Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 3 (März 1931)
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 216 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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keiner Weise nachsteht und daß es heute das einzige Buch ist, aus dem ein ernster Leser ein Bild des Chassidismus und seiner eigenartigen Unweit gewinnen kann. Der 2. Band soll den Verfall des Chassidismus behandeln, insbes. die Zeit des Religions- und Kulturkampfes, welchen die Chassidim und Aufklärer gegeneinander ausfochten. J. L. Josef Kastein, Sabbatei Zewi, der Messias von Ismir. 385 S. Ernst Rowohlt Verlag Berlin. Das ungewöhnliche Schicksal Sabbatais Zewis, dieses romantischen betrogenen Betrügers, hat schon viele zur Aufhellung dieses sonderbaren Menschenrätsels gereizt. Sab. Zewi ist*aus dem Sinne seiner Zeit zu verstehen. Ein Volk, dessen Glaube, Geistigkeit und Volkstum keinen Ort hatte, das trotz der räumlichen und zeitlichen Entfernung nie aufgehört hat, im Orient und in der Vergangenheit zu leben, dessen Messiasglaube nie erstorben ist, mußte dem Zauber eines neuen Propheten erliegen, dessen Persönlichkeit all jene Sehnsucht zu erfüllen schien, die ihrem Dasein Sinn und Hoffnung gab. Kasteins Darstellung liest sich wie ein Roman. Der Aufstieg und Abstieg des Mannes, der zuerst gesegnet und dann verflucht, sein kümmerliches Dasein in der Verbannung beendet, da er nicht mehr Gelegenheit hat, auf eine gläubige Menge faszinierend zu wirken, ward zuletzt Legende, weil die Menschen ohne eine solche nicht leben können. So erfüllt sich im Schicksal Sab. Zewis die alte Sehnsucht der Menschheit von der Erlösung und zugleich ihre Tragik, daß sie die Werkzeuge, deren sie sich bedient, zerbricht, nachdem diese ihre Aufgabe vollendet. J. L. Josef Klausner, Jesus von Nazareth. Jüdischer Verlag in Berlin. 581 S. Die Originalausgabe ist hebräisch. Was uns vorliegt, ist eine deutsche Übersetzung des Autors. Über Jesus ist schon viel geschrieben worden. Die populärsten Darstellungen von Renan und Strauß gingen mehr auf die mythische Persönlichkeit Jesus, Emil Ludwig gibt eine mehr volksbuchartige Darstellung, das Werk Klausners, ausgerüstet mit allem historischen und literarischen Fundament, bemüht sich vor allem um 2 Probleme: Das Christentum wurde in Israels Mitte geboren, aber Israel als Volk hat es mit aller Macht zurückgestoßen. Worin lag der Grund? Und die zweite Tatsache: Jesus lebte und starb als Jude, während seine Jünger 216