Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 3 (1932-1933)
- Issue
- 3-4 (August 1933)
- Date
- 1933-08-01
- Page
- Seite 214 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2416673-2416686-2416689--0900-3528053- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Macht zugeschrieben wurde, die sich noch übers Grab hinaus betätigen sollte. Dadurch entstand jedenfalls die Sage, er hätte hinterlassen, daß ein jeder, den ein Leid drücke, an seinem Grabe ein andächtiges Gebet verrichte, worauf ihm geholfen würde. In dem einzigen Manuskripte, das sich noch von ihm erhalten hat, findet sich für diese Sage kein Anhaltspunkt. Jedenfalls stammt diese Sage nicht aus der neuesten Zeit. Denn nach dem Brande der Judengasse in Tachau im Jahre 1818 sollen sich die Juden bittere Vorwürfe gemacht haben, daß sie das Grab des Rabbi Nachum vernachlässigt, diesem Umstände die Schuld beimaßen, daß dieser Brand so verheerende Formen angenommen hat. Dies wird die Judengemeinde veranlaßt haben, um den Fehler gutzumachen, auf dem Grabe einen neuen Grabstein zu errichten. Die Kupferplatte in diesem Steine scheint aus jener Zeit herzurühren. Denn einer Familientradition zufolge hat Rabbi Emanuel Hirsch, ein Schüler des Rabbi Nachum, gemeinschaftlich mit dem damaligen Rabbiner Markus Egerer diese Platte verfertigt, zumal Rabbi Egerer auf dessen Hilfe angewiesen war, da ihm an der rechten Hand ein Finger fehlte, was ihn bei dei Arbeit behinderte. Es scheint demnach die Ansicht des Verfassers der „Geschichte der Juden in Tachau" gerechtfertigt zu sein, nach welcher Rabbi Nachum die Inschrift verfaßte und für seinen Grabstein bestimmt haben mochte, welche dann von Rabbi Mendl Hirsch gemeinschaftlich mit Rabbi Markus Egerer in die Kupferplatte eingraviert wurde. Überlieferungen zufolge soll dann dieser Stein unter starker Beteiligung der jüdischen Bevölkerung aufgestellt worden sein, wobei ein eigenes Gebet, ein Akrostichon, bei dem Grabe verrichtet wurde. Die Anfangsbuchstaben sollen die Worte „Nachum" ergeben und der Schlußvers „Nachum Nachem jenachem" gelautet haben. Dieses Gebet scheint sich jedoch nicht erhalten zu haben, da es nicht auffindbar ist.2 Einer Episode vom Brande in der Judengasse im Jahre 1818 sei hier noch gedacht, da diese die hier oft genannte Familie Emanuel. Hirsch betrifft: „Die Mutter der Frau des Emanuel Hirsch, namens Awigajil, geb. Austerholz aus Neu Zedlisch, Wawe genannt, hatte ihr ganzes Barvermögen in 10 Töpfen mit Silberzwanzigern auf dem Boden verborgen, als der Brand zum Aus- 214