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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1930-09-01 · 1 (September 1930) · p. Seite 49

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
1 (1930-1931)
Issue
1 (September 1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 49 (sequence 51)
Language
German
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Frau Anna von Sulevic, gegen die er „ein Pergament mit hängendem Siegel" besitzt und welche Schuld beim Amte des Obersten Burggrafen registriert ist, verhelfen. Noch bediente sich eine kurze Zeit das Ober-Burggrafenamt im Verkehr mit den Juden der tschechischen Sprache, jedoch die Korrespondenz Ferdinand I. ist ausschließlich in deutscher Sprache. Der erste Brief, den die Juden an König Ferdinand richten un'd der die Bitte enthält, er möge ihnen die außerordentliche Steuer von 3000 Gulden erlassen, dieser erste deutsche Brief ist aus dem Jahre 1528. Dem Beispiele des Königs folgten bald die Ämter; so finden wir in kurzer Zeit eine große Anzahl deutscher Urkunden, die Judenangelegenheiten betreffend. Diese sind jedoch nicht mehr — wie bisher — mit den Namen der Obersten Beamten unterfertigt, sondern tragen die anonyme Zeichnung „die verordneten Cammerrat im Königreich Behaim", oder „von den Cammerräthen". Jenes selbstbewußte Auftreten, welches wir in den Amtshandlungen des Zdenek Lev z R. bewundern konnten, finden wir nicht bei seinen Nachfolgern. Und doch waren es keine Fremden, diese obersten Landesbeamten: Jan z Wartemberka, Vojtech z Pernstejna und Radslav Bofkovsky decken sich hier in der kameralen Anonymität. Anfangs nehmen sich diese ihrer unterdrückten und aus zahlreichen Städten Böhmens herausgedrängten Juden an, so z. B. in einem Schreiben an den Rat der Stadt Saaz voim 5. September 1530.14) Auch schlichteten sie die Zwistigkeiten unter den Juden selbst;12) doch schon im J. 1533 liegen lange Eingaben dieser „Camimerräthe" vor, in denen sie selbst sichtlich gegen die Juden hetzen.12) So kann es ums nicht wundern, wenn die Prager Hefe Judenschlägereien unternahm und daß, wo sich ein Jude nur zeigte, er gleich gesteinigt wurde. Von dieser Zügellosigkeit spricht ein Schreiben der Kammerräte vom. 9. Juli 1533, — es ist gerade das erste „deutsche" Schriftstück —, doch welch ein erbärmliches Deutsch schreiben diese Kammerräte! Schon die erste Zeile liest sich sehr grotesk! (Die Überschrift des Schreibens:) „Die Juden zu Prag, daß man über sie klopft hat, betreffend" (betrifft die Judenschlägerei!). Von da an schließt die Zeit der Ruhe und der Sicherheit der Juden, bis— am 12. September 1541, an welchem Tage die versammelten Stände den Beschluß fassen, „die Juden sollen des Landes verwiesen werden und die Frist hiezu soll tunlichst kurz 49

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