Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 3 (1932-1933)
- Issue
- 3-4 (August 1933)
- Date
- 1933-08-01
- Page
- Seite 169 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2416673-2416686-2416689--0855-3528008- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
bewegen sich auch die Arbeiten dieser Kandidaten in längst ausgefahrenen Geleisen und fast keinem von ihnen fällt es ein, sich dei in den Wiener Archiven in so reichem Ausmaße der Forschung harrenden Arbeit anzunehmen. Es kann hier nicht etwa eine Art „Archivbericht" gegeben werden, in dem darzustellen wäre, was in Österreich an Dokumenten zur jüdischen Geschichte noch zu finden wäre und wo diese Dokumente und sonstigen Geschichtsquellen zu suchen sind. Dutzende wirklich wertvoller Doktorarbeiten könnten aus diesem Stoff geschnitten werden, dabei aber auch der jüdischen Geschichtsforschung die so notwendige Detailforschung geliefert werden, ohne die eine moderne Gesamtgeschichte der Juden in Mitteleuropa nicht denkbar ist. Ich habe ernsten Reflektanten immer bereitwillig die Wege zu solchen Quellen gewiesen — freilich sind sie sie nicht immer gegangen — und bin noch immer gerne bereit, Hinweise zu geben. Auch meine Arbeiten11 „Synagogenbauten und deren Reste in Niederösterreich", sowie „Die jüdischen Landgemeinden in Niederösterreich"12 enthalten genügende Hinweise dieser Art. Bloß beispielsweise mögen aber hier aus der Fülle des Stoffes zv/ei Fälle mitgeteilt werden, die der Untersuchung dankbare Aufgaben zu bieten geeignet wären. In einer uralten historischen Zeitschrift13 findet sich eine Notiz, aus der hervorgeht, daß im Jahre 1790 im Hause Nr. 66 auf der Haide (in Wien?) ein „Grabstein der Juden gefunden worden sei, der gegenwärtig als Eckstein dieses Hauses aufgestellt ist". Es wäre nun gewiß der Mühe wert, einmal dieser Notiz nachzugehen und die weiteren Schicksale eines solchen Grabsteines zu verfolgen. Ganz bestimmt noch interessanter und lohnender wäre aber folgende Aufgabe: W a c h s t e i n14 bemerkt über den bekannten Führer der Wiener Judengemeinde Koppel F r ä n k e 1, welcher Art der Einfluß dieses Mannes in finanzieller Hinsicht ausgeübt habe, welcher Art überhaupt seine Tätigkeit in Wien gewesen sei, könne erst eine eingehende Durchforschung der Wiener Archive lehren. Nun ist mir gelegentlich meiner Arbeiten im niederösterreichischen Landesarchiv (G. 4. 8) ein umfangreiches Konvolut untergekommen, das über die Stellung und die geschäftlichen Verbindungen des „Jacob Fränckhel, Hoff- und ainer Löbl. N. ö. Landschafft bestellter Judt", Aufschluß gibt. 169