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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1930-12-01 · 2 (Dezember 1930) · p. Seite 75

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
1 (1930-1931)
Issue
2 (Dezember 1930)
Date
1930-12-01
Page
Seite 75 (sequence 12)
Language
German
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Nachruf für Dr. Michael Holzmann gehalten am 23. Oktober 1930. Von Direktor a. D. Hofrat Professor Dr. S. Frankfurter, Wien. In tiefer Wehmut trete ich an diese Bahre, um dem jüngeren Weggenossen die letzten Grüße zu entbieten. Als ich vorgestern in die Universitätsbibliothek kam und mir ein Beamter mitteilte, Dr. Holzmann sei in der Nacht vorher infolge eines Schlaganfalls gestorben, da war ich umso mehr erschüttert, als mir von einer Krankheit nichts bekannt war, und, was ich von ihm wußte, ein so jähes Ende nicht vermuten ließ. Er war auch nicht krank, ja er arbeitete noch am Tage vorher eifrig, schrieb am Abend Briefe, ging zu Bett, wachte dann aber auf und sagte seiner Frau, es sei ihm schlecht, und bald darauf, es gehe nun zu Ende, er werde sterben. Und diesmal trog ihn nicht seine Todesahnung, sie erfüllte sich, sanft und schmerzlos hauchte er seine Seele aus. So ergreifend es ist, daß ein uns so nahestehender wertvoller Mensch mitten aus dem Leben und aus rastloser Arbeit durch den unerbittlichen Tod hinweggerafft wird, mit der traurigen Tatsache muß man sich abfinden und uns bleibt die Erinnerung. Und so drängte sich mir sofort und noch nachhaltiger seither sein nunmehr abgeschlossenes Leben auf. An Lebensjahren und noch mehr an Dienstjahren älter als er, habe ich, mehr als ein Menschenalter mit ihm in gemeinsamer Tätigkeit verbunden, an allem, was ihn betraf, so sehr Anteil genommen, daß ich wohl sagen darf, mit seinem Wesen und Wirken am meisten vertraut zu sein. Als älterer Kollege und dann als Direktor kann ich wohl am besten seine Lebensarbeit beurteilen, die er in seinem amtlichen Wirken und in seinem literarischen Schaffen geleistet hat. In seiner nimmermüden rastlosen Tätigkeit hat er. ein übergroßes Arbeitsquantum bewältigt. Fast bis zum Schlüsse seines Wirkens an unserer Universitätsbibliothek hat er, um nur das Bedeutsamste hervorzuheben, das umfangreiche Referat über die deutsche Sprache und Literatur geführt und alle einschlägigen Arbeiten allein gemacht und mehr als zwei Dezennien 75

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