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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1930-09-01 · 1 (September 1930) · p. Seite 54

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
1 (1930-1931)
Issue
1 (September 1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 54 (sequence 56)
Language
German
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Die böhmisch-mährischen Juden und das Napoleonische Sanhedrin. Von Dr. N. M. Gelber, Wien. In* Böhmen und Mähren war zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Lage der Judenschaft bei weitem besser, als die der übrigen österreichischen Provinzen. Mit dem Patent vom 3. August 1797, war die Regierung bemüht, hier die Juden nach den Grundsätzen der Toleranz der bürgerlichen Gleichberechtigung näherzubringen und die Unterschiede zwischen den christlichen und jüdischen Untertanen allmählich aufzuheben. Insgesamt betrug um das Jahr 1803 die Anzahl der Juden in Böhmen und Mähren 76.014 Seelen1). Es war daher klar, daß die Polizeihofstelle angesichts dieser recht ansehnlichen Judenanzahl, als auch der hier bei weitem stärker verbreiteten Aufklärungsbewegung die berechtigte Angst hatte, die Judenschaft dieser Provinzen könnte mit der von Napoleon einberufenen Notabetaversammlung sympathisieren und gegebenenfalls vielleicht auch Vertreter nach Paris delegieren. Aus diesem Grunde allein hatte der oberste Chef der Polizeihofstelle, Freiherr von Sumerau in einer speziellen Instruktion sowohl dem Landeschef von Böhmen, als auch dem Gouverneur von Mähren den Auftrag erteilt, auf die Stimmung der Judenschaft ihrer Provinzen hinsichtlich der napoleonischen Judenpolitik strengstens zu achten und Vorsichtsmaßregeln zu treffen, um deren Beeinflussung von Paris aus zu verhindern. Am 9. Oktober 1806 teilte der Oberstburggraf von Böhmen, Graf Wallis der Polizeihofstelle mit, daß er die Weisung des *) In den übrigen österreichischen Provinzen betrug die Anzahl der Juden wie folgt: Österreich ober der Enns und unter der Enns 1496 Seelen, Krain, Görz und Gradiska 381, Ostgalizien (Bukowina inbegriffen) 108.9Ö5, Westgalizien 95.586, Siebenbürgen 2108, Triester Bezirk 1262, Ungarn 80.804, in den Militärgrenzen (Slavonien, Banat, Karlstadt, Varasdin) 475, Steiermark, Kärnten zählten gar keine Juden, insgesamt betrug die Zahl der österreichischen und ungarischen Juden 457.19Ö Seelen. (Arch. d. Mim. d. Innern, Konskriptionstabelle vom Jahre 1803.) 54

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