisse als die Erzeugnisse ihrer Heimat anzusehen und daher beim Kauf zu bevorzugen. Die Propagandawirkung kann dadurch verstärkt werden, daß ein bestimmter Prozentsatz des Exporterlöses als Abgabe an den jüdischen Nationalfonds überwiesen und dies in geeig- Vom Iran und seinen Eisenbahnen Von Dr. Ahron Eliasberg, Jerusalem Am Schluß seines instruktiven Artikels über Bahnbauten in Vorderasien (Nr. i3 der „Palästina-Nachrichten") äußert der Verfasser Zweifel an der wirtschaftlichen Berechtigung der Transiranischen Bahn, die m. E. den Verhältnissen nicht entsprechen. Zunächst: Die Rolle des jetzigen Schahs sollte nicht ironisch behandelt werden. Risa Chan ist kein gewöhnlicher Despot orientalischer Prägung. Der Reformator Irans ist schon eine führende Persönlichkeit. Sein Einfluß auf die Wirtschaft und Verwaltung des Landes wurde bereits io3i von Lord Lamingion im Oberhaus rühmend hervorgehoben. Sein zähes Eintreten für die Errichtung der großen Nordsüdverbindung neler Form bekannt gemacht wird. Neben einer Erhöhung der palästinensischen Exporlziffern würde dadurch auch eine finanzielle Stärkung des Nalionalfonds erreicht werden. Häufig ist der Mangel an den notwendigen Kapitalien ein Hindernis für Exporte. Auch in diesem Falle ist es Aufgabe des Exporteurs, einzugreifen und von sich aus die Finanzierung vorzunehmen. Diese Notwendigkeit wird sich vor allem bei kleineren, an sich leistungsfähigen aber kapilalarmen Produktionsunternehmungen ergeben. Schließlich muß auf eine Aufgabe des Exporteurs hingewiesen werden, die bei richtiger Erkenntnis und Auswertung von außerordentlich großer Bedeutung sein kann. Bekanntlich ist Palästina wegen seiner völkerrechtlichen Stellung als Mandatsland grundsätzlich nicht in der Lage, mit anderen Ländern Handelsverträge auf der Grundlage des Warenaustausches zu schließen, liier hat der Exporteur die Möglichkeit, einzugreifen und diesen Mangel durch private Vereinbarungen auszugleichen. Soweit er gleichzeitig Importeur ist, kann er von seinen Lieferanten im Auslande die Ahnahme palästinensischer Produkte im Tauschwege verlangen. Daß derartige Tauschgeschäfte möglich sind, lehrt die Erfahrung der Länder, die gesetzlich ganz oder teilweise Importe nur zulassen, wenn der Importeur ein entsprechendes Export-Gegengeschäft vornimmt oder ermöglicht. Soweit der palästinensische Exporteur nicht selbst gleichzeitig Importgeschäfte macht, ist er leicht in der Lage, eine entsprechende Arbeitsgemeinschaft mit einem geeigneten Imporluntcrnehmen einzuleiten. Bei der Bedeutung, die Palästina in letzter Zeit auf dem Weltmarkt als Abnehmer erlangt hat, wird die Durchführung dessen nicht auf unüberwindliche Schwierigkeilen stoßen. Wirtschaftssystems von Grund aus umwandelt, den neuen Slaalen in Nah- und Mittel-Ost aber erst ihre wirtschaftliche Daseinsform gibt. Die Regierung Irans hat — gleich der türkischen, der ägyptischen, ja, sogar der afghanischen — ein autarkisches Programm verkündet und führt es konsequent durch. Im Anfang war natürlich die Textilindustrie. Im Jahre ip,33 erschienen die ersten selbst erzeugten Stoffe auf dem Markt. Seitdem sind mehrere Texiiifabriken hinzugekommen und die Produktion wächst weiter. Es sind im Laufe von zwei Jahren an die zehn Zuckerfabriken entstanden. Die Zemenlindustrie deckt den ganzen Landesbedarf —- starke Bautätigkeit! — und hat den japanischen Import trotz dessen Verbilligung um 5oo/o verdrängl. Auf vielen anderen Gebieten werden Fabriken gleichfalls errichtet. Die Arztsperre „Numerus clausus" für Aerzte in Kraft gesetzt! Das Gesetz über einen „Numerus clausus" für die Lizenzierung von Ärzten, die nach dem i. Dezember i()35 einwandern, dessen Entwurf am 20. Juli io35 veröffentlicht worden war, ist nunmehr von der Regierung in Kraft gesetzl worden. Der „Numerus clausus" wird sich nicht auf festangestellte Ärzte beziehen. Über die Zahl der jährlichen Zulassungen ist noch nichts Authentisches bekannt gegeben worden. Im September ig3o wurden neu lizenziert: 26 Är/.le, 4 Zahnärzte, 8 Apotheker und 3 Hebammen. Aus Deutschland dürften in den letzten zwei bis drei Wochen etwa 120 Ärzte zwecks Erhalt der Lizenz nach Palästina eingereist sein. Die ersten Orangen Am i5. November, dem frühesten amtlich erlaubten Verschiff ungslermin für Orangen, haben bereits rund 100000 Kisten Jaffa verlassen, hauptsächlich nach Großbritannien und Skandinavien. Die bisher für Zitronen und Grapefruits erzielten Preise (in Großbritannien für Zitronen if\ bis iS, für Grapefruits 10 bis i5 engl. Shilling pro Kiste) werden unter Berücksichtigung der heutigen Weltmarkllage als nicht ungünstig bezeichnet. Für Orangen erwartet man englische Anfangspreise von etwa 10 bis 1^/2 Shilling pro Kiste. Die neueste Ernleschätzung des Regierungs-LandAvirtschaftsdeparlments für die laufende Saison spricht von etwa G1/* Millionen Kisten Orangen und 1—11/4 Millionen Kisten Grapefruits. — der Traum der russischen Mittelasienpolitik der Vorkriegszeil, polilisch-stralogische Gesichtspunkte spielen heule natürlich auch mit — entspringt einer Anschauung, die nicht er erdacht hat, nämlich, daß die Eisenbahnen dem Gütertransport dienend ihn andererseits durch Entwicklung von Landwirtschaft und Industrie hervorrufen. Mit Rechl erwähnt daher der Verfasser „das Streben des Landes nach eigener Industrialisierung". Dieser Gesichtspunkt ist entscheidend. Besagtes Streben ist Teilerscheinung des durch den Krieg und seine Folgen — Arbeitslosigkeit von Menschen und Kapitalien —die Wirtschaftspolitik der ganzen Welt beherrschenden Zuges zur Autarkie. Eine Revolution, die die allen Glieder des abendländischen Die vor allem für den Inlandbedarf erzeugten Waren sind zu transportieren, ebenso wie die zur Ernährung der rapid wachsenden Stadtzentren benötigten Lebensmittel. Dazu die Exportware. Der Reisanbau hat zweifellos eine Zukunft. Kann er wirklich nicht auf den Weltmärkten konkurrieren — was sich erst in der Zukunft erweisen wird —, die USA wird ihn bestimmt abnehmen. Deren aktive Beteiligung am Aufbau Irans nimmt zu, und der Iranreis ist eines der Zahlungsmittel. Im vorigen Sommer haben die russischen Reiskäufe bereits zu einer Preissteigerung auf dem iranischen Markt geführt. Auch der Baumwollanbau, der über den Landesbedarf hinausgeht, ist ein aussichtsreiches Exporlobjekt, das der japanischen Kundschaft heule bereits sicher ist. Die gewaltige (oft gewalt- 2