Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 2 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 99 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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Die böhmisch-mährischen Juden und das Napoleonische Sanhedrin. Von Dr. N. M. Gelber, Wien. (Schluß.) Die dortige Polizeibehörde wurde daher beauftragt, zu erheben, welche Wirkungen die Nachricht über die Einberufung des Sanhedrin auf die Juden „vorzüglich aber auf Rabbiner und Lehrer" hervorgerufen und ob speziell der wegen seiner wissenschaftlichen Bildung in großen* Ansehen stehende Jude Falk B e r, dann der Landesrabbiner irgendwelche Aufforderung zur Teilnahme erhalten haben. Die Polizeibehörde berichtete, daß die Juden ^bereits durch Zeitungen von der Abhaltung der Notabelnversammlung in Kenntnis gesetzt wurden, aber keine Einladung erhalten haben. Die Tendenzen der Notabelnversammlung haben bei sämtlichen Juden, die durchwegs „talmudtreu" waren, eine ungünstige Stimmung hervorgerufen. Schon die von der französischen Regierung vorgelegten Fragen riefen bei den hiesigen Rabbinern und Lehrern Widerwillen hervor, da sie die berechtigte Angst hatten, Napoleon wolle im Wege der Notabelnversammlung die talmudischen Grundsätze des Judentums zu nichte machen. Die von Napoleon vorgelegten Fragen ständen nach Ansicht der frommen Juden mit den strengen Grundsätzen des Talmuds keineswegs im Einklänge. Ja, sie gingen noch weiter und vertraten offen die Ansicht, daß die Erteilung der bürgerlichen Rechte an die Juden unter der Bedingung, daß sie vom Talmud ablassen, einem Übertritte zum Christentum gleichkommen würde. Die einstimmige Meinung »der mährischen Rabbiner und gelehrten Juden sei, von den strengen Talmudlehren nicht im mindesten nachzulassen und „d a ß man sie hiezu nur mit dem Schwerte in der Hand beugen und zwingen würd e". Die hierländisehen Juden halten auf die in Frankreich versammelten Rabbiner sehr wenig. Ihrer Ansicht nach müssen es „entweder junge im Talimud unerfahrene oder neue Schöngeister oder nurSchwärmer von der Lehre des 4 99