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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1930-09-01 · 1 (September 1930) · p. Seite 55

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
1 (1930-1931)
Issue
1 (September 1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 55 (sequence 57)
Language
German
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obersten Kanzlers in Angelegenheit des bevorstehenden jüdischen Sanhedrin in Paris erhalten und sich sogleich zum Stadthauptmann Hofrat Hartmann begeben habe, um ihn über die zu treffenden Maßnahmen zu belehren. Er habe auch eine schriftliche Verordnung an alle Kreishauptleute des Königreiches Böhmen mit „S t a f f e tt e n" abgehen lassen, um auf diese Weise „d en nötigen Eifer rege zu mache n", die entscheidenden Vorkehrungen mit Nachdruck zu treffen. Er habe auch dem Postoffizier Schöbe! den mündlichen Auftrag erteilt, die Korrespondenz der Juden zu überwachen, um auf diese Weise über alles informiert zu sein. Hofrat Hartmann behandelte die Weisung der Polizeihofstelle überaus genau. Er hatte sofort nach Erhalt der Weisung, über die Stimmung der Judenschaft einen Bericht zu erstatten, sich alle Mühe gegeben, in Kenntnis zu gelangen, ob tatsächlich an die Judenschaft Böhmens eine Einladung zur Teilahme am Sanhedrin ergangen war. Schon am 16. Oktober 1806 konnte er der Polizeihofstelle mitteilen, daß bis zu diesem Zeitpunkt keinerlei Einladung an die Prager Synagoge eingelangt sei, sollte aber doch eine eintreffen, so hoffe er in den Besitz derselben zu gelangen. Gelegentlich dieser Mitteilung berichtete auch Hartmann, daß die „sogenannten Rechtgläubige n", die seiner Meinung nach noch immer den größeren Teil der Juden bildeten, gegen das Sanhedrin in Paris, sowie die damit verbundenen Neuerungen gestimmt sind. Nur geringe Teile der böhmischen Judenschaft versprechen sich einen Erfolg von der Änderung, die Napoleon durchzuführen beabsichtige, aber auch dies sei mehr als Schwärmerei zu betrachten. Die Orthodoxie und auch die anderen Juden sind überzeugt, daß die französische Regierung „darunter (Sanhedrin) einen Plan verborgen hält, der wohl nicht der Juden Nutzen wegen ersonnen sein könnt e". Auf Grund dieses Berichtes hatte Graf Sumerau sofort in einer speziellen Note 1) Kaiser Franz versichert, daß der Gubernialrat und Stadthauptmann Hartmann eirten beruhigenden Bericht eingeschickt habe, dem zu entnehmen sei, daß die Entwürfe Napoleons zur „sogenannten Wiedergeburt der jüdischen *) Wr. St. Archiv: Hof- und Staatskanzleiakten No. 1426 v. 22. Oktober imß. 55

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