Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 3 (1932-1933)
- Issue
- 3-4 (August 1933)
- Date
- 1933-08-01
- Page
- Seite 170 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2416673-2416686-2416689--0856-3528009- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Diese wenigen Andeutungen müssen für den Augenblick genügen; dem Kundigen sagen sie wohl alles. Es hat aber fast den Anschein, als betrachtete die österreichische Judenschaft sich in der Tat als in Liquidation befindlich und alles Forschen nach ihrer eigenen Geschichte angesichts des Ernstes ihrer Lage, als müßig. Dennoch sollte, wie gerade der nichtjüdische Historiker gefühlsmäßig meist richtig urteilt, im Angesicht dieser Lage erst recht alles darangesetzt werden, der nichtjüdischen Öffentlichkeit zu zeigen, wie alt und wie tief, wie mannigfaltig und — wie unlösbar die Verbundenheit des jüdischen Bevölkerungsteiles mit dem Lande immer war. Aber auch dann, wenn aus diesem historischen Verbundensein nicht zwangsläufig auf eine weitere Dauer dieses Verhältnisses geschlossen werden sollte, dann erst recht hat der jüdische Historiker das Wort. Denn dann muß erst recht der ganze Bestand an Geschichtsquellen in der Diaspora für das jüdische Volk gesichert werden. In keinem Falle aber sollte es weiter möglich sein, daß wichtige Akten, wie dies am 15. Juli 1927 im Wiener Justizpalast geschah, zugrundegehen, ohne daß die jüdische Geschichtsforschung sich rechtzeitig um ihre Sichtung und Aufzeichnung gekümmert hätte und daß, wie dies beispielsweise in Krems, Laa a/Th., Grafenwörth und Michelstetten der Fall ist, trotz und während des Bestehens einer „Historischen Kommission" und einer „Gesellschaft zur Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums" Denkmäler spurlos verschwinden. Und schließlich kann — da ich nun einmal gezwungen bin, pro domo zu sprechen — ich selbst nicht immer, wie es in Hainburg der Fall war, die Kosten für die Freilegung eines Denkmals aus eigenem tragen . . . 1 U. a. in der „Revue des Etudes juives XXjVlII, 1894. 2 Die Juden in Österreich, Leipzig 1842. * Die letzte Vertreibung der Juden aus Wien u. Niederösterreich, Wien 1889. 4 Zeitschr. für die Gesch. der Juden in der Tschechoslowakei, 1. Jg. Heft 1. * I. Das Judenbuch der Scheffstraße zu Wien. Von A. Goldmann. IL Das Wiener Ghetto, seine Häuser u. seine Bewohner. Von Ign. Scfawarz. IH. Jüd. Privatbriefe aus dem Jahre 1619. Von A. Landau und B. Wachstein. 170