Palästina-Nachrichten
- Journal
- Palästina-Nachrichten
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- Heft 21 (22.11.1935)
- Date
- 1935-11-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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NACHRIC ZEITSCHRIFT FÜR WIRTSCHAFTSENTWICKLUNG IM VORDEREN ORIENT Palestine News. Periodical lor fhe Promotion of fhe economic development of fhe Near East Verlag Ernit KÖsIcnbaum, Berlin SV/19, Neue Grünste 30. Fernsprecher« A6 Merkur 7413. — Generalvertretung für Palästina: Heinz Zeimann, Tel-Aviv, Dizengoffstr. 159. — Die P. N erscheinen zweimal im Monat. Bezugspreis für •biruzr-pR myn* n,l7DVDn mnn9nn,7 pny anpn mron bv Deutschland, Osterreich und Danzig RM 1,20 pro Quartal, alle anderen Länder RM 1.50. Postscheckkonto Berlin 37991. Anzeigen laut Tarif. Anzeigen-Generalvertretung: Herbert Hirsch, Berlin SW19, Neu» Grünstrafje 30 Jahrgang II Nr. 21 Schriftleitung: Dr. E. F. Ascher Berlin, 22. November 1935 fJuLdi lju j>- i.'.-U „U ^mj&\ J^JI J ^U5Vi Der Exporteur Icämpff für die Zukunft Von Dr. Rudolf Piclc Regelmäßig wird von verantwortungsbewußter Seite auf das erschreckende Bild der palästinensischen Außenhandelsbilanz hingewiesen, deren Einfuhrseite um ein Vielfaches die Exportseile übersteigt. Zahlreich sind auch die Untersuchungen darüber, ob und gegebenenfalls in welchem Umfange Palästina jetzt und in der Zukunft in der Lage sein kann, seine Erzeugnisse zu exportieren. Das Ergebnis dieser Untersuchungen ist im Wesentlichen durchaus positiv. Daß Palästina an sich zum Export geeignete Ware produziert, ist von sachkundiger Seite häufig dargelegt worden. Auch in den Preisen kann das Land mit einer Reihe von Produkten bereits als Konkurrent europäischer und amerikanischer Unternehmungen auftreten. Gewisse die Produktion verteuernde Komponenten (hohe Löhne, Mangel rationalisierter Großbetriebe, hohe Mielsbelastungen) werden mindestens teilweise durch andere Momente wieder ausgeglichen (geringe Belastung durch steuerliche und soziale Abgaben u. a.). Soweit es sich um die Nachbarländer als Abnehmer handelt, hat Palästina schließlich den Vorteil, daß es seine Waren nach den unter französischem Mandat befindlichen Gebieten (Syrien, Libanon und Lattaquie) auf Grund eines Zollvertrages ohne Zollbelastung exportieren kann, daß seine Exportwaren mit weniger Frachlspesen belastet sind und daß es die Aufträge seiner Nachbarn weit schneller ausführen kann, als dies die europäische und amerikanische Konkurrenz vermag. Insbesondere dieser letztere Umstand kann gewissen Fabrikationszweigen einen ausschlaggebenden Vorsprung gegenüber der Konkurrenz geben. Aus alledem ergibt sich, daß die Möglichkeit von Exporten palästinensischer Erzeugnisse durchaus zu bejahen ist. Wozu braucht man zur Verwirklichung dieser Möglichkeit aber einen Exporteur, wird man fragen. Die palästinensische Industrie kann doch die Zwischengewinne des Exporteurs sparen und selbst dessen Aufgaben übernehmen. Daß diese Auffassung nicht richtig ist, ergibt sich deduktiv z. T. allein schon aus der Tatsache, daß die palästinensischen Exporte — vom Fruchtexport abgesehen — ein minimales Maß nicht übersteigen konnten. Dies hat neben anderem seinen Grund darin, daß man es in Palästina heute zum großen Teil mit mittleren und kleineren Produzenten zu tun hat, denen es genügt, daß sie ihre Erzeugnisse vorläufig in befriedigendem Maße im Inlande selbst absetzen. Sie haben aus diesem Grunde nicht das geringste Bedürfnis, die Arbeit und das Risiko von Exportgeschäften auf sich zu nehmen, zumal sie mangels Erfahrungen häufig gar nicht in der Lage sind, lohnende Exportverbindungen anzuknüpfen. Daß eines Tages der Zeitpunkt gekommen sein wird, an dem die Aufnahmefähigkeit des eigenen Landes nachläßt, ist dem Einsichtigen klar. Aufgabe des Exporteurs ist es daher, in allen diesen Fällen zunächst einmal die" Initiative für einen Export zu geben. Weiterhin gehört es zu seinen Aufgaben, eine systematische Exportorganisierung vorzunehmen. Es ist nötig, diejenigen Betriebe, die überhaupt mit ihren Erzeugnissen exportfähig sind, auszuwählen und zusammenzufassen. Die Wichtigkeit Die Sanktionen Da am 18. November die Völkerbunds-Sanktionen gegen Italien in Kraft getreten sind, da weiterhin Großbritannien früheren Meldungen zuwider eine Verminderung seiner gegenwärtigen Flottenstärke im Mittelmeer noch nicht beschlossen hat, da schließlich der italienisch-abessinische Feldzug sich als ein langwieriges Unternehmen zeigt, so hält die politische Spannung im Mittelmeerraum — die vor einigen Wochen etwas nachzulassen schien — vorläufig mit aller Stärke an und zieht das Wirtschaftsleben der gesamten Levante, auch Palästina, nach wie vor in Mitleidenschaft. Die Lage wird dadurch verschärft, daß die Regenzeit relativ früh mit großer Kraft eingesetzt und die Bauarbeilen, sowie die landwirtschaftlichen Außenarbeiten ziemlich erschwert hat. Die Kreditrestriktionen dauern noch an. Das Publikum begrenzt seine Einkäufe auf notwendigste Bedarfsdeckung. Die soziale Situation wird durch die Klagen über erhöhte Bröl-, Butter-, Eier- und Geflügel preise gekennzeichnet. Die Notstandsavbeiten der Regierung und der Munizipalitäten kommen nach allgemeiner Auffassung zu langsam in Gang, zumal da die Regierung sich noch immer nicht dazu entschließen kann, aus ihrem bereits 6 Millionen £P. überschreitenden Reservefonds Sonderzuweisungen für diesen Zweck den Munizipalitäten zu gewähren. Wie soeben gerüchtweise verlautet, beabsichtigt die Regierung den kleineren Banken durch Übernahme von Garantien bis zum Gesamtbeträge von 5oo ooo £P. die Erweiterung ihres Kreditrahmens zu ermöglichen; jedoch liegt hierfür bisher noch keine Bestätigung vor. Dr. J. A. Im Anschluß an die von Großbritannien beschlossenen Sanktionen hat auch die britische Mandatsverwaltung Palästinas ein Verbot der Ausfuhr von Kriegsmaterial nach Italien und dessen Kolonien erlassen. l