Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 4 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 226 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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keine Kunstschätze und Prunkstücke großen materiellen Wertes, so sind es für uns dennoch teuere Reliquien. In chronologischer Folge reihen sich hier Dokumente aus der Geschichte der Juden in der Slowakei aneinander. Nahezu vollständig erscheint vor uns die Vergangenheit der Juden des ehemaligen Komitates Säros. Das vergilbte Privileg des Königs Mathias aus dem XV. Jahrhundert sichert der Handelszunft den Ausschluß jüd. Mäkler von den Märkten. Auf dieses Privileg gestützt, verwahren sich die Zünfte in unzähligen Beschwerdeschriften gegen die jüd. Marktfahrer bis in das XIX. Jahrhundert und protestieren besonders entrüstet gegen die Niederlassung des ersten Juden Markus Holländer im Jahre 1794, die Obrigkeit bittend, „daß ihm jedweder Handel mit Wein, Wolle, Antimon u. dgl., womit er Wucher treibt und den Bürgern des Städtchens Brot vom Munde stiehlt, verboten werde". Markus Holländer, ein begüterter und hochgebildeter Mann, der aus Tarnopol stammte und schon zu jener Zeit als Millionär galt, verstand es, sich bei den höchsten Stellen, selbst beim Wiener Hofe, seine Wege zu ebnen und er könnt trotz aller Proteste der Städter unter dem Schutze der Hofämter in Eperies sein Haus zu bauen. Als sich die städtischen Bürger ins Unabänderliche schweren Herzens fügten und Markus Holländer als ersten jüdischen Bürger aufnahmen, spendete er der Stadt einen Neptun-Brunnen, welcher heute noch den Hauptplatz ziert. Bezeichnend ist, daß der Sohn dieses Markus Holländer, Leo Holländer, ein beherzter Vorkämpfer der Gleichberechtigung der Juden, im ungarischen Freiheitskampfe 1848 mit seinen beiden Söhnen für die ungarische Freiheit kämpfte, Honvedmajor und Intendant der Festung Komorn wurde. Ein großes Aktenmaterial bezieht sich auf die Toleranzsteuer. Ein dickes Aktenbündel schildert den Kampf der Hundsdorfer Juden wegen Zulassung zu den oberungarischen Märkten und gegen ihre Brandschatzung seitens der Marktaufseher. Aus dem Jahre 1827, stammt eine in klassischem Latein verfaßte Huldigungsadresse der Säroser Juden aus der Feder des Polyhistorikers Jakob Frühauf in Somos. Der „Schenoderkasten" aus dem Jahre 1846 verewigt die Namen der ersten jüd. Ansässigen in 226