Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 2 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 76 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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hat er den schwierigen und aufreibenden Dienst im Katalogzimmer versehen und hier hatte er besonders Gelegenheit, sein erstaunliches bibliographisches Wissen und seine umfangreiche Bücherkenntnis, seine selbstlose, nie versagende Hingabe im Dienste der Benutzer, Studierender und Gelehrter, zu bekunden. Von der Tätigkeit und den Aufgaben des Bibliothekars, zumal an einer großen öffentlichen Bibliothek und im Besonderen an unserer Universitätsbibliothek, die zu den am stärksten benützten gehört, macht man sich gemeinhin keine rechte Vorstellung. Der einzelne Benützer kennt nur den ihn betreffenden Bruchteil, die Mittätigen überblicken das Ganze und das Maß der Arbeit. Übergroß ist die Zahl jener, denen Dr. Holzmann wesentliche Hilfe geleistet hat, es dürften ihrer Hunderte sein. Sie alle werden seiner mit Wehmut und Dankbarkeit gedenken. Der Bibliotheksdienst verlangt hohen Idealismus und bietet-weder materielle Güter noch äußeren Glanz. Gilt das im Allgemeinen, so ganz besonders bei uns. Daraus erwuchsen die Schwierigkeiten in Holzmanns Aufstieg. Aber es darf an dieser Stelle bemerkt werden: Hof rat Dr. Michael Holzmanns Laufbahn als Bibliothekar war eine ehrenvolle, er hat das ihm Erreichbare erreicht und an Anerkennung und Förderung hat es ihm nicht gefehlt. Nicht nur der gelehrte Bibliothekar und der kenntnisreiche Bibliograph, sondern auch der Mensch Holzmann wurde geschätzt und erfreute sich großer Sympathien: mit seinen kleinen Schwächen — wer hätte die nicht — und seinen großen Vorzügen. So schwer sich alle, die Holzmann nahestanden, durch sein jähes Hinscheiden getroffen fühlen, so müssen sie es doch tröstlich empfinden, daß ihm ein rascher schmerzloser Tod ohne Siechtum beschieden war und ihm zuteil wurde, was die Griechen so hoch schätzten, die Euthanasia. Aber auch daran müssen sie denken, daß ein gütiges Geschick ihm, der vor 10 Jahren infolge einer schweren Depression zwei Jahre arbeitsunfähig war, sich wieder erholte und seine geistige Frische und rege Arbeitsfreude gewann, daß auch ein Unfall, der Übles drohte, überwunden wurde, und daß ihm noch 8 arbeits- und ertragsreiche Jahre beschieden waren, die er vornehmlich seiner umfangreichen bio-bibliographischen Sammlung zur Geschichte der Juden im alten Österreich und den Beiträgen zur Geschichte der Juden in seinem Heimatslande Mähren widmete. 76