Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 2 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 101 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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vornehmsten, reichsten und industriellsten Juden aus der ganzen Welt ziehen'7, um mit ihrer Hilfe den afrikanisch-asiatischen Kolonialhandel zu okkupieren, was Napoleon leicht durchführbar erscheine, weil die Juden an eine Wiederherstellung der „Unabhängigkeit des israelitischen Volkes in Jerusalem" felsenfest glauben. Diesen Anschauungen huldigte nach Ansicht der Polizei nur ein Teil der Judenschaft. Andere „Juden von großer Einsicht" glaubten, daß die französische Regierung mit der Eröffnung der Nocabelnversammlung nichts anderes unternehmen, als „einen bloßen Reformationsversuch,- um auch in der jüdischen Religionssache Epoche zu •mache n". Wenn auch die Polizeibehörde in ihrer Angst vor dem Napoleonischen Sanhedrin, selbst das Gespenst einer jüdischen staatlichen Unabhängigkeitsbewegung zu sehen glaubte, so mußte sie doch bei sachlicher Prüfung der Äußerungen der einzelnen Juden zur Einsicht gelangen, daß die mährische Judenschaft fest entschlossen war, in ihrer „bisherigen Heimat und gegenwärtigen Verfassung" zu verbleiben, sowie unter den größten Opfern an den talmudischen Religionsgrundsätzen festzuhalten. Umsomehr war die Polizeibehörde beruhigt, als sie bestimmt erklären konnte, daß die mährische Judenschaft keine Aufforderung zur Teilnahme am Sanhedrin erhalten und auch kein Jude auf geheimen Wegen nach Paris sich begeben hatte. Trotzdem aber sollte auch Mähren eine eigenartige Episode im Zusammenhange mit dem Sanhedrin in Paris haben. Am 4. Dezember übermittelte Graf Lazansky der Polizeihofstelle einen Bericht über geheime Erhebungen, die im Iglauer Kreise über die Stimmung der Judenschaft angestellt wurden. Bei diesen wurde festgestellt, daß der Groß-Meseritscher jüdische Lehrer Abraham Beer von seinem Bekannten aus Ofen, Isak Blumer, der im dortigen jüdischen Handelshause Simon Rosenfeld den Dienst eines bescheidenen Buchhalters versah, Berichte über die Verhandlungen der jüdischen Deputierten in Paris erhalte. In einem Briefe wurde auch der Aufruf der NQtabelnversammlung an alle jüdischen Ge- 101