Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 24 (10.12.1833)
- Date
- 1833-12-10
- Page
- Seite 196 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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196 Nordamerikas, Frankreichs, der Niederlande und Kurhessens und unsere Gegner scheinen nichts Verwerfliches in einer solchen Herrschaft zu finden. Oder behauptet Zhr gar, jene wahnsinnigen Träume hatten dem Zudenthume das Schwerdt Und die Fackel zur Vertilgung der Ungläubigen in die Hand gegeben, um die eherne Herrschaft des Einen Glaubens auf Blutvergießen und Scheiterhaufen zu gründen? Wenn Zhr das behauptet, so verläumdet Zhr: denn die verwegensten Messias-Hoffnungen sind rein von solchen frevelhaften Traumen. Aber woher kommt Ihr zu solchen schrecklichen Vermuthungen? Scheint es doch fast, als habet Ihr die Euren Augen vorüberrollenden Blutfeenen aus der Geschichte der Religionsverfolgungen in der finsteren Kammer Eures feindseligen Argwohns und Eures bösen Gewissens aufgefangen und aus den flüchtigen Bildern mit Umkehrung der Rollen ein verworrenes Gemälde zusammengesetzt von den Gesinnungen Derer, die Zhr schmähen wollet.' Denn alles Das, was Zhr den ohnmächtigen Phantafleen der Zuden als ihr einstiges Werk einzugeben beliebet, das ist draußen in gräßlicher, kraftvoller Wirk, lichkeit an ihnen selber geübt worden; dem blaffen Traume entspricht eine blutrothe Wahrheit; nur daß der Sieger des Traumes das blutende Opfer draußen im Leben ist. Für jede machtlose Verwünschung, die Ihr uns zur Last legt, können wir Euch Tausend Gemordete, denen die Angst des Todes jene Verwünschung ausgepreßt, für jedes qualvolle Gebet um die Rache des Himmels Tausend Missethaten, die, mächtiger, als jene Gebete, die gerechte Strafe des Himmels herabgerufen , entgegenhalten. Und was verlangen wir denn nach allem dem so Unerhörtes, so schwer zu ErWendes? Nichts Arideres, als daß Zhr vergesset des chnmachtigen Hasses der Leidenden, wie Zhr des zerstörenden Hasses der Uebermächtigen, vergessen zu haben scheinet. Wir haben den» Christenrhume die Missechaten, die nicht in seinem Geiste, aber in seinem Namen verübt worden, langst vergeben: nun so vergebe es denn uns endlich, daß wir sie gelitten l Wir verlangen, was die Gegenwart angeht, daß man nicht uns.angedichtete Lieblosigkeit und Vorurtheil zum Verbrechen mache und mit der eignen Lieblosigkeit und dem eignen Vorurtheil sich brüste; was die Vergangenheit betrifft, daß man die Gemordeten mit den Mördern friedlich im Grabe ruhen lasse und nicht Zene allem herauf beschwöre, um mit ihnen zu rechten für Sünden, die an ihnen begangen worden, für Zrrthümer, die sie wahrlich schwerer, als billig, gebüßt, und um die frohe, frische Gegenwart zu ängstigen und irre zu machen durch den Spuck trübseliger Gespenster Wir verlangen, daß des uralten Wahnes der Auserwah-. lung nicht in gehässigem Sinne gedacht werde, wie man ja gerne des jüngeren Wahnes der Verdammniß Audersglaubender nicht gedenkt; daß die Schuld des zwiefachen Haffes, der uns allein schmerzliche und tiefe Wunden geschlagen, unseren Gegnern nur Anlaß zum Spotte gegeben, als ausgeglichen betrachtet und die Hinwegraumung der letzten Spuren des Zwiespalts mit gerechtem Vertrauen dem guten Geiste der Menschheit, der freien, offenen Berührung freier Menschen, der freien, durch keine ungerechte Schranken gehemmten Entwickelung und Ausbildung der Geister anheimgestellt werde. Aber wer diese Ausbildung in aufrichtiger Gesinnung will, der muß sie in enger Verbindung mir jener Freiheit wollen, durch die sie bedingt ist, in welcher sie ihren Stützpunkt und ihre Lebenskraft sinder. Mit der gebundenen Stellung vertragt fich am Vesten der gebundene Sinn; Freiheit des Geistes ohne Freiheit der Kraft und der.Bewegung ist eine irrende Seele ohne Leib und ohne Heimath, die nicht zur Ruhe kommen kann; ihr ganzes Dasein ist Schmerz und Kampf, bis das Recht ihre Wunden geheilt und der Sieg ihr die Freiheit des äußeren Lebens errungen. Darum, wenn Zhr uns die Freiheit langer rauben wollet, ersparet Euch die heuchlerische Bemühung um unsere Bildung, durch die Ihr Keinen mehr täuscht, und entweihet das heilige Wort nicht durch Eure knechtische Dem tung! (Die Fortsetzung folgt.) Gedruckt Set Hammerich und Lesser in Altona.