Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 1 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 37 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Über die zweite Ansiedlung der Juden in Lundenburg. Von Dr. Heinrich Schwenger, Lundenburg. Im Jahre 1651 wurden die Juden aus Feldsberg vertrieben, die armen Heimatlosen wendeten sich an den Fürsten Karl Eusebius Liechtenstein und dessen Gemahlin Fürstin Johanna Beatrix, welche den Vetriebenen eine Freistatt auf ihren in der Nähe liegenden Herrschaften Kostel, Eisgrub, Lundenburg gewährten. Dieser Ort sollte zunächst nur als einstweilige Herberge dienen; die aus Feldsberg vertriebenen Juden mußten, bei den christlichen Untertanen des Fürsten Liechtenstein einquartiert werden, da zu dieser Zeit keine Juden in. Lundenburg wohnhaft waren; einige Jahre vorher, im dreißigjährigen Kriege nämlich, wurde die jüdische Gemeinde vernichtet, nur der Name „der jüdische wüste Platz" gab Kunde von der einstigen Ansiedlung der Juden in Lundenburg. (Näheres darüber in meiner Geschichte der Juden in Lundenburg in dem Sammelwerke: „Die Juden und Judengemeinden Mährens in Vergangenheit und Gegenwart", S. 321, herausgegeben vonHugo Gold, Brünn 1929.) Der damalige Herrschaftshauptmann Johann Pokorny in Lundenburg war den aus Feldsberg Vertriebenen gewogen und bestrebt, ihre Ansiedlung dauernd zu gestalten; sein praktischer Kopf berechnete bald, wieviel „der jüdische wüste Platz", infolge der Ansiedlung der Feldsberger Exulanten auf demselben in der Zukunft als Zinserträgnis abwerfen könnte. In wiederholten Bittgesuchen an. den Fürsten Liechtenstein und dessen Gemahlin betont Pokorny, daß „der jüdische wüste Platz" bis nun keinen Nutzen gebe, weder Häuser noch Ähren erheben sich dort, höchstens würde man Pflug und Sense auf demselben in Gefahr bringen; kein Christ wolle sich daselbst ansiedeln, da hiezu gar keine Grundstücke, wie zu den christlichen Häusern gehören. Die aus Feldsberg Vertriebenen aus Lundenburg nach Kostel zu transferieren und hier anzusiedeln, sei unmöglich, da letzterer Ort schon von zahlreichen Juden bewohnt sei und,weitere nicht fassen könne; ein entsprechender Befehl des Fürsten Liechtenstein in diesem 37