Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 3 (1932-1933)
- Issue
- 3-4 (August 1933)
- Date
- 1933-08-01
- Page
- Seite 166 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Jüdische Geschichtsforschung in Österreich, Von Dr. L. Moses, Wien. Mit dem vorigen Hefte hat die Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei begonnen, ihr Augenmerk auch der Geschichte der Juden im heutigen Österreich zuzuwenden. Sie hat damit das geistige Erbe des „Jüdischen Archivs" angetreten, das aus pekuniären Gründen nur 1% Jahrgänge erlebte. Nunmehr wird also wohl, wenn auch in noch so bescheidenem Ausmaße, auch der Geschichte der Juden in Österreich wieder ein Organ zur Verfügung stehen und es ergibt sich damit von selbst der Anlaß für einen Oberblick über den gegenwärtigen Stand der jüdischen Geschichtsforschung in Österreich und für einen Ausblick auf die Aufgaben, die ihrer noch harren. Abgesehen von S. Schweinburg-Eibenschitz,1 Josef v. Wertheimer2 und David Kaufmann3 ist es lediglich ein Mann, der mit seinen Publikationen lange Zeit allein alles bestritt, was im 19. Jahrhundert an jüdischer Geschichtsforschung und Geschichtschreibung in Österreich geleistet wurde. Einen guten Überblick über die von diesem einzelnen, es ist Gerson Wolf, bewältigte Arbeit, gewährt die von Wachstein veröffentlichte Bibliographie der Schriften Gerson Wolfs,4 die dem Fachmann nicht nur Bewunderung für das Lebenswerk dieses Altmeisters der jüdischen Forschung abringt, sondern ihm zugleich auch zeigt, was zu tun noch übrig blieb und oft bereits unwiederbringlich versäumt wurde. Es ist sicherlich nicht zum geringsten Teil dem bahnbrechenden Wirken Wolfs zuzuschreiben, d?*S sich um die Jahrhundertwende auf Anregung des Vorstandsmitgliedes Dr. Maximilian Steiner der Vorstand der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde entschloß, eine „Historische K o m m i s s i o n" ins Leben zu rufen, deren Bestimmung es war, was Gerson Wolf allein begonnen hatte, in systematischer Zusammenarbeit fortzuführen. So kamen im Laufe der letzten 25 Jahre zehn Werke5 zustande, deren Stoffauswahl der „Kommission" nur zur Ehre gereicht, wobei freilich die österreichische Provinz schlecht abschneidet, da 166